Selbst unter den günstigsten Umständen ist Krieg kein Spaziergang. Die besten Pläne sind Makulatur, sobald die Kämpfe beginnen. Der Iran-Krieg des Jahres 2026 ist dafür nur das jüngste Beispiel. Präsident Donald Trump hatte wahrscheinlich mit einer Enthauptung der Führung nach venezolanischem Vorbild gerechnet, doch die Islamischen Revolutionsgarden machten diese Hoffnung zunichte. Daraufhin setzte Trump seine Hoffnungen auf den Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Ghalibaf. Doch Ghalibaf war keine Delcy Rodríguez. Während sich die venezolanische Vizepräsidentin darauf vorbereitet hatte, die Macht zu übernehmen, nachdem US-Streitkräfte den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro gefangen genommen hatten, verfügte Ghalibaf über keinerlei vergleichbare Macht: Seinem Ehrgeiz fehlte sowohl die Unterstützung der Bevölkerung als auch der Institutionen.
Da Iran nun erneut Schiffe in der Straße von Hormus angreift, rückt das US-Militär immer näher an eine Einnahme jener Inseln heran, die die iranische Marine als Ausgangspunkte für Angriffe mit kleinen Booten und Drohnen auf die internationale Schifffahrt nutzt. Die drei strategisch vielleicht wichtigsten Inseln sind Abu Musa sowie Groß-Tonb und Klein-Tonb. Abu Musa liegt mitten in der nördlichen Zufahrt zur Straße von Hormus, während sich die Tonb-Inseln unmittelbar in den Schifffahrtsrouten befinden. Ihre strategische Lage und die mit ihnen verbundenen Hoheitsgewässer waren der Grund dafür, dass Iran die Inseln 1971 besetzte, als die Briten abzogen und sich darauf vorbereiteten, sie an die Emiratis zu übergeben. Abu Musa liegt nur 50 Meilen von der iranischen Küste und 40 Meilen von der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate entfernt. Die Insel befindet sich lediglich zehn Meilen von der Straße von Hormus entfernt. Der Tankerverkehr muss zwischen ihr und den Tonb-Inseln hindurchfahren, was Iran einen strategischen Hebel verschafft.
Nach der Islamischen Revolution und vor dem Hintergrund des Iran-Irak-Krieges verwandelten die Islamischen Revolutionsgarden die Inseln in Militärgarnisonen. Im Jahr 2012 besuchte der damalige Kommandeur der Revolutionsgarden, Mohammad Ali Dschafari, die auf allen drei Inseln stationierten Truppen. Von Abu Musa aus erklärte er gegenüber den Golfarabern:
„Wir reichen den islamischen Ländern, insbesondere den Ländern am südlichen Persischen Golf, die Hand der Freundschaft und Brüderlichkeit. Wir fordern sie auf, einander zu helfen und in Einigkeit und Brüderlichkeit die Hand der globalen Arroganz [der Vereinigten Staaten] aus der Region abzuschneiden und selbst für die Sicherheit der Gewässer und Küsten zu sorgen.“
Auf Abu Musa gelagerte Chemiewaffen?
Sollten US-Marines oder ihre emiratischen Verbündeten die Inseln einnehmen, wird ihre erste Sorge darin bestehen, sich gegen den unvermeidlichen Beschuss mit ballistischen Raketen oder Drohnen zu schützen. Abu Musa könnte allerdings eine noch größere Herausforderung darstellen: Seit Jahrzehnten gibt es Gerüchte, dass die Insel eines der wichtigsten Chemiewaffenlager Irans beherbergt. Am 22. März 1995 teilte das Pentagon mit, es beobachte sowohl den Truppenaufmarsch auf Abu Musa als auch die dort gelagerten Chemiewaffen mit wachsender Sorge. Die iranischen Behörden bestritten dies später.
Als die Emiratis vor etwa 15 Jahren im Stillen eine Vereinbarung erwogen, nach der sie wieder die Kontrolle über die Insel selbst übernehmen, den Iranern jedoch die Kontrolle über die Hoheitsgewässer überlassen sollten, scheiterte der Vorschlag unter anderem an der notwendigen Dekontamination infolge der unsachgemäßen Lagerung von Chemiewaffen.
Der Veteran der Operation Desert Storm, James Deitch, wies zwar auf die allgemeine Gefahr eines Chemiewaffeneinsatzes gegen amerikanische Soldaten hin, die die Inseln einnehmen sollen. Bei seiner Warnung blieb jedoch unberücksichtigt, dass viele dieser Waffen dort stationiert sind oder zumindest zeitweise dort gelagert wurden. Selbst wenn keine Chemiewaffen eingesetzt werden, darf bei den Planungen nicht versäumt werden, die nach Abu Musa entsandten Marines in die Lage zu versetzen, sich vor der massiven Umweltverseuchung der Insel zu schützen.
Sollten sich die US-Marines dazu entschließen, können sie Abu Musa wahrscheinlich innerhalb von weniger als einem Tag einnehmen. Doch ebenso, wie Soldaten infolge des Kontakts mit Agent Orange im Vietnamkrieg und mit den offenen Müllverbrennungsgruben während der Kriege im Irak und in Afghanistan nach und nach Krebserkrankungen erlagen, stellen Chemiewaffenrückstände auf Abu Musa eine Gefahr dar, die militärische Planer nicht ignorieren sollten.
Dieser Beitrag erschien zuerst im Middle East Forum hier.
Michael Rubin ist auf den Iran, die Türkei und das Horn von Afrika spezialisiert. Zu seiner beruflichen Laufbahn gehört eine Tätigkeit als Mitarbeiter des Pentagon. Außerdem sammelte er Erfahrungen vor Ort im Iran, im Jemen und im Irak und hatte bereits vor den Terroranschlägen vom 11. September Kontakte zu den Taliban. Rubin war darüber hinaus in der militärischen Ausbildung tätig und unterrichtete Einheiten der US Navy und des US Marine Corps über regionale Konflikte und Terrorismus. Zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten gehören mehrere bedeutende Veröffentlichungen, darunter „Dancing with the Devil“ und „Eternal Iran“. Rubin erwarb an der Yale University einen Doktortitel und einen Masterabschluss in Geschichte sowie einen Bachelorabschluss in Biologie.
Beitragsbild: Department of the Interior/USGS - U.S. Geological Survey, Gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Das sagt die KI völlig korrekt: „Irans religiöse Ablehnung chemischer und unkonventioneller Waffen geht auf den Iran-Irak-Krieg zurück, in dem der Oberste Führer Ruhollah Khomeini die Herstellung und den Einsatz chemischer Waffen (haram) verbot, obwohl irakische Streitkräfte diese massiv gegen iranische Truppen einsetzten. Dieses grundlegende Urteil wurde später unter Ayatollah Ali Khamenei auf alle Massenvernichtungswaffen ausgeweitet.“
Es war unglaublich dumm, dass Israel und die USA den Krieg gegen den Iran nicht nur während laufender Verhandlungen, sondern auch mit einem tödlichen Angriff auf Khamenei und dessen Familie begannen.
Hallo Herr Rubin,
diese Nummer ist seit dem Irakkrieg leider ausgelutscht. Ab und zu einfach mal eine neue Lüge der staunenden Weltöffentlichkeit präsentieren – nein, die Amerikaner werden nicht für euch im Iran sterben – das wird kein US-Präsident innenpolitisch überleben, vielleicht die Deutschen, das kann man sich vorstellen.
@Ralf.Michael: Doch, man hat die mobilen Biolabore von Saddam Hussein gefunden – allerdings in der Ukraine.
Es wird immer schwieriger, den Gedankengängen auf der Achse zu folgen… schade
@ Poth Seit Voltaire ist alles gesagt. ;) Aber Danke. Erinnern Sie sich noch: Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk. Heute: Wir sind ein dummes Volk. Wir sind ein aussterbendes Volk.
Es geht auch einfacher: alles dem Erdboden gleich machen. Ich wundere mich in diesem Fall über Trumps Inkonsequenz.
@ V. Kleinophorst:
Besser kann man es nicht treffen, damit ist alles gesagt und eingenordet.