Von Nathan Gelbart.
Lieber Henryk,
zu Deinem 70. Geburtstag hat man mich gebeten, an unsere "schönsten" Prozesse zu erinnern.
Vor Gericht und auf hoher See, heißt es oft, sei man in Gottes Hand. Das ist natürlich Quatsch, wie Du weißt. Vor Gericht braucht man mehr als göttlichen Beistand: Klar, ein guter Anwalt ist wichtig. Aber vor allem braucht dieser einen guten und selbst mitdenkenden Mandanten. Und wenn man wie Du keine Auseinandersetzung scheut: einen sehr guten Mandanten.
Mit stolzer Bescheidenheit bemerkt, gingen wir gemeinsam mit der Kollegin Katy Ritzmann zumeist als Sieger vom Platz. Es begann mit dem »israelkritischen« Friedensrentner aus Westfalen und ging mit dem semitischen Bruchpiloten aus Frankfurt-Süd weiter. Auch die strafrechtliche Meinungsverschiedenheit mit den bayerischen Filialen der »Erben Freislers« konnten wir bis zum höchsten bayerischen Spruchkörper erfolgreich beenden. Du hattest mit Blick auf die deutsche Justiz gesagt: »Es bleibt der Hautgout, dass die Erben der Firma Freisler entscheiden, was antisemitisch ist und was nicht.«
Weil sich Eberhard Kramer, der Präsident des Frankfurter Landgerichts, dadurch in die Nähe des Volksgerichtshofs gerückt sah, stellte er wegen Beleidigung Strafantrag gegen Dich und erwirkte einen Strafbefehl über 16.000 Euro. Rückt Dein Satz ein Gericht wirklich in die Nähe des Volksgerichtshofs unter Präsident Roland Freisler, den die Nationalsozialisten einsetzten? Nein, entschied das Amtsgericht München und sprach Dich vom Vorwurf der Beleidigung frei. Die Äußerung sei durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Team Broder 1, die Erben der Firma Freisler 0!
Rechtsgeschichte durften wir auch mit Deinem nachfolgenden Statement aus einer E-Mail an die damalige Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) schreiben. Zuvor war »die Tochter« in der WDR-Radiosendung Hallo Ü-Wagen zum Thema »Ganz schön kompliziert: Reden über Israel« zu Gast.
»Jeder Kölsche Jeck mit zwei Promille im Blut«, schriebst Du damals der Intendantin Monika Piel, »würde sogar an Weiberfastnacht erkennen, dass Frau Evelyn Hecht-Galinski eine hysterische, geltungsbedürftige Hausfrau ist, die für niemanden spricht außer für sich selbst und dabei auch nur Unsinn von sich gibt. Ihre Spezialität sind antisemitisch-antizionistische Gedankenlosigkeiten, die zurzeit mal wieder eine kurze Konjunktur haben.«
Die diplomierte »Israelkritikerin« mit bekanntem Vater fühlte sich zutiefst gekränkt und klagte. Beim Bundesverfassungsgericht war dann Schluss – das im Jahr 2010 zugunsten der Meinungsfreiheit erfolgreich erstrittene Urteil beim Oberlandesgericht Köln hielt. Bis heute darfst Du behaupten, dass Evelyn Hecht-Galinski antisemitische Äußerungen von sich gibt.
Die juristischen Erfolge haben weniger mit anwaltlicher Exzellenz als schlichtweg mit Deiner schriftstellerischen und publizistischen Genialität zu tun. Aktuell gibt es niemanden, der Dir das Wasser reichen kann. Komplexe Zusammenhänge zwischen tagesaktuellem Geschehen und historischen Parallelen legt keiner so nachhaltig und eindrucksvoll dar wie Du. Die bereits von Sartre längst belegte These der Identität zwischen Antisemitismus und pathologischem Hass auf Israel knallst Du auch dem letzten widerwillig zuhörenden »israelkritischen« Intellektuellen sprichwörtlich aufs Tablett.
Die vor allem in diesem Land nachhaltig gepflegte Kultur der Selbstbelügung, wonach links von der NPD Judenhass unmöglich sei, hast Du besonders mit Deinem Bestseller Der ewige Antisemit eindrucksvoll offengelegt. Selbiges gilt für die Annahme, Juden können keine Antisemiten und Polizisten keine Bankräuber sein. Deinen konsequenten Austritt aus der Partei Die Grünen und Deine klaren Positionen zum linken Judenhass – von Entebbe 1976 über Hans-Christian Ströbele bis hin zu Inge Höger und Annette Groth – nehmen Dir nicht zuletzt deshalb viele Linke heute noch übel.
Einige von ihnen, wie die Grüne Claudia Roth, sind sich sogar nicht zu schade dafür, den Diskurs mit Dir in TV-Shows durch Ausladungen zu verhindern. Überhaupt Claudia Roth. Treffender als Du Anfang des Jahres hat sie meines Wissens noch keiner beschrieben: »Wenn man sie auf das reduziert, was sie ist – eine Wichtigtuerin, die sich von der öffentlichen Hand alimentieren lässt –, wird sie böse.«
Henryk, Du bist eine in der europäischen Medienlandschaft nicht wegzudenkende Stimme. Was nicht bedeutet, dass sie gerne gehört wird. Die Erkenntnis, dass sich die in Deinen Werken wie Hurra, wir kapitulieren! und Die letzten Tage Europas vorausgesagten Szenarien detailgenau als wahr erweisen, ist schlichtweg erschreckend. Doch nur allzu viele Besserwisser werfen Dir Polarisierung und Rechthaberei vor. Ist es indes nicht der beste Beweis eines Autors, erfolgreich zu polarisieren und nachweislich Hunderttausende Menschen zum Nachdenken zu bewegen?
Der ständig im gehorsamen Chor repetierte Aufruf zur konsequenten Fortsetzung eines – offenkundig falsch, aber scheinbar »alternativlos« – eingeschlagenen Weges ist der Dir dazu übel aufstoßende Gegenpol. Das aus Deiner Sicht im Zuge des Programms »Wir schaffen das!« angerichtete Chaos beschreibst Du wie folgt: »Es hört sich an, als würde der Kapitän der Titanic kurz nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg rufen: ›Mein Kurs war richtig! Der Eisberg hat nicht aufgepasst!‹«
Nein, Henryk. Dein Problem ist nicht, dass Du rechthaberisch bist. Dein Problem ist, dass Du recht hast. Und das bitte noch sehr lange. Happy 70, mein Freund!
Der Autor ist Rechtsanwalt in Berlin und Vorsitzender des Keren Hayesod Deutschland.
Dieser Text erschien zuerst in der Jüdischen Allgemeine hier
Beitragsbild: Tim Maxeiner
Viele gute Wünsche sende ich Ihnen, sehr geehrter Herr Broder, zu Ihrem Geburtstag. Vor allem wünsche ich Ihnen Gesundheit !! aber auch, dass Sie Ihren Witz, Ihren Humor und Ihren Mut, mit denen Sie Ihre Artikel würzen auch weiterhin einsetzen, damit sie mit einem lachendem Auge gesehen werden. Ich freue mich, dass Sie diese besondere Gabe besitzen und danke Ihnen für die Artikel, die ich bisher von Ihnen gelesen habe. Genießen Sie den Tag.
In dieser Zeit, in diesem Land, da Verständnis mehr gilt als der Verstand - Broder, wir brauchen Sie! Alles Gute zum Geburtstag! Bleiben Sie gesund!
Danke f. den sehr guten Beitrag. Betrachtet man die internationalen Medien, so sind die Positionen von Herrn Broder wenngleich an Eloquenz brillant, im Grunde überhaupt nichts außergewöhnliches....In vielen konservativen europäischen Medien wie z.B. Figaro sind sie "Mainstream" Versuche H. Broder's Positionen in diesem Lande zu diffamieren, sind daher mehr als besorgniserregend. Sie sind ein Zeitzeugnis dafür dass dieses Land den Realitätsbezug verloren hat und buchstäblich ver-rückt ist. Wir hatten das schon einmal und zwar vor den beiden Weltkriegen..... Ich empfehle die deutsche Presse so um 1910 und die amerikanische daneben und wünsche viel Spaß....... Zu tief konnte ich damals als Studentin im deutschen Pressearchiv nicht graben, denn ich fürchtete um meinen Verstand .... Heute geht es mir ganz ähnlich..... Was Not tut wäre ein Versuch die Konzepte Sigmund Freuds, vor allem das der Hysterie, d.h. der Lüge vor sich selbst und ihrer Rationalisierungen auf die gesellschaftspolitische Ebene zu übertragen. ...
Verehrter Herr Broder, ich weiß nicht, was Sie sich zu Ihrem 70. Geburtstag gewünscht haben. Zu meinem nächsten Geburtstag wünsche ich mir, dass Sie und ihr guter Freund Hamed Abdel-Samad die Möglichkeit bekommen, ein Gespräch mit der Kanzlerin zu führen. Sie beide würden diese Frau in einem Wimpernschlag als das entlarven was sie ist: eine Phrasendrescherin, die Totengräberin Deutschlands, ja sogar ganz Europas. Alles Gute aus Backnang, bleiben Sie wie sie sind, und vor allem: bleiben Sie gesund!
HAPPY BIRTHDAY, lieber, sehr verehrter Herr Broder!! Obwohl Sie dem Alkohol, glaube ich, ja eher abgeneigt sind, verhält es sich bei Ihnen doch so wie bei einem guten, ausgezeichneten Wein: je älter - desto besser! Damit wir Sie noch recht lange haben, bitte ich Sie dennoch, jeden Tag EIN Glas (roten) davon zu sich zunehmen (super für Blut; Herz; Kreislauf etc.). Des Weiteren wäre ein täglicher (strammer) Spaziergang von ca. 45 Minuten sowie zwei Flaschen Adelholzener Heilwasser (Primusquelle) über den Tag verteilt und etwas (Bio)Obst ein wunderbares Geschenk für Ihre Gesundheit:-) Es ist mein Ernst! Ich würde ehrlich was drum geben, wenn Sie mit 100 auch noch die Aufarbeitung DIESER aktuellen Epoche (des "Totalen Friedens") bzw. die Überwindung der elitären Verschwörung gegen den gesunden Menschenverstand erleben und man Sie dann (notfalls wie Kohl) im Rollstuhl zur Einweihung Ihrer in Stein gehauenen Denkmäler karren würde!!:-) In diesem Sinne alles Gute und lassen Sie (bitte, bitte!!) nicht locker, freue mich schon auf Ihr nächstes Buch! Herzlichst M. Geier
Sehr geehrter Herr Broder, Ich schließe mich nochmals den Glückwünschen des Autors an! Alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit und machen Sie weiter so! Leute wie Sie, braucht unser Land! Lieben Gruß eines großen Bewunderers, Ralf Ivanov
Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Geburtstag, Herr Broder! Wie gut, daß es sie gibt und daß Sie sich immer wieder zu Wort melden und einmischen! Weiter so!!!!