Ich komme aus Ägypten, wo sexuelle Belästigung für Frauen ein unerträgliches Ausmaß erreicht hatte, weil man dieses Phänomen am Anfang entweder verschwiegen oder verharmlost hatte. Zum einen wollte man nicht zugeben, dass in einer vermeintlich moralisch-religiösen Gesellschaft viele Frauen sexuell belästigt werden. Zum anderen hatte man Angst um den Tourismus, der eine der Hauptquellen des Einkommens des Landes ist. Man ging sogar noch weiter und machte die Opfer selbst für das Phänomen verantwortlich. Wegen ihrer Art, sich zu kleiden. Die Verlogenheit und die Angst um das eigene Image hatten dazu geführt, dass aus einem kleinen Phänomen eine Epidemie geworden ist. Über 95 Prozent aller Ägypterinnen berichten heute von alltäglichen Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Nötigung. Mehr
Die aller meisten die sich für Flüchtlinge engagieren, sind wahrscheinlich so grundehrlich, dass sie nicht bei Rot über die Kreuzung gehen. Gerade die könnten Ihre Bereitschaft zu Helfen jedoch überdenken, wenn Flüchtlinge mehr und mehr als Vergewaltiger, Grapscher und Handyklauer ins Bild der Öffentlichkeit gelangen. Ein breite Diskussion ohne Maulkorb kann, denke ich, schon helfen. Dass es Probleme geben wird wenn über eine Million Menschen mit einer völlig anderen sozialen Prägung zu uns kommen, war klar. Welche das sind, haben wir sehr konzentriert in einer Nacht präsentiert bekommen. Vielleicht ist das einzig Positive daran, dass es uns zur offen Diskussion zwingt.
"Hamed Abdel-Samad fordert eine offene Debatte über die konservative Sexualmoral im Islam" Gerne, aber nicht hier in Europa. Warum sollen wir uns eine Debatte aufzwingen lassen, die wir längst abgeschlossen haben? Wir sind nicht der Kindergarten der arabischen Welt. Irgendwie war Europa doch auf einem ganz guten Weg, und hat jetzt plötzlich einen Klotz am Bein. Das macht einen traurig und wütend.