Walter Schmidt / 22.11.2009 / 19:24 / 0 / Seite ausdrucken

Hamburger wollen lernen

Die Elterninitiative “Wir wollen lernen!” hat in der vergangenen Woche der Hamburger Schulsenatorin Christa Goetsch insgesamt 184.500 Unterschriften gegen die Einführung der Primarschule mit Beginn des Schuljahres 2010/11 übergeben.
Die Eltern, deren Wille nach Meinung des “Schwarz-Grünen Senats” ab sofort nichts mehr wert sein sollte, haben mit diesem, auch für die o.g. Initiative so nicht erwarteten, Zuspruch ein deutliches Zeichen gegen eine Schulreform gesetzt, die aufgrund erheblicher Bedenken, nicht zuletzt aus der Wirtschaft, schon einmal verschoben werden mußte.
Statt eines sog. “längeren gemeinsamen Lernens” in der Grundschule, bei dem kein Kind quasi automatisch besser gefördert wird als in dem bisherigen System mit insgesamt nur vier Grundschuljahren, bei dem, geht es nach den Wünschen der Schulsenatorin, die “Starken” den “Schwachen” helfen sollen, während der Lehrer nur noch als “Coach” zur Anleitung der am Erwerb sog. “Kompetenzen” orientierten “Lernprozesse” zur Verfügung steht, sprechen sich nun 184.500 Hamburger Eltern für die Beibehaltung eines sog. “dreigliedrigen” Schulsystems aus, das durch Wettbewerb zwischen mehreren Schulformen nachweislich zu besseren Ergebnissen gelangt, als die von rot-rot-grünen Ideologen propagierte “eine Schule für alle”, bei der die sog. “Starken” sich am Ende wahrscheinlich nur langweilen, während die Schwachen, die dringend kompetente Hilfe benötigen, durch ein von oben inszeniertes pädagogisches Chaos sich letztendlich selbst überlassen bleiben.
Dabei gibt es inzwischen hierzulande mehrere positive Beispiele zur Verbesserung der Schulqualität, an denen sich das PISA-Schlußlicht Hamburg orientieren könnte, z.B. Sachsen, das mit einem zweigliedrigen Schulsystem aus Gymnasium und Mittelschule z.Zt. auf Platz 1 der innerdeutschen PISA-Rangliste liegt, oder auch die beiden westdeutschen Länder Bayern und Baden-Württemberg, die traditionell zu den Spitzenreitern im innerdeutschen Vergleich zählen.
Doch für die bildungspolitischen Ideologen aus dem Hause Goetsch (und mittlerweile auch von Beust) zählen all diese Fakten selbstverständlich nicht.
Schließlich sind Bayern und Baden-Württemberg ja keine sog. “Flächenländer”, während es im beschaulichen Freistaat Sachsen so gut wie keine “Schüler mit Migrationshintergrund gibt”, die den Hamburgern mit schöner Regelmäßigkeit die Bildungsstatistik “versauen”, wie man noch vor gar nicht allzu langer Zeit auf der Homepage der grün-alternativen Hamburger Schulbehörde nachlesen konnte.
Stattdessen orientiert sich die Freie und Hansestadt Hamburg offenbar lieber an den beiden anderen Stadtstaaten Bremen und Berlin, die entweder auf dem letzten Platz der bundesweiten PISA-Statistik liegen oder aber in deren trübem Mittelfeld herumdümpeln.
In Berlin gibt es, wie man weiß, bereits seit 1945 die sog. sechsklassige Grundschule, die zwar vielleicht die vielbeschworene “soziale Kompetenz” vieler Schüler durchaus fördert, die jedoch von den Resultaten her bei weitem nicht mit anderen Grundschulen in Deutschland mithalten kann, weshalb man im Laufe der Jahre in Berlin immer stärker dazu übergegangen ist, Ausnahmen von der Regel eines insgesamt “sechsjährigen gemeinsamen Lernens” zuzulassen.
Doch all dies ficht die schulpolitischen Ideologen der Hamburger Schulbehörde, die zumeist der sog. “Achtundsechzigerbewegung” entstammen, natürlich nicht an. Schließlich soll die geplante Schulreform nach “guter Tradition” ja nur der erste Schritt auf dem Weg zur “Zwangskollektivierung” der Bildung sowie zur Errichtung einer neuen sozialistischen Gesellschaft der allseits (Un-)gebildeten hierzulande sein.
Jetzt, nachdem die Hamburger Schulsenatorin Goetsch von 184.500 Eltern die “rote Karte” für ihre unausgegorene und realitätsferne “Reform” gezeigt bekommen hat, erklärt sie plötzlich, quasi von heute auf morgen, über den sog. “Elternwillen” könne man - im Gegensatz zum Gesamtpaket der geplanten Hamburger Schulreform - ja noch einmal reden, während Bürgermeister Ole von Beust die “Reform” in Richtung der vielbeschworenen “einen Schule für alle” vorab bereits für “unantastbar” und damit sakrosankt erklärt hat.
Vermutlich werden Ole von Beust, Christa Goetsch und alle anderen bildungspolitischen Geisterfahrer der Freien und Hansestadt Hamburg nicht einmal durch einen erfolgreichen Volksentscheid gegen die Einführung der Primarschule zum kommenden Schuljahr zu stoppen sein.
Schließlich ist in den Augen sämtlicher bildungspolitischer Ideologen der postachtundsechziger Zeit nicht etwa die mangelnde Akzeptanz in der Elternschaft der entscheidende Grund für die gegenwärtige Unpopularität der beabsichtigten Schulreform, sondern die mangelnde Einsicht in die Notwendigkeit seitens der verblendeten Gegner der Initiative “Wir wollen lernen!” sowie der Widerstand der “Schönen und Reichen” in den Hamburger Elbvororten”, die ihre bildungspolitischen Pfründe, sprich das “elitäre” Gymnasium, mit Zähnen und Klauen verteidigen.

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