Das Konklave, bestehend aus CDU/CSU und SPD, hat getagt und den schon halb verlorenen Sohn gerettet. Das war keine leichte Übung.
Damit der künftige Kanzler nach seinem ersten Scheitern nicht tage- und nächtelang leiden musste, hat man unter Hinzuziehung der kleinen Oppositionsparteien eine Schnellrettung organisiert. Die größte Oppositionspartei durfte, weil hinter eine Brandmauer verbannt, an der Rettungsaktion nicht teilnehmen. Dafür hat man das Brandmäuerchen gegen die Linke mal kurz übersprungen und sie in den Kreis der guten Demokraten aufgenommen. So konnte man eine Zweidrittel-Mehrheit für einen zweiten Wahlgang noch am Unglücks-Nachmittag hindeichseln.
Und siehe: Es ist geschafft. Friedrich Merz hat seine Mehrheit im zweiten Anlauf bekommen. Und diejenigen Partei- und Koalitionsfreunde, die ihn beim ersten Mal vor die Wand laufen ließen, haben beim zweiten Mal genauso begeistert Beifall geklatscht wie diejenigen, die ihm gleich ihre Stimme gegeben haben. So entstand eine Harmonie mit Tarncharakter. Die vorübergehend Abtrünnigen hatten sich zunächst hinter dem Nebel der geheimen Abstimmung versteckt, um dann, als die Sonne wieder schien, den Frieden, die Freude und den Eierkuchen mitzufeiern, als sei nichts gewesen.
Eine Tragödie? Wohl mal wieder mehr eine Komödie. Die verschnupften Achtzehn wollten dem künftigen Chef halt mal zeigen, wo Bartel den Most holt. Oder, um der Sache gerechter zu werden: Sie wollten ein bisschen Kindergarten spielen. Die Politik fördert immer mal wieder das Kind im Mann und in der Frau zutage. Was ja auch wesentlich zum Unterhaltungswert der Politik beiträgt.
Einfach mal Ätschibätschi machen
Über die Beweggründe der Verschnupften kann man wunderbar spekulieren. Im konservativen Lager war man nicht glücklich, weil Merz den eigentlich schwachen Sozialdemokraten zu sehr entgegengekommen ist. Links war man unglücklich, weil Merz mal mit der AfD geflirtet und sich damit rechts befleckt hat. Vielleicht hat sich auch der eine oder die andere Getreue aus dem Merkel-Lager verweigert. Und dann sind da ja noch diejenigen, die in der neuen Regierung nichts mehr geworden sind und vielleicht einfach mal Ätschibätschi machen wollten. Es ist aber auch denkbar, dass es keiner gewesen ist. Dass das Ganze eine Fata Morgana war. Denn beide Koalitionspartner beteuern ihre Unschuld.
Vor allem aber ist da noch das Problem namens Friedrich Merz. Er ist nun mal kein Kanzler der Herzen. Aus dem Wählerpublikum strömt ihm keine große Liebe entgegen. Und er sendet auch unter die Parteifreunde kaum warme Liebessignale aus. Kurz: Der spröde Sauerländer tut sich schwer als Charmeur.
Dieses Problem wird bleiben, auch wenn er sich von dem Beinahe-K.o. beim ersten Wahldurchgang einigermaßen erholt. Bei jedem Gesetzesvorhaben wird er seinen ganzen versteckten Charme herbeizaubern müssen, um seine knappe schwarz-rote Zwölfstimmen-Mehrheit zusammenzuhalten. Dabei braucht er dringend die Einpeitscher aller drei Parteien, die mit einer peinlichen Premiere des Scheiterns in der Geschichte des Bundestags gestartet sind. Ob nach diesem Fehlstart die neue Regierung stabiler sein wird als die vorzeitig gescheiterte Vorgängerin, kann man nur hoffen.
„Da bin ich“
Denn noch peinlicher wäre es gewesen, hätten die Damen und Herren des Kanzler-Konklaves die Sache nicht doch noch gedeichselt. Erstens innenpolitisch, denn da gibt es ja eine Menge zu tun. Und zweitens weltpolitisch. Deutschland ist nicht völlig unwichtig.
Zwar hat man anderswo schon fröhlich und ungeniert mit geschäftsführenden Notregierungen die politische Zeit totgeschlagen. Deutschland, das Dickschiff in Europa, hätte sich sowas sicher nicht noch länger leisten können. Es hat ja lange genug gedauert, bis man zu Potte kam. Und dann von demselben fast noch runtergefallen wäre.
Wie immer man zu dieser Koalition steht: Unterm Strich muss man wohl begrüßen, dass Friedrich Merz, wenn auch mit Verspätung, nun seine Nachbarschaftsbesuche absolvieren und sagen kann: „Da bin ich.“
Rainer Bonhorst, geboren 1942 in Nürnberg, arbeitete als Korrespondent der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in London und Washington. Von 1994 bis 2009 war er Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen-Zeitung.

@WinstonSmith: Auf den Punkt gebracht.
Warum man nun die neu konstituierte SED begrüßen soll, kann ich nicht nachvollziehen. Und vorgestellt hat sich der Herr umgehend als internationaler Kanzler, nicht als deutscher Bundeskanzler. Mal schaun, wo die ersten Multimilliardenpakete Steuergeld hinfließen. Und was passiert, wenn die ersten Taurus in Russland eingeschlagen sind. Holt euch rechtzeitig Popcorn, Leutz!
Danke, liebe 18 Abweichler. :-) Ich bin gestern den ganzen Tag mit einem breiten Grinsen durch die Gegend gelaufen. :-)
Darf man jetzt Merz ganz offiziell als „Kanzler 2. Wahl“ bezeichnen? :-)
Heimlich hatte ich gehofft, dass es im 2. Wahlgang dann noch mehr Abweichler geben würde, :-) aber auch schon der deutliche Gruß mit dem Mittelfinger im 1. Wahlgang, der jetzt über Merz gesamter Kanzlerschaft schweben wird, war viel wert. :-)
Eine kleine Erinnerung an Merz, dass wir (hoffentlich noch lange) in einer Demokratie leben.
@ Markus Knust. „Was das WEF damit zu tun haben soll, erschließt sich mir allerdings nicht. Dessen Avatare sitzen längst in den Parteien und lenken dort die wichtigen Dinge.“ Was für irrealer Schwachsinn. Das müssten ungefähr 150.000 bis 200.000 Avatare sein: Bundestag, Parlamente der Bundesländer, 22.000 Beamte in den Bundesministerien, 100.000 EU-Beamte, Beamte in den Ministerien der Bundesländer, obere Etage der 167(!) Bundesbehörden, … . Wie kontrolliert und kommandiert der WEF diese Avatare? Haben die einen Chip im Gehirn, oder Bestechung, oder Frauen, oder Drogen? Also die fetten Privilegien (inclusive Pensionen) dieser parasitären Feudalkaste zahlt jedenfalls der arbeitende deutsche Untertan, und NICHT der WEF. Bestechung kann es allerdings auch nicht sein: Dann müssten zig Milliarden über internationale Banken auf irgendwelche Konten fließen. Und niemand merkt etwas? ++ Also, wie macht es der WEF? Ich erwarte eine präzise Antwort mit einer seriöser Quellenangabe (NZZ, TE, Achse, NIUS, Apollo News, … ). ++ Einfaches Beispiel: Die 512 BT-Abgeordneten, die für verheerende letzte GG-Änderung gestimmt haben (u.a. Klimaneutralität bis 2045) haben das getan, damit ihre leistungslosen steuerfinzanzierten Futtertröge auch in Zukunft gefüllt sind. Dazu braucht man keine fiktiven WEF Avatare. Es ist viel banaler: Selbsbedienung im parasitären Beamten- und Verdi-Staat.
Auf deutsche Kanzler wartet die Nachbarschaft nur, wenn sie mit dem Scheckbuch in der Hand kommen. Und jetzt kommt Fredericus Taurus Habenichts der Letzte mit seiner gleichnamigen Generation. Ob da wohl Freude aufkommt, zwischen Weichsel und Seine, wird sich noch weisen.
Dieser Kanzler – genauso wie die Vorgänger – ist ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft. Die Gesellschaft bekommt das, was 80% der Wähler gewählt haben. Die Gesellschaft bekommt das, was sie verdient. ++ Im Jahr 2020 gab es Laut Markus Krall (Die bürgerliche Revolution) 15 bis 20 Millionen Leistungsträger. Aktuell kann man mindestens 1 Million abziehen, die das Land seit 2020 verlassen haben. Der Braindrain wird dramatisch zunehmen, die produktive Basis erodiert immer schneller. ++ Die Ursache ist klar. Eine einigermaßen fähige, im Privatsektor angestellte Familie zahlt alles in allem 70% des Arbeitgeberbruttos (Brutto plus Sozialabgaben des Unternehmens) an den total verfetteten und unfähigen Staatsapparat. Bei Selbständigen ist es ähnlich katastrophal oder sogar noch schlimmer. Die Gegenleistung des „Staates“ ist unter aller Sau. Jedes private Unternehmen, das seine Kunden dermaßen anschmiert, würde in einem funktionierenden Staat auf der Anklagebank sitzen – die Kunden hätten sowieso schon das Weite gesucht. ++ Besonders widerlich: Die zahllosen Denunziationsportale samt Denunzianten; eine verbeamtete Staatssicherheit (euphemistisch als Verfassungsschutz bezeichnet), die mit Lügen, Betrug und Repressionen die Opposition unterdrückt und sie ausschalten will; ganze Batterien von Zensurgesetzen samt Kontrollbehörden und steueralimentierten Kontroll-NGOs; eine Beamtenjustiz, die im Interesse ihrer Privilegien die Meinungsfreiheit demontiert und die zahlenden Untertanen kujoniert. ++ Ich kann nur jedem gratulieren, der sich und/oder sein Hab und Gut vor diesem Schmarotzer- und Ausbeuterstaat in Sicherheit gebracht hat. (Wie viele Mitbürger bin ich leider zu alt, um abzuhauen).
Sehr geehrter Autor, Ihr Schlußsatz erinnert mich an den schönen Spruch: Hick, sagte das Frühstück, da bin ich wieder!