Gute Kurden, böse Türken?

Nach Erdogans Militäroffensive in Nordsyrien und der zwischenzeitlichen Waffenruhe ziehen sich jetzt die Kurden von dort zurück. Einen gut verständlichen Bericht zum Hintergrund des komplexen destruktiven Geflechts bietet der Nordkurier. Angesichts der hiesigen einseitigen prokurdischen Parteinahme soll an dieser Stelle erwähnt sein, dass man seit geraumer Zeit sehr wohl auch um die gefährlichen Strukturen auf dieser Seite Bescheid weiß. So warnte etwa schon im Februar der Chef des Bundeskriminalamts vor „kriminellen Clans aus arabischen und kurdischen Familien“ in Großstädten wie Berlin und Bremen. „Die Behörden kommen gegen diese nur mit großem Aufwand an … Ein Problem, das sich noch auszuweiten droht.“

Auf örtlich-sozialer Ebene erhielt, ebenfalls im Februar, ein Verein in Neumünster folgende Projektförderung vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ des Bundesfamilienministeriums: „Beratungsmaßnahme und Distanzierungsunterstützung im Kontext linker Militanz und kurdischem Extremismus.“ Man suchte für eine Teilzeitstelle eine „hartnäckige“ Person, die zum Themenfeld „kurdischer Ultranationalismus“ mitarbeitet (vgl. hierzu die Broschüre „Türkischer und Kurdischer Ultranationalismus in der Einwanderungsgesellschaft“ vom Landesdemokratie-Zentrum Schleswig-Holstein, Anm. d. Red.). Ganz so einfach kann man sich das mit den Zuschreibungen „nationalistische Türken“ und „missbrauchte Kurden“ also nicht machen; ganz abgesehen davon, dass sich hierbei rassistische Einstellungsmuster offenbaren. Die Interessen sind unterschiedlich, auch innerhalb der politischen Gesellschaften. Ganz sicher sind auf beiden Seiten auch solche, die sich nach einer friedlichen Konfliktlösung sehnen.

Die Liaison zwischen Linken und Kurden

Es schadet für die Einschätzung der gegenwärtigen Debatte auch nicht, sich nochmal in die Vorgeschichte der Liaison Linke-Kurden zurück zu begeben. Im August 2008 titelte die Frankfurter Rundschau: „Wählerpotenzial – Linke umwirbt Kurden – Die Partei macht sich zum Sprachrohr der Minderheit und fordert den Dialog mit der verbotenen PKK.“ Damals noch erfrischend klar und offen hieß es weiter: „Wenn die Linke im Westen eine Wahlhürde nach der nächsten überspringt, liegt das auch an den Kurden. ‚Sie sind für uns ein großes Potential an Wählern‘, sagt Hüseyin Aydin, Abgeordneter der Linkspartei im Bundestag.“ Allerdings war auch zu lesen: „Wahlforscher schätzen, dass Kurden selten zur Wahl gehen. Auch die SPD, die von den Deutsch-Türken regelmäßig 60 bis 70 Prozent der Stimmen erhält, wird von den Kurden nicht gewählt … Nach inoffiziellen Schätzungen leben hier etwa 800.000 Menschen, die sich als Kurden bezeichnen.“

Das ist inzwischen anders. „Die Bundesrepublik ist der wichtigste Aufenthaltsort von Kurden außerhalb ihrer angestammten Gebiete“, erfährt man gerade von der Welt: „Mit rund 3,5 Millionen Menschen stellen die Türkeistämmigen die größte Zuwanderergruppe in Deutschland, der Anteil der Kurden unter ihnen wird auf mehr als eine Million geschätzt. Und auch unter den rund 800.000 Syrern, die seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 nach Deutschland kamen, sind etwa ein Drittel Kurden“ – man wird also nicht allzu falsch damit liegen, dass sich die Zahl der hier lebenden Kurden seit 2008 verdoppelt hat.

Zur ideologischen Hingabe linker und grüner Politiker an die PKK steht was auf dieser Seite.
 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Susanne Baumstarks Blog Luftwurzel.

Foto: Matthias Laurenz Gräff/ Devils Child.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Dr. Kari Köster-Lösche / 22.10.2019

Die Kämpfe zwischen Kurden und Türken in Deutschland sollten mit allen demokratischen Mitteln unterbunden werden. Sie gehen uns nichts an. Nichtsdestotrotz ist festzustellen, dass die Türken mit den Kurden ein Volk unterdrücken, das nicht im Geringsten mit ihnen verwandt ist, aber möglicherweise auf lukrativen Ölquellen sitzt. Die Kurden stammen aus dem Gebiet des Kabir Kuh zwischen Irak und Iran und sind verwandt mit Juden und Armeniern. Die türkische Bezeichnung “Bergtürken” für die Kurden ist lediglich ein Ausdruck ihres Besitzanspruchs, nicht der Volkszugehörigkeit.

Karla Kuhn / 22.10.2019

Frau Maaz, ich stimme Ihnen voll zu !! Ich habe nie besonderes Interesse für die türkische oder kurdische Politik gezeigt, daß Erdogan ein Diktator wußte ich, hat mich aber nicht interessiert. ERST seitdem Merkel,  um die schlimmen Auswüchse ihrer Flüchtlingspolitik zu relativieren, diesen unseligen Deal mit Erdogan ausgeheckt hat und wurde mir diese Politik richtig bewußt. Seitdem Erdogan droht, zwei Millionen Flüchtlinge   nach Europa zu lassen vorrangig nach Deutschland, jetzt noch der mörderische Überfall auf Syrien, müßten ALLE Politiker die Verhandlungen mit der Türkei stoppen. Die Kausalität der (Miß-)Politik ist mindestens seit 2015 eng mit Merkel verbunden !  WARUM wird von Seiten der Politik, des Verfassungsschutzes, der ja sonst alle Register gegen rechts zieht, der Justiz und Polizei nichts gegen diese Demos- von beiden Seiten-  in Deutschland unternommen ??

sybille eden / 22.10.2019

Hat man die Deutschen, oder die “Bevölkerung” dieses Landes je gefragt, ob sie damit einverstanden sind, ob eine so extreme .fanatische Gruppe wie die PKK, sowie die Türkischen Extremisten und Nationalisten hier auf deutschem Boden sich bekriegen und ihren Fanatismus ausleben ??? Ich bin 68 und kann mich daran nicht erinnern ! Also ist eine Regierung, egal unter welcher Führung, die so etwas zulässt und nicht ENTSCHIEDEN bekämpft, eine VERBRECHERISCHE Regierung, die weder meine Zustimmung noch mein Verständniss haben kann. So eine Regierung ist um KEINEN DEUT besser als als das Regime von Erdogan!!!  Punkt.

Sabine Schönfelder / 22.10.2019

Im Grunde pampert jede linke Partei ‘ihre’ potenzielle ausländische Wählerschaft. Das ist ‘multi-kulti’, schwächt die Nation, alle gegnerischen Parteien, die Migration begrenzen wollen, und stärkt die linke ‘Versorgungsindustrie’; und mit ein bißchen Glück, gehen DIE vielleicht sogar mal wählen!! Außerdem ist es ein schönes Gefühl, sich für eine selbsterklärte Minderheit e i n z u s e t z e n, auch wenn dort Zwangsverheiratungen, Frauenunterdrückung, Schwulenhass und antilaizistische Gesellschaftstrukturen propagiert werden. So a bisser’l fremdartige Tradition halt. Bei uns rennen’s doch auch in Lederhosen rum! ......und die ganzen Subventionen und Sozialleistungen, DIE zahlt doch nicht der Linke, die zahlst DU, du Narrrrrr!

E Ekat / 22.10.2019

Man muß nicht Wikipedia hier hineinkopieren, um die Geschichte der Kurden darzulegen.  Sie haben eine eigene Sprache, sie begehren nicht erst seit gestern eine eigene Nation. Also das, was wir offenbar für überholt halten. Sich deswegen schon jetzt auf die Seite der Türken zu schlagen, das ist nicht lustig, was unsere eigene Zukunft betrifft.

Detlef Rogge / 22.10.2019

Zur orientalischen Barbarei, kurze Schilderung: Ein mir gut bekannter Kollege, Sonderpädagoge und unbelehrbarer Altstalinist, wohl auch konspiratives Mitglied der SEW, dennoch guter Gesprächspartner, mit dem ich viel auch privat unternahm - meine politische Toleranz war seinerzeit weitaus ausgeprägter als heute - fuhr im Sommerurlaub 1991 allein in die Türkei, um das Leiden der edlen Kurden fotografisch zu dokumentieren. Völlig verrückte Idee. Offenbar sah eine türkische Dorfmiliz sein Unterfangen sehr kritisch. Wohl diese Milizionäre schlugen mit Eisenstangen grausam auf ihn ein, kein Knochen, der nicht gebrochen wurde, Schädelbrüche, Verlust einer Ohrmuschel und eines Auges. Zur Demütigung entkleidete man das bewusstlose Opfer, durch Folgen von Polio körperbehindert und daher ohnehin völlig wehrlos, vollständig, selbst seine orthopädischen Schuhe ließ man ihm nicht. Tage später fanden Touristen den so gut wie Toten, mit viel Glück, Rettungsflug nach München, ein Jahr Krankenhausaufenthalt im Klinikum rechts der Isar und Reha, vorzeitige Pensionierung mit Anfang fünfzig. Nichts von dem Vorfall stand je in einer deutschen Zeitung. Man stelle sich vor, deratiges würde einem Türken oder Kurden in Deutschland wiederfahren.

Ralf Pöhling / 22.10.2019

Man muss eins festhalten: Der Konflikt zwischen Türken und Kurden ist nicht unser Konflikt und es erfordert ein gewisses Maß an Neutralität und Schärfe in beide Richtungen, um mit dieser Situation korrekt umzugehen. Eigentlich, denn zahlreiche Vertreter beider Gruppen leben nicht nur bei uns, sie sind zu erheblichem Anteil auch potentielle Wähler der hiesigen deutschen Parteien, welche sich deshalb in diesen Konflikt einseitig einschalten. Und da fängt das Dilemma an, denn so wird die gebotene Neutralität ausgehebelt und aus der lokalen deutschen Politik letztlich eine Einmischung in die Angelegenheiten fremder Nationen und Kulturgruppen. Was sich die Amerikaner seit Jahrzehnten mit ihrer Parteinahme u.A. für die Saudis und Israel und gegen den Iran für Probleme eingefangen haben, werden wir in Deutschland bald begreifen. Wer sich in die Angelegenheiten anderer Nationen und Kulturgruppen einmischt, muss sich nicht darüber wundern, wenn Konflikte sich bis ins eigene Land ausbreiten. Was wiederum ein eindeutiger Beweis dafür ist, dass Multikulti kein gutes Modell für eine friedlichere Welt ist, wenn sich viele Kulturen und Nationalitäten nunmal gegenseitig nicht ausstehen können.

Wolfgang Nirada / 22.10.2019

Ob Frau Maaz, wie der Rest der deutschen Bevölkerung, die absehbaren und bereits vielerorts stattgefundenen Krawalle zwischen Türken und Kurden (vorläufig noch ohne Tote - aber das kommt noch) hier in UNSEREM LAND haben wollen interessiert diese Versagerregierung ganz offensichtlich nicht. Nu sind sie halt mal da… Und wer hätte denn das alles auch nur ahnen können (Raute, zwinker zwinker)... Wenn bei den inzwischen auch zu Deutschland gehörenden Hochzeitskorsos ganz ungeniert bereits mit Kriegswaffen herumgeballert wird (wie vor einigen Wochen im TV zu bestaunen) dann gute Nacht wenn der ledige Rest ähnlich bewaffnet ist… Aber die Deutschen haben ja schließlich noch ihre Pfefferspraydoserl und die Notrufnummer der Polizei… Da bin ich mir jetzt nicht so ganz sicher ob das dann reicht… Ich drücke euch aber die Daumen… Gaaaanz fest… Ihr schafft das!

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Susanne Baumstark / 11.07.2020 / 16:00 / 6

Die Maskerade der Tagesschau

Zur Rede der Bundeskanzlerin im EU-Parlament am 8. Juli anlässlich des Beginns der deutschen EU-Ratspräsidentschaft hat die Tagesschau wieder einen derart schmierigen Hofbericht abgeliefert, dass die hinterlassene Schleimspur sogar…/ mehr

Susanne Baumstark / 29.06.2020 / 06:00 / 82

„Helfer sind tabu”? Die gemanagte Missachtung

Das war schon ein ungewohnt gepfefferter Kommentar von Thomas Berbner in den Tagesthemen am 22. Juni: „Schon vor Stuttgart haben mir Beamte immer wieder berichtet, bei jungen Einwanderern verbreitet…/ mehr

Susanne Baumstark / 25.06.2020 / 10:00 / 14

Yanis Varoufakis und die „Progressive Internationale“

Weitgehend unbemerkt hat sich die post-kapitalistische „Progressive Internationale“ (P.I.) gegründet. „Wir organisieren, mobilisieren und vereinen progressive Kräfte aus der ganzen Welt“, tönt es dort. Themen…/ mehr

Susanne Baumstark / 15.06.2020 / 14:45 / 10

Die Krise als Studium

In akademischen Netzwerken wird der englischsprachige Master-Studiengang „International Organisations and Crisis Management“ beworben. Er startet im Wintersemester 2020/21 in Jena „Das passende Studium zur Corona-Krise“, meint…/ mehr

Susanne Baumstark / 30.05.2020 / 12:00 / 14

Corona-Arbeitsplatzvernichtung: Von Not und Zynismus

Aus psychologischer Sicht nehmen die Folgen des Lockdowns inzwischen dramatische Ausmaße an. Wie aus einer Anhörung des Tourismusauschusses im Bundestag am Mittwoch hervorgeht, habe man „bereits Suizide…/ mehr

Susanne Baumstark / 23.05.2020 / 10:30 / 14

Mein Briefwechsel mit der Antidiskriminierungsstelle

Meine E-Mail an die Anti-Diskriminierungsstelle: Sehr geehrter Herr Franke,  ich bin seit längerem einigermaßen entsetzt über die regelrechte Stigmatisierungswut, die insbesondere von den etablierten Medien…/ mehr

Susanne Baumstark / 18.05.2020 / 11:30 / 9

Fortschreitend obskur: Die Finanzierung der Parteienstiftungen

Endlich mal eine gute Idee: Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, will wegen der Corona-Krise die Ausgaben des Staates überdenken. "Wir sollten nach der…/ mehr

Susanne Baumstark / 06.05.2020 / 11:00 / 12

Corona-App höchst problematisch

Das „Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung“ hat eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) für die geplante Corona-App veröffentlicht. „Wir haben es angesichts der geplanten Corona-Tracing-Systeme mit…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com