Gastautor / 09.04.2012 / 16:41 / 0 / Seite ausdrucken

Gut gezielt, liebe Schweizer!

Henning Helmhusen
(Eugen-Richter-Institut)

Die Empörung in Deutschland war groß, als die Schweiz Haftbefehl gegen deutsche Finanzbeamte erhob:

Seit wann dürfen eigentlich die Schweizer ein Bankgeheimnis haben und dieses mit Strafen für seine Verletzung bewehren?

Und warum ist nicht alles, was der deutsche Staat tut, einfach, weil es der deutsche Staat ist und er es tut, schon die Emanation des Weltgeistes, Einsicht in die Notwendigkeit und die größte Gerechtigkeit an und für sich?

Und wo bleibt eigentlich Günter Grass, der diesen “Bergsemiten” (O-Ton Völkischer Beobachter) mal seine Knüttelverse gehörig um die Ohren haut. Er hat doch seinen Eid auf den Mann geleistet, der die Schweiz einen “Pickel im Gesicht Europas” nannte. Das muß schließlich auch mal gesagt werden.

Ein Lied von der Verkommenheit der Schweiz können dabei natürlich vor allem die Sozialdemokraten singen. Ganz rechtsstaatlich forderte so etwa Sigmar Gabriel Sonderermittlungen gegen schweizer Banken als Schikane. Und Joachim Poß schäumte: “Wenn Diktatoren und Massenmörder aus ihren Heimatländern fliehen mußten, dann haben sie ihr geraubtes Vermögen oft genug in die Schweiz gebracht.” Aha, und deshalb wurden gestohlene Daten über deutsche Steuerzahler gekauft?

Die Sozialdemokraten haben ja schlimme Erfahrungen mit der Halsstarrigkeit der Schweizer gemacht. Als Bismarck 1878 das Sozialistengesetz durchdrückte, da entzog dieses Land der deutschen Sozialdemokratie ihre vortrefflichsten Recken mit dem Angebot politischen Asyls. Und als die sozialdemokratische Presse verboten wurde, gab die Schweiz die Sozialdemokratie der

Lächerlichkeit preis, indem sie die Veröffentlichung ihres Käseblatts “Der Social-Demokrat” in Zürich zuließ.

Die Perfidie der Schweiz brachten die fortschrittlichen “Berliner Wespen” in einer Karikatur vom 20. April 1881 auf den Punkt. Man sieht die von Bismarck ausgesandten Wölfe, die in brutaler Weise vom schweizer Rotkäppchen mit dem Korb “Asylrecht” in der Hand und dem Ausspruch “Bangemachen gilt nicht!” attackiert werden.

Aber die Schweizer wollen einfach nicht aus der Geschichte lernen. Stattdessen erfreuen sie sich bis heute an dieser Anekdote: Als unser Kaiser Wilhelm II. zu Besuch war und eine Parade der schweizer Armee abnahm, da stellte er einem der Soldaten die Frage: “Ihr seid 100.000 schweizer Schützen. Und wenn ich mit 200.000 Preussen komme?” Und dieser impertinente Kerl antwortete doch einfach: “Dann schießen wir eben zweimal, Eure Majestät.”

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