Michael Miersch / 08.10.2014 / 23:11 / 27 / Seite ausdrucken

Gut, dass sich eine Staatsanwältin um antischwule Gewalt kümmert

Im Gegensatz zu Henryk M. Broder finde ich Witze über Namen nicht lustig, und noch weniger lustig finde ich, sich über eine staatsanwaltliche Anlaufstelle für schwule Gewaltopfer zu mokieren. 422 Fälle von Gewalt gegen Homosexuelle wurden innerhalb eines Jahres Berlin angezeigt. Es sind vermutlich deutlich mehr, weil viele Opfer gar nicht erst zur Polizei gehen, wenn ihre Knochen heil geblieben sind. Wer, wie Broder, der Meinung ist, man solle sich lieber vermehrt um Eigentumsdelikte oder um Hütchenspieler kümmern, statt um zusammengeschlagene Schwule, hat ein ziemlich perverses Gerechtigkeitsempfinden. 

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Leserpost

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Hildegard Behrendt / 11.10.2014

Könnten sich die Herren Broder und Miersch vielleicht mal miteinander unterhalten und das Problem, das keins ist, unter sich klären, anstatt die aufgekärten und bewußten Achse LeserInnen zu langweilen?

Albert Schubert / 10.10.2014

Nochmal, ich vermute, der Haussegen hängt schief - vielleicht z.B. gefallen Herrn Pirinccis Texte nicht jedem. Darüber sollte man streiten, gerne öffentlich, nicht auskeilen oder gar die Sache schmeißen - die (post)marxistische Kleingruppendynamik mit Tendenz zur spontaneous combustion kenne ich aus meiner Jugend. OT, aber vielleicht nicht ganz: Seit Jahren sind auf der Homepage Anzeigen von Google, alle allerdings below the fold, eine Platzierung above the fold würde die Einnahmen um 100-200% steigern, die Kollegen von Spon, FAZ, oder B.Z. machen das auch so. Bitte mal für einen Monat ausprobieren und Einnahmen vergleichen, bessert vielleicht die Laune.

Michaela Rockenbauer / 10.10.2014

Der liebe Herr Broder muss sich keine Sorgen machen, dass für Homo- oder Transsexuelle in diesem Land eine Extrawurst gebraten wird. Schon im Grundgesetz hat man diese Menschen bzw. diese Opfer der Nazis nicht explizit erwähnt, im Gegensatz zu allen anderen Opfergruppen. Die Scham für solche Leute etwas zu tun war wohl größer, als die Scham mehr als hunderttausend dieser Menschen in KZ´s eingesperrt und getötet zu haben. Darüber hinaus kann Deutschland seine eigenen Bürger nicht mehr schützen, geschweige denn Minderheiten. Ich bedanke mich lieber jedes Jahr im Januar bei den Vereinigten Staaten von Amerika und der US Army, dass sie uns aus den Konzentrationslagern befreit haben und hoffe, dass ich einen Pass dieser Nation bekomme. Das schützt mich mehr als dieses Politikergeschwafel hier im Lande. God bless America !

Christian Janssen / 10.10.2014

Ich schließe mich hier dem Tenor meiner Vorredner an - Gewaltverbrechen sind, egal von wem und an wem - grundsätzlich verabscheuungswürdig. Und so sieht es aus sehr guten Gründen auch der Gesetzgeber. Einen Schwulen zusammenzuschlagen ist grundsätzlich nicht anders zu bewerten, als wäre ein Heterosexueller das Opfer. Nicht umsonst haben Verfassungsrechtler erhebliche Bedenken gegen die Einführung sog. “hate crimes” im StGB. Eine Oberstaatsanwältin (Besoldungsgruppe mind. R2) für eine ganz bestimmte Opfergruppe abzustellen, erscheint vor diesem Hintergrund mindestens fragwürdig. Denn: Welche Anlaufstelle haben Opfer, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren? Sind die Folgen für diese Menschen andere als für Homosexuelle? Ist der von Fußtritten zertrümmerte Schädel eines “normalen” Jugendlichen anders zu gewichten als Verletzungen, die ein Homosexueller bei einer Schlägerei davonträgt? Welche Lobby haben Opfer von Raubüberfällen? An wen wendet sich das traumatisierte Opfer eines mit Gewalt verbundenen Einbruchs? Okay, man kann Broders Art mögen oder nicht mögen. Und bisweilen formuliert er auch für meinen Geschmack deutlich zu überspitzt. Aber in diesem Fall hat er - egal wie man den Text inhaltlich findet - eine mehr als berechtigte Diskussion angestoßen. Und - auch da schließe ich mich den Vorrednern an - speziell in Berlin ist in Sachen Rechtsordnung eine ganze Menge aus den Fugen geraten. Da ist die Nachricht von der Einrichtung dieser in meinen Augen deplazierten “Anlaufstelle” nur die Spitze des Eisbergs. Ihre Reaktion, Herr Miersch, erscheint mir schon ein wenig arg überzogen!

Horst Jungsbluth / 10.10.2014

Die Kommentare zu diesem Beitrag sind ebenso eindeutig wie richtig, weil man sich nicht nur auf bestimmte Verbrechen konzentrieren kann, während andere Opfer das Nachsehen haben. Die Gewaltkriminaität in Berlin ist nicht erst nach dem Fall der Mauer explodiert, sondern mit dem Start des SPD/AL-Senats Anfang 1989. da sie ganz offenkundig als Mittel zum Zweck diente, wie es in gewissen Strategiepapieren auch sehr deutlich formuliert ist. “Verbrecher sind gesellschaftlich Geschädigte und gehören nicht bestraft, sondern müssen mit den höchsten Posten im Staat belohnt werden”, so nur ein Satz, der ganz offenkundig dann nicht gelten soll, wenn es sich um rechte, rassistische oder gegen Homosexuelle gerichtete Verbrechen handelt, wobei natürlich dann noch in atemberaubender Weise selektiert wird. Im StGB sind ab § 331 die Straftaten im Amt geregelt und hier im Forum sind deutliche Worte hinsichtlich des verhängnisvollen Wirkens der Berliner Justiz gefallen. Warum, Herr Miersch traut sich da selbst nach zwei Diktaturen wieder kein Journalist ran?

Jörg Hartlieb / 10.10.2014

Besser wäre es aber, wenn sich die Ermittlungsbehörden jeder Straftat gleichermaßen, ohne Ansehen der Person, annähmen - getreu dem Motto: Vor dem Gesetz sind alle gleich.

Dr. Wolfgang Hintze / 10.10.2014

Unter den Lobbies, die für eine unterschiedliche Behandlung ihrer Schützlinge in Kriminalitätsfragen sorgen, gibt es durchaus noch mächtigere. Denken Sie mal daran, dass jede Familie der 10 Opfer des NSU einen Betrag von ca. 100.000 Euro Schmerzensgeld (ZEIT ONLINE - “Familien der NSU-Opfer erhalten Entschädigung”) vom Steuerzahler erhalten hat, obwohl die juristische Klärung des Falles noch im Gange war und immer noch ist. Zum Vergleich: die Unterstützung der Opferhilfsorganisation “Weißer Ring” beläuft sich auch durchschnittlich 260 Euro pro Fall. Gut, dass die Leserin Angelika Eberl, den Fall Pirincci anspricht. Aber das ist beileibe kein Einzelfall, wie die folgende Liste aus den letzten Tagen zeigt: 16.09.2014: Polizei durchsucht Wohnung eines 62-jährigen Spandauers wegen Schmähschriften gegen den Islam Der Tagesspiegel - “62-Jähriger soll islamfeindliche Schriften verbreitet haben” 02.10.2014: Akif Pirincci wegen Hasskriminalität angezeigt Facebook - Akif Pirinçci 09.10.2014: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Geert Wilders Spiegel online - “Anstiftung zu Hass und Diskriminierung: Staatsanwaltschaft bestellt Geert Wilders zum Verhör” 10.10.2014: Islamkritiker Stürzenberger zu 2.500 Euro Geldstrafe verurteilt DTJ-Online - “Beleidigung des Islam: Islamkritiker Stürzenberger verurteilt” Jeder derartige Fall hat eine kräftige Portion Öffentlichkeit verdient.

Rigobert Pilot / 10.10.2014

Sehr geehrter Herr Miersch, ich bin ein regelmäßiger Leser der „Achse“ und lese auch Ihre Beiträge.               Was bezwecken Sie damit, die „422 Fälle von Gewalt gegen Homosexuelle“ ohne weitere Analyse in den Raum stellen? Wie viele Fälle von sog. Abzocke unter Jugendlichen gibt es? Wie viele Fälle „von Gewalt gegen“ Frauen gibt es? Wie weit sind wir gekommen, dass Frau(en) „orientalisch“ aussehenden Männern beim Gang durch die Stadt – gleichgültig wo in Deutschland - regelmäßig aus dem Weg gehen müssen? Sind die von Ihnen genannten Fälle verfolgungswürdiger? Hilfreicher wäre es, grundsätzlich jegliche Art von Gewalt konsequenter zu verfolgen, zu ahnden und gesellschaftlich zu ächten.  Sie als kritischer Journalist sollten auch einmal den Anteil von Ausländern oder Deutschen mit „Migrationshintergrund“ an den in Deutschland begangenen Straftaten untersuchen und auch benennen sowie ferner auch die Aufklärungsquote und die dazugehörige gerichtlichere Urteilsfindung thematisieren. Außerdem interessiert es den kritischen Bürger/Leser, warum man am Abend zahlreiche Orte nicht mehr betreten kann und was die Politik dagegen beabsichtigt zu unternehmen. Sehr geehrter Herr Miersch, mit Verlaub, Lobby-Journalismus ist nicht angebracht. Sie brauchen auch nicht sagen, dass ich homophob sei. Hier halte ich es gerne wie Ihr Kollege, Herrn Matthias Matussek: Die Welt - „Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so“. Gerne verbleibe ich mit einem Gott zum Gruße, Rigobert Pilot

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