Protest gegen die Tagung „Islamische Studien“ des Wissenschaftsrates
Am 13. und 14. Juli 2010 lädt der Wissenschaftsrat (WR) nach Köln in den MediaPark zu einer Tagung zum Thema Islamische Studien in Deutschland. Eingeladen waren u.a. Irans Ex-Präsident Mohammed Chatami und der ägyptische Religionsminister Zakzouk (al-Azhar), die allerdings nicht mehr auf dem aktualisierten Programm stehen, sowie Großmufti Mustafa Ceric (Sarajevo). http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/Islamprogramm_koeln.pdf
Parteigänger der Scharia wie Bosniens Großmufti Mustafa Ceric („Die islamische Verpflichtung auf die Scharia [ist] immerwährend, nicht verhandelbar und unbefristet“; DIE WELT, 12.5.2008), Irans Ex-Präsident Mohammad Chatami oder Ägyptens Religionsminister und Präsident des Obersten Islamischen Rates, Mahmoud Zakzouk, als Diskussionspartner bei Tagungen willkommen zu heißen, um mit ihnen über die vom Wissenschaftsrat (WR) empfohlenen Leitlinien zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen zu diskutieren, ist nicht hinzunehmen.
Wir, die UnterzeichnerInnen lehnen es ab, auf der Scharia basierende Ausbildungszentren an zwei oder drei staatlichen Hochschulstandorten zu etablieren und halten dies für verfassungswidrig. Jeder Schulunterricht hat in der Tradition der Aufklärung zu erfolgen und wissenschaftlichen Standards zu genügen. Ein Islam, der nicht schulreif ist, schadet der Integration und gefährdet die freiheitliche Demokratie.
Ein glaubwürdiges Bekenntnis zur FdGO, besonders unter Berücksichtigung der Gleichberechtigung der Geschlechter, der negativen Religionsfreiheit, der Meinungsfreiheit auch in religiösen Angelegenheiten und der sexuellen Selbstbestimmung wären Grundvoraussetzungen, auf denen auch ein freiwilliger Islamischer Religionsunterricht (IRU) fußen müsste.
Wie wenig die islamische Theologie bereit ist Wissenschaftsvorbehalt, historisch kritische Methode und Außenansicht zu respektieren und zuzulassen, zeigt der Umgang mit dem religionswissenschaftlichen Ansatz von Muhammad Sven Kalisch. Der Münsteraner Jurist und Privatdozent war Inhaber des ersten Lehrstuhls für die Ausbildung islamischer Religionslehrer.
Das „religionsbezogene“ (Wissenschaftsrat) islamische Recht, das Körperstrafen wie Handabhacken, Fußabhacken und Peitschenhiebe für gottgewollte und gerechte Strafen hält und im Namen Allahs Todesstrafen verhängt und ausführt, sogar steinigt, ist, wie der Großmufti von Bosnien Herzegowina selbst zugibt, integraler Bestandteil der ewigen, unveränderlichen Scharia.
Wir sehen die Grundsätze der freiheitlichen Demokratie des Grundgesetzes durch den theokratischen politischen Islam und die verfassungswidrige Scharia gefährdet und fordern die zur Konferenz geladenen Politiker, Professoren und Journalisten sowie die bei der Tagung anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung dazu auf, die drohende Rechtsspaltung in Grundgesetz und Schariarecht zu verhindern. Menschen sind Staatsbürger, keine Angehörigen ethnoreligiös definierter Kollektive. Auch im Personenstands- und Familienrecht darf die Scharia in Europa nicht legalisiert werden.
Bei sämtlichen Verhandlungen – insbesondere bei geplanten Staatsverträgen mit islamischen Verbänden – muss ein öffentlicher, unrückholbarer Verzicht auf die nicht-ritusbezogenen, also rechtlich-politischen Teile der Scharia garantiert werden. Wenn dieser Verzicht von den islamischen Organisationen und Verbänden anlässlich von geplanten Abkommen mit Regierungsstellen und anderen offiziellen Institutionen nicht geleistet wird, kann es zu keinen Vereinbarungen kommen.
Köln-Hamburg, 12.7.2010
Die ErstunterzeichnerInnen sind Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen, die sich für die Stärkung des Säkularstaates einsetzen:
Doro Meuren (KV Weinheim), Ciler Firtina (KV Köln), Paul Nellen (KV Hamburg-Mitte), Michael Körner (KV Ettlingen), Peter Schwanewilms (KV Hamburg-Altona), Asrin Sütcü (KV München), Firat Yaksan (KV Köln), Peter Zamory (KV Hamburg-Altona), Moritz Mattke (KV Region Aachen), Engin Esen (KV Köln), Ali Ertan Toprak (KV Recklinghausen), Werner Hager (KV Rheinisch-Bergischer Kreis), Cornelie Wittsack-Junge (KV Köln), Dr. Susanne Wienecke (KV Emmendingen), Rainer Holtmann (KV Köln), Eva Quistorp (KV Berlin-Charlottenburg)