Die deutsche „Bundesagentur für Sprunginnovation“ klingt in manchen Ohren vielleicht eher wie ein Aprilscherz. Dabei kann ihr Gründungsdirektor sehr schön beschreiben, wie es sein wird, wenn die grüne Energie nichts mehr kostet.
In der WELT träumen zwei Gastautoren von „Too cheap to meter“-Energie – so günstig produziert, dass es sich gar nicht mehr lohnt, sie abzurechnen. Eine Vision? Eher eine Milchmädchenrechnung mit mehreren Unbekannten.
Das Zauberwort, das den Artikel prägt, heißt „Sprunginnovation“. Schließlich ist einer der beiden Autoren, der auf den klangvollen Namen Rafael Laguna de la Vera hört, Gründungsdirektor der Bundesagentur für Sprunginnovation, kurz „SprinD“. Allerdings nicht vom Fach, er studierte „1986 für einige Wochen (sic!) Informatik an der Universität Dortmund“, danach absolvierte er ein Management-Programm. Co-Autor Thomas Ramge ist Technologiejournalist und Host des SprinD-Podcasts.
Sprunginnovation also. Radikal, revolutionär, disruptiv. Bitte, was? Disruptive Technologien, so lässt uns Wikipedia wissen, sind „Innovationen, die die Erfolgsserie einer bereits bestehenden Technologie, eines bestehenden Produkts oder einer bestehenden Dienstleistung ersetzen oder diese vollständig vom Markt verdrängen und die Investitionen der bisher beherrschenden Marktteilnehmer obsolet machen.“
Die beiden haben ein Buch zum Thema geschrieben, das den Titel „Sprunginnovation – Wie wir mit Wissenschaft und Technik die Welt wieder in Balance bekommen“ hat und, so muss man nach der Lektüre ihres Beitrags in der WELT vermuten, in der Fiction-Abteilung der Buchhandlungen wohl am besten aufgehoben wäre. Ausgerechnet in einer Zeit erbarmungslos steigender Energiepreise ein Szenario vom Gratis-Strom zu entwerfen, das offenbar wie eine Beruhigungspille wirken soll, leider aber hauptsächlich auf Wunschdenken basiert, das ist schon rechtschaffen abenteuerlich!
Zaubertechnologie, bald verfügbar – wie einst die „Wunderwaffen“
Während die Energiekosten explodieren, die Versorgung nicht mehr gewährleistet scheint, man sich energiepolitisch abhängig gemacht hat und plötzlich sogar wieder eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken diskutiert wird, entwerfen die Autoren das Bild einer Welt, in der es Wind- und Solarkraft im Überfluss gibt und über grüne Wiesen bunte Einhörner galoppieren. Denn: „Erneuerbare Energien haben keine Brennstoffkosten und extrem niedrige Betriebskosten.“ Bei Franz Alt hieß das noch, ähnlich naiv: „Die Sonne schickt uns keine Rechnung“.
Zwar fragen sie:
„Ist das alles zu schön, um wahr zu sein? Eine Milchmädchenrechnung, die unerwünschte Nebenwirkungen außer Acht lässt, angefangen bei riesiger Verschwendung achtloser Verbraucher, wenn Strom plötzlich gratis wäre? Was ist mit den Stromnetzen? Die muss doch auch jemand betreiben und bezahlen. Und was ist mit dem Grundproblem des Wind- und Solarstroms, der Speicherung und der Grundlastfähigkeit?“
Haben dann aber leider keine überzeugende Antwort parat, sondern salbadern vom Mut, endlich wieder „radikal bessere Lösungen umzusetzen“. Im Kleingedruckten steht dann was von „Mengenbeschränkung“ und „Kontingentierung“ für Stromabnehmer, was natürlich Euphemismen für Rationierung sind – das, was bei den Grünen „angebotsorientierte Stromversorgung“ heißt: Strom gibt’s nicht immer, wenn man ihn braucht, sondern nur, wenn er da ist. Revolutionär! Geradezu disruptiv!
„Betriebskosten sind vernachlässigbar bei Pumpspeicherkraftwerken mit internationaler Vernetzung“, schreiben die Autoren, „(…) oder gerade erprobten Technologien wie Druckluft-Kavernen, Wärmespeicherung durch das Schmelzen von Salzen oder kinetischer Speicherung durch große, schwere Schwungräder.“ Zur Kostenwahrheit, heißt es denn auch in einem Leser-Kommentar, „müsste man entweder die Kosten für die Grundlast/Backupkraftwerke dazurechnen oder die entsprechenden Speicher, die es derzeit noch nirgends gibt (Wasserstoff, Pumpspeicher, Batterien etc.)“. Zaubertechnologie, die aber bald verfügbar sein soll, wie die Autoren nahelegen – wie einst die „Wunderwaffen“, die noch rechtzeitig den Endsieg herbeiführen sollten.
Solarenergie bringt es – man sieht's in Abu Dhabi!
Der Umsetzung all dieser schönen Visionen steht eigentlich nur noch eines im Weg: die Naturgesetze. Es hilft ja alles nichts: Bei Windstille drehen sich die Windräder nicht, und nachts scheint keine Sonne. Um auf satte zwölf Sonnenstunden am Tag zu kommen, schauen die Autoren – Obacht! – in den Orient: In Saudi-Arabien nämlich „baut eine indische Ingenieursgesellschaft zurzeit das Solarkraftwerk Sudair mit einer Leistung von 1.500 Megawatt“, und in Abu Dhabi „steht eine 2.000-Megawatt-Solaranlage kurz vor Fertigstellung, bei der der Stromnetzanbieter die Kilowattstunde für 1,15 Cent abnimmt.“ Um uns die Vorzüge der Solarenergie schmackhaft zu machen, einfach mal als Beispiel die von der Sonne verwöhnte arabische Wüste zu nehmen – ein durchaus witziger Move!
Es funktioniert also nur vor Ort. Aber will man seinen Strom wirklich aus Saudi-Arabien beziehen, einem Staat, der mit westlichen demokratischen Werten mindestens ebenso wenig am Hut hat wie Russland? Die Abhängigkeit von einem Schurken durch die Abhängigkeit von einem anderen ersetzen? Und selbst wenn: Der Strom der Solaranlage in Saudi-Arabien müsste zunächst in Wasserstoff umgewandelt und – wie auch immer – nach Deutschland transportiert werden. In Deutschland würde der Wasserstoff dann bei Bedarf wieder in Strom zurückverwandelt und ins Stromnetz eingespeist. Von den 6,570 GWh Solarstrom aus Saudi-Arabien kämen bestenfalls 25 Prozent (= 6,570 /100*25 = 1,642 GWh) an, denn drei Viertel werden für Elektrolyse, den Transport, die Brennstoffzelle und vieles mehr benötigt.
Um ein deutsches Kohlekraftwerk mit einer installierten Leistung von 1.500 MW zu ersetzen, wären 11,826 GWh / 1,642 GWh = 7,202 Solaranlagen in Saudi-Arabien à 1.500 MW zu bauen. Oder eine richtig große Anlage mit 7,202 x 1.500 MWh = 10.800 MW = 10,8 GW installierte Leistung. Welche Menge Strom hätte man dann in Bezug auf Deutschlands, nur Deutschlands aktuellem Bedarf bei kompletter Energiewende (= 1.500 TWh? 0,00072%) und Jahres-Strombedarf netto 2021 (= 500 TWh? 0,0022%)?
Bezogen auf die drei Kohlekraftwerksblöcke, die dieses Jahr im rheinländischen Neurath abgeschaltet werden, wären es 100%.
Siebenmal mehr Solar-Kraftwerke für ein Kohlekraftwerk
Der Strompreis wäre dann siebenmal so hoch. Auch dann, wenn die Preisfindung nicht marktwirtschaftlich (Strombörse), sondern planwirtschaftlich (Staat) zum Selbstkostenpreis festgelegt würde. Die im Artikel erwähnte Ein-Cent-Marke nähert sich nur einem Siebtel des erzeugten Stroms. Siebenmal mehr Solar-Kraftwerke müssten in der arabischen Wüste gebaut werden, um die Strommenge eines 1,5 GW-Kohlekraftwerks zu erzeugen. Das kostet. Kostet richtig. Einen ganzen Berg Eiskugeln, gewissermaßen.
Auch ist es mit der im Artikel behaupteten Wartungsfreiheit nicht so weit her. Die Paneele müssen regelmäßig gereinigt werden. Durch starken, täglichen Temperaturwechsel und auch durch Sandstürme in der Wüste werden die Paneele (oder Spiegel) erheblich belastet. Nach 20 Jahren, vielleicht früher, wird die Anlage komplett erneuert werden müssen. Dafür müssen Rückstellungen gebildet werden. Die Kapitalkosten vervielfachen sich.
„Zwei beschaffungspolitische Hebel können aus der alten Vision der Energieüberflussgesellschaft einen konkreten Plan für die kommenden beiden Jahrzehnte machen. Die Europäische Union finanziert erstens riesige Wind- und Solarparks zu Nahe-Nullzins-Konditionen. Fremdkapital mit minimalem Zinsaufschlag von risiko-aversen privaten Investoren ist herzlich willkommen.“
Puh, die EU zahlt, nicht der europäische Steuerzahler – da haben wir ja nochmal Glück gehabt! Schließlich haben wir ja schon die Energiewende in Deutschland mit Milliarden-Subventionen finanziert und tun es immer noch. Insgesamt zahlt der deutsche Stromkunde im Vergleich zu anderen Industrieländern die höchsten Strompreise weltweit. Etwa die Hälfte der bundesdeutschen Stromerzeugung wird regenerativ erzeugt. Warum halbiert sich nicht der Strompreis? Diverse Abgaben treiben den Preis, der aktuell ohnehin im Krisenmodus und damit sehr hoch ist. Das würde sich auch nicht ändern, wenn der Strom aus dem sonnigen, aber diktatorischen Saudi-Arabien käme. Oder aus Nordafrika. Auch dort sitzen Autokraten à la Putin, die ihre Völker unterdrücken.
Großer Sprung nach vorn oder Sprung in der Schüssel?
Eingedenk der oben aufgemachten Rechnung Kohle-Solar (Kohle-Windkraft ist ähnlich!) ist die Umstellung eines Industriestaates von fossilen Energieträgern und Kernkraft auf Wind und Solar unmöglich. Jedenfalls nicht ohne erhebliche Wohlstandsverluste. Nicht nur ein bisschen „frieren“. Es wäre faktisch ein Rücksturz in die 60er-Jahre. Das erwähnen die Autoren im Artikel nicht, sie schwadronieren von „kostenfreier Energie“.
„Wenn wir Windstrom im Norden mit Solarstrom im Süden Europas kombinieren, im Idealfall Nordafrika und die nördliche Sahara in das Kostenlos-Stromnetz einbeziehen, den Strombedarf etwas intelligenter mit dem Angebot zusammenbringen in einem Netz mit intelligent und flexibel zuschaltbaren Quellen, dann haben wir nicht nur das Grundlastproblem gelöst und die Dekarbonisierung Europas ein großes Stück vorangebracht. Wir haben dann endlich ein Energiesystem geschaffen, mit dem wir unseren Kindern nicht immer größere Lasten aufbürden.“
Eine Benennung schafft keine Realität. So wie ein „Gute-KiTa-Gesetz“ noch lange keine gute Kita macht, ist ein „Kostenlos-Stromnetz“ noch lange nicht kostenlos. Die Belastung der Kinder kommt mit den Wohlstandsverlusten, die von nachfolgenden Generationen bewältigt werden müssen. „Intelligent und flexibel zuschaltbare Quellen“ funktionieren nur, wenn genügend regenerativ erzeugter Strom vorhanden ist. Weht nur wenig Wind, scheint die Sonne nicht auf die Paneele, dann gibt es nichts zuzuschalten. So einfach ist das.
Von der Bundesagentur für Sprunginnovation sollten sich auch die blauäugigsten Grünen keinen Großen Sprung nach vorn erhoffen, sind die Autoren doch bereits mit ihrem Beitrag in der WELT eindeutig zu kurz gesprungen.
(Mit Dank an Achgut-Autor Rüdiger Stobbe für fachkundige Beratung; das brandneue Tool „Fakten zur Energiewende“ finden Sie hier.)
Beitragsbild: The Archive TeamCC BY 3.0 via Wikimedia Commons

„und nachts scheint keine Sonne“ Diese Regeln sind von Männern gemacht, von alten weißen Männern. Wieso glauben Sie, dass das immer so bleiben muss? Wir sind kurz davor, dass am Horizont die Atompilze hell erstrahlen Tag und Nacht. Vielleicht sogar direkt über uns, dank der weisen Politik unserer jungen Außenfrau, der ich nicht zutraue, dass sie intellektuell erfasst, was sie da anstellt. Man wird ihr später verminderte Zurechnungsfähigkeit und damit Schuldunfähigkeit anerkennen müssen. Und ich freue mich darauf. Ich hadere nur mit dem Umstand, wieso es erst soweit kommen musste.
Hat Ihnen das die Trampoline eingeblasen?
„Die deutsche “Bundesagentur für Sprunginnovation„ “ WARUM Aprilscherz ? PURE Realität, denn diese sogenannten „Innovationen“ sind doch ständig auf dem „Sprung“, weil sie gar nicht wissen, Wo sie eigentlich hingehören. Die „Habeckschen Innovvationen“ scheinen besonders betroffen zu sein, die Armen, wie gedacht, gleich wieder verschwunden, weil teils völliger Schwachsinn. Da ist doch das Wort SPRUNG mehr als passend. Aber so eine neue „Bundesagentur“ kann vermutlich mit lieben „Bekannten“ besetzt werden ?? Egal ob kompetent oder nicht ? Damit würde sie doch offenbar schon ihren Zweck erfüllen, der STEUERZAHLER als MELKKUH, wie bei VIELEN „PROJEKTEN“ und wenn sie noch so abartig sind. Das EINZIGE was gegen den Schwachsinn wirklich helfen würde, wäre die SOFORTIGE ABSETZUNG der gesamten Politblase, samt dem abartig großen ANHAng !! Da das offfenbar nicht geschen wird, werden WAHRSCHEINLICH auf STEUERZAHLERKOSTEN immer mehr „SCHILDA Projekte“ entstehen. „….sind die Autoren doch bereits mit ihrem Beitrag in der WELT eindeutig zu kurz gesprungen.“ SCHADE, daß die nicht gleich ganz abgestürzt sind !!
Kann ich meinen zukünftigen Kiosk : „ Bundesagentur für Nahversorgung “ nennen ?…nur mal so als Frage ?
KONJUNKTIVE – Würde, wollte, könnte, hätte sind vier arme Leute. Ein altes Sprichwort, hier gilt die Wette, damals so treffend wie heute. Herrlich könnte in allen Ländern auf der Erde sein das Leben, wollte sich der Mensch nur ändern und nur noch nach Frieden streben. – Würden sich alle Menschen lieben, wofür Christus hat geworben, hätten auf der Welt nur Frieden, ist sogar dafür gestorben. –
Hätten die Deutschen nicht ‚nen Wicht zu ihrem Führer auserkoren, dann hätten sie auch damals nicht den allergrößten Krieg verloren. – Dass die Menschen Leben könnten nach Religion und Philosophie, die alle nur das Beste wollen, Menschen änderten die nie. – Größte Vorsicht ist geboten vor forschen Utopisten, besonders bei grünen Chaoten, die Wollen auch nur Macht besitzen. – Deshalb Schluss mit Möglichkeiten, denn deren Zahl ist ohne Ende. Wichtig ist, dass man beizeiten sich der Wirklichkeit zuwende. – Leider muss man konstatieren, die Aussichten sind doch gedämpft, Menschen wollen nicht kapieren, wofür mancher Denker kämpft. – So sind die Menschen immer noch, was sie schon immer waren, trampeln weiter in ihrem Joch, stürzen zu selten den Zaren. – Sind miteinander ständig im Streit oft wie vom Dämon besessen, lassen vergeh’n keine Möglichkeit dem anderen irgendwas abzupressen. – Streiten dabei um jede Beute, Geld, Gut, Weib und Ideologie, doch gibt es noch andere Leute, beteiligen sich an so etwas nie. – Zu Ehren der Menschen muss man bemerken, dass manche von ihnen rational sind, in diesen Menschen und ihren Werken, im Kleinen und Großen die Hoffnung glimmt.
Sprunginnovation = Überholen ohne einzuholen. An diesen Slogan können sich ehemalige DDR – Bürger
bestimmt noch erinnern.
Ja, ja – nach dem Alten Testament und dem Neuen Testament, haben wir nunmehr ein Neustes Testament. Aber wieder nur ein Buch des Glaubens. Aber die Realität kommt immer näher, und wie damals schon die Kirche sich auf das religiöse Altenteil zurückzog, werden die Naturgesetze auch diesmal deutlich machen, das sie nicht zu ändern sind.