Wer wissen möchte, was auf Deutschland zukommt, tut gut daran, das Wahlprogramm der Grünen zu lesen. Denn die Grünen konnten bisher auf lange Sicht sehr viele ihrer Forderungen durchsetzen, auch ohne Regierungsbeteiligung. Das liegt vor allem daran, dass sie über die absolute Lufthoheit in den Redaktionsstuben, bei den Lehrplanschreibern und im Juste Milieu verfügen. Zudem stellen die meisten Mitbürger das, was Ihnen in den Medien als Welterklärung angeboten wird, nicht infrage. Hinzu kommt, dass ihr möglicher Koalitionspartner nach der nächsten Bundestagswahl, die CDU, keine eigene Programmatik oder gar ordnungspolitische Prinzipien mehr hat. In einer solchen Verbindung werden die Grünen daher nicht wenige ihrer Vorstellungen umsetzen können, die man in der alten Bundesrepublik zu einem Gutteil als verfassungswidrig eingestuft hätte.
Ich möchte mich hier auf einen Teilaspekt des grünen Programms beschränken, nämlich die Aussagen zur Besteuerung. Bei Lichte betrachtet, findet man dort nämlich eine Erklärung, warum viele westliche Länder derzeit im Niedergang befindlich sind. Denn gerade dieser Programmteil dürfte Unterstützung auch jenseits der grünen Wählerschaft finden.
Auf Seite 49 heißt es:
„Jedes Jahr verlieren die Steuerzahler*innen hohe Milliardenbeträge durch Steuerhinterziehung und aggressive Steuervermeidung. Wir wollen mit einer umfassenden Strategie dagegen vorgehen... Zusätzlich zur bestehenden Steuerpflicht nach dem Wohnsitz wird eine Steuerpflicht auch nach der Nationalität eingeführt, um rein steuerlich motivierte Wohnsitzwechsel zu verhindern.”
Steht die Regierung über dem Recht?
Die Steuerzahler „verlieren“ also Milliardenbeträge durch Steuervermeidung. Logisch nicht haltbar, klingt aber nach berechtigter Empörung. Die Grünen sind durchaus geschickte Verwender des Framing und der manipulativen Sprache. Da Steuervermeidung legal ist, wird ihr das Adjektiv „aggressiv“ beigefügt, um sie dadurch auf gleiche Stufe wie die mitgenannte Steuerhinterziehung zu stellen.
Aber wer ist hier eigentlich der Aggressor? Derjenige, der sein rechtmäßig erworbenes Vermögen dem Zugriff der Obrigkeit entzieht oder derjenige, der dies unter Androhung von Zwang und Gewalt auch demjenigen wegnimmt, der dieser Wegnahme nicht zugestimmt hat?
Das deutsche Strafgesetzbuch definiert den Raub wie folgt:
„Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“
Aber wenn der Staat das macht, dann ist das natürlich in Ordnung. Ist nicht „rechtswidrig“. Ist es das? Steht die Regierung über dem Recht? Ach nein, sie schafft sich ja über ihre Parlamentsmehrheit ihr Recht selbst. Und genau hier liegt der Hund begraben. Die oft zitierte Aussage des Augustinus von Hippo, dass ein Staat ohne Recht nur eine große Räuberbande sei, ist bestenfalls der halbe Weg zur Erkenntnis. Für den Betroffenen ändert sich nämlich nichts, wenn sich die Räuberbande ein Gesetz gibt, nach dem die von ihr Überstimmten beliebig ausgeplündert werden dürfen. Auch eine formalgesetzliche Räuberbande bleibt eine Räuberbande. Claude-Frederic Bastiat erkannte das bereits vor über 150 Jahren: „Wenn Plündern für eine Gruppe in der Gesellschaft zur Lebensart wird, schafft sie im Laufe der Zeit ein Rechtssystem, welches dies legalisiert und einen Moralkodex, der es glorifiziert.“
Gefällt Ihnen nicht? Ihr Problem.
Die grünen Vorstellungen von der Weltverbesserung müssen genauso finanziert werden, wie alle anderen Gestaltungsideen unserer gewählten Politiker. In dem Fall noch mehr Behörden und Funktionäre, staatsfinanzierte NGOs, Genderlehrstühle, Frauen- und Fahrradbeauftragte, Sozialkosten für die unbeschränkte Migration, das leistungslose Grundeinkommen, Subventionen für neue Wunderwaffen im Energiewende-Endkampf und so weiter und so fort.
Gefällt Ihnen nicht? Ihr Problem. Die Besteuerung auch in demokratischen Staaten leidet nämlich unter dem Dilemma, dass sie in der Regel gegen den Willen der Betroffenen erfolgt und diese kein Mitspracherecht bei der Mittelverwendung haben. Sie müssen bezahlen, was andere bestellen. Bisher gab es nur zwei Mittel dagegen: Entweder eine andere Regierung mit einem Niedrigsteuerkonzept wählen, oder den Geltungsbereich der Gesetze verlassen. Voice oder Exit.
Da die Netto-Steuerzahler, also die wirklichen Leistungsträger, inzwischen weniger als 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, aber alle wählen dürfen, scheidet die erste Option zunehmend aus. Wer jedem ein Wahlrecht einräumt, auch denen, die keinerlei Beitrag zum Gemeinwesen leisten, darf sich nicht wundern, wenn diese irgendwann die Mehrheit haben und sich dann das Geld der leistungsfähigen Minderheit in die Tasche wählen. Das entspricht dem menschlichen Anreizsystem.
Bleibt für den, der nicht für Zwecke ausgeplündert werden möchte, die er ablehnt, nur noch der Wegzug.
Das scheinen die Grünen zu ahnen. Deshalb soll die Besteuerung an die Staatsbürgerschaft geknüpft werden, wo immer man sich auf der Welt aufhält. Dann muss dieses Mal keine Mauer gebaut werden. Mit anderen Worten: Völlig egal, ob Sie damit einverstanden sind, ob Sie sich noch im deutschen Staatsgebiet befinden, ob Sie noch Leistungen des Staates in Anspruch nehmen, Sie müssen auf jeden Fall für die Ideen der Herrscher zahlen. Man könnte das auch als Leibeigenschaft bezeichnen. Und so werden uns die Menschen der Zukunft wohl einschätzen.
Als Steuersklaven mit freiem Wochenende, die weder über Höhe noch Verwendung der ihnen abgepressten Mittel entscheiden können, keinerlei Gegen- oder Zurückbehaltungsrechte bei Schlechtleistung des Staates haben, aber dank Schule und Medien davon überzeugt sind, in einer freien Gesellschaft zu leben.
Titus Gebel ist Unternehmer und promovierter Jurist. Er möchte mit Freien Privatstädten ein völlig neues Produkt auf dem „Markt des Zusammenlebens“ schaffen, das bei Erfolg Ausstrahlungswirkung haben wird. Zusammen mit Partnern arbeitet er derzeit daran, die erste Freie Privatstadt der Welt zu verwirklichen. Er ist Autor des Buches „Freie Privatstädte – Mehr Wettbewerb im wichtigsten Markt der Welt“.
Beitragsbild: Eastman Johnson via Wikimedia Commons

Theoretisch eine gruselige Idee. Praktisch wird das nur in den Fällen funktionieren, wo sich Besitz oder Einkommen in Deutschland befinden. Es wird doch wohl niemand so blöd sein und den grünen Halunken freiwillig sein Gold aushändigen… Also wird es auch für die Grünen schwierig, auf die Kohle zuzugreifen. Ausserdem hat die Sache einen ganz entscheidenden Haken. Wenn einem fast alles weggenommen wird und man von dem kärglichen Rest weder ins Theater, noch ins Restaurant gehen kann, warum sollte man sich dann noch anstrengen? Aus Langeweile? Auch der grüne Sozialismus wird auf Dauer nicht funktionieren.
@Jakob Bauer: Steuern? Arbeiten? --- Was machen (und machten) die Grünen eigentlich beruflich? Hier wird man fündig, dort jeweils auf „Lebenslauf“ klicken -> Sucheingabe: gruene-bundestag.de/abgeordnete
Seit 2015 (wenn wundert es) hat sich die Zahl der Deutschen Auswanderer im Jahresdurchschnitt zu früher verdoppelt. Zumindest den Zahlen nach bis 2019 (ca. 270.000/Jahr). Um aber auswandern zu können, muss man woanders einwandern können. Da gibt es viele „Traumländer“ die sehr hohe Hürden legen. Manche dulden einen zwar in Form von Aufenthaltsgenehmigungen, die man dann aber jedes Jahr neu beantragen muss. Einigen scheint dann irgendwann das Geld auszugehen oder die Bedingungen und sie dürfen wieder nach „Hause“. Wer es sich leisten kann und Risiken verringern will, hält immer noch einen Fuß in der Deutschen Tür und zahlt dann für nichts, bzw. dafür das er da, aber halt mal weg ist. Und da schnappt unser Steuerstaat gierig danach. Nur wer wirklich, richtig weg ist (also alles abgemeldet und verkauft hat), bzw. sogar eine andere Staatsbürgerschaft annimmt, kann sich der Deutschen Krake entziehen. Dazu wundert mich immer: Bei uns machen die so auf Multikulti und lassen seit 2015 alles einfach so ins Land. Will der Deutsche-Multikulti auch mal woanders hin und andere Völker mit seiner Anwesenheit beglücken werden ihm die Daumenschrauben angelegt. Schöne einseitige freie Multi-Kulti-Welt. Sollen sich die Grünen doch lieber mal dafür einsetzen, dass Deutsche-Landsleute wenigstens die gleichen Aufenthaltsmöglichkeiten in deren Land bekommen, wie die Menschen aus dem Land bei uns. Steuern abkassieren scheint wohl einfacher zu gehen. Aber das nur so am Rande mal erwähnt.
Der Autor weiß auch, dass z.B. die USA schon immer weltweit besteuert haben, egal wo ein Amerikaner lebt, weil sie ihm auch weltweit konsularischen Schutz anbieten. Der Deutsche in Uruguay, der unglücklicherweise in Sozialhilfe fällt, kann auch dort diese beantragen und erhalten. Es gibt solche Fälle. Die Steuererklärung wird zwar komplizierter, und teurer, aber ausländische Steuern können sehr leicht angerechnet werden, es kann auch Freibeträge geben, wie auch bei den Amerikanern. Es ist eine Frage der Ausgestaltung im Detail, aber es ist nicht grundsätzlich falsch jeden Staatsbürger mit seinem weltweiten Einkommen zu besteuern, egal wo er lebt. Wer mit dem deutsche Pass den Schutz des deutschen Staates behalten will, der muss ggf. auch dafür bezahlen. Wirklich bezahlen werden nur die, die gute Einkommen in Niedrigsteuer-Ländern haben, und für die sich eine zu zahlende Differenz ergibt. Wenn jemand am deutschen Staat kein Interesse mehr hat, dann kann er die Staatsbürgerschaft niederlegen, und als Bürger seiner bevorzugten Steueroase leben. Ohne Netz und doppelten Boden.
Und sie werden damit durchkommen – Erst mit der Steuerpflicht auf den deutschen Pass, und danach mit einer deftigen Vermögenssteuer. Natürlich geht es nur gegen die reichen (Kapitalisten). Also die Gruppe, die sich binnen Monaten einen anderen Pass organisieren, und die Deutsche Staatsbürgerschaft aufgeben kann. Es wird sicher keine Bürde für gut ausgebildete Deutsche werden, die im Ausland bessere Jobangebote bekommt, oder Rentner, die ihren Lebensabend im Ausland verbringen.
Die grünen Kommunisten erwarten also nach der Bundestagswahl eine Lawine von Steuerflüchtigen schon länger hier lebenden Passträgern?
Dieser Umstand ist den Ökokommunisten so wichtig um ins Wahlprogramm aufgenommen zu werden?
Neben Steuerflucht und Kapitalflucht aus dem besten Deutschland ever wird aber der Massenexodus von schon länger hier lebenden Fachkräften ein ebenso wichtiges Thema sein. Ach ja stimmt die neuen können diese Lücke locker mit ihrem im Heimatland „gedruckten Zertifikaten“ schließen.
Das wird noch mal ganz spannend und Unterhaltsam werden „the great green red rauten reset“
OK ich hol schon mal Popcorn
Bingo!
Ich bin im Bekanntenkreis oft belächelt worden für meine seit Jahren vorgetragene These, beizeiten an ein Exil zu denken, Geldanlagen auch im Ausland zu tätigen und sich um eine zusätzliche Staatsangehörigkeit zu bemühen. Als ehemaliger Grünensympathisant war mir nämlich rasch klar, mit wem man es nach der handstreichartigen Übernahme der Partei durch die Kader diverser radikalkommunistischer Gruppen zu tun hat: Die Melonenpartei- außen grün und innen knallrot, daran hat sich nichts geändert. Neu ist jetzt allerdings, daß sich nun eine SED 2.0 unter der de facto Staatsratsvorsitzenden IM Erika formiert, die jene feuchten Träume eines weltweiten Abzocks von Einkommen und Spargroschen auch umsetzen will, wenngleich sich da noch etliche Hindernisse auftun, mit der „ever closer Union“ oder gar der „One World“ wird man die aber beseitigen wollen und wir können sicher sein, daß die grünen Strolche längst die stetig wachsende Abwanderung von Leistungsträgern und Millionären genauestens im Auge haben.
Wenn Putin schlau ist (woran ich keine Zweifel habe), werden Sonderwirtschaftszonen im Reich des Bösen entstehen, in denen der gepeinigte West-Bürger Zuflucht finden wird. Wie man so hört, geht es Herrn Depardieu prrrächtig und historisch gesehen ist derlei immer gescheitert. Auch in Panama et al. wird man breit grinsen und die Steueroase Delaware wird bald mit Briefkästen zugepflastert sein. Es gilt das Motto der Bremer Stadtmusikanten: Etwas Besseres als den Tod findet man allemal. Up, up and away unter Mitnahme der Spargroschen…