Henryk M. Broder / 16.08.2011 / 13:53 / 0 / Seite ausdrucken

Grüne Anonyme

Kaum hatte der deutsche Innenminister Friedrich ein Ende der Anonymität im Netz gefordert, hagelte es schon Proteste von Leuten, die Anonymität für ein Grundrecht halten, das im Namen der Demokratie verteidigt werden muss. Das ist an sich schon lustig, noch lustiger wird es aber, wenn Politiker, die Polizisten gerne Namensschilder verpassen möchten, die Identität von Bloggern schützen wollen. Und das mit dieser Begründung:

Es sei nicht erwiesen, “dass Breivik seine Tat aufgrund von Pseudonymisierung und Anonymisierung im Netz begehen konnte”;  “unbestritten” sei dagegen, dass es die “Thesen von öffentlichen und bekannten Personen” waren, “die mit ihrem Klarnamen antiislamische und rassistische Thesen verbreiten, die den Attentäter von Norwegen” motiviert haben.

Und: “Genauso wenig wie es rechtlich möglich wäre, von den Menschen zu verlangen, sich auf Straßen und Plätzen nur noch mit nach außen erkennbarem Personalausweis zu bewegen, so wenig kann dies im öffentlichen Raum Internet gelten, wo Menschen auf vielfältige Weise kommunizieren, sich informieren und kennen lernen. Die Aufhebung jeglicher Anonymität im Netz würde in erheblicher Weise in einen neuen Kernbereich privater Lebensgestaltung eingreifen und die Bürgerinnen und Bürger unter Generalverdacht stellen.”
http://gruen-digital.de/2011/08/kein-ernstzunehmender-vorschlag-friedrich-zeigt-tiefsitzendes-unverstaendnis-des-internets/

Mit dieser Logik kann man es in diesem Land weit bringen, nämlich zu Amt und Würden bei den grünen Anonymen. In diesem Fall sind es Konstantin, Tabea, Malte und Phillip, die sich zusammengetan haben, um “einen Ort des Austausches (zu) etablieren, an dem es auch möglich sein soll, konstruktiv eigene Ideen und Anregungen einzubringen”. Die vier von der grünen Datenautobahn freuen sich schon “auf lebendige, konstruktive und progressive Diskussionen und informative Texte”, die natürlich auch anonym eingesandt werden können.
http://gruen-digital.de/ueber-dieses-blog/

Also nix wie ran und in die Tastatur gehauen, denn bald könnte es mit dem Spass vorbei sein. In Israel (ausgerechnet!) wurde eine Software entwickelt, die es möglich macht, jede Mail zurück zu verfolgen, auch wenn sie anonymisiert und über mehrere Server geschickt wurde, um die Spuren zu verwischen. Das Verfahren ist nicht ganz einfach und erfordert einige Kenntnisse, aber es funktioniert.

Mal schauen, was Malte, Tabea, Jan Philipp und Konstantin dazu sagen werden. Ob sie sich einen solchen Eingriff “in den neuen Kernbereich” ihrer “privaten Lebensgestaltung” gefallen lassen oder demnächst unter ihren Klarnamen publizieren werden: Mimi, Tita, Pipi und Kiki.

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