Peter Grimm / 09.06.2017 / 07:47 / Foto: M0tty / 8 / Seite ausdrucken

Großbritannien: Freut euch, eine Wahl gehabt zu haben!

Die Briten können sich freuen. Sie hatten eine Wahl und konnten das Endergebnis mit Spannung erwarten. Im Moment, als diese Zeilen geschrieben wurden, war noch nicht endgültig sicher, ob Theresa May nun ohne absolute Mehrheit regieren muss. Und während sich Berichterstatter und Kommentatoren beim Warten auf die Zahlen schon mal an den Gedanken gewöhnen, dass die Regierungschefin keine eigene Mehrheit haben könnte, muss sich der deutsche Zuschauer dieser spannenden Wahlnacht an den Gedanken gewöhnen, dass ihm daheim im September zur Bundestagswahl nicht nur kaum Erbauliches zur Stimmabgabe angeboten wird, sondern wohl auch die spannende Wahlnacht ausbleibt.

Jeder Wähler weiß im Grunde schon jetzt, wer nach der Wahl die Bundeskanzlerin sein wird. Sie muss um keine Mehrheit zittern und kann sich ihres Amtes so sicher sein, wie es normalerweise nur Regierungschefs sein können, die ihrem Wahlvolk eine rundum positive Bilanz vorweisen können. Das würde wohl nicht einmal die Mehrheit ihrer Wähler behaupten. Aber sie vermag es, eine Atmosphäre von Alternativlosigkeit zu erzeugen und alle anderen Parlamentsparteien helfen ihr dabei.

Nicht nur, dass sie alle nicht opponierten, als sich die Kanzlerin unter dem Banner der Menschlichkeit Entscheidungen anmaßte, zu denen sie allein nicht legitimiert war. Die plötzliche, unkontrollierte, weitestgehend muslimische Masseneinwanderung verändert diese Gesellschaft nachhaltig. Egal, ob man das gut findet oder nicht, so muss in einer Demokratie über einen solchen Schritt auch demokratisch entschieden werden und nicht durch einen Willkommensruf der Spitzenfrau. Aber das ist alles längst bekannt und längst gesagt. Und der Bundestag hat zwar darüber nicht abgestimmt, aber alle Fraktionen haben sich ja doch in dieser Frage irgendwie hinter die Kanzlerin gestellt. Es war ja schließlich alternativlos. So wie es dann die Kanzlerin nach dem 24. September wohl sein wird.

Die Briten können sich freuen. Wenn die Regierungschefin nun keine eigene Mehrheit hat, so muss sie ihre politisch-handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen und eine politische Linie finden, für die die sie eine Mehrheit der Abgeordneten, auch jenseits der Parteibuchgrenzen, gewinnen kann. Vor Jahren hätte einem nun jeder gesagt, das sei doch demokratische Normalität. Aber in einem Land, in dem man sicher weiß, dass Schwierigkeiten bei der parlamentarischen Mehrheitsfindung letztlich ganz einfach mit der Bildung einer Großen Koalition aus dem Wege geräumt werden, muss man sich nicht mehr mühen, Mandatsträger inhaltlich zu überzeugen.

Die Briten können sich freuen. Eine Große Koalition bleibt ihnen sicher erspart. Sie können sich auch freuen, dass sie das Mehrheitswahlrecht haben, welches die Abgeordneten unabhängiger von den Parteiapparaten macht, wo nicht Listenplätze entscheiden, wer Mandatsträger wird, sondern der Wähler direkt.

Mag das Wahlergebnis so manche Briten nicht freuen, aber die Wahlmöglichkeiten, die verschiedenen Optionen, die sollten sie freuen, wenn sie auf die lähmende Alternativlosigkeit in Deutschland blicken.

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Leserpost

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Karla Kuhn / 09.06.2017

Herr Kuth, 2049 wird es mit Sicherheit keine Frau Merkel mehr geben. Das hat die Natur, zum Glück, so eingerichtet Meine Nachkommen werden-HOFFENTLICH- bessere Zeiten erleben, falls sie überhaupt noch in Deutschland leben sollten.

Urs Wyss / 09.06.2017

Ja, sorry Guys, wenn Ihr Deutschen so blöd seid, immer wieder dieselben Nasen zu wählen und trotzdem andere Ergebnisse Eurer Wahl erwartet, anstatt mal den Mut zu haben, unkonventionell zu sein, dann habt Ihr selber Schuld!! Sowas gäbs bei uns in der Schwyz nicht! Wahnsinns höchste Blüte ist, immer dasselbe zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten, sagte sinngemäß Albert Einstein, aber es ist schon lange her, dass Ihr Deutschen das Volk der Dichter und Denker wart, und Einstein war ja auch Jude, also ein bisschen cleverer als Ihr. Heute seid Ihr nur noch moralisierende Stänkerer und nicht mehr ganz dicht. (Sorry dafür, das tut mir wirklich leid, aber es ist die Wahrheit!) Ihr habt eine Alternative, und wenn Ihr nicht kapiert, dass die nur deshalb mit Nazivorwürfen schlecht gemacht wird, damit Ihr wieder diejenigen wählt, die den ganzen Mist bei Euch eingerührt haben, tja, dann ist Euch nicht zu helfen. Mit einem herzlichen Holleradiüh aus Graubünden!

Karla Kuhn / 09.06.2017

Hauptsache Frau May kann weiter regieren.  Was unsere Wahlen betrifft frage ich mich, ob die Wähler sich je mit Frau Merkel auseinandergesetzt haben. Wenn das der Fall wäre, würde es vielleicht doch zu einem spannenden Wahlabend kommen.

Wieland Schmied / 09.06.2017

Die Alternativlosigkeit in Deutschland ist nicht nur lähmend, sie ist zielführend und zerstörend. Das nur als kleine, aber m.E. essentiell wichtige Ergänzung zu dem - wie meistens -  guten Beitrag Herrn Grimms. Die Briten kann um ihre Kultur nur beneiden.

JF Lupus / 09.06.2017

1.: das deutsche Wahlrecht bedarf dringend einer Überarbeitung. Das d’hinasche System versteht niemand, es wird Zeit für ein Wahlrecht, bei dem der Bürger direkt entscheiden kann. 2.: Merkel und die GroKo sind keineswegs alternativlos. Noch vier Jahre Mutti und Deutschland ist endgültig zugrunde gerichtet, geopfert einer unsinnigen EU, einer unsinnigen Euro-Goldpolitik, die Vermögen der kleinen Leute vernichtet und geopfert der politischen Korrektheit. Noch vier Jahre Appeasement gegenüber Islam und Leugnung der Islamisierung und wir sind Fremde im eigenen Land.

R. Kuth / 09.06.2017

Damit sind für Frau Merkel doch die erträumten DDR-Zustände endlich hergestellt: “Jeder Wähler weiß im Grunde schon jetzt, wer nach der Wahl die Bundeskanzlerin sein wird.” Die restlichen Abgeordneten im Bundestag zählen auch zu den Blockparteien. Mal seh’n, wann dann der erste 5-Jahres-Plan kommt. Obwohl, Angela Merkel ist da schon weiter: Wir haben einen Klimaplan bis 2050! Merkel in der Dauerschleife, vielleicht kann sie dann noch am Silvestertag 2049 als ewige Kanzlerin Vollzug melden. Einzig die nervige AfD könnte die Zufriedenheit jetzt noch stören.

Dr. Susanne Kautz / 09.06.2017

..die bundeskanzlerin ist alternativlos weil schulz “grundlos” ist. ein mann ohne grund - frei nach musil.

Alexander Damaskinos / 09.06.2017

Selten eine derart unzutreffend Beschreibung der Wahlsituation in Deutschland gelesen. Mit der AfD haben wir eine Oppositionspartei, deren Inhalte sich weitgehend mit denen von CDU und sogar SPD vor 10 Jahren decken. Man muss sie nur wählen. Dann ist es auch vorbei mit Alternativlosigkeit.

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