Immer weniger Leute sind noch mit der Bedeutung ihrer religiösen Feiertage vertraut, genießen einfach nur den arbeitsfreien Tag. Warum ersetzt man Weihnachten, Ostern und Pfingsten nicht gleich durch Feiertage im Sinne des Heiligen Zeitgeistes?
Die Süddeutsche Zeitung lässt dankenswerterweise jede Woche in einer Kolumne zwei vor dem Bürgerkrieg und dem Islamischen Staat aus ihrem Heimatland geflohene syrische Journalisten zu Wort kommen, die abwechselnd darüber berichten, welche „Eigenarten der neuen Heimat sie mittlerweile übernommen haben“. Ein schönes Beispiel gelebter Integration, offenbar verbunden mit der Absicht, den „schon länger hier Lebenden“, sogenannten Biodeutschen, den Widersinn und die Reformbedürftigkeit ihrer eigenen Kultur zu verdeutlichen.
Jüngst ging es Mohamad Alkhalaf, so der Name eines der beiden Syrer, um die deutschen, respektive bayerischen Feiertage. Mit flotter Schreibe, die eingeborene SZ-Journalisten wohl etwas in Form gebracht haben, wundert sich Alkhalaf über die „ungleiche Verteilung der Feiertage in Deutschland“. So gebe es in Bayern 13, in Niedersachsen, wo ein ebenfalls geflohener Freund von ihm untergekommen ist, nur zehn. Dies passe „so überhaupt nicht zu dieser Nation, wo doch die tiefe Verankerung von Gleichberechtigung und Demokratie täglich zu spüren ist“.
In Syrien, so Alkhalaf weiter, würden die Tage, „an denen gearbeitet oder gelernt, getrauert oder gefeiert werde“, zur Not mit Gewalt verordnet und zwar von der nach wie vor dort herrschenden, sozialistischen Baath-Partei und dem Assad-Clan. In Deutschland versehe diese Rolle „weitestgehend die katholische Kirche“ und die sei „im Süden offenbar einflussreicher als im Norden“. Trotzdem freut sich Alkhalaf über die vielen freien Tage im weißblauen Freistaat. „Solange es aber bei den kirchlichen Feiertagen bleibt, werde ich diese Feste eben feiern wie sie bei den Christen fallen.“
Klar, das religiöse Fundament bröckelt
Zunächst einmal herzlichen Dank, Herr Alkhalaf, für das schöne Kompliment, dass Deutschland, darunter auch Bayern, so frei und demokratisch sei. Dank auch für Ihre Toleranz gegenüber den bayerischen Christen! Was die Festlegung von Feiertagen in Deutschland anbelangt, möchte ich Sie allerdings korrigieren. Das besorgt nicht „weitestgehend die Katholische Kirche“, sondern ist Aufgabe der jeweiligen Länderparlamente, mit Ausnahme des von Bund und Ländern gemeinsam anberaumten „Tages der Deutschen Einheit“. So etwas nennt man repräsentative Demokratie.
Parlamente respektive die in ihnen sitzenden Mandatsträger entscheiden idealerweise unabhängig, wenn auch auf Grundlage gewisser Traditionen. Zu diesen gehört in Bayern das vor gut zweitausend Jahren von einem gewissen Jesus Christus, Sohn eines Handwerkers mit Vornamen Josef und seiner Frau Maria aus Nazareth in Galiläa, begründete Christentum römisch-katholischer Prägung, wenn auch das religiöse Fundament zugegebenermaßen bröckelt, weil immer weniger Menschen glauben und immer mehr ihrer Kirche qua Austritt den Rücken kehren.
Sie schreiben, Fronleichnam sei für Sie „in aller Regel ein langes Wochenende, an dem ich mal Besuch bekomme, mal wegfahre, oft irgendwo in der Sonne rumliege und mich immer wieder frage: Warum genau muss ich heute nicht arbeiten?“ Ähnlich beschreiben Sie Ihre Beziehung zu Pfingsten. „War das jetzt das Fest mit den Palmwedeln?“ Ich weiß nicht, lieber Herr Alkhalaf, welcher Religion Sie angehören oder ob Sie sich überhaupt einem religiösen Bekenntnis verpflichtet fühlen. Doch trösten Sie sich, wie Ihnen geht es auch immer mehr Deutschen und sogar Bayern, die nicht mehr wissen, warum welches christliche Fest gerade aus welchem Anlass gefeiert wird.
Christliche Feiertage ersetzen?
Mit Weihnachten können wohl die meisten Menschen noch etwas anfangen, wenngleich sich die Frage erhebt, welche Rolle der Weihnachtsmann bei Zeugung und Geburt Christi gespielt haben mag. Bei Ostern, dem Hochfest der Auferstehung des Herrn, wird es schon schwieriger, weil der Osterhase nicht ganz ins Bild passt. Die Bedeutung des Pfingstfestes, an dem die Herabkunft des Heiligen Geistes gefeiert wird, dürfte nicht nur Ihnen, lieber Herr Alkahlaf, sondern auch den meisten Deutschen mittlerweile nicht mehr vertraut sein, von den restlichen Feiertagen wie Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt etc. ganz abgesehen.
In der Tat stellt sich die Frage, wie in einer zunehmend säkularen Gesellschaft mit vorwiegend religiös begründeten Feiertagen umzugehen ist. Warum soll man etwas feiern dürfen oder müssen, von dem man gar nicht mehr weiß, um was es sich dabei handelt? Und wenn man eine Kirche höchstens noch einmal im Jahr, nämlich an Weihnachten, von innen sieht.
Christliche Feiertage reduzieren oder abschaffen und durch andere, zeitgemäßere ersetzen, wäre eine Möglichkeit. In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wurde ja schon der Internationale Frauentag am 8. März zum arbeitsfreien Feiertag erklärt, in Thüringen der „Weltkindertag“ am 20. September. Bundesweit gibt es auch den 1. Mai, den Tag der Arbeit, an dem die Errungenschaften der Arbeiterbewegung gefeiert werden. Der wurde zwar von den Nazis als arbeitsfreier Tag installiert, doch drückt man in diesem Fall gerne ein Auge zu.
Roberts Himmelfahrt am 8. Dezember
In einem schon 2018 in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Kommentar eines gewissen Markus C. Schulte von Drach fand ich noch weitere Feiertagsoptionen, deren Zeit jetzt zu kommen scheint: der Holocaust-Gedenktag oder der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, der 9. November zur Erinnerung an den Mauerfall 1989 und zugleich an die Reichspogromnacht 1938. Natürlich, so Schulte von Drach, könne es weiterhin „einige religiöse Feiertage“ geben, darunter etwa ein muslimischer und jüdischer Feiertag. „Und für alle Religionen zugleich wäre sogar ein Tag der Religionsfreiheit eine wichtige Botschaft. Das wäre ein Feiertag, den sogar Atheisten mitfeiern könnten: als Tag der Freiheit von Religionen.“
Sie selbst, lieber Herr Alkhalaf, berichten von einer Arbeitskollegin, die sich einen Feiertag des Baumes wünsche, an dem „die Leute zugunsten des Klimaschutzes Bäume pflanzen“. Das bringt mich auf den Gedanken, dem Klimaschutz als neuer Religion noch weitere arbeitsfreie Tage zu widmen: Gretas Geburt am 3. Januar, Verabschiedung des Kyoto-Protokolls am 11. Dezember, auszugestalten als auto- und heizungsfreier Tag, Erscheinung des Heiligen Hans Joachim (Schellnhuber) am 7. Juni sowie das Martyrium des Heiligen Patrick am 17. Mai, dem Tag seiner Entlassung durch Robert Habeck, dem man selbst auch einen Feiertag widmen könnte: Roberts Himmelfahrt am 8. Dezember, dem Tag seiner Ernennung zum Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler der Ampel.
Man könnte es, der Einfachheit halber, auch bei den derzeit überwiegend christlichen Feiertagen belassen, wobei jedoch nur aktive Kirchensteuerzahler der Arbeit fernbleiben dürften. Irgendwie hat man sich ja daran gewöhnt, und zur Not kann man Feiertage auch umdeuten, wie es schon bei der Konversion von Christi Himmelfahrt zum Vatertag gelungen ist. Der Rest wäre herzlich eingeladen, mitzufeiern, müsste sich dafür aber einen Urlaubstag anrechnen lassen. Den Kirchen dürfte eine solche Regelung die größte Wiedereintrittswelle aller Zeiten bescheren.
Georg Etscheit ist Autor und Journalist in München. Fast zehn Jahre arbeitete er für die Agentur dpa, schreibt seit 2000 aber lieber „frei“ über Umweltthemen sowie über Wirtschaft, Feinschmeckerei, Oper und klassische Musik u.a. für die Süddeutsche Zeitung.
Beitragsbild: European Parliament from EU - Flickr CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Herr Etscheit, Sie schreiben: „Man könnte es, der Einfachheit halber, auch bei den derzeit überwiegend christlichen Feiertagen belassen, wobei jedoch nur aktive Kirchensteuerzahler der Arbeit fernbleiben dürften. […] Den Kirchen dürfte eine solche Regelung die größte Wiedereintrittswelle aller Zeiten bescheren.“ Exakt dieses Prinzip verwendete die Hizbullah, „Partei Allahs“, militärischer Zweig der iranischen Revolutionsgarden, als Brückenkopf zur Invasion des Libanon, erfolgreich auf die dortigen Hungerleider der vormaligen Schweiz des Nahen Ostens an. Das zugrundeliegende Prinzip selbst war längst bereits dargestellt und erklärt worden von Ludwig Feuerbach im „Wesen des Christentums“. Das Wesen des Islams ist ihm prinzipiell gleich.
Außer darin. Vergib uns unsere Schuld! Wie wir unseren Schuldigen vergeben.
In Utah wurde einst auch einmal sarkastisch erwähnt, die Bibel zu verbieten. Etwas später, wurde der Schwachsinn zur Methode. Utah verbietet in Schulen die Bibel. Bei den Woken ist alles möglich, wenn also demnächst Sankt Robert und/oder Roberti Himmelfahrt „gefeiert“ wird, oder werden muss, weiß man, wo man sich bedanken muss.
„Bundesweit gibt es auch den 1. Mai, den Tag der Arbeit, an dem die Errungenschaften der Arbeiterbewegung gefeiert werden. Der wurde zwar von den Nazis als arbeitsfreier Tag installiert…“ – Richtig ist, dass unter den Nazis der 1.Mai dauerhaft Feiertag in Deutschland wurde. In Deutschland war der erste 1.Mai als gesetzlicher Feiertag 1919 gesetzlich festgelegt, wenn auch nur in diesem Jahr. Der Feiertag des 1.Mai als Tag der Arbeit war und ist kein Feiertag des Bürgertums, weshalb die Nazis diesen Feiertag gern übernahmen, da die Nazis sich als Arbeiterpartei verstand.
…sondern ist Aufgabe der jeweiligen Länderparlamente, mit Ausnahme des von Bund und Ländern gemeinsam anberaumten „Tages der Deutschen Einheit“. So etwas nennt man repräsentative Demokratie…. Da in Deutschland die Glaubensfreiheit garantiert ist, glaube ich das die repräsentative Demokratie darin besteht das der Bürger nicht gefragt wird, sondern nur politische Parteien oder Abgeordnete wählen darf die dann repräsentativ für das Volk und aus Gründen des Koalitionsfriedens solche Entscheidungen treffen.+++ Die Glaubensfreiheit ist schon allein deswegen garantiert, weil man in Glaubensfragen immer lügen kann. Glauben Sie an den Sinn der xyz Impfung? Ja natürlich Herr Minister, antwortet der Leiter des Gesundheitsamtes, der seinen Arbeitsplatz behalten will.
Nehmen wir doch einfach die Tage, an denen wir schon den vorhergesagten Weltuntergang überlebt haben. Oh – geht nicht, das sind zu viele. Gut, dann nehmen wir eben die Tage, für die noch kein Weltuntergang vorhergesagt wurde.
@Jörg
Themlitz / 22.06.2023 -
„@Ludwig Luhmann: Als Ergänzung von Gestern, LTI. Diese Informationen stehen nicht in LTI. Victor Klemperer hat Tagebuch geführt. Er hat mehrfach in diesen Tagebüchern verfügt, dass diese Tagebücher nicht veröffentlich werden. Es stehen da sehr, sehr persönliche Dinge drin. Die Tagebücher sind veröffentlicht worden. Tausende Seiten. (…)“ ---- Sapperlot und ei der Daus! Ich habe soeben festgestellt, dass ich die Tagbücher schon seit einigen Jahren besitze. Hatte ich ganz vergessen. Ich dachte, ich hätte nur die LTI. Ist ja auch alles in blau. Pierre Corneille kannt eich jedenfalls nicht. Ich werde mich mal drum kümmern. Vielen Dank für die guten Tipps!
Im NS-Staat wurde nicht nur der 1. Mai als Feiertag eingeführt, sondern auch schon mit der Beseitigung christlicher und insbesondere katholischer Feiertage ein Anfang gemacht: 1941 wurden die Feiertage Christi Himmelfahrt und Fronleichnam dort, wo sie bislang staatlich geschützt gewesen waren, abgeschafft. Festtagsgottesdienste wurden verboten, Zuwiderhandlungen gegen die Arbeitspflicht an diesen Tagen und schon der bloße Widerspruch gegen die neue Regel wurden mit Geld- oder Haftstrafen bedroht. Übrigens zeigte Hitlers Regierung ein gutes Gefühl für das passende Timing und das richtige Framing: Das Feiertagsgesetz kam nur eine Woche vor dem Himmelfahrtstag heraus, ohne dass irgendein katholischer Bischof vorher darüber informiert gewesen wäre, und offiziell wurden die Feiertage auch gar nicht abgeschafft, sondern auf die darauffolgenden Sonntage „verlegt“. In der DDR fiel der Himmelfahrtstag dann 1967 aufs Neue weg. Und jetzt ist es wohl bald zum dritten Mal soweit. An Christentumsverächtern, die das von Herzen begrüßen würden, fehlt es ja auch unter den Lesern der alternativen Medien nicht. Aber auch bei vielen Durchschnittschristen sieht es kaum besser aus. Was bedeutet ihnen z. B. noch das Osterfest? Würde ein zukünftiger Archäologe unserer Epoche ohne Kenntnis von Schriftquellen nur anhand von Sachzeugnissen zu ergründen versuchen, worum es dabei ging, müsste er zu dem Schluss kommen, dass es offenbar ein merkwürdiger Kultus um einen eierlegenden Hasen war.