Am Freitag, dem 18. September 2026, zog in die 10. Sitzung der Thüringer Corona-Enquetekommission die Wirklichkeit ein. Im Vorfeld war es den Enquete-Mitgliedern der AfD und ihren Sachverständigen, zu denen auch ich berufen wurde, gelungen, eine schriftliche Anhörung betroffener Verbände durchzusetzen. Befragt wurden Vertreter von Behinderten-, Pflege- und Kinderverbänden sowie zahlreichen weiteren Organisationen. Allesamt Organisationen, die bei der Beschlussfassung über die Corona-Schutzmaßnahmen nicht in relevanter Weise dazu angehört worden waren, welche Schäden für die von ihnen vertretenen Menschen zu erwarten seien.
Die Rückmeldungen waren entsprechend deutlich und drastisch. So war beispielsweise von nie dagewesenen Grundrechtseinschränkungen und einsamem Sterben die Rede. Daraufhin beantragten wir, dass diese Vertreter auch die Möglichkeit erhalten sollten, ihre Erfahrungen persönlich in der nächsten Sitzung der Enquetekommission im Landtag vorzutragen. Auch dieser Vorschlag war aufseiten der Regierungsparteien nicht willkommen. Schließlich stellten sie sich ihm jedoch nicht entgegen.
In der 10. Sitzung konnten die eingeladenen Vertreter somit im öffentlichen Teil der Sitzung ihre Erfahrungen schildern und sich anschließend den Fragen der Kommissionsmitglieder stellen.
Vor der Mittagspause schilderten Vertreter von Behindertenverbänden, welche schlimmen Auswirkungen Isolation und der Zusammenbruch der sozialen Einbindung auf Menschen mit Behinderungen hatten. Auf die Frage eines Sachverständigen der Linken, ob sie die Maßnahmen dennoch für richtig hielten, wurde dies in einer Weise bejaht, die für mich nur durch eine Verdrängung der zuvor geschilderten Wirklichkeit erklärbar ist.
Drastische Zustände
Daraufhin merkte ich an, dass ich diese Frage an Vertreter von Behindertenverbänden seltsam finde. Schließlich sind sie keine Epidemiologen und waren auch nicht über die tatsächliche damalige Bedrohungslage durch SARS-CoV-2 informiert worden. Diese entsprach nach Sichtung der offiziellen Zahlen und nach Meinung des internen RKI-Krisenstabs der einer üblichen Grippewelle. SARI-Sentinel-Daten, Krankenhausbelegungszahlen und Sterblichkeitsdaten sprechen hier aus meiner Sicht eine eindeutige Sprache. Individuelle Erlebnisse können epidemiologische Kennziffern nicht aushebeln. Das ist banal.
Doch an diesem grundlegenden Verständnis einer verantwortungsvollen Herangehensweise an pandemische Krisenlagen scheitern bisher auch die anderen Mitglieder der Kommission – von CDU und SPD über Thüringen-Gerecht (früher BSW) bis hin zur Linken. Zitat einer CDU-Kollegin: „Fakten interessieren mich nicht.“
Doch nach der Mittagspause wurde es noch deutlicher. Zwei Vertreterinnen der Pädagogen für Menschenrechte e.V. sowie ein Vertreter des Landesseniorenrates Thüringen schilderten drastische Zustände: vom Wegsperren alter Menschen in Kellerräume, wo sie isoliert wurden, bis hin zu Berichten darüber, wie behinderten Kindern gegen ihren Willen brutal und gewaltsam Teststäbchen in den Gaumen eingeführt wurden, um dort 30 Sekunden lang herumzuwischen.
Achgut-Leser wissen das alles. Aber es noch einmal direkt zu hören … man schämt sich für diesen Staat.
Wieder versuchte der Sachverständige der Linken, die Situation etwas zu entschärfen, indem er die Vertreter fragte, ob es nicht doch auch etwas Gutes gegeben habe, auf dem man später aufbauen könne. Die drei mussten sichtlich überlegen, bis sie antworteten: Das einzig Gute sei die Solidarität mit anderen gewesen, wenn es darum ging, die Maßnahmen zu umgehen. Dem schließe ich mich an.
Dieser Teil der 10. Sitzung der Enquetekommission ist äußerst wichtig. Bitte hören Sie ihn an und verbreiten Sie die zwei Stellungnahmen der Vertreter von Kindern und Alten weiter. Jeder soll wissen wie brutal die Gesellschaft mit ihren schwächsten Mitgliedern umgegangen ist – im Namen der Solidarität. Besonders dann, wenn gut subventionierte Funktionäre und Beamte von Universitäten bis hin zur Präsidentin des Deutschen Bundestags wieder meinen, wir seien doch gut durch die Pandemie gekommen. Sie können die aufgezeichnete Sitzung in der offiziellen Mediathek des Thüringer Landtags aufrufen. Springen Sie am besten direkt zur Zeitmarke 3:32:40. Hier der Link.
PS: Wenn Sie mich nicht sehen, liegt das daran, dass ich im Sichtschatten der Kamera sitze.
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„Schließlich sind sie keine Epidemiologen“
Das sind Virologen auch nicht. Und trotzdem haben diese putzigen Kerlchen der staunenden Öffentlichkeit überwiegend Unfug erzählt. Und die Öffentlichkeit hat es geglaubt.