Henryk M. Broder / 20.11.2006 / 23:54 / 0 / Seite ausdrucken

Gratismut und Altersweisheit

In einem langen Gespräch mit der ZEIT über seine Arbeit, seine Motivation, sein politisches Engagement und seinen Umgang mit Sammlern äußert sich der Künstler Hans Haacke auch über seine Haltung zum Islam und erklärt, warum er sich kritisch mit Amerika,  aber nicht mit dem Islam auseinandersetzt:

ZEIT: Ein Werk, das sich mit der Rolle des Islams beschäftigt, gibt es von Ihnen aber noch nicht.

Haacke: Das wird es so bald wohl auch nicht geben. Das Verhältnis zum Islam erscheint mir so komplex und explosiv, dass ich mich da nicht heranwage. Auf allen Seiten hat sich zu viel Sprengstoff angelagert. Es lässt sich nicht vorhersehen, wer da vielleicht plötzlich verrückt spielt.

ZEIT: Vorhin haben Sie noch gesagt, ein Künstler dürfe nicht feige sein.

Haacke: Nicht feige sein sollte nicht mit Leichtsinn verwechselt werden. Man kann nicht einfach sagen, ach, jetzt bin ich mal mutig und arbeite fröhlich drauflos. Zu viel steht auf dem Spiel.

ZEIT: Ist das eine Art Selbstzensur?

Haacke: Wissen Sie, als ich kritische Arbeiten zur Apartheid oder zur Bush-Politik gemacht habe, bestand kein Grund, zu befürchten, dass jemand deshalb an Leib und Leben in Gefahr geriete. Ich wusste, die amerikanische Nationalgarde würde nicht mit ihren Knarren anrücken.

ZEIT: Den Künstlern bleibt nur das Schweigen?

Haacke: Alle, die sich öffentlich äußern, Journalisten, Politiker, der Papst, müssen die Folgen bedenken. Es ging bei den Mohammed-Karikaturen doch nicht um die Freiheit der Rede, man wollte eine religiöse Minderheit in Dänemark provozieren. Das ist zynisch. Es ist liberalen Muslimen nicht geholfen, wenn wir hier den Ofen anheizen.

ZEIT: Und das ertragen Sie? Einfach nur zusehen?

Haacke: Das ist ja nicht feige, es ist vielleicht weise. Ich bin jetzt 70, da kann ich mir ein wenig Weisheit leisten.

So funktioniert Appeasement. Man ist dort mutig, wos nix kostet, und man ist dort weise, wos gefährlich werden könnte. Deswegen werden wir auf ein Bild von HH, das Theo van Gogh oder Daniel Pearl gewidmet ist, lange warten müssen. Dafür gibt es das Haacke-Bild zu Abu Ghraib (Star Gazing) schon seit 2oo4.

Das ganze Interview:
http://www.zeit.de/2006/47/Hans-Haacke?page=all

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