Fred Viebahn / 15.01.2007 / 15:58 / 0 / Seite ausdrucken

Grabschen nach Uschi Obermaier

For Old Times Sakes: Von Uschi Obermeier bis Floh de Cologne

Bei meinem Berlinbesuch letztes Frühjahr grabschte ich mir von einem Wühltisch mit verbilligten DVDs den Spielfilm ROTE SONNE, 1969 mit Uschi Obermaier in der Hauptrolle gedreht. Ich hatte zwar nie vorher davon gehört, aber irgendwann, dachte ich mir, gibt mir der vielleicht einen kreativen Nostalgieschubs; immerhin hatte ich Uschi und die Kommune 1 bereits 1967 in Aktion erlebt. Zuhause landete der Film allerdings zuerst mal auf einem Haufen ungesehener Scheiben, der sich bedrohlich bei mir auftürmt.

Heute las ich zufällig beim Browsen, daß Uschi Obermeiers eigenes stürmisches Leben kürzlich zum Stoff für ein Spielfilm wurde (vom Gruppensex der Kommunarden über heiße Nächte mit Mick Jagger und Keith Richards und ihre Heirat mit einem Reeperbahnbonzen bis zur Karriere als nunmehr sechzigjährige Schmuckverkäuferin in Kalifornien); der Streifen, EIGHT MILES HIGH, soll Anfang Februar auf den deutschen Markt kommen. Also schoben meine Frau und ich die rote Sonne in unseren Multisystemspieler und setzten uns gemütlich davor. Da schnell klar wurde, daß es sich dabei um einen schlechten, genauer gesagt sehr schlechten Film handelte, komprimierten wir unser Seh"vergnügen” mithilfe des Schnellvorlaufs auf weniger als die Hälfte der eigentlichen Länge. Anschließend, als ich mich bemühte, meiner Frau zum x-tenmal die Irrlichtereien der späten Sechziger in Deutschland zu erklären, packte sie bei den Namen, die ich herunterrasselte, ohne daß sie ihr was bedeuteten, die Bildungslust, und sie fing lustig an zu googeln: Langhans, Teufel, Kunzelmann… So kamen wir vom Hölzchen aufs Stöckchen. Und auf einmal, wir wissen schon nicht mehr die Spur zurückzuverfolgen, klickte sie auf einen Video-Podcast auf der Webseite der Neuen Rheinischen Zeitung vom 10. Januar dieses Jahres, in dem ein netter mittelälterer Herr einen quasi historischen Bericht übers “Floh de Cologne” ankündigte. Während meiner Jahre an der Uni Köln kam man um das freche Studentenkabarett nicht herum; schon in meinem ersten Semester, Frühling 1966, verstellten sie mir am Eingang der Mensa lautstark den Weg. In den Siebzigern, als Gerd Wollschon, Hansi Frank und Genossen ihr Studium längst dem SDS geopfert hatten und sie ihren anarcho-sozialistischen Klamauk landesweit profitabel vermarkteten, übernachtete der eine oder andere Floh gelegentlich bei mir am Berliner Savignyplatz.

Der guterhaltene Moderator des nostalgischen Podcast kam mir gleich persönlich bekannt vor, aber es dauerte ein paar Minuten, bis ich’s im Untertext des Clips las: Es war Reinhard Hippen, 1969 gemeinsam mit Henryk Broder, Rolf-Ulrich Kaiser und mir Herausgeber einer bilderstürmerischen, doch kurzlebigen “Underground-Postille”. Und er sah deshalb noch so erstaunlich guterhalten aus, weil dieses Video bereits 1993 geschossen worden war, als wir alle kaum eine dumpfe Ahnung hatten, daß einen im neuen Jahrtausend viele Bruchstücke der alten Zeiten ganz unerwartet auf dem Bildschirm des Heimcomputers überfallen würden. Fast vier Jahrzehnte lang hatte ich Hippen nicht gesehen, und seit über drei Jahrzehnten saßen mir die Flöhe nicht mehr im Pelz…

For old times sakes, hier ist der Link zu einer nostalgischen Videospritztour in die Jugendjahre der Achtundsechziger:

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10397

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