Gerald Wolf, Gastautor / 15.10.2018 / 10:30 / Foto: Yann / 14 / Seite ausdrucken

Gottes Populisten oder Hüter der Moral?

Wer ist für die Moral zuständig? Die Kirche natürlich, wer sonst! Denn, so die landläufige Auffassung, von Gott (oder wem auch immer) stammen die Zehn Gebote, der Mensch Moses war ihr Überbringer, und die Kirchen, die von gestern wie die von heute, sind deren Lehrer und Hüter. Tatsächlich gibt es hierzulande wohl kaum einen Ethikrat ohne Kirchenvertreter. Ex professio, von Amts wegen gewissermaßen, gehören sie dazu. Die christliche Ethik, so die Erklärung, bilde nun mal einen Grundpfeiler unserer Kultur. „Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“, habe Jesus gesagt (Matthäus 5, 39). Als er ans Kreuz genagelt wurde, soll er gebetet haben: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23, 34). Nicht Rache also, sondern Versöhnung! Und wirklich, die Welt sähe anders aus, würde dies zur Maxime der Allgemeinheit.

Allerdings gibt es nicht wenige Menschen, die den Kirchen die Moralwächterrolle absprechen. Aufs Neue beflügelt durch jüngste Skandale. Papst Franziskus hat die aus seiner Kirche bekanntgewordenen Missbrauchsfälle als "monströs" bezeichnet. Das Zölibat der Priester und der damit einhergehende sexuelle Frust mag das seine dazugeliefert haben, und das ist kaum weniger beklagenswert. Doch auch die Evangelische Kirche muss in ihren Reihen sexuelle Gewalt erkennen. Als ob das alles nicht Belastung genug wäre, nun auch noch das päpstliche Edikt, gewollte Schwangerschaftsabbrüche seien eine Art von „Auftragsmord“. Abtreibende Ärzte und deren Teams werden damit zu Mördern gestempelt.

Leichtfertigkeiten im Umgang mit werdendem menschlichen Leben mag es geben, und diese sollten nicht unnötig leichtgemacht werden. Aber eine generalisierende moralische Verurteilung, die Fälle von seelischer Not oder sich pränatal ankündigender Gebrechen gleichermaßen mit Bann bedenken? Und das durch einen Menschen, dem seine Organisation in sittlichen Fragen Unfehlbarkeit bescheinigt.

Die Kirche im Dorf lassen

Wie geht das alles zusammen mit der christlichen Ethik und dem Anspruch, Hüter der Moral zu sein? Gar nicht. Das genau ist den Kirchen „dank“ der neuerlichen Skandale bewusst geworden. Nicht länger vertuschen wollen sie Missbrauchsfälle oder weitere Aufräumungskampagnen abwarten, sondern auch selbst recherchieren, um Verbrechen von sich aus ahnden zu können. Ansonsten, so ist zu lesen, wüchse die Entfremdung der Menschen von ihrer Kirche, was deren Fortexistenz bedrohe. Kirchenbauten am Ende nur noch als Museen? Selbst die meisten der Atheisten wollen das nicht. Wodurch sonst, wenn nicht durch die christliche Ethik, würde die öffentliche Moral institutionalisiert?

Allerdings gründet der Anspruch der Kirchen, Hüter der Moral zu sein, ohnehin auf sehr weichem Boden. Jesus hatte dem Neuen Testament zufolge auch andere als begütigende Seiten. Er sei nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert, findet man in Matthäus 10, 34. Im Alten Testament gar, da wimmelt es von göttlich verordneten Grausamkeiten, die unserem heutigen Ethikverständnis völlig zuwiderlaufen. Allein schon das Modell der Sintflut. Gewissermaßen per Handstreich ertränkte Gott alle die damals lebenden Menschen, weil sie, die er einst selbst erschaffen hatte, seinen Erwartungen nicht genügten: Kinder, Frauen, Männer; ausgenommen Noah und seine Familie. Oder denken wir an Moses. Er kam vom Berg Sinai, hatte gerade erst von Gott die Zehn Gebote empfangen, unter ihnen das Tötungsverbot, und ließ 3.000 seiner Landsleute erschlagen. Warum? Weil er sie dabei antraf, wie sie ums Goldene Kalb tanzten.

Oder man denke an die Kreuzzüge und die dabei verübten Gräuel, an die Hexen- und Ketzerprozesse, an die kirchlich gebilligten Verbrechen gegen indigene Bevölkerungen und vielleicht auch daran, dass im Kirchenstaat die Todesstrafe, wiewohl heute abgelehnt, noch am Ende des 19. Jahrhunderts praktiziert wurde. Kriege, ausgetragen von sich christlich dünkenden Gruppierungen, konnten immer auf die Unterstützung der Kirchen zählen. Ebenso die christliche Gegenseite. Und wie befremdlich ist die Geduld, mit der seitens der Christenheit die Verfolgung ihrer Glaubensschwestern und -brüder in muslimisch geprägten Ländern hingenommen wird.

Christen oder Nicht-Christen, das ist hier die Frage

Doch wäre es grob ungerecht, wolle man die Überlegungen zur christlichen Ethik mit solcherlei Argumenten beschließen. Überzeugte Christen haben ihre moralische Integrität millionenfach belegt und tun dies immer wieder aufs Neue. Nicht nur durch ihr diakonisches Engagement, sondern auch ihrer Wohltätigkeit einzelner Bedürftiger wegen. Dabei mag die christliche Ethik eine wirkungsvolle Stütze sein. Muss aber nicht. Denn: Eine bindende Antwort auf die Frage nach der moralischen Überlegenheit von Christen gegenüber Nichtgläubigen steht noch immer aus. Gewiss sind Menschen nicht die besseren Menschen, nur weil sie sich Christen nennen oder sich, aus welchen Gründen auch immer, moralisch überlegen fühlen. Moralisch höher als andere zu stehen, muss durch Haltung verdient werden – und durch Verhalten.

Um ihre Glaubhaftigkeit nicht aufs Neue zu gefährden, sind die Kirchen gut beraten, mit der gebotenen Strenge weitere Missbrauchsfälle auszuschließen. Auch sollten sie weder materielle Vergünstigungen in den Vordergrund ihrer Arbeit stellen noch sich von Parteien oder – eher schlimmer – von tagespolitischen Haltungen vereinnahmen lassen. Zum Beispiel, indem die Kirchenobrigkeit einer 2.000 Jahre währenden Populismus-Praxis folgt, um sich mit erzkonservativen Vertretern des Islam an einen Tisch zu setzen, gleichzeitig aber die AfD zu verteufeln.

Wie, muss man sich da fragen, steht es denn mit der Moral all jener, denen das Christentum ferne ist, überhaupt jedwede Religion? Der Philosoph Immanuel Kant deutet mit seinem berühmt gewordenen Ausspruch auf einen inneren Wächter hin:

"Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir."

Über den bestirnten Himmel wissen wir mittlerweile viel mehr, noch immer aber fast nichts über:

Das moralische Gesetz in uns

Doch kennt es jeder. Wer nachts auf der Landstraße die Scheinwerfer seines Autos immer wieder brav abblendet, sobald ein anderes Auto entgegenkommt, dann bestimmt nicht, weil er befürchtet, die Polizei könnte dies überwachen. Nein, wir machen das aus einer inneren Haltung heraus. Denn jeder weiß, wie unangenehm es ist, geblendet zu werden. Nicht auszudenken, wenn der Entgegenkommende dadurch an den nächsten Straßenbaum geriete. Wir würden dann von schlimmster Reue gebeutelt.

Es handelt sich hierbei in der Tat um eine Art von innerem Moralwächter. Missachten wir ihn, entstehen strafende Gefühle. Nicht von ungefähr spricht man von Gewissens-Bissen, von Skrupeln (lat. scrupulus: „spitzes Steinchen“ – im Schuh). Solche inneren Strafmechanismen sind für unser Zusammenleben von größter Bedeutung. Ebenso verhält es sich im Positiven. Wenn wir etwas Gutes tun, ein weinendes Kind trösten, jemandem die helfende Hand entgegenstrecken, der sie dringend braucht, dann fühlen wir uns selbst gut. Solcherart strafende wie eben auch belohnende Gefühle bewirken, dass die Regeln des Miteinanders, sofern sie tief innerlich als notwendig, gut und richtig akzeptiert sind, eingehalten werden.

Homo sapiens ist nun mal ein durch und durch soziales Wesen, auch von Natur aus. Das gilt genauso für unsere tierische Verwandtschaft. Sie ist ausnahmslos sozial organisiert, und das, ohne die Gemeinschaft und deren Regelwerk als zweckmäßig begreifen zu können, als vernünftig. Gesetze quasi-moralischer Art sind es, die das Miteinander gestalten. Sie liegen den Tieren gewissermaßen im Blut. Uns ebenfalls.

Die Frage nun, wie kommen solche Verhaltensregeln in die Tiere hinein, wie in uns? Wie bei so vielen anderen Hirneigenschaften sind es Gene, die die Verschaltung von Nervenzellen im Gehirn bereits vor aller Erfahrung diktieren. In Reifungsprozessen auch noch während der Kindheit. Sie bewirken – unter anderem – die Programmierung wichtiger Verhaltensleistungen und Verhaltenstendenzen. Allerdings weiß kein Mensch, wie diese Programme auf der Ebene der Nervenzellen und ihrer Verbünde aussehen, ebenso nicht, wie sie im Einzelnen zustande kommen. Nur eben, dass sie unter anderem das ermöglichen, was wir aus den Tiefen unseres Inneren als Erlebnisqualitäten erfahren, Qualia genannt. Dazu gehören die Sinnesgefühle wie auch alle Gefühle der seelischen Art.

Er-ziehung und Ver-ziehung

Qualia sind höchst privat, mithin weder lehr- noch erlernbar. Doch ihre Auslösbarkeit ist es, ihre Intensität und Dauerhaftigkeit. Hier, genau hier, greifen die Möglichkeiten für eine moralische Er-ziehung und Ver-ziehung. Chance also und Risiko zugleich.

Hier auch befinden sich die Stellschrauben, an denen sie alle drehen, zumindest zu drehen versuchen: Mutter, Vater und Geschwister, Lehrer, Freunde und Feinde, Chefs, Politiker und Medien, Künstler und Wissenschaftler, all die (gegenwärtig noch immer) tausenden Religionen mit ihren jeweiligen Moralpaketen, Gurus, Volkspädagogen und Demagogen, Psychotherapeuten und die Ratgeber in Kursen und Büchern. Die Einen eher gut, die Anderen eher schlecht, die Einen eher stark, die Andern eher schwach. Idole gibt es zuhauf, das Ideal aber fehlt: die gütige, starke und unfehlbar kluge Oberhand.

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Leserpost

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armin wacker / 15.10.2018

Ja Gott hat die Sint flut kommen lassen, weil die Menschheit total verdorben war und sich die Daemonen mit den Toechtern des Adam vereinigt hatten. Eins ist ganz klar. Gott ist ein eifersuechtiger Gott. Wer seinen Zorn nicht versteht, der versteht auch seine Liebe nicht, die durch seinen Tod am Kreuz allen Wesen gilt. Jesus sagt “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben “.Bitte auch das Eingangswort des Evangeliums nach Johannes lesen. Wir Christen leben nicht nach den Gesetzen der Moral, sondern folgen Jesus Christ us nach.

H.Roth / 15.10.2018

Der Artikel beginnt mit einem Irrtum und endet mit einem Irrtum. Dazwischen sind auch manche gute Aussagen zu finden, beispielsweise, dass sich die Moral “in der Haltung und in dem Verhalten” zeigen muss. Menschen sind moralische Wesen. Tiere nicht (survival of the fittest). Menschen sind aber keineswegs imstande von sich aus Moral zu entwickeln. Sie haben lediglich die Fähigkeit, sie zu erlernen, weil das wahr ist, was am Anfang der Bibel steht: “Gott schuf den Menschen in SEINEM Bilde, im Bilde Gottes schuf er ihn” (Genesis) Das bedeutet, dass Gott selbst der Urheber der Moral ist. Und Gott IST. Und ER ist “die gütige, starke und unfehlbar kluge Oberhand”. Und darum interessiert es mich recht wenig, was irgendeine Kirche oder andere oberste “Moralapostel” daherreden.

Peter Michel / 15.10.2018

Ein sehr oberflächlicher Text. Bitte studieren Sie doch einige Dinge tiefer und verwechseln nicht aktives menschliches Tun mit der Lehre Jesu. PS : Mit dem Schwert wollte Jesus niemand erschlagen.

Gertraude Wenz / 15.10.2018

@Alexander Mazurek: “Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, dann glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche. Das ist die Chance der Propheten - und sie kommen in Scharen.” Zitatende. 1) Ist das nicht eine Unterstellung? Wo ist der Beleg dafür? Außerdem scheren Sie alle Nichtreligiösen über einen Kamm. Ich kann wunderbar damit leben, dass ich nicht auf alles eine Antwort habe. Auf der SUCHE sein nach Erkenntnis (als Basis die wissenschaftliche) hat etwas zutiefst Erfüllendes. Die “Freien Denker” (ohne Religion) zeichnen sich gerade durch eine wohltuende Überlegtheit und Nachdenklichkeit aus. Das ist ja ihr Markenzeichen: Jede Behauptung braucht Belege, sie muss sich verifizieren lassen. Sonst bleibt sie eine bloße Behauptung. Und bloße Behauptungen kann ich jede Menge in die Welt setzen. Dazu braucht es nur ein bisschen Phantasie. Insofern hätten dann auch noch das fliegende Spaghettimonster und seine Abspaltungen (grins) ihre Berechtigung. Mir ist im Gegenteil aufgefallen, dass religiöse Menschen ihre Begabung für das Übersinnliche gern noch ausweiten z.B. auf Astrologie, Homöopathie, Wiedergeburt und manch anderen Aberglauben. 2) Welchen Gott meinen Sie überhaupt? Es hat im Laufe der Geschichte Hunderttausende von Göttern gegeben. An welchen haben Sie gedacht bei Ihrem Zitat? Wahrscheinlich an den christlichen, in dessen “Einflussgebiet” Sie zufällig aufgewachsen sind. Alle Religiösen sollten sich vor Augen halten: Religion ist vor allem eine Frage der Zeit und der Geographie.

Bernhard Maxara / 15.10.2018

“Selbst dem Frömmsten ist das Mittagessen wichtiger als das ‘Abendmahl’ ”  (Friedrich Nietzsche)

S. Märtins / 15.10.2018

bitte nicht immer das alte Klischee der Kreuzzüge, die erstens sehr begrenzt und zweitens in den Gepflogenheiten der damaligen Zeit geführt geworden. Wenn sie Kriegsherren mit ausgeprägter Grausamkeit suchen , werden sie wohl eher bei Timur Lenk und Dschingis Khan fündig. Und auch der Verweis auf das Alte Testament ist leider daneben, weil von Unkenntnis getrübt. Interessantes Thema übrigens, wie das alte Testament entstand und was davon Propaganda war. Auf Grund von Rotkäppchen und der Wolf wollen sie doch nicht etwa die Wölfe verurteilen. Und wie der Aufstieg der Grünen beweist , wird sich ein neuer Glauben gebastelt , mit rigiden Bekenntnissen. Also Kirche im Dorf lassen und ” wer ohne Sünde ist , der werfe den ersten Stein “.

Karla Kuhn / 15.10.2018

“Wer ist für die Moral zuständig? Die Kirche natürlich, wer sonst!”  RICHTIG; DAS sieht man genau an den KINDERSCHÄNDERN in ihren EIGENEN Reihen !  “Mutter, Vater und Geschwister, Lehrer, Freunde und Feinde, Chefs, Politiker und Medien, Künstler und Wissenschaftler,...”  Ich frage mich WIE es unsere Mutter geschafft hat, OHNE diesen ganzen Schwanz an “AUTORITÄTEN” uns Kinder zu anständigen, produktiven, empathischen Menschen zu erziehen.  Übrigens, wie die MEISTEN alleinstehenden Mütter, die zeitig Witwe geworden sind.  Oder auch ELTERN.  ” Überzeugte Christen haben ihre moralische Integrität millionenfach belegt und tun dies immer wieder aufs Neue. ” Wow, WENN das wirklich so wäre, wäre die Welt eine friedliche !!  “Wie, muss man sich da fragen, steht es denn mit der Moral all jener, denen das Christentum ferne ist, überhaupt jedwede Religion ?  Da gibt es GENAUSO viele GUTE wie Schlechte Charaktere wie bei denjenigen, die dem Christentum NAHE sind.

Elmar Schürscheid / 15.10.2018

Da ist ein guter König doch die beste Lösung. Na, Spaß beiseite. Die Moral steht und fällt mit dem Kontostand. Das Gewissen auch.

Reinhard Nolte / 15.10.2018

Es sind die Gene in uns, dazu die Programmierung in der Erziehung, dann kann ich mich ja beruhigt zurücklehnen. Da die Moralentscheidung deterministisch vorgegeben ist, bleiben mir moralische Dilemmata und damit die Auseinandersetzung mit der Schuld erspart. Beim Tier mag es so sein. Biblisch gesehen haben wir Menschen das leider mit dem Sündenfall verwirkt. Wir sind in gewisser Weise schon selbst für unsere Entscheidungen und Taten verantwortlich. Und das ist gut so. C. G. Jung beschreibt diesen Prozess für mich recht anschaulich in seinem Konzept der Individuation. Moral ist durch ein Normensystem definiert, das manchmal der eigenen Ethik widerspricht. Die Ethik, die ich in der Auseinandersetzung mit mir im Individuationsprozess entwickle. Zu diesem Prozess gehört für mich u. a. unweigerlich die Auseinandersetzung mit Gott und den christlichen Werten des neuen Testaments.

Sabine Heinrich / 15.10.2018

Die Kirche als Hüterin der Moral - dass ich nicht lache! Selbst christlich erzogen (ev.), die christlichen Wertvorstellungen (nach dem Neuen Testament) auch heute noch schätzend, ist mir schon in den 70er Jahren die Unmenschlichkeit der Kirchenbeamten bitter aufgestoßen. Diese “heiligen” Männer haben gegen Abtreibung gewettert, als gälte es, den Teufel persönlich zu bekämpfen. So lange die Kinder nicht geboren waren, haben kirchliche Leute den Müttern, die eigentlich abtreiben wollten, ein schlechtes Geswissen gemacht, sich aber auch gekümmert ; waren die Babys auf der Welt, waren sie und die Mütter den Scheinheiligen egal. Persönlich nicht betroffen, habe ich aber schon als junge Lehrerin erleben müssen, was ungewollte Kinder zu erleiden haben - von Vernachlässigung bis zu Misshandlung. Von Missbrauch wusste ich noch nichts -  ich war zu naiv. Da bin ich (seinerzeit eher schüchtern) aus Protest aus der Kirche ausgetreten. - Jahrzehnte später wurde mir in einem Gespräch mit einem Psychologen bewusst, was es bedeutete dass in den späten 50er Jahren in einem evangelischen Kinderheim in Hinterzarten, wo ich ein paar Wochen zugebracht hatte, die Leiterin immer ganz rote Bäckchen bekam, wenn sie einen Jungen geschlagen und einen anderen besonders nett behandelt hat. Missbrauchsfälle vor allem in der katholischen Kirche - und völlig verantwortungslos - das gepredigte Verhütungsverbot! Moral! So hält man weiterhin die Armen arm - was ganz im Sinne der katholischen Kirche ist. Wer arm ist, hat keinen Zugang zu Bildung, wer dumm ist, ist leicht zu manipulieren (was unsere Politiker schon längst erkannt haben) - und die Kirche braucht nicht um ihre Macht zu fürchten. Es gibt wunderbares “Fußvolk” in den Kirchen, aber die Spitze ist oberfaul. Warum diese Herrschaften nicht gleich ihr Ornat ablegen und in die Politik gehen, bzw. sich zu Imamen weiterbilden lassen, erschließt sich mir nicht. Ach nein - ohne Ornat wären sie wohl nur Nullen in der großen Politikerschar.  

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