Christoph Lövenich, Gastautor / 30.06.2020 / 14:00 / Foto: Pixabay / 8 / Seite ausdrucken

Goodbye, Zombie-Unternehmen!

Bei Karstadt herrschteine Stimmung ‚wie im Krieg‘“, Fluglinien-Beschäftigte warnen: „Lufthansa Lives Matter“. Das sind keine Erscheinungen, die ursächlich mit dem Corona-Ausnahmezustand zu tun haben, sondern mit solcher Panik wird in Deutschland schon lange auf Erschütterungen des wirtschaftlichen Lebens reagiert. Stabilität wird in einem Maße hochgehalten, dass die normale Dynamik des Marktgeschehens als Bedrohung erscheint. Der wirtschaftspolitische Fokus auf Stabilisierung führt dazu, dass selbst Unternehmen und Geschäftsmodelle, die ökonomisch eigentlich nicht mehr lebensfähig sind, als Untote weiterbestehen. Bis zu 16 Prozent der deutschen Unternehmen gelten inzwischen als unprofitable „Zombies“, künstlich am Leben gehalten durch Niedrigzinsen, „Rettungsaktionen“ und Wettbewerbseinschränkungen.

Das beklagt Alexander Horn in seinem Buch „Die Zombiewirtschaft. Warum die Politik Innovation behindert und die Unternehmen in Deutschland zu Wohlstandsbremsen geworden sind“ – kürzlich in der Edition Novo erschienen. Der Unternehmensberater und Novo-Redakteur steht mit seinem Vorwurf an die staatliche Politik und die Europäische Zentralbank, Zombiefirmen zu Lasten der notwendigen Marktbereinigung durchzuschleppen, nicht alleine da. Einige Kritiker haben sich des Themas angenommen.

Horn geht aber darüber hinaus: Für ihn sind Zombies nur die Spitze des Eisbergs. „Alle Unternehmen haben die problematischen Eigenschaften der Zombieunternehmen entwickelt, obwohl sich nur ein Teil […] aufgrund seiner desolaten wirtschaftlichen Verfassung als solche qualifiziert“, diagnostiziert er. „Die Wirtschaft ist umfassend erstarrt.“ Das Problematische besteht für ihn vor allem darin, dass die Unternehmen immer weniger für steigende Arbeitsproduktivität sorgen. Hierzulande stagniert die Arbeitsproduktivität – abgesehen von der Ausnahme Automobilindustrie – beinahe und das schon lange. „Der Wohlstandsmotor ist zusammengebrochen“, so der Autor. Denn ohne Produktivitätssteigerungen kein materieller Fortschritt, kein Mehr an Konsum, kein Mehr an Freizeit, mithin keine „Ausweitung der gesellschaftlichen und individuellen Freiheiten und Möglichkeiten“.

Die Dynamik zu zähmen, richtet Schaden an

Um produktiver zu werden, bräuchte es mehr Investitionen und mehr Innovationen. An beidem mangelt es jedoch, wie Horn faktenreich belegt und anhand einer Reihe von Diagrammen eindrücklich aufzeigt. Deutschland exportiert haufenweise Kapital, weil man offenbar zu wenige Möglichkeiten sieht, hierzulande zu investieren. Aktiengesellschaften schütten Rekorddividenden aus, statt Geld in die Erhöhung ihrer eigenen Effizienz zu stecken. Bei den Innovationen kommt hinzu, dass Politiker gerne von ihnen schwafeln, sie aber definitorisch verwässern. Statt wie bei Schumpeter Fortschritt über notwendige „schöpferische Zerstörung“ zu erzielen, ist man – wie der Autor meint –zu einem sehr schwammigen, beliebigen Verständnis von Innovation“ übergegangen, das wirklich „disruptive“ Veränderungen am liebsten vermeiden möchte. Stattdessen dominieren (unter anderem keynesianisches) Gleichgewichtsdenken und die schon angesprochene Stabilitätsorientierung. Der Kapitalismus neigt aber dazu, „bestehende wirtschaftliche Gleichgewichte und soziale Verhältnisse eher aus der Ruhe zu bringen, als zu stabilisieren.“ (H.i.O.). Diese Dynamik zähmen zu wollen, richtet Schaden an.

Die Kluft zwischen den Prinzipien der Marktwirtschaft einerseits und der heutigen politischen Praxis andererseits reicht allerdings noch viel tiefer, wie sich gerade auf dem Gebiet der Technologien in Deutschland offenbart. Grüne Gentechnik, Glyphosat, Kernenergie und viele andere Beispiele zeigen, dass antihumanistisches (Öko-)Denken als Innovations-, Fortschritts- und Wachstumsbremse fungiert. Ein „Menschenbild, das auf Vermeidung, Selbstbegrenzung, Risikoscheu und Angst vor Veränderung basiert“ macht Horn für den „Verlust des Vertrauens in die Kreativität unserer Gesellschaften, neue Probleme zu meistern“ verantwortlich. Diese vorherrschende Weltanschauung unterminiert die Aufklärung als geistige Grundlage einer freien Wirtschaftsordnung und verbindet sich mit einer „Geringschätzung des materiellen Wohlstands der breiten Massen“ (H.i.O.).

Das Werk spannt einen breiten Bogen, von „Taschenspielertricks“ der Rentenpolitik, die stagnierenden Wohlstand nur verhüllen, über den nur sehr partiell vorhandenen Fachkräftemangel, dem sich mit Rationalisierung begegnen ließe, bis zur Digitalisierung beziehungsweise Industrie 4.0, die sich in Sachen Produktivität bisher noch als Papiertiger geriert. In der Ursachenforschung kommen sowohl Marx‘ Analyse vom tendenziellen Fall der Profitrate zur Sprache als auch Kritik am ausufernden Sozial- und Subventionsstaat. An der Ausgangslage verändert die Corona-Krise wenig, sie führt allerdings zur Verschärfung der Problematik.

Wohlstand für alle statt Umverteilung des Mangels

Zusätzliche Essays zweier Gastautoren reichern das Buch an. Der Brite Phil Mullan beleuchtet die Zombiewirtschaft vor allem aus marxistischer Sicht und kritisiert sie als schwarzes Loch, das jegliche Aktivität einsaugt und erstickt und kreative Impulse zunichtemacht“. Michael von Prollius kommt aus ganz anderer Perspektive, nämlich der der Österreichischen Schule der Wirtschaftswissenschaft, zu einer ähnlichen Diagnose. Er spricht von „einer notwendigen Bereinigungskrise, die die herrschenden Eliten unbedingt zu vermeiden suchen“ und stößt damit ins gleiche Horn wie Alexander Horn. Der Hauptautor beklagt nämlich ebenfalls, dass die Problematik „ignoriert, beschönigt oder verschleiert“ wird. Die Industriestrategie von Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) zum Beispiel würde zu noch mehr Zombifizierung führen.

Wie sähe nach Horns Vorstellung eine Bereinigung, eine Überwindung der Zombieökonomie aus? Wohlstand für alle statt Umverteilung des Mangels, technologische Innovationen mit dem Ziel größerer Naturbeherrschung, schöpferische Zerstörung der Zombieunternehmen, mehr Autonomie der Wirtschaftssubjekte und eine starke Demokratie, damit sich diese Restrukturierung gegen pfründenverteidigende Partikularinteressen durchsetzen lässt. Hierfür müsste aber zunächst einmal die Problemerkenntnis anwachsen, wozu dieses Buch einen eindrucksvollen Beitrag leistet.

Alexander Horn: „Die Zombiewirtschaft. Warum die Politik Innovation behindert und die Unternehmen in Deutschland zu Wohlstandsbremsen geworden sind“, mit Beiträgen von Michael von Prollius und Phil Mullan, 2020, Frankfurt/Main: Novo Argumente Verlag, hier bestellbar.

Foto: Pixabay

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M. Citronella / 30.06.2020

Zombiefirmen werden gerettet, europäische Pleitestaaten werden gerettet, marode Banken werden gerettet. Hier wird gerettet was das Zeug hält und das überwiegend mit deutschen Steuergeldern. Und wenn das nicht reicht, wird die Gelddruckmaschine der EZB angeschmissen und weiter gerettet. Wo führt das wohl hin? Die Weimarer Republik lässt grüßen. Haben die Politverantwortlichen nichts aus der Geschichte gelernt, oder ist es ihnen egal , oder sogar gewollt dass sich die Geschichte widerholt. Vor lauter retten fragt sich der Betrachter , wer rettet die Retter, wenn die Retter gerettet werden müssen. Wir sind eine Nation der Retter und Frau Merkel ist die Oberretterin. Sie rettet alles, mit dem ihr anvertrautem Gelde der Nation, nur nicht das Land für das sie an die Spitze gewählt wurde und auf das sie ihren Amtseid geschworen hat.

M. Citronella / 30.06.2020

Hallo Herr Andi Nöhren, die KFZ- Kennzeichen müssen aber auch noch geprägt und mit den notwendigen Plaketten beklebt werden. Das ist nicht mit dem häuslichen Computer zu schaffen! Was man heutzutage schon kann, ist sich eine Kennzeichenprägung nach eigener Wahl, wenn die Nummer noch nicht vergeben ist, per Online zu sichern. Aber für die Prägung und das Material ist nach wie vor der Besuch von KFZ-Zulassungsstellen notwendig oder man erteilt Privatfirmen des Dienstleistungssektors den Auftrag, dieses für einen zu tuen.

Wolfgang Kaufmann / 30.06.2020

Dienstleistung ist gut, solange die eingesparten Ressourcen die Produktivität in relevanten Bereichen steigern. Doch wenn sich die Bevölkerung nur gegenseitig die Haare schneidet, moralisch belehrt, stundenlang in Öffis unterwegs ist und Eierkartons aufwändig zum Biobauern zurückbringt: Wer baut dann die Maschinen, die sich für harte Währung in der Welt verkaufen lassen? Neben Microsoft hatte Robotron keine Chance. – Von der Energiewende und von Elektroautos können wir uns nichts kaufen, am Ende werden wir für unseren Kuschelfaktor nicht mal mehr weiche Euros bekommen, weil andere an unserer Stelle High Tech exportieren. Nachhaltigkeit ist kein Narrativ und kein soziales Konstrukt, sondern eine messbare Eigenschaft der Rohstoff- und Energiebilanz, die unseren Heiligen Kühen massiv fehlt. Der Weltmarkt ist unerbittlich und das ist gut so.

Karla Kuhn / 30.06.2020

Zombieunternehmen , genau wie Zombiebanken, können sich doch nur halten, weil sie wahrscheinlich STAATLICH, d. h. mit STEUERGELDERN,  subvensioniert sind, ein ERBTEIL aus dem UNRECHTSSTAAT. Eine Aigit Prop zeigt eben, mit der “Pipi Langstrumpf Methode” , wie man ein kaputtes, unrentables Unternehmen bis zum bitteren Ende weiterführen kann, EINHUNDERT PROZENT DDR ERBE. Darum hat dort auch so gut wie nichts funktioniert.

Petra Wilhelmi / 30.06.2020

Richtig, vor allem Karstadt ist ein Zombie-Unternehmen. Kaufhäuser haben heute keine Zukunft mehr. Die Mitarbeiter tun mir zwar leid, aber es ist nun mal so.  Kaufhäuser sind Geschäftsmodelle von Gestern. Die Musik spielt im Internet. Nun, das ist die eine Seite der Zombie-Unternehmen. Die andere Seite ist der Kaufkraft-Verlust. Da kann man von einer robusten Kauflaune der Deutschen sprechen, wie man will. Die gibt es nicht, zumindest nicht im Einzelhandel auf der Straße. Dazu kommt noch die Politik unserer Regierung, bei der überhaupt nichts mehr sicher ist. Heute wird etwas in den Himmel gelobt, was morgen schon verteufelt wird. In diesem Geschäftsklima würde ich absolut in kein Unternehmen der EU investieren und in deutsche Unternehmen ganz und gar nicht. Was weiß ich denn, was den Linksgrünen morgen einfällt, um den nächsten Unternehmenszweig möglichst kaputt zu machen. Deutschland hat kein Investitionsklima, dank der linksgrünen Politik. Die Rahmenbedingungen werden falsch gesetzt, die Unternehmen dadurch unwirtschaftlich und aus dem Land gejagt. Viele Unternehmen sind schon gegangen oder sind auf den Absprung. Sie gehen dorthin, wo ein investitionsfreundliches Klima herrscht. Dort wird sicherlich auch die Arbeitsproduktivität höher werden. Welches Unternehmen ergibt sich freiwillig den Sozialismus. Die Welt ist groß. Deutschland kaputt.

Christa Born / 30.06.2020

Jetzt jammern sie wieder bei der Lufthansa.  Haben den Hals nie voll genug gekriegt, wie viele Flüge habe ich bei denen nicht antreten können, weil schon wieder irgend eine Zwerggewerkschaft Streik angezettelt hat? Kein Mitleid, nirgends! Der grösste Tanz der Vampire in unserem Land findet aber beim zwangsfinanzierten Rundfunk statt,  dagegen ist der Wiener Opernball ein Rockkonzert.

Heiko Stadler / 30.06.2020

Beim Wort Zombieunternehmen denkt man natürlich an Karstadt und Lufthansa. Das sind allerdings die Vorzeige-Zombies. Am Bodensatz der Zombiemüllhalde befinden sich ganz andere Unternehmen, die sich vollständig von den Wünschen und Interessen ihrer Kunden verabschiedet haben, für die Qualität ein Fremdwort ist und die seit vielen Jahren mit Steuergeld subventioniert werden. Dazu zählen Verlage und Funkhäuser, die sich mit Hofberichterstattung von der Insolvenz freikaufen. Ein Zombieunternehmen sticht aber ganz besonders hervor. Es ist der öffentlich rechtliche Rundfunk, der sich Dank Zwangsfinanzierung von jeglicher markwirtschaftlichen Grundlage verabschiedet hat und für unterirdische inhaltliche Qualität acht Milliarden Euro pro Jahr eintreiben lässt.

Andi Nöhren / 30.06.2020

Sind viele Teile von Behörden, staatlichen Verwaltungen, Ministerien nicht auch Zombie-Unternehmen. Viele Abteilungen sind hier heute völlig unnötig und werden doch auf Kosten der Steuerzahler am Leben erhalten. Ein kleines Bespiel sind die Kfz-Zulassungstellen, in denen deutschlandweit sicher einige tausend Mitarbeiter eine Arbeit verrichten, die heute längst jeder, der ein Fahrzeug anmelden oder abmelden will, online vom eigenen Schreibtisch aus erledigen könnte, ohne hierfür persönlich eine Zulassungsstelle aufzusuchen, sofern die Behörden die IT-technischen Voraussetzungen hierfür schaffen würden. Im Zeitalter der Digitalisierung ist das ein Kinderspiel. So wäre auch während der Coronakrise die Zulassung von Kraftfahrzeugen stets problemlos möglich gewesen.

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