Wolfgang Röhl / 11.01.2014 / 16:06 / 6 / Seite ausdrucken

Gone with the Windfarm

Wenn der Windpark-Finanzierer Prokon seinen Laden in Kürze für insolvent erklären müsste, wofür einiges spricht, würden 75.000 Anlegernarren um fast 1,4 Milliarden Euro ärmer sein. Das sind erfreuliche Aussichten. Realitätsblinde Geldgeilheit auch noch mit grünlackierter Guttuerei veredeln zu wollen, das muss bestraft werden. Bahnbrechend investigiert haben im Fall Prokon auch und vor allem Journalisten der „Welt“-Gruppe, namentlich Lars-Marten Nagel und Marc Neller. Sie klebten den Windbeuteln aus Itzehoe lange hartnäckig an den Hacken. Dafür gebührt ihnen mindestens einer der ungezählten Journalistenpreise, die es jedes Jahr landauf landab regnet.

Wie, daraus wird nix?

Ach ja, ganz vergessen: In Deutschland kriegt man vielleicht einen Preis der Heinrich-Böll-Stiftung, wenn man einen mutigen Aufsatz zum immergrünen Thema „Rechtsextremismus“ verfasst. Oder einen Preis der „Agentur für Erneuerbare Energien“ für ein optimistisches Stückchen unter dem vorgegebenen Motto „Deutschland hat unendlich viel Energie“. Oder den „Medienpreis nachwachsende Rohstoffe“, welchen die Agrarfördermittellobby für gefällige Schmonzetten über „Biosprit“ und ähnlichen Irrsinn verleiht. Wenn jemand der Deutschen Bank erfolgreich am Zeuge flickt oder aufdeckt, dass irgendwo im Land ein Asylbewerber abgeschoben wurde, der noch nicht das allerletzte Rechtsmittel ausgeschöpft hatte, dann wird sich der publizistische Leuchtturm der Zivilgesellschaft vor Preisen kaum retten können. Aber ein Stück über Gier und Größenwahn in den Sümpfen der hl. Energiewende? Die reinste Blasphemie. Dafür, werte Welt-Rechercheure, gibt’s im Land der Öko-Staatsreligion nicht mal ein Lamettafädchen.
http://www.welt.de/wirtschaft/article123713720/Prokon-bettelt-um-das-Kapital-seiner-Anleger.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/prokon-droht-anlegern-mit-insolvenz-a-942959.html

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Leserpost

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Distler Wolfgang / 12.01.2014

Schadenfreude empfinde ich keine, eher Mitleid. Man kann die Deutschen nur dermaßen schamlos ausnehmen, weil dieses staatsgläubig-dämliche Volk kaum Ahnung von Wirtschaft hat und nicht mal weiß was Geld überhaupt ist. Mag sein, dass der Verlust für den Großteil der 75.000 Betroffenen nur teures Lehrgeld ist. Etliche werden einen Großteil ihrer Rücklagen verloren haben, haben sich evtl. für den Kauf der Genussscheine sogar verschuldet!!! Diese Leute sind ruiniert! Richtig lustig wird´s wenn mal eine größere Gruppe rasiert wird, z.B. die nicht nur grünen Lebensversicherungs- und Anleihensparer.    

Jürgen Düker / 12.01.2014

Manche lernen es eben nie und fallen immer auf dieselbe Masche rein. Ich bin ein Mitfünfziger und habe Gott sei Dank schon in frühen Jahren mein Lehrgeld bezahlt, (Versicherungen und Banken never more again) schlechte Erfahrungen sind wichtig und unverzichtbare Lebensbausteine. Wenn wie im Fall Prokon junge Menschen sich so einen Schrott andrehen lassen, sehe ich Ihnen das nach. Für Leute gestandenen Alters mit Lebenserfahrung und einer gewissen Reife die immer noch nicht dazugelernt haben und sich bei der nächstbesten Gelegenheit sich wieder ein Aktienrundumsorglospaket andrehen lasse empinde ich nur Schadenfreude. Weiter so Herr Röhl.

Waldemar Undig / 12.01.2014

Wenn Prokon abgewickelt wird, muss ich nicht mehr die diese fürchterliche Werbung von denen in der Ubahn ertragen. Ich freu mich schon.

Andreas Rochow / 11.01.2014

Wenn es nach mir ginge, hätten Sie, Herr Röhl, schon alle Preise der Welt. Ich bewundere Ihre aggressive Fröhlichkeit und bin immer wieder stimuliert durch Ihre blitzgescheiten Gift-und-Galle-Beiträge, die nie traurig machen. Der Preisverleiher muss aber damit rechnen, dass sie “den Reich” machen und den Preis nicht annehmen. Drum lasse ich das mit der Preisverleihung und bin trotzdem sicher, dass Sie Ihr Pulver noch lange nicht verschossen haben. Die Gut- und die Bessermenschen werden weiter dafür sorgen ...

Till Schneider / 11.01.2014

Von mir, geehrter Herr Röhl, kriegen Sie immerhin schon mal den “Achgut-Leserpreis für maximale Komprimierung”, nämlich für Ihren wunderbaren Satz: “Realitätsblinde Geldgeilheit auch noch mit grünlackierter Guttuerei veredeln zu wollen, das muss bestraft werden.” Da ist alles drin. Das ist hochkomprimierte Realität in beispielhaftem sprachlichem Gewand. Für die Überschrift “Gone with the windfarm” gibt’s außerdem noch den Sonderpreis für zeitgenössische Geldanlegermetaphorik. Das Wichtigste aber: Strafe muss sein! Sie haben so recht! Ich freue mich wie ein Schneekönig, wenn im Fall “Prokon” die gute alte Realität wieder mal Terrain zurückerobert, und hoffe auf baldige weitere Fälle. Die Strafe für die “75.000 Anlegernarren” besteht natürlich auch in Schadenfreude: Ihrer, meiner und der von hoffentlich vielen anderen. In solchen Fällen ist Schadenfreude etwas Gutes – das muss mal gesagt werden. Denn des Anlegers Leiden an ihr addiert sich zu seinem Geldverlustschmerz hinzu, und so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er beim nächsten Mal ein bisschen genauer hinschaut, statt bloß grün zu sehen. Zum Vorteil der Gesellschaft. Es sei denn, die Schadenfreude löst bei ihm einen soziogenen Kurzschluss bzw. Trotzanfall aus, nach dem Motto: “Diese miesen Subjekte sollen ruhig lachen – ich mach’ genau so weiter wie bisher!” Aber dann fliegt er eben beim nächsten Mal mit doppelter Wucht auf die Nase. Und die miesen Subjekte lachen doppelt so laut.

Christoph Andreas / 11.01.2014

Nicht doch, Herr Röhl! Prokon wird, wie ehemals die Banken vom deutsche Staat gerettet. Schließlich sind unsere Spareinlagen sicher. Ganz besonders, wenn sie einem so gutem Zweck gedient haben.

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