Das Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin könnte den Krieg beenden – oder nur als raffinierte Finte dienen. Sicher ist: Beide beherrschen das Machtspiel wie kaum jemand sonst.
Am 30. März 1867 verkaufte das Zarenreich seine Besitzung Russisch-Amerika an die Vereinigten Staaten. 7,2 Millionen Golddollar veranschlagte Zar Alexander II. für das riesige, nur dünn besiedelte Territorium, das seit 1799 von der Russisch-Amerikanischen Kompanie verwaltet worden war. Der Schritt folgte nüchternen Erwägungen: Nach der Niederlage im Krimkrieg brauchte St. Petersburg Geld, und „Russisch-Amerika“ galt als militärisch kaum zu halten – zumal bei einem möglichen Konflikt mit Großbritannien.
Lange spielte die entlegene Region im weltpolitischen Kalkül keine Rolle. Nun könnte sich das ändern: Vor wenigen Tagen kündigte Donald Trump an, sich am kommenden Freitag mit Wladimir Putin in Alaska zu treffen – das erste persönliche Gespräch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Der Ort ist symbolträchtig, er verkörpert geographische Nähe und historische Verflechtung beider Länder. Putins Außenpolitischer Berater Juri Uschakow sprach von einem „völlig logischen Ort“: Die russische Delegation müsse lediglich „über die Beringstraße fliegen“.
Für Trump ist es ein Etappensieg auf dem Weg zu einer ausgehandelten Beendigung des Krieges. Doch wie realistisch ist eine Verständigung, wie weit wird Trump gehen – und weshalb zeigt sich der Kreml ausgerechnet jetzt gesprächsbereit?
Eine Billion Dollar russische Kriegskosten
Dass ein russischer Präsident die USA besucht, ist in den letzten Jahren zur Seltenheit geworden. Für Putin wäre es die erste Reise seit 2015, als er zur UN-Generalversammlung nach New York reiste und Barack Obama traf. Trump und Putin begegneten sich zuletzt im Juni 2019 am Rande des G20-Gipfels in Osaka; seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus gab es nur mehrere Telefonate. Anfangs sprach Trump öffentlich positiv über diese Gespräche, später bezeichnete er sie als „bedeutungslos“, da sie den Kriegsverlauf nicht beeinflussten.
Der Zeitpunkt der Ankündigung fällt mit dem Ablauf von Trumps am 8. August gesetzter Frist zusammen, innerhalb derer Moskau einer Waffenruhe mit Kiew zustimmen sollte. Ursprünglich hatte er Russland 50 Tage eingeräumt, später nur noch zehn. Andernfalls drohte er mit „umfassenden Sekundärsanktionen“ – also Strafmaßnahmen gegen Drittstaaten, die weiterhin russisches Öl und Gas importieren, insbesondere gegen Indien und andere asiatische Abnehmer.
Am Tag der Gipfelankündigung unterzeichnete Trump ein Dekret über 25 Prozent Strafzölle auf Importe aus Indien, offiziell wegen Neu-Delhis fortgesetzter Ölkäufe in Russland. Westliche Diplomaten werten diese Schritte als ernsthafte Drohung, die die russischen Rohstoffexporte empfindlich treffen könnte. Moskau bezeichnete das Ultimatum als Bluff, doch die zeitgleiche Beschleunigung diplomatischer Kontakte deutet auf wirtschaftlichen Druck hin.
Sollte dies das zentrale Motiv Moskaus gewesen sein, würde es einen neuralgischen Punkt in der russischen Kriegsökonomie offenlegen. Nach Schätzung des ukrainischen Militärgeheimdienstes verschlingt der Krieg gegen die Ukraine 13,1 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung – das entspricht 68 Prozent aller Bundesausgaben. Zwei von drei Rubeln dienen damit der Kriegsführung; 2021 lag der Verteidigungsanteil noch bei 3,6 Prozent des BIP. Im Schnitt gibt Moskau täglich 857 Millionen Dollar aus, hochgerechnet 25,7 Milliarden pro Monat oder 308,8 Milliarden pro Jahr. Seit Februar 2022 summieren sich die Kosten auf rund eine Billion Dollar.
Den Kreml zu einer Pause zwingen?
Der größte Ausgabenblock – 47 Prozent beziehungsweise 143,7 Milliarden Dollar jährlich – entfällt auf Rüstungsproduktion und -beschaffung, einschließlich staatlicher Aufträge, Unterstützung der Verteidigungsindustrie, Waffenkäufe in Nordkorea und Iran sowie den Bau militärischer Infrastruktur. Weitere 34 Prozent (103,6 Milliarden Dollar) beansprucht der laufende Einsatz in der Ukraine: Ersatz zerstörter Waffen und Fahrzeuge, Verbrauch von Munition und Präzisionswaffen, Treibstoff.
Personalkosten schlagen mit 16 Prozent (50,7 Milliarden Dollar) zu Buche, bei offiziell gemeldeten 972.400 Soldaten. Hinzu kommen hohe Vertragsprämien, Ausgaben für nordkoreanische Truppen im Gebiet Kursk, die Verwaltung der besetzten Gebiete und erhebliche Belastungen der Regionalhaushalte. Die finanzielle Dimension ist gewaltig – und könnte, mehr noch als Sanktionen oder politischer Druck, den Kreml zu einer Pause zwingen.
Um diese Last zu stemmen, ist Russland auf seine Rohstoffexporte angewiesen. Doch auch hier zeigen sich Brüche. Im Mai 2025 fielen die Einnahmen aus fossilen Brennstoffexporten trotz steigender Exportmengen auf 565 Millionen Euro pro Tag – tiefster Stand seit Kriegsbeginn. Besonders stark brachen die Erlöse aus seetransportiertem Rohöl ein (minus 8 Prozent auf 176 Mio. €/Tag), während Kohleexporte den höchsten Wert seit Juni 2024 erreichten ( plus 18 Prozent auf 74 Mio. €/Tag). China und Indien blieben Hauptabnehmer, gefolgt von Türkei, EU und Brasilien.
Der Anteil von G7 Tankern am Seetransport stieg seit Januar deutlich, die Bedeutung der Schattenflotte nahm ab. Ein niedrigerer Ölpreisdeckel könnte Russlands Einnahmen spürbar schmälern: Bei 45 US-Dollar pro Barrel wären es im Mai 27 Prozent weniger gewesen, bei 30 Dollar sogar 36 Prozent. Entscheidend bleibt jedoch die konsequente Durchsetzung der Sanktionen, um Schlupflöcher bei Transport, Raffinerieimporten und Ship-to-Ship-Transfers zu schließen.
Diplomatischer Triumph für Moskau
Diese Zusammenhänge erklären, warum Trumps Ankündigung, Abnehmer von russischem Erdöl ins Visier zu nehmen, Wirkung entfaltet – und warum entschlossenes Auftreten gegenüber Moskau eine Sprache ist, die der ehemalige Immobilienunternehmer fließend beherrscht.
Das Treffen der Präsidenten auf amerikanischem Boden ist für beide Staatschefs von erheblicher Symbolkraft. Trump kann seinen innenpolitischen Kritikern, die bereits das Scheitern seiner Russlandpolitik konstatiert hatten, unvermittelt eine diplomatische Überraschung präsentieren. Der Kreml wiederum dürfte den Termin als politischen Triumph inszenieren. Die Botschaft an das russische Publikum ist unmissverständlich: Putins Unnachgiebigkeit hat ihm die Rückkehr auf das höchste diplomatische Parkett des Westens verschafft.
Dabei wird oft übersehen, dass Trumps Sondergesandter Steve Witkoff eine zentrale Rolle im Vorfeld des Treffens spielte. Seit Februar 2025 pendelt er zwischen Washington und Moskau. Bei seiner ersten Mission am 11. Februar sprach er dreieinhalb Stunden mit Putin und vermittelte kurz darauf die Freilassung des in Russland inhaftierten US-Bürgers Mark Fogel – ein symbolischer Erfolg, den er als „Stärkung der Freundschaft“ bezeichnete.
Es folgten weitere Begegnungen: am 13. März spätabends im Kreml, laut Dmitri Peskow mit „zusätzlichen Signalen“ an Trump; am 11. April vier Stunden in St. Petersburg zu „Aspekten einer ukrainischen Regelung“ und Gefangenenaustausch; sowie am 25. April ein Gespräch über direkte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine.
Am 6. August reiste Witkoff erneut nach Moskau. Mehrere übereinstimmende Medienberichte zufolge brachte er diesmal ein mit europäischen Partnern abgestimmtes US-Angebot mit, das Putin einen sofortigen Waffenstillstand und erhebliche wirtschaftliche Zugeständnisse in Aussicht stellte. Nach Informationen des polnischen Portals „Onet.pl“ umfasst der Plan einen sofortigen Waffenstillstand ohne formellen Friedensvertrag, die faktische Anerkennung russischer Gebietsgewinne, deren völkerrechtliche Klärung um 49 oder 99 Jahre vertagt würde, die Aufhebung eines Großteils der Sanktionen sowie langfristig die Wiederaufnahme von Energiehandel und -kooperation.
Innenpolitisch keinen Gesichtsverlust für beide Seiten?
Russische Kernforderungen – etwa ein formeller NATO-Erweiterungsstopp, ein Neutralitätsstatus der Ukraine oder das Ende westlicher Militärhilfe – sind in dem Entwurf nicht enthalten. Nach Informationen des polnischen Portals soll Moskau die Bedingungen dennoch als „grundsätzlich akzeptabel“ eingestuft haben. Kreml-Sprecher wiesen die Berichte nicht zurück, verzichteten jedoch auf eine Kommentierung. Fest steht: Die Aufhebung der Sanktionen würde Russland nicht nur wirtschaftlich entfesseln, sondern auch den Weg zurück in den Kreis der internationalen Gemeinschaft eröffnen.
Vor wenigen Tagen jedoch häuften sich Medienberichte, wonach Witkoff seine russischen Gesprächspartner missverstanden habe. Statt der nach Washington gemeldeten Gesprächsbereitschaft halte der Kreml demnach unbeirrt an seinen Maximalforderungen fest. Bei der Schilderung der russischen Position, insbesondere in den territorialen Fragen, soll Witkoff gegenüber Aussenstehenden unsicher gewirkt haben.
Polnische Beobachter sehen in dem Gipfeltreffen möglicherweise den „letzten Akkord“ von Trumps bisheriger Russland-Politik. Das Angebot würde Moskau substanzielle Zugeständnisse verschaffen, ohne ihm einen vollständigen Sieg zu ermöglichen. Beide Seiten könnten eine Einigung propagandistisch als Reaktion auf eine zugespitzte Lage – bis hin zu nuklearen Drohungen – darstellen, um innenpolitisch keinen Gesichtsverlust zu erleiden.
In den vergangenen Tagen sollen sich die russischen Positionen erneut verhärtet haben. Moskau signalisierte zugleich, es könne im Gegenzug für den Verzicht auf neue US-Sanktionen seine Angriffe auf ukrainische Städte einstellen, die militärische Operation jedoch im Kern fortführen. Darin spiegelt sich die Zuversicht wider, in den kommenden Wochen die Oberhand auf dem Schlachtfeld zu gewinnen. Hochrangige Militärs sollen Putin zugesichert haben, binnen drei Monaten einen Frontdurchbruch zu erzielen – mutmaßlich im Süden, wo Kiew zuletzt Truppenkonzentrationen bei Cherson registriert hatte.
„Territorialer Austausch im beiderseitigen Interesse“
Trotzdem ist klar: Für Putin wäre eine Einigung ein fulminanter Triumph. Er hätte das Territorium Russlands vergrößert, den Einfluss der NATO in Osteuropa zurückgedrängt und sein Land durch neue Bündnisse mit China sowie die engere Einbindung in die BRICS-Staatengruppe geopolitisch neu positioniert. Die sich daraus ergebenden Optionen sind so weitreichend, dass es kaum vorstellbar ist, Moskau werde die nun gebotene Gelegenheit ungenutzt lassen. Hinzu kommt, dass der Kreml und das Weiße Haus meisterhaft darin sind, ihre strategischen Kerninteressen im Blick zu behalten – eine Fähigkeit, die vor allem Deutschland abgeht und in der EU von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat unterschiedlich ausgeprägt ist, was das Formulieren einer einheitlichen Linie erheblich erschwert.
Trump kündigte bereits im Vorfeld an, auf der Gipfelagenda stehe ein „territorialer Austausch im beiderseitigen Interesse“. Details nannte er nicht, doch das Wall Street Journal berichtete, Putin könne zu einem Waffenstillstand bereit sein, falls Kiew auf Donezk und Luhansk verzichte. Beobachter warnen, dass Russland sein Recht auf diese Regionen ausschließlich militärisch durchsetzen wolle.
Kiew, das lediglich als Statist fungiert, hat die US-Pläne bislang nicht offiziell kommentiert. Präsident Selenskyj hatte wiederholt betont, dass die Ukraine an allen Gesprächen teilnehmen müsse, bei denen es um ihr Staatsgebiet geht. Mehrere europäische Spitzenpolitiker haben sich in den vergangenen Wochen vorsichtig offen für einen Waffenstillstand unter Hinnahme russischer Besatzungen gezeigt: Polens Premier Donald Tusk sprach Ende Juli von „guten Chancen“, Tschechiens Präsident Petr Pavel erklärte, wenn der Preis für das Überleben der Ukraine russische Kontrolle über Teile des Landes sei, könne dies „akzeptabel“ sein. Westliche Diplomaten warnen indes, ein solcher „Kompromiss“ würde Moskaus Kriegsziele faktisch legitimieren.
Europäischer Gegenvorschlag als "Arbeitshypothese"
Um nicht vollends in der Bedeutungslosigkeit zu versinken – eine Rolle, die sich in diesem Konflikt vor zwangsläufig aus der militärischen Impotenz am Boden ergibt –, haben die Europäer einen Gegenvorschlag präsentiert. Sie lehnen einen „Diktatfrieden“ ohne Beteiligung Kiews ab und bestehen darauf, dass der „Weg zum Frieden“ nur gemeinsam mit der Ukraine beschlossen werden kann.
Der von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Finnland ausgearbeitete Plan fordert vorrangig einen Waffenstillstand, hält an der Unverletzlichkeit internationaler Grenzen fest und betrachtet den aktuellen Frontverlauf höchstens als Ausgangspunkt für Verhandlungen. Ergänzt wird er durch robuste Sicherheitsgarantien für Kiew sowie die Bedingung, dass ein Gebietstausch ausschließlich auf Gegenseitigkeit erfolgen darf.
Es liegt nahe, dass Donald Trump und Wladimir Putin diesen Vorstoß lediglich als Arbeitshypothese betrachten – schließlich verfügen gerade ihre Länder über den größten Einfluss auf das Kriegsgeschehen. Die Ukraine kann sich seit dreieinhalb Jahren nur deshalb im russischen Würgegriff behaupten, weil ihr die USA massive Militärhilfe gewährt haben.
Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 hat Präsident Trump den Kurs der USA gegenüber der Ukraine grundlegend verändert. Vorrang hat nun eine ausgehandelte Friedenslösung; neue Finanzierungsanträge an den Kongress stellt er nicht mehr. Auch aus der Führungsrolle der Ukraine Defence Contact Group ist Washington ausgestiegen. Die unter Präsident Biden zugesagten Hilfen laufen weiter, wurden jedoch im Juli vorübergehend ausgesetzt und kurz darauf in Form eines neuen Pakets wiederaufgenommen, das nicht aus US-Mitteln stammt, sondern von NATO-Partnern finanziert wird, die eigene Systeme für Kiew bereitstellen.
Zwischen Februar 2022 und August 2025 hat der US-Kongress fünf Hilfsgesetze mit einem Gesamtvolumen von 175 Milliarden US-Dollar beschlossen, davon rund 128 Milliarden direkt für die ukrainische Regierung. Ende 2024 kam ein 20-Milliarden-Kredit hinzu, gespeist aus Zinsen eingefrorener russischer Vermögenswerte.
"Clown" und "wahrhaftiger Mann"
Währenddessen haben die meisten europäischen Staaten – mit Ausnahme Ungarns – ihre militärische, finanzielle und industrielle Unterstützung für Kiew ausgebaut, Verteidigungsetats erhöht und die Koordinierung übernommen. Großbritannien und Deutschland führen nun die Contact Group, während bilaterale Waffenlieferungen zunehmend durch industriebasierte Beschaffungs- und Gemeinschaftsprojekte mit der ukrainischen Rüstungsindustrie ersetzt werden. Gleichwohl bleiben die USA der entscheidende Partner der Ukraine.
Dass die Spitzengespräche ohne Selenskyj stattfinden, dürfte einer Verständigung kaum abträglich sein. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Wladimir Putin eine tiefe Abneigung gegen den ukrainischen Präsidenten hegt, den er mehrfach herablassend als „Clown“ bezeichnete. Als Machtpolitiker will Putin ausschließlich mit Donald Trump verhandeln, den er trotz politischer Gegensätze respektiert. Nach dem gescheiterten Attentatsversuch im US-Wahlkampf zeigte sich Putin von Trumps Widerstandskraft sichtlich beeindruckt und nannte ihn einen „wahrhaftigen Mann“.
Gerade in Europa, dessen politische Kultur sich nach zwei Jahrzehnten unter Figuren wie Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Giorgia Meloni und Kaja Kallas zunehmend feminisiert hat, dürfte das bevorstehende Gipfeltreffen zweier Männer alten Schlags irritieren. Der auf kamerataugliches Lächeln reduzierte Politstil vieler europäischer Spitzenvertreter – zuletzt anschaulich demonstriert von Ursula von der Leyen in Schottland und Keir Starmer in Washington – ist für Spitzengespräche dieser Art unzureichend. Historisch bedeutsame Entscheidungen wurden stets von Machern getroffen, nicht von Zauderern.
Entscheidend wird sein, wie ernst Wladimir Putin das bevorstehende Gipfeltreffen nimmt – und ob tatsächlich die Bereitschaft besteht, den Krieg am Verhandlungstisch zu beenden. So offenkundig die Vorteile eines Kriegsendes für Russland wären, so birgt der direkte Austausch zwischen Trump und Putin zugleich eine erhebliche Gefahr: Trumps Persönlichkeitsprofil.
Die narzisstische Disposition des US-Präsidenten ist notorisch – eine Eigenschaft, die auf dem Parkett der Weltpolitik Vor- wie Nachteile mit sich bringt. Trump scheut sich nicht, die Interessen seines Landes kompromisslos durchzusetzen, ohne Rücksicht auf die Empfindlichkeiten seiner Gegenüber. Zugleich aber ist er ausgesprochen empfänglich für Schmeicheleien. Lob von Persönlichkeiten wie Wladimir Putin wirkt auf ihn wie narzisstische Zufuhr – süßer als jede politische Dividende.
Putin wiederum ist als ehemaliger KGB-Offizier darauf trainiert, Persönlichkeitsprofile präzise zu analysieren, Schwachstellen zu identifizieren und diese gezielt auszunutzen. Mit Blick auf die bevorstehenden Gespräche könnte dies im Extremfall zu einer vollständigen Kehrtwende Trumps führen – eine Möglichkeit, die keineswegs hypothetisch ist. Frühere Episoden belegen, dass Trump seine politische Linie nach einzelnen Telefongesprächen mit Putin abrupt verändert hat.
Landgewinn für Putin
Sollten die Russen den Krieg tatsächlich (Achgut berichtete) primär als Instrument ihres Machterhalts begreifen, wäre der Gipfel kaum mehr als politische Kulisse: ein für den Kreml nützliches, zugleich wirkungsvolles Mittel, um Washington von einer Kursänderung abzuhalten, während auf dem Schlachtfeld vollendete Tatsachen geschaffen werden.
Wie auch immer das Treffen enden mag – für beide Seiten steht weit mehr auf dem Spiel als ein diplomatischer Etappensieg. Für Trump könnte es zur historischen Chance werden, seinen Anspruch als Dealmaker unter Beweis zu stellen oder als Präsident in Erinnerung zu bleiben, der sich von einem geschickten Gegner überlisten ließ. Für Putin hingegen bietet sich die Möglichkeit, den Krieg zu beenden, ohne innenpolitisch als Verlierer dazustehen – oder ihn, gestärkt durch die Aura internationaler Gleichrangigkeit, unbeirrt fortzuführen.
In diesem Spannungsfeld entscheidet sich nicht nur das Schicksal der Ukraine, sondern auch, ob die internationale Ordnung künftig vom Kalkül entschlossener Einzelakteure oder vom Konsens schwacher Bündnisse geprägt wird. Vor 158 Jahren verkaufte Russland Alaska, weil es eine ferne, strategisch kaum zu haltende Last war. Heute kehrt Putin dorthin zurück – nicht, um Land aufzugeben, sondern um Russland als neue Großmacht des 21. Jahrhunderts zu behaupten.
Dr. Christian Osthold ist Historiker mit dem Schwerpunkt auf der Geschichte Russlands. Seine Monographie über den russisch-tschetschenischen Konflikt ist in der Cambridge University Press rezensiert worden. Seit 2015 ist Osthold vielfach in den Medien aufgetreten.
Ich spekuliere mal, dass es bei dem Gipfel vorrangig um den Mittleren Osten geht, wie schon bei den diplomatischen Treffen in Saudi Arabien. Die anschliessenden Verlautbarungen, sind dann für Sauerländer Gemütsmenschen, welche dann wieder reichlich Dijon Senf dazu geben dürfen.
Herr Tragl, die Ukraine wehrlos? Wann? Von CIA-Horchposten an der östlichen Grenze über türkische Drohnen und NATO-Waffen und Know-How? Was nehmen Sie zu sich? Ich möchte es nicht! Selbst E. Merkel hat zugegeben, dass die Minsk-Abkommen nur der Aufrüstung der Ukraine dienten.
Das mit Alaska ist hoffentlich keine Satire, sondern ernst gemeint. Legt die Bruchlinie des Kalten Krieges bitte über den Nordpol, an Europa vorbei. Wenn die beiden Platzhirsche sich unbedingt zum miteinander messen brauchen, dann geht das auch über den Nordpol hinweg. Was die Lösung betrifft: Einen Diktatfrieden zu ungunsten der Ukraine lehne ich als Deutscher aus historischer Erfahrung auch ab. Das führt zu nichts, als nur zu neuen Konflikten. Denkt an den Vertrag von Versailles und was das ausgelöst hat. Ursprünglich war doch mal angedacht, aus der Ukraine neutrales Territorium zu machen. Das wäre allerdings nur dann erforderlich, wenn die Amerikaner und die Russen weiterhin am alten Kampf um Europa festhalten. Und das wäre natürlich auch nicht im Interesse der Europäer bzw. der EU selbst. Insofern käme dann vielleicht sogar die zweite Lösung in Frage: Die Ukraine in ein Europa der Vaterländer aufzunehmen. Aber das steht und fällt letztlich auch damit, welchen Kurs die EU jetzt nun wirklich nimmt und ob sie sich von dem dysfunktionalen Konzept der „Ever closer Union“ endlich trennt oder nicht. Europa ist nicht die USA. Der selbe Ansatz funktioniert hier einfach nicht. Hier braucht es mehr „Luft“. Also dezentrales Vorgehen anstatt kultureller und wirtschaftlicher Gleichmacherei.
@Wolfgang Mayr … Wer eben über Jahrzehnte auf Pump lebt, die eigene Pippi-Langstrumpf-Welt pimpt, hat sich halt mit den Hunden schlafen gelegt & wacht jetzt mit den Flöhen auf. Jetzt liegt ganz Europa zwischen den Machtblöcken USA im Westen & Rußland/China im Osten. Wir Deutschen haben damit die wenigsten Probleme, wir hatten schon 2x aus diesen Gründen aufs Maul bekommen, wir kennen das bereits.
Die gute Nachricht für mich: Die EU ist draußen. Ich weiß, das ist primitiv. Aber ich kann die Webers und Leyens einfach nicht ausstehen. Die schlechte Nachricht. falls es so kommen sollte: Ein erzwungner Frieden birgt in sich stets den nächsten Krieg. Es ist nun einmal so, daß kaum jemand in der Lage ist, aus vorausgegangenen Konflikten auch nur die kleinste Lehre ziehen zu können, vor allem Deutschland nicht, vor allem deutsche Politiker von Unsererdemokratie nicht. Es ist und bleibt trostlos.
Und der SPON schwadroniert wieder einmal !: „Wie der Kanzler Trump von einem schnellen Ukrainedeal abhalten will“
@Leo H.: Lieber die USA denn sonst wen als Weltenherrscher, einverstanden?