Glauben Sie an Wunder?

„Wunderbar“ und „wundervoll“ heißt es allerorten und aus aller Munde. Als Wunder im Wortsinne gelten heutzutage weniger die Wunder, wie sie uns die Bibel offenbart, dafür mehr die der Natur und der Technik. Obendrein wundert man sich über unsere wundersamen Mitmenschen und all die Wunder der Politik. Die Uhr an der Wohnzimmerwand loben wir als ein Wunder an Präzision, wir preisen die wundervolle Wirkung einer Arznei und von neuen Ernährungstipps und feiern Beethovens Neunte und Einsteins Relativitätstheorie als Wunder menschlichen Geistes.

Als Wunder wird empfunden, dass uns bisher ein Atomkrieg erspart blieb und dass, je nach Art und Datum der Weissagung, weder der Kölner Dom überflutet wurde noch der Berliner Tiergarten in brennender Sonne verdorrte. Und erst recht die diesjährige Winterkälte, da es doch ständig wärmer wird auf unserer Erde. Auch hautnah erleben wir Wunder, an uns selbst und bei anderen. Zum Beispiel, dass die da im Nachbarhaus, die liebe Marleen, bei dem Kerl geblieben ist. Doch wen wundert‘s, wenn sie mit dem noch ein ganz anderes Wunder erlebt, und zwar ihr blaues! Wikipedia zaubert für den Begriff „Wunder“ in einem einzigen Augenblick 52.700.000 Einträge herbei. Dafür hätte früher eine riesige Mannschaft in Bibliotheken und Zeitungsarchiven jahrelang blättern müssen. Heute macht das unser Handy in 0,6 Sekunden. Wenn das kein Wunder ist! Auf jeden Fall eines für den Laien, für den Fachmann eher nicht. Der weiß, wie Daten digital verarbeitet, gespeichert und in Millisekundenschnelle durchsucht und ausgegeben werden. Selbst riesige Mengen.

Wunder entstünden aus einer Verletzung von Naturgesetzen, behauptete schon im 18. Jahrhundert der schottische Philosoph David Hume. Ansonsten seien es keine Wunder. Da Naturgesetze nun mal unverletzlich sind, kann es, so der Schluss, Wunder gar nicht geben. Tatsächlich lässt sich kein einziger Beweis dafür anführen, dass etwas über der Natur steht und über ihren Gesetzen. Welch eisenharte Konsequenz! Denn mit der Ablehnung von Übernatürlichem verbietet sich auch die Annahme von Gottes Existenz oder die von sonstigen Gottheiten. Nicht jedermann und jedefrau können und wollen damit leben. Und machen wir uns nichts vor, ein bisschen wundergläubig sind wir doch alle. Die einen mehr, die anderen weniger. Wie stark, ist eine Frage der Spiritualität, der Glaubensfähigkeit. Diese muss durchaus nicht religiöser Art sein. Mehr noch ist es die Bereitschaft, das Herz sprechen zu lassen und nicht immer nur den kalten, klaren Verstand.

Teste dich selbst!

Alles Mögliche kann getestet werden, der pH-Wert einer Lösung, das Vorhandensein von Corona-Nukleinsäureschnipseln, die Intelligenz, und ebenso – warum nicht? – die Neigung zur Spiritualität. Die Wenigsten werden die nachfolgenden Fragen (angelehnt an die des Psychiaters Robert Cloninger von der Washington University) ausschließlich mit Ja oder Nein ankreuzen wollen. Ziehen Sie sich bei deren Beantwortung besser ein wenig zurück, verehrte Leserin, verehrter Leser:                                                                                       

  • Ich bin fasziniert von den vielen Dingen im Leben, die wissenschaftlich nicht erklärt werden können.
                                 
  • Ich scheine einen „sechsten Sinn“ zu haben, der mir mitunter erlaubt, zu wissen, was passieren wird.
     
  • Ich fühle mich mit den Menschen um mich herum oft so verbunden, als gäbe es keine Trennung zwischen uns.
     
  • Immer führe ich einen Talisman bei mir.
     
  • Oft habe ich unerwartete Geistesblitze, wenn ich mich entspanne.
     
  • Wenn immer möglich, versuche ich, Tiere und Pflanzen vor Schaden zu bewahren.
     
  • Ich habe gelernt, meinen Gefühlen mehr zu vertrauen als irgendwelchen logischen Gründen.
     
  • Ich fühle zu allen Menschen um mich herum mitunter eine starke innere Verbindung.
     
  • Wunder können Wunder bewirken. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
     
  • Ich habe persönliche Opfer gebracht, um die Welt besser zu machen, zum Beispiel, um mitzuhelfen, Krieg, Armut und Ungerechtigkeit zu verhindern.
     
  • Wenn ich mich auf etwas konzentriere, vergesse ich oft die Zeit.
     
  • Ich habe aufregende Erfahrungen gemacht, durch die mir meine Rolle im Leben erst so richtig klar wurde. Regelrechte Glücksmomente waren das.

(Je öfter ein „Ja“, umso ausgeprägter Ihre Tendenz zur Spiritualität.)

Menschen mit einer Tendenz hin zum Spirituellen empfinden Rätselhaftes weit weniger beunruhigend als eingefleischte Skeptiker. Das gilt auch für all das, was die Leichtgläubigen in ihrem Alltag, allzumal von der Politik, als gegeben vorgesetzt bekommen: „Wenn es so ist, dann ist es eben so“. Ihr Leben verläuft ausgeglichener und ist eher von Zufriedenheit geprägt als beim Gegenpart. Der rätselt und tüftelt und ist oft dauerhaft unzufrieden, wenn er keine rechte Lösung findet. Falls doch, hält sein Glück gewöhnlich nicht lange an, neue Aufgaben hat er sich ausgedacht. Bei entsprechender Intelligenz verkörpert der Zweifler den Forscher- und Erfindertyp. Sein charakterliches Gegenüber neigt eher zum Schöngeist und erfreut sich, da weniger getrieben, zumeist einer größeren Beliebtheit.

Wunder, private und öffentliche

Es gibt viele Dinge und Ereignisse, deren Eigenheiten wir uns nicht erklären können. Die einen lässt das kalt, die anderen eher nicht. Aber selbst wer sich ernsthaft um eine Erklärung bemüht, bleibt oft im Rätselhaften stecken. Mitunter sind es Trivialitäten. Da findet sich ein Schlüssel nicht, an allen möglichen Stellen wird gesucht und gesucht, auch im Tischkasten, wo er eigentlich zu sein hat. Dreimal schon hatte man hineingeguckt, und beim vierten Male liegt das verdammte Ding offen vor Augen! Als ob jemand den Schlüssel heimlich zurückgelegt hätte. Aber da ist niemand sonst, der Zugang zur Wohnung hat. Unbegreiflich, ein Wunder! Oder: Ein wochenlanger Schmerz im Ellbogen, nichts wirkte, kein Schmerzmittel, die Massage nicht, die Wärme-, Kälte- und Strahlenbehandlung nicht und auch nicht die Hypnose und die Akupunktur. Da kam die Nachbarin und hatte den Schmerz ganz einfach weggezaubert. Durch Handauflegen, binnen einer Viertelstunde!

Und dann die Wunder, die die Volksmassen bewegen. Von der griechischen Antike her kennt man sie, aus der Bibel und aus unserer eigenen Geschichte. Noch heute glauben Millionen und Abermillionen an die Wunder, die Jesus Christus vollbracht hatte oder vollbracht haben soll. Auch an die Wunder, die von Heiligen bewirkt wurden oder die ihnen widerfahren sein sollen. Man denke an Lourdes in Südfrankreich, wo im Jahre 1858 einer Vierzehnjährigen die Mutter Gottes erschienen sei. Oder an das portugiesische Fátima, in dessen Nähe am 13. Oktober 1917 mehr als dreißigtausend (!) Menschen, Gläubige wie Ungläubige, das Sonnenwunder erfahren haben, eine sich am Himmel drehende Scheibe. An demselben Ort soll zuvor drei Mädchen die Jungfrau Maria begegnet sein. Zuletzt erst, im Jahre 2019, kamen mehr als sechs Millionen Pilger nach Fátima, um das heilige Flair zu atmen und dessen Wunder an sich selbst zu erfahren.

Wissen statt wundern

Was nicht alles haben die Wissenschaften hervorgebracht, allzumal die Technik und die Naturwissenschaften, das Wundern gleichkommt. Nicht per Zauberstab, nein, durch Wissen. Der Umfang des Wissens, das die Menschheit bis heute angesammelt hat, ist unschätzbar hoch. Daran gemessen, erscheint das Wissen eines jeden Einzelnen als ausgesprochen dürftig. Das gilt selbst für die ganz Emsigen. Auf welchem Gebiet auch immer, bestenfalls kann man versuchen, einem jeweilig interessierenden Detail so tief wie nur irgend möglich auf den Grund zu gehen. Nicht selten bleibt dann festzustellen, wie begrenzt trotz allem die Wissensbasis der Menschheit ist. Obschon zum Beispiel allein auf dem Gebiet der Medizin und der biomedizinischen Forschung in einem einzigen Jahr, dem von 2020, weltweit mehr als 1.600.000 (exakt: 1.619.761) wissenschaftliche Veröffentlichungen gemeldet wurden! Niemand kann das sich auf diesem Gebiet Tag für Tag und Jahr für Jahr anhäufende Wissen auch nur einigermaßen überblicken. Tag für Tag wären das etwa 4.400 sogenannte „Papers“. Der Wunderdoktor entstammt dem Wunschbild des Kranken, nicht der Realität.

Oft wird nur so getan, als ob das Wissen, das man für sein Handeln, Lehren und Argumentieren eigentlich braucht, tatsächlich auch vorhanden ist. Mitunter gilt das für die Wissenschaft selbst, die ja nun gerade dafür antritt, Wissenslücken aufzudecken, um sie, falls irgend möglich, zu schließen. Da gibt es Klimatologen, die so tun, als wüssten sie über die Ursachen des Klimawandels genau Bescheid, auch wie diesem beizukommen ist. Und wozu dieses Ansinnen überhaupt. Bekannt ist, dass sich das Klima multifaktoriell, nichtlinear und chaotisch entwickelt, mithin seine Entwicklung nicht wirklich berechnet werden kann. Und schon gar nicht auf Jahre voraus. Ähnlich wollen manche Virologen genau erkannt haben, wie der derzeitigen Corona-Pandemie beizukommen ist. Die Regierungen, auf ein Wunder hoffend, hören auf sie, nur eben funktionieren die Ratschläge nicht. Hier wie dort werden Diskurse mit Andersdenkenden vermieden – ausgesprochen konsequent, zumal solche in aller Öffentlichkeit. Der Nimbus der Unfehlbarkeit könnte leiden.

So auch gibt es Wissenschaftler, die mit dem Anspruch allwissender Priester auftreten, wenn es um das menschliche Gehirn und dessen Funktionsmechanismen geht. Da werden Kisten gepackt, auf denen „Neuro-“ draufsteht, aber nur Psychologie drinsteckt. Was drin ist, wird mit ein paar bunten Hirnbildern drapiert, wie sie die funktionelle Magnetresonanztomografie (MRT) liefert, um – schwuppdiwupp – die funktionelle Architektur des wundervollsten der menschlichen Organe, die des Gehirns, zu enträtseln. Nur eben gelingt das, weil viel zu komplex, kaum ansatzweise. Und: Das Gehirn bleibt für uns alle ein Wunder, für die Besitzer wie für die Forscher.

Mit Wundertüten laufen auch die Ernährungsexperten herum, die Pädagogen, all die Genderforscher_innen, Kommunikationsfachleute und wer da auch immer sonst zu nennen bleibt, wenn er vorrangig durch ein bedeutungsvoll klingendes Vokabular versucht, erkennen zu geben, wie großartig die Wunder seiner Erkenntnisse sind. Seit vielen Jahrzehnten häufen diese Forscherinnen und Forscher Ergebnisse an, doch kaum einer merkt das.

Weil menschlich, weil allzu menschlich, mag solcherart Schaulaufen hinnehmbar sein, solange es die Gesellschaft nur zu finanzieren hat. Bedenklich wird es, wenn derlei Ergebnisse in die Gesellschaft hineinwirken. Allemal dann, wenn sich ihrer die Politik annimmt. Dann drohen Wunder, blaue Wunder.

Foto: Jean-noël Lafargue FAL via Wikimedia Commons

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Gertraude Wenz / 14.02.2021

Was ist denn heute auf der Achse los? Schon der zweite Artikel, der sich mit Magie und Wundern beschäftigt, mit Religion, Kirche und sonstigem Mirakelhaften. Ich habe schon so oft etwas zu Religion und Gottesglaube auf der Achse geschrieben mit Herzblut sogar und Engagement und geworben für Vernunft und Verstand, Logik und intellektuelle Redlichkeit. Ich bin ein Fan von Wissenschaft! Wissenschaft kann irren. Das gehört dazu. Aber sie entwickelt sich über den Irrtum empor, hinterfragt und überprüft sich ständig. Feststehende Dogmen, starre Glaubenssätze wie im Christentum gibt es nicht, sollte es nicht geben. Ich bin so froh über jeden Menschen von klarem Verstand, der sich nicht von vermeintlich Übersinnlichem den Kopf vernebeln lässt. Magisches Denken, irrationale Vorstellungen gibt es zuhauf, leider! Und Klugheit, Wissen, kritisch-rationales Denken zu wenig! Gefühle, Phantasie, Träume, Staunen, Demut, alles wunderschön und in keinem Gegensatz zur Wissenschaft. Im Gegenteil! Es ist eine Lust, den Geheimnissen des Lebens, den Naturgesetzen auf die Spur zu kommen, immer mehr zu lernen. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres als einen klaren Sternenhimmel und ich danke der Astronomie für die vielen Entdeckungen, die uns kluge Geister ermöglichen. All unsere heutigen Errungenschaften, vom Fernseher bis zur Kopfschmerztablette, von der Wasserleitung bis zum Auto, haben wir dem Verstand zu verdanken. Demokratie und Rechtsstaat den klugen Kämpfern und Denkern. Mit Hokuspokus ist noch gar nichts erreicht worden, höchstens Täuschung und Betrug! Ein Wunder, das die Naturgesetze außer Kraft gesetzt hätte, ist nirgends belegt. Köstlich, das würde ja die ganze Physik über den Haufen werfen und wäre wahrlich DIE Sensation. Dass der Mensch so eine Sehnsucht nach übernatürlichen Wundern hat, hängt sicher mit einem Rest von Infantilität und dem übergroßen Wunsch, zusammen, von größeren Mächten als er es ist, in dieser unsicheren Welt gehalten und beschützt zu werden.

Arthur Dent / 14.02.2021

Bei zwei Punkten habe ich starke Zweifel, dass sie für “an Wunder glauben” stehen: “Oft habe ich unerwartete Geistesblitze, wenn ich mich entspanne.” Kommt darauf an, was man unter Geistesblitzen versteht. Mir geht es jedenfalls oft so, dass mir Abends im Bett Dinge auffallen, die mir tagsüber im Stress nicht aufgefallen sind, oder mir Lösungen für Problem einfallen, auf die ich tagsüber nicht gekommen bin. Das hat aber nichts mit Wundern zu tun, sondern mit Stress, unter dem das Gehirn nicht so gut funktioniert, als im entspannten Zustand. “Wenn ich mich auf etwas konzentriere, vergesse ich oft die Zeit.”

Hans-Peter Dollhopf / 14.02.2021

Der Naturwissenschaftsbetrieb widerlegt ja nicht Gott, sondern sich selbst immerzu. Einstein zerstörte mit der geometrischen Interpretation der Schwerkraft das mechanistische Weltbild mit Newtons Gravitationsgesetz. Newton hatte zuvor die Gültigkeit der mathematisch formulierten Naturgesetzmäßigkeit des freien Falls durch Galilei auf den Sonderfall einer Erde als Scheibe reduziert. Galilei wiederum hatte zuvor Aristoteles widerlegt, der naturgesetzlich annahm, dass die Geschwindigkeit eines fallenden Körpers mit seinem Gewicht zu tun habe. Die Wissenschaft hält ihre Verehrer und Liebhaber nämlich zum Narren und betrügt sie bei jeder Gelegenheit. Am übelsten fiel die katholische Kirche auf sie herein. Man glaubte nicht auf der Höhe des wissenschaftlichen Fortschritts der damaligen Epoche, als man Claudius Ptolomaeus, den Dr. Drosten der Astronomie in jener Zeit zur Autorität erhob. Er war der neuste Schrei gewesen. Sein Werk galt als Triumph der Erkenntnis. Oder die Rassenlehre! Wer ihr vor bald zweihundert Jahren folgte, wähnte sich gesalbt mit den edelsten Einsichten zur menschlichen Entwicklung. Oder Marx mit seiner Naturgesetzlichkeit der Geschichte! Jeder Sozialist, der sich auf ihn berief, durfte sich zur Avantgarde der Menschheit zählen lassen. Betrogene und Belogene allesamt. Die Wissenschaft widerlegt Gott nicht, sie nähert sich seinem Beweis, indem sie den Raum, in dem er sich versteckt hält, ständig verkleinert. “Aus dem Denken gibt es keinen ehrlichen Rückweg in einen naiven Glauben. Nach einem alten Satz trennt uns der erste Schluck aus dem Becher der Erkenntnis von Gott, aber auf dem Grunde des Bechers wartet Gott auf den, der ihn sucht” - Carl Friedrich v. Weizsäcker. Bis dahin ist er Tröster aller, die der Hybris der Menschheit zum Opfer fallen. Gott ist lieber Geistes-, Gesellschafts- und Rechts- als Naturwissenschaftler, weil dort seine Wunder als nicht so anarchistisch betrachtet werden.

Wolf von Fichtenberg / 14.02.2021

@Karola Sunck: ” Blaues Wunder” .—————-Sie fragen nach der Herkunft des Wortes.—Nun, damit ist nicht die Elbbrücke in Dresden gemeint, sondern es stammt aus der Zeit in der Eigenschaften bestimmten Farben zugeordnet wurden, bzw. umgekehrt.  Gängig und bekannt sein dürfte “Rot vor Zorn”, obwohl Rot auch für die Liebe steht (politisch wohl eher nicht) ” Grün vor Neid werden” (passt eher) usw. ————Die Farbe Blau stand für Blendung, Täuschung.—Wer sein blaues Wunder erlebt, derjenige kann sich oft auf eine eher ungewollte Überraschung (Wunder) einstellen, welche sich noch verbirgt.—Die Herkunft des geflügelten Wortes ist nicht ganz eindeutig, es wurde aber bereits im Mittelalter verwendet. Wahrscheinlich geht es auf die Färberzunft zurück. Gefärbte Stoffe hatten -  durch natürliche Chemikalien und deren Zusammenspiel mit dem beeinflussenden Sauerstoff - manchmal überraschende Farbergebnisse. So auch Farben/Farbtöne die gerade so nicht gewollt waren. Besonders Blau war da anfällig. - Färbesubstanzen waren hierfür : Färberwaid, Indigo und Blauholz in der Verbindung mit Alaun. -  Blauholz (Campechebaum) kam mit Cortez ( so um 1520 herum war das) aus Mittelamerika nach Europa. Stoffe die mit seinen Spänen und zusammen Alaun (ein Kalium-Aluminium-Salz) gekocht wurden, verfärbten sich in der Richtung Purpur.  (Purpur/Violett stand übrigens für die Arroganz) - Erst die Verbindung mit dem Luftsauersteoff erzeugte die Blaufärbung, die allerdings schwer vorhersehbar war.  Eben das “Blaue Wunder”.  

Alexander Mazurek / 14.02.2021

@Karola Sunck: Kabbalistisch gesehen steht blau für Gottes Gnade. Seit der Aufklärung aber für die gnadenlose La République ...

Joerg Machan / 14.02.2021

Eines der schönsten jüdischen Sprichwörter: Wer nicht an Wunder glaubt ist kein Realist.

Volker Altenaehr / 14.02.2021

Von den erwähnten 4400 “papers” täglich sind schätzungsweise 4390 wertloser Schrott

Rainer Niersberger / 14.02.2021

Ergänzung : Unerklaerlichkeiten koennen problemlos mit den Grenzen des Menschen erklärt werden, von denen einige auf absehbare Zeit, vermutlich sogar auf Dauer, unueberwindbar sind. Das evolutionär entstandene Gehirn ist zweifellos das hoechst entwickelte Organ, es ist aber weder “perfekt”, noch frei von Fehleranfaelligkeiten und schon gar nicht, als Teil der Natur, ausser natuerlich. Daraus, dass manche, vor allem innerhirnliche, Prozesse oder Transformationen nicht exakt beschrieben und erklärt werden koennen wie das Entstehen von Gedanken und Emotionen aus organischen Material, ziehe ich nicht Gott als Lueckenfueller heran. Die grundsätzliche Gefahr, dass die Luecke irgendwann doch naturwissenschaftlich geschlossen wird und der Raum des Goettlichen wieder etwas enger wird, waere mir, obwohl bekennender Unglaeubiger, zu gross. Uebrigens kann man auch als Gottloser, aber zur Perzeption und zu Emotionen faehiger, mit einer gewissen Ethik und Moral versehener, Mensch gut, um nicht zu sagen gottgefaellig, leben. Aesthetisches Empfinden ist zum Beispiel auch nicht ausgeschlossen Scheinheiligkeiten und Heucheleien bzw. deren Rechtfertigung qua Selbsttaeuschung und Illusionen, ein weitverbreitetes Phänomen dieser Zeit, werden aber schwieriger. Manche ziehen “das sich (und anderen) etwas vormachen” vor. Solange sie nicht missionieren von mir aus.

Alexander Mazurek / 14.02.2021

Ein Wunder ist’s nur, wenn etwas vorher angekündigt wird und es dann eintritt. In der talmudischen Tradition wird Ihm übrigens jede Einmischung in (mindestens) rabbinischen Diskurs untersagt, nachdem Moses die Thora erhalten hat, haben Menschen ihre Angelegenheiten selbst zu regeln ... Mir ist die rabbinische Weisheit, wonach nur derjenige weise ist, der nie aufhört zu lernen lieber, als die Arroganz von Leuten, die meinen schon alles zu wissen. Letztere “wissen” heute dies, morgen etwas anderes und übermorgen etwas ganz anderes. Ganz sicher. Rassenkunde ist out, gender “science” ist in, CO² ist neuerdings schlecht, obwohl ohne gäb’s keinen Atemreflex und keine Pflanzen, ohne diese und Photosynthese kein O² ... G. K. Chesterton’s Pater Brown brachte es auf den Punkt: ‘Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, dann glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche. Das ist die Chance der Propheten – und sie kommen in Scharen.’” Zuletzt Greta und Dr. Drosten ... Galton’s Eugenik (z.B. Aktion T4) ist aber immer noch aktuell.

Rainer Niersberger / 14.02.2021

Nein, wobei in der Frage das passende Verb verwendet wurde. Es ist eine Glaubens - oder genauer eine Konstruktionsfrage, wie vieles Andere in den fuer Konstruktionen offenen Bereichen. Der Mensch, wie er nun mal ist, waere durch die Zufallserklaerung oder durch Begruendungs - oder Erklärungslosigkeit hoechst unbefriedigt.  Er “braucht” fuer seine Homoestase Kausalitaeten, Erklärungen, Aussichten und Gruende fuer Hoffnungen in Faellen, in denen (tatsaechlich) nur ein Wunder helfen kann.  Ausgangspunkt aller Fragen ist die biologisch/kulturelle Beschaffenheit des Homo gar nicht sapiens. Da regieren, beim einen mehr, beim anderen weniger, Hormone und Neurotransmitter, da erzeugt das Hirn wunderbarerweise Rationalisierungen, Idealisierungen und Mythen, an denen selbst dann festgehalten wird, wenn die Empirie taeglich das Gegenteil zeigt.  Und natuerlich ist die Erkenntnisfaehigkeit des Gehirns als Ueberlebensorgan begrenzt, wobei bei nicht wenigen die natuerliche Fähigkeit, ihre Affekte, Bedürfnisse, Triebe und Emotionen mittels Einsatz des praefrontalen Cortex zu kontrollieren,  zivilisatorisch besser entwickelt sein koennte. Corona und die rationale Aufarbeitung gegen die Aufwallung der( getriggerten) Amygdala lassen gruessen. Zur Theodizee : Allein die Geschichte der Religionen und Götter, deren erstaunliche Wandlungen, lassen eher an menschliche Konstrukte, als an höhere Wesen der anderen Art denken. Jahwe’s Karriere ist hier typisch. Uebrigens obliegt die Beweisführung aus logischen/denkgesetzlichen Gruenden immer demjenigen, der “Etwas” behauptet und nicht dem Negierenden. Nichts oder die Nichtexistenz kann nicht bewiesen werden, sowenig wie eine Nichttaeterschaft. Nicht nur hieran wird aus ideologischen Gruenden gerade gedreht. Zur Plausabilitaet des alten Herrn Deus, welcher soll es denn sein?, empfehle ich Hitchens. Es spricht, ausser der Erklaer -, Entlastungs - und Hoffnungsfunktion Alles gegen ihn.  Sein “Spielfeld"wurde uebrigens immer kleiner.

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