Michael Miersch (Archiv) / 30.12.2014 / 16:56 / 6 / Seite ausdrucken

Gezielte Tötungen sind besser als ungezielte

Es gibt unterschiedliche Sichtweisen auf das Wesen des Krieges. Manche sehen ihn als notwendiges Übel, das man in Kauf nehmen muss, wenn die eigene Existenz bedroht wird. Anderen betrachten ihn als eine Art Heldendrama, in dem Männer mutig und stolz dem Feind die Stirn bieten.

Die zweite Sichtweise war im politischen Spektrum traditionell rechts angesiedelt. Für Nationalkonservative wie Ernst Jünger, Werner Sombart oder Oswald Spengler lag die Bestimmung des deutschen Mannes im Heldentum. Dieser Geist ist heute kaum noch salonfähig.

Doch manches, was rechts entschwunden ist, kommt von links durch die Hinter-tür zurück. Die aktuelle Empörung darüber, dass die Bundeswehr bei gezielten Tötungen von Terroristen-Anführern mitmacht, verfängt sich in heldischen Denkmustern.

Stimmt, diese Tötungen werden „feige“ durchgeführt. Es sind quasi Terroranschläge auf Terroristen. Mit dem Unterschied, das die westlichen Militärs versuchen, möglichst wenige Unschuldige in Mitleidenschaft zu ziehen – und nicht möglichst viele, wie es die Terroristen tun.

Was wollen die, die sich darüber aufregen? Offene Feldschlachten, in denen sich die Heere Mann gegen Mann abmetzeln? „Blinde“ Flächenbombardements wie im Zweiten Weltkrieg.

Gezielte Tötungen kommen dem Ideal des braven Soldaten Schwejk recht nahe, der sich wünschte, dass die Fürsten und Generäle sich untereinander schlagen, und das Volk bitte rauslassen. Sie sind ein Schritt hin zu einer Kriegsführung, die die Kommandeure ins Visier nimmt. Es gibt keine sicheren Feldherrenhügel mehr, von wo aus die Strategen hoch zu Ross das Fußvolk in den Tod schicken.

Wer Drohnen steuert, ist selbst außer Gefahr. Das ist nicht heldisch, aber auch nicht neu: Raketen und Torpedos werden ebenfalls aus sicherer Entfernung abgefeuert. Schon bei den Katapulten der alten Römer war das so. Doch was bitte ist falsch daran, das Risiko für die eigenen Soldaten zu reduzieren?

Anders als Chemiewaffen oder Minen töten Drohnen nicht wahllos Kämpfer und Unbeteiligte. Es stimmt, dass bei den Drohnen-Einsätzen im pakistanischen Rückzugsgebiet der Taliban Zivilisten ums Leben kamen. Doch die Opferzahlen sind um Dimensionen entfernt von denen der Bombardements im Vietnamkrieg oder im Zweiten Weltkrieg.

Die Terroristen-Anführer nicht zu töten, würde Tausende unschuldige Menschen in Gefahr bringen. Von Ex-Innenminister Otto Schily stammt der zynisch klingende, aber wahre Ausspruch: „Wer den Tod liebt, kann ihn haben.“

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Leserpost

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Werner Geiselhart / 02.01.2015

Beim Thema Drohnen, ähnlich wie bei der Energiewende oder der Gentechnik, regiert in Deutschland nicht die Vernunft, sondern das “Bauchgefühl” bzw. die Ideologie. Da kommt daher man mit “Argumenten” wie Tötung ohne Gerichtsurteil oder anonymes Töten aus der Ferne, während bei Flächenbombardements oder Cruise Missiles keine Bedenken aufkommen. Dabei haben Drohnen das Zeug für eine wirklich gerechte Kriegsführung. Erstmalig können die Verantwortlichen für Kriegsverbrechen, die sich sonst gut geschützt im Hinterland bewegen, direkt zur Verantwortung gezogen werden. Aber natürlich erwartet der deutsche Gutmensch, dass ein Richter mit Vollstreckungsbeschluss nach Afghanistan fliegt und diesen dem betroffenen Talibanführer vorlegt. Dies zeigt, wie weltfremd inzwischen die Käßmann-Intelligentia geworden ist, wie wenig man sich Gedanken über reale politische Zusammenhänge macht und sich stattdessen ein in Nachhaltigkeitsseminaren zusammengebasteltes Weltbild zueigen macht, in dem man mit dem IS und den Taliban zusammen Tee trinkt und mit Ihnen für den Frieden auf Erden betet. Was natürlich alles Theorie bleibt, denn weiter als bis zur nächsten Friedenspreisverleihung hat sich noch niemand von diesen Herrschaften vorgewagt. Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn dies wie früher die Meinung einer kleinen, verschrobenen Minderheit wäre. Aber leider ist sie inzwischen fast mehrheitsfähig geworden inclusive ihrer antiamerikanischen und antiisraelischen Komponente.

Thomas Spisla / 01.01.2015

Hier wird - in ungewohnt unswissenschaftlicher Weise - eine klassische Vogelscheuche aufgebaut. Es geht doch überhaupt nicht um die “Wahl” zwischen grosser Materialschalcht oder gezielten Luftschlägen. Wäre dem so, dann liest sich der Text sehr überzeugend. Es kann bei der Diskussion um Drohnenangriffe und deren Beurteilung - abgesehen vom juristischen Aspekt - nur darum gehen inwieweit diese einem übergeordneten Ziel dienen bzw. ob dieses Ziel überhaupt existiert. Unter der Bush Administration sind die Drohnenangriffe ja nicht deswegen weit weniger häufig gewesen, weil das Leben jedes einzelnen Terroristen wichtiger gewesen wäre, oder weil man in die Idee von Massenschlachten verliebt war, sondern weil für eine Änderung der Verhältnisse am Boden eben der Einsatz von “Boots on the ground” unerlässlich ist. Und ohne diesen Einsatz kann man noch so viele Terroristen töten, nichts deutet daraufhin, dass man dadurch die Situation in der Al-Quida Einflussgebieten selbst ändert. Und nur das schafft dauerhaften Frieden.

Kai Schirmer / 01.01.2015

Exakte Analyse, der ich inhaltlich absolut zustimme. Es geht nicht um Fairness im Kampf gegen den Terrorismus, sondern um die Beseitigung einer Gefahr für unzählige Menschen, ohne dass dabei Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen werden.

Andreas Rochow / 31.12.2014

Die Diskussion sollte offen darüber geführt werden, dass terroristische Gruppen mit dubioser Finanzierung einen Krieg gegen die “westliche Welt” führt, deren Regelwerke bisher eine angemessene Reaktion verhindern oder gar verbieten. Empörung über “inhumane Waffen” - ein schöner Pleonasmus! - ist da wenig zielführend, wenn es um Wehrhaftigkeit geht. Der uns aufgezwungene asymmetrische Krieg lässt auf Angreiferseite eine Unterscheidung von Zivilisten und Militär schon längst nicht mehr zu! So gesehen stellt die gezielte Drohnenattacke auf die Terroristen-Führer zwar einen strategische Paradigmenwechsel dar; sie ist durch ihre Selektivität jedoch geeignet, Menschenopfer und Kollateralschäden gering zu halten. Und für all diejenigen, die das Einknicken, die pazifistische Passivität, das Appeasement predigen, die Frage: Haben Sie gedient und würden Sie dieser Nation dienen wollen? Oder: Wer soll es sonst tun? Im Angesicht des Feindes sollten wir uns bewusst machen, dass die moralische Herausforderung des asymmetrischen Krieges uns zwingt, überkommene pazifistische Prinzipien in Frage zu stellen. Es ist allerhöchste Zeit, eine Debatte darüber zu führen.

Reiner Schöne / 30.12.2014

Sehr richtig. Es wird immer auf die “kleinen"Unfälle verwiesen wenn es um Drohnen geht. Wieviel Menschen hätte ein Angriff wie im 2. Weltkrieg gekostet, auch an Unschuldigen. Bei solchen Angriffen mit Drohnen werden dann die unmöglichsten Argumente hervorgebracht, wie: Ohne Gerichtsverhandlung, so ist es Mord, oder: wie kann man Menschen so ermorden. Einige Beispiele für viele, wieviel Tod und Verderben haben diese Leute schon auf dem Gewissen?

Klaus Kalweit / 30.12.2014

Sind es nicht die islamischen Terroristen, die dem Westen den Krieg erklärt haben? Also nehmen wir den Krieg an, der uns aufgezwungen wird. Im Krieg ist es durchaus üblich, gegnerische Soldaten zu töten. Es gibt zwar Grenzen, aber warum sollte eine Drohne sie überschreiten? Ich rufe alle auf, die gegen den Einsatz von Drohnen sind, mit Sturmgewehr dem Feind gegenüber zu treten. Nein? Dann doch lieber mit Joystick?

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