Von Jan Ilhan Kizilhan.
In archaischen Solidargemeinschaften können aus Klatsch und Tratsch unheilvolle Verhaltenszwänge resultieren. Ein Phänomen, das inzwischen auch In Europa auffällt.
Für archaische Solidargemeinschaften haben Gerüchte, Klatsch und Unwahrheiten als Mechanismus zur Absonderung, Ausgliederung oder sozialen Kontrolle eine wichtige Bedeutung. (…) Da diese wesentlich von dem fast allgegenwärtigen gegenseitigen Misstrauen her mitbestimmt ist, entstehen durch Klatsch und Gerüchte schnell „Tatsachen“ oder „Nachrichten“, über welche die Gemeinschaft spricht und die somit für die Gemeinschaft sowie für die Mitglieder bedeutsam werden. So können allein schon Gerüchte über eine „Ehrverletzung“ dazu führen, dass Menschen zu Unrecht verletzt oder sogar getötet werden.
Dem liegen die grundsätzliche Befürchtung bzw. der Mechanismus zugrunde, dass es allein durch das Gerücht zu einem Gesichtsverlust gegenüber der Gemeinschaft und einem Verlust der „Ehre“ kommt.
In einem sogenannten Ehrenmordfall in Nordrhein-Westfalen wurde ein Mann am helllichten Tage ermordet. Was war passiert? Dem ermordeten Mann wurde vorgeworfen, eine Beziehung zu einer verheirateten Frau zu haben. Über fast ein Jahr verbreiteten sich Gerüchte, dass der Ermordete immer wieder vor der Tür der Frau gesehen worden sei, während der Ehemann in der Arbeit war. Der Ehemann wurde von den Geschwistern und Eltern unterrichtet. Er war wütend, fragte seine Frau, die ihm schwor, dass sie nichts mit dem Mann zu tun habe. Der Ermordete, die Frau und der Ehemann stammten alle aus der Türkei und kannten sich bereits durch ihre Familien aus der Heimat. Es gab aber keinen regelmäßigen Kontakt.
Die Leute grüßen uns nicht mehr
Der Ehemann glaubte zunächst seiner Frau, und sie versuchten, ihr Leben wieder normal zu leben. Nach einigen Wochen berichtete ihm jedoch ein Freund, dass auch er gehört habe, dass seine Frau und der Mann eine Beziehung hätten. Woher er das wisse, könne er nicht sagen, aber die Leute redeten alle darüber. Die Familie des Ehemannes traf sich erneut, und es wurde heftig diskutiert. „Unsere Ehre ist verletzt, die Leute grüßen uns nicht mehr, und wie sollen wir mit diesem Gesichtsverlust leben“, schrie die Mutter des Ehemannes. Die Ehefrau wurde von der Familie angehört, ihr wurde jedoch nicht geglaubt. Sie sagte, wenn ihr irgendwelche Fakten liefern könnt, dann „bin ich bereit, mich selbst zu töten. Aber ich habe bei Gott nichts getan.“
Schließlich wurde ein Mann für eine kleine Summe Geld beauftragt, den vermeintlichen Liebhaber zu töten. Er erschoss den Mann auf einem Markt mit mehreren Schüssen und flüchtete. Die Polizei konnte ihn jedoch nach kurzer Zeit festnehmen. Gegenüber der Polizei gab er schnell seine Auftraggeber bekannt, und diese wurden verhaftet. Weder durch die Polizei noch durch Aussagen und Telefonprotokolle von allen möglichen Beteiligten konnte eine außereheliche Beziehung festgestellt werden. Die Frau bezeugte auch vor Gericht glaubhaft, dass sie nie eine Beziehung in irgendeiner Form mit dem Ermordeten hatte.
Seither sind die beiden Familien verfeindet.
In traditionellen Gesellschaften gehören diese Gerüchte zum Alltag. Aus diesem ständigen Konfrontiertsein mit Gerüchten und dem ständigen Druck, sich mit den durch sie übermittelten vorgeblichen Tatsachenmitteilungen auseinandersetzen zu müssen, entstehen bei den Mitgliedern der traditionellen Solidargemeinschaften Zwänge bzw. wird ein Verhaltens- und Handlungsprogramm hervorgerufen, dem sich die Einzelnen und die verschiedenen sozialen Gruppen unterwerfen und nach dem sie handeln. Der Versuch, negative Auswirkungen auf die eigene Person oder auf die Solidargruppe zu verhindern, ist in allen Phasen der Blutrachetaten, auch in Europa, immer wieder zu beobachten.
Dies ist ein Auszug aus dem neu erschienenen Buch „Gewalt im Namen der Ehre. Die Psychologie hinter Ehre, Sexualität, Religion und Terror“ von Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan, Europa-Verlag, 304 Seiten, hier bestellbar.
Jan İlhan Kızılhan, geb. 1966, arbeitet als Psychologe und Autor besonders zu den Themen Transkulturelle Psychiatrie und Traumatologie.
Alles vernachlässigenswerte Einzelfälle. Soweit es Ehrenmorde in Deutschland/Europa betrifft, wurden die von „unseren Politikern“ wissentlich eingepreist. Nicht der Koran, nicht die Moslems, sind die Bedrohung. Der UN-Migrationspakt – maßgeblich durch deutsche Politiker angestoßen – Plandemien – maßgeblich von deutschen Politikern gefördert – die Klimakatastrophe und Alles was damit zusammenhängt – maßgeblich von deutschen Politikern in Szene gesetzt – sind die Bedrohung. # Als Anhänger schlechter Verschwörungstheorien behaupte ich Mal: die Journaille der MSM und des ÖRR wurde erstmals durch Merkel mittels der „vertraulichen Hintergrundgespräche“ eingenordet. Desgleichen die höchsten Bundesrichter anläßlich von gemeinsamen Banquets. In aller Naivität stelle ich mir das so vor: „ Sie Alle wissen, wie gefährlich Covid (oder das Klima oder der Bevölkerungszuwachs) ist. Wir werden unangenehme Entscheidungen treffen müssen. Dabei werden wir erheblichen Widerstand erleben. Dem können wir nur entgegentreten, wenn wir auf Ihre Unterstützung bauen können. Wir rechnen mit Ihrem gesunden Menschenverstand, der die kommenden Bedrohungen und unsere Maßnahmen genau so einschätzt wie wir. Dafür danken wir Ihnen. Wir werden uns erkenntlich zeigen“. # Damit war „der Käse gegessen“. Wetten, daß? :-) ;-)
@Franz Klar / „Der Versuch, negative Auswirkungen auf die eigene Person oder auf die Solidargruppe zu verhindern, ist in allen Phasen der Blutrachetaten, auch in Europa, immer wieder zu beobachten“. Da denkt man unwillkürlich an die Skripals oder den Tiergartenmord .==> „Herr“ Klar, vielleicht sollten Sie statt „man“ besser schreiben „Ich“? Denn solche abstrusen Mystifikationen bringen anscheinend nur Sie zustande. Wo ist da irgendetwas von Blutrache enthalten? Schon klar, die Motivation ist es, mal wieder Dreck gegen Russland zu werfen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Aber Sie erinnern damit an den armen Studenten, der für sein Examen in Biologie nur die Würmer gelernt hatte. Als der Professor ihn denn über den Elefanten befragte, antwortete er: „Der Elefant hat einen wurmartigen Rüssel. Die Würmer teilt man ein in….usw.“ Das Examen hat er damit wohl aber nicht bestanden. Danke für Ihren Beitrag, aber nächstes Mal nicht die gleiche Leier.
Dumme Menschen brauchen dumme Religionen und Ideologien. Siehe Afrika: IQ um die 70. Wenn sie nichts haben, wenigstens ihren „Glauben“. Dann wird auf Teufel komm raus gesteinigt und an Baukränen aufgehangen. Was ist daran besser als das, was in der Nazizeit mit Juden geschah? Eben. Gar nichts…
Der Unterschied zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft: Nur letztere kann einen Rechtsstaat hervorbringen und damit die Rahmenbedingungen für eine funktional ausdifferenzierte, leistungsstarke Arbeitsteilung setzen, die Wohlstand generiert. Die Rückkehr der Tribalgesellschaft wird durch den Import von Abermillionen Tribalisten wahrscheinlicher. Aber ohne jeden Zweifel: das ist politisch gewollt, sonst würde anders gehandelt.
Nun, da man einen Unschuldigen ermorden ließ, ist die Familienehre doch wieder hergestellt, die Leute grüßen wieder und die Nachbarn reden auch wieder mit einem. War doch ein voller Erfolg.
Kommt mir vor wie Geschichten aus der Merowingerzeit um 600. Ebenso liefen wohl die Mechanismen im frühen 17.Jh., wenn eine Frau plötzlich zur Hexe erklärt wurde – mit den bekannten Ergebnissen.
Warum muss ich bei dem Artikel an die Zeit der Hexenverfolgung und ihre Gleichnisse auch in der hiesigen Kulturlandschaft (= Diffamierung Andersdenkender) denken?