Früher gerieten die Parteien in Verruf. Heute geraten sie in Vergessenheit. Das ist den Parteien bekannt. Bekannt ist ihnen auch, dass dagegen nur eines hilft: die Provokation. Die Linkspopulisten machen, zumindest in dieser Frage, keine Ausnahme. Wie sie überhaupt nicht die Ausnahme sind, die sie gerne wären, und für die sie sich gelegentlich ausgeben und sogar halten. Die Dummheit der anderen ist eben leichter zu erkennen als die eigene.
Von der LINKEN hatte man seit einer ganzen Weile nichts mehr gehört, und man vermisste sie auch nicht. Das muss der Parteichefin, der Genossin Lötzsch, aufgefallen sein. Und da sich die schöne Gelegenheit bot, im Zentral-Organ der Berliner Revoluzzerszene „Junge Welt“ auf die Pauke zu hauen, tat sie dies auch.
Womit kann man die Geister in Deutschland in Aufregung versetzen? Natürlich mit dem Kommunismus. Nicht etwa mit einer Warnung vor ihm, sondern mit Überlegungen dazu, wie man den angeblich Unvermeidlichen, doch noch auf gutem Wege erreichen könnte.
Ja, in Deutschland gibt es immer noch Leute, denen der Kommunismus fehlt. Das ist nicht weiter verwunderlich, nachdem diese Leute alles andere schon haben. In den Zeiten, in denen man sich über eBay und Facebook das Leben wie das Lotterleben einrichten kann, nach eigenem Gusto, Geschmack und Ballermann, gibt es in unserem gemütlichen Land bei genauerem Hinsehen nur noch zwei Dinge, die schwer zu erlangen sind: ein Ticket für Bayreuth und der Kommunismus.
Bayreuth hat den Vorteil, das man sich auf einer Warteliste eintragen kann. Irgendwann hat man dann auch ein Ticket. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Mit dem Kommunismus verhält es sich anders. Ihn muss man schon herbeireden. Beschwören. Der Vorteil des Kommunismus im Vergleich zu Bayreuth, wo die Zeremonie am Ende steht, ist, dass die Festivitäten in der Kommunismus- Angelegenheit vorgezogen werden können. Die Lieder des Kommunismus gehen der Realität des Kommunismus voraus. Das dient nicht nur einem Zweck, es hat auch seinen Grund.
Einmal im Jahr treffen sich die Kommunismushungrigen zum großen Gesinnungsappell. Es handelt sich um den langen Marsch zum revolutionären Friedhof im Osten Berlins und um das Drum und Dran, um diverse Kongresse, wie man sie in den einschlägigen Kreisen zu nennen pflegt.
Das Ganze steht bekanntlich unter dem Stern einer großen Toten, der Frau Luxemburg. Die Frau Luxemburg, das muss man schon sagen, kann im Grunde nichts dafür. Sie hat zwar einiges Einschlägige verfasst, solches und solches, aber es schützt sie vor den Toren nicht. Nicht vor diesen, und nicht vor jenen.
Sollen sie doch zusammenkommen, wie in jedem ordnungsgemäß eingetragenen Verein. Das Gute ist, dass unsere Gesellschaft es möglich macht, dass wir uns nicht dafür interessieren müssen. Kein Mensch in Deutschland muss wissen, das es die DKP noch gibt, auch wenn ihre aktuelle Vorsitzende auf irgendeinem Luxemburg-Podium hockt. Ebenso gut ist es, dass es die DKP geben kann, ohne dass irgendein Mensch davon weiß oder gar wissen muss.
Wie aber ist es mit Gesine Lötzsch? Müssen wir nicht hinhören, wenn sie von Wegen und Pfaden zum Kommunismus spricht? Und das in der „Jungen Welt“, und dann auch noch in der Urania? Die „Junge Welt“ kann uns ja gestohlen bleiben, aber die Urania, Ort und Hort der überlebenden, der überlebten Westberliner Volksöffentlichkeit? Gehen dort jetzt auch schon die Gulag-Leugner ein und aus, die Palästinenser-Tücher um den Hals?
Wir bleiben dabei: Es ist unerheblich. Solange die Lötzsch uns den Weg zu ihrem Ziel nicht polizeilich vorschreiben kann, und dem entsprechend die Straßenverkehrsordnung ändert, müssen wir nicht die Navigation zum Kommunismus diskutieren.
Darum geht es auch gar nicht. Worum es geht, ist, dass es ihr gelungen ist, ihre Partei wieder einmal ins Gespräch zu bringen, als gäbe es einen Unterschied zwischen der LINKEN und der DKP. Diesen Unterschied gibt es tatsächlich: die LINKE sitzt im Bundestag, die DKP nicht.