Thomas Rietzschel / 02.03.2018 / 12:00 / 5 / Seite ausdrucken

Gesehen, gelesen, gehört, verpasst: Grütters hilft nach

Die Alte wird auch die Neue sein. Monika Grütters, seit 2013 Bundesfrühstücksdirektorin für kulturelle Angelegenheiten, soll dem künftigen Kabinett abermals als „Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien“ angehören. Angela Merkel hat die „Kulturstaatsministerin“ gern in ihrer Nähe. Die Parteifreundin weiß sich bei Hofe zu benehmen, macht keinen Ärger, der nach außen dringen könnte. 

Monika Grütters selbst ist sich dieser Gunst von höchster Stelle durchaus bewusst.   Vorausschauend spricht sie bereits von Aufgaben, die man nur bewältigen könne, „wenn man sich in der ersten Amtszeit Kredit erworben hat“. Was wohl heißen soll, dass sie sich ihrer Dienstherrin gegenüber als politisch kreditwürdig erwiesen hat. Denn andernfalls, deutsch verstanden, müssten wir annehmen, die Quasi-Ministerin habe sich mit dem Erwerb des Kredits verschuldet.

Davon kann selbstverständlich keine Rede sein. Im Gegenteil, Monika Grütters ist zugute zu halten, dass sie es schaffte, aus dem großen Schuldentopf des Staates für den kommenden Haushalt nochmals 312 Millionen zusätzlich zu fischen. Damit erhöht sich der Kulturetat des Bundes auf immerhin 1,67 Milliarden Euro. Im Gesamthaushalt schlägt diese Summe zwar nur mit etwas weniger als 0,5 Prozent zu Buche, ein Pappenstiel aber ist das keineswegs. Damit lässt sich schon etwas anfangen.

Digitalisierung der Kultur

Die Kulturstaatsministerin wünscht sich denn auch, „dass wir bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz schauen, wie sie noch besser zukunftsfähig gemacht werden kann“. Außerdem soll mehr für die „Digitalisierung“ der Kultur getan werden – und überhaupt für eine „stärkere Vermittlung“. Da kann man nur sagen: toll! Wann, verehrte Frau Kulturstaatsministerin, sind wir je mit so eindeutigen Phrasen über die Vorhaben einer Behörde informiert worden?

Dabei wären wir schon froh gewesen, Sie hätten uns versichert, demnächst auch etwas für die Pflege der deutschen Sprache tun zu wollen. Schließlich böte Ihnen das sogar eine Möglichkeit, sich für den „erworbenen Kredit“ erkenntlich zu zeigen, höchstpersönlich bei Angela Merkel. Zu tun gibt es da wahrlich genug. Packen Sie es demnächst am Kabinettstisch an, sofort nach der Berufung der neuen Regierung: Eine Stunde Deutschunterricht nach jeder Kanzlerrunde. Selbst wenn es dazu Kaffee und Kuchen gäbe, würden sich die Kosten in Grenzen halten.

Auf Wikipedia könnten Sie, Frau Grütters, die kurze Liste Ihrer „Handlungen im Amt“ um die Einführungen einer „Förderstunde“ auf Regierungsebene ergänzen: Deutsch für Anfänger. Das wäre doch mal was, vielleicht sogar die Empfehlung für eine dritte Amtszeit. In diesem Sinne, schon jetzt, etwas voreilig, einen guten Start in die nächste Legislaturperiode.

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Leserpost (5)
Peter Zentner / 02.03.2018

Wahre Worte, Herr Rietzschel! Wann immer ich den gestelzten und nichtssagenden, dafür aber politisch-korrekten Sätzen unserer Volksbeglückerinnen — O.K., darunter auch Männer — lausche, denk’ ich mir:  Warum sollen die Zuwanderer Deutsch lernen? Die hören doch schon am Sprachrhythmus und den gequälten Füllwörtern (“sozusagen, gleichsam, quasi, eigentlich, irgendwie, allmählich”, etc.), dass ihre gutherzigen Gastgeber der eigenen Muttersprache nicht mächtig sind. Ich wage zu sagen: Auch zahlreiche Politiker sollten Kurse à la “Deutsch als Fremdsprache” besuchen, denn sie werden nicht mal am Biertisch verstanden.

Judith Hirsch / 02.03.2018

Grütters besitzt Eloquenz,, Durchsetzungskraft und sogar Charme, aber leider folgt auch sie nur der feministischen Agenda, die Politik nicht besser, sondern “weiblicher” machen möchte. Mir dreht sich bei diesen Worten der Magen um und meine Sehnsucht, nach einem raubeinigen Mannsbild, dass derbe, polternd und herrlich politisch inkorrekt daherkommt (dabei aber immer im Einsatz für die Menschen dieses Landes) wird zur Leidenschaft.

H. Schmitt-Fellgiebel / 02.03.2018

1.670.000.000 für die Kultur! Da frage ich mich, für wessen Kultur? Haben wir doch unlängst aus berufenem Munde erfahren, “... eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.” So bleibt uns nach Genossin Özoğuz also einzig (noch) die gemeinsame Sprache. Sicher - um zu verhindern, dass Merkels Pidgin-Deutsch und Nahles’ Bätschi-Sprech weiter Schule machen, bedarf es schon einer enormen Kraftanstrengung. Aber 1,67 Milliarden wird das doch hoffentlich nicht kosten. Obwohl, je länger ich darüber nachdenke ...

Wilfried Cremer / 02.03.2018

Notorische Lügner, auch solche, denen anders nichts nachzuweisen ist, kann man leicht daran erkennen, dass sie falsch betonen oder Wörter umsortieren.

Uta Buhr / 02.03.2018

Auf den Punkt gebracht! Es wäre doch allzu schön, wenn unsere Kanzlerin sich endlich in ihrer Muttersprache so zu artikulieren lernte, dass wir alle sie verstehen. Ihr gegenwärtiges Gestammel in einem erbärmlichen Deutsch, das man nicht einmal Drittklässlern durchgehen lassen würde, ist einfach unerträglich. Keiner erwartet, dass Frau Merkel in Zukunft Gedichte oder hochrangige Prosa schreibt und zitiert. Aber zu einer Sprache, die jedem verständlich ist - egal ob es sich um die schon länger hier Lebenden handelt oder jene, die noch nicht so lange hier sind - müsste es doch allemal reichen. Frau Grütters, übernehmen Sie umgehend. Genug Geld aus dem von uns gebeutelten Steuerzahlern wohl gefüllten Säckel haben Sie sich ja mutig erstritten!

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