Thomas Rietzschel / 05.06.2018 / 16:50 / 7 / Seite ausdrucken

Gesehen, gelesen, gehört, verpasst: Frau Grütters lässt es wieder krachen

Da es bei der Übernahme eines politischen Amtes keine geistige Sonderzuteilung gibt, können auch Kulturpolitiker nur tun, was ihr Verstand hergibt: Großes schaffen oder Unsinn verzapfen. Der eben verstorbene Hilmar Hoffmann gründete während seiner Zeit als Frankfurter Kulturstadtrat, in den Jahren von 1970 bis 1990, ein Museum nach dem anderen, darunter eines für den Film.

Ebenso wie er seinerzeit fühlt sich heute Monika Grütters, Merkels Staatsministerin für Kultur und Medien, auf ihrem Niveau dem Kino zugetan. Um für Moral und Anstand im Gewerbe zu sorgen, macht sie jetzt 100.000 Euro locker für den Aufbau einer „Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt“.

Das sei ihr, sagt sie, „ein wichtiges politisches und menschliches Anliegen“. Schon bei der Eröffnung der letzten Berlinale wollte sie „für Me Too den roten Teppich“ ausrollen. Nun möchte sie endlich Nägel mit Köpfen machen, mit ihrem Amt der allgemeinen Hysterie nicht länger hinterher hinken. Gibt es doch hierzulande immerhin schon einen Fall, in dem einem Regisseur, Dieter Wedel, sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden, wobei die Beweisaufnahme noch gar nicht begonnen hat. Auch nicht im Fall eines ebenso beschuldigten WDR-Korrespondenten, dem zweiten großen Sex-Skandal der deutschen Film- und Fernsehbranche in diesen Tagen.

Höchste Zeit also für die Kulturstaatsministerin, schnell zu handeln, so beherzt wie ihr Vorgänger im Amt, als er 2013 einem alten Mann in München seine Kunstsammlung, rund 1.400 Werke, mit staatlicher Gewalt entwenden ließ. Pikanterweise erfolgte die Beschlagnahme der Sammlung Gurlitt damals nach der gleichen Methode, mit der die Kommunisten in der DDR den Kunstbesitz privater Sammler an sich brachten, nämlich mit der Unterstellung einer „Steuerhinterziehung“.

Als Cornelius Gurlitt, kurz bevor er 2014 verstarb, seinen gesamten Kunstbesitz dem  Museum in Bern vermacht hatte, sorgte die inzwischen amtierende Monika Grütters dafür, dass rund 1.000 der geraubten Gemälde und Graphiken mit der Begründung, es könne sich um Raubkunst der Nationalsozialisten handeln, in der Verfügungsgewalt der Bundesrepublik blieben. Dass es schließlich nur sieben Bilder waren, unter anderem Werke von Lieberman, Matisse, Menzel und Spitzweg, bei denen es sich tatsächlich um Diebesgut handelte, hat die Ministerin nicht angefochten oder gar zu einer Entschuldigung im Namen des Staates veranlasst.

Einen solchen Fehler würde Monika Grütters nie begehen. Dafür kennt selbst sie sich unterdessen gut genug im Kulturbetrieb aus. Sie weiß: The show must go on, wenn man im Gespräch bleiben will, egal womit, ob als Ermittler einer „Raubkunst“, die bei Lichte besehen gar keine ist, oder als Frontfrau im Kampf gegen „sexuelle Belästigungen, Demütigungen und Gewalt in der Filmbranche, aber auch in anderen Kultursparten“. Dass auch hier der Handlungsbedarf, abgesehen von der kolportierten Anklage gegen Dieter Wedel, bislang nur ein angenommener ist, tut nichts zur Sache. Denn hat man erst einmal geholfen, ein moralisches Amt aus dem Nichts heraus zu erschaffen, wird es nicht an Stimmen fehlen, die das toll finden – Klasse Frau Grütters!

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Leserpost (7)
Johann-Thomas Trattner / 05.06.2018

Lese ich so (via Google) Lebenslauf, Interviews, Artikelchen und Webseite über und von Frau Grütters, bekomme ich den Eindruck, die Frau ist halt mit einem silbernen Löffelchen im Mund ins Leben getreten und war dann eben immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Heute darf sie sich ein wohlbestalltes Ausleben ihrer Genussfreude an den schönen Dingen und Künsten dieser Welt bei der Spitze der Nomenklatura gönnen. Kunst und Kultur nur vom allerfeinsten! Ein schönes Hofschranzendasein. Man darf neidisch sein! Liest man ein wenig quer durch ihre politischen Rundbriefe, merkt man: Der persönliche Preis der Frau Grütters für ein schönes Leben in Oppulenz ist ein wenig politisches Bla-Bla und nicht auffallen. Und ein bisschen Angeberei gehört zum Geschäft. Literarisch protzt sie (im Interview mit der “Welt”) mit ihren literarischen Erweckungserlebnissen. Unter anderem Jean Paul. Das (mit Jean Paul protzen) machen ja viele Superliteraturgourmetkenner gerne. Hoffentlich nur säuft sie nicht so viel wie besagter Herr Richter. Jedenfalls ein politisch bedeutungsloses Leichtgewicht.

Sebastian Weber / 05.06.2018

Ja moment mal…. soll das etwa heißen, dass eine Armlänge Abstand, Klebetattoo UND Armbändchen gegen Belästigung gar nichts nützen?

Viola Heyer / 05.06.2018

Grütters ist eine Hardcore-Feministin, die alles ihrer Ideologie unterordnet. Sie orientiert sich an der Kanzlerin und intrigiert sehr erfolgreich gegen männliche konkurrierende Parteikollegen. Die Frauen in der Union wie Merkel, AKK und Grütters bekämpfen alle konservativen Werte, die die CDU und unser Land einst stark gemacht haben.

Karla Kuhn / 05.06.2018

“Das sei ihr, sagt sie, „ein wichtiges politisches und menschliches Anliegen“. ”  Erst kommt politisch, dann menschlich,  sagt doch schon alles !! Klappern scheint eben doch zum Handwerk zu gehören.  Aber ist das nicht Diskriminierung gegenüber den “kleinen Untertanen ??”  Herr Bangard, was sind “feministische Pornos ?” Sex zwischen Lesben und die will die SPD fördern ??  Ich krieg einen Lachkrampf.  Vielleicht sollten wir Frau Grütters sogar dankbar sein, daß sie zwischen dem ganzen Sumpf für Lacheinlagen sorgt ?

Franz Reinartz / 05.06.2018

Na ja, man könnte den Kulturschaffenden ja nahe legen, künftig mit bodycam zur Arbeit zu erscheinen. Den einen gereicht’s zur Entlastung, den anderen zur Beweissicherung. Juristisch könnte man das so gestalten, wie es gerade höchstrichterlich zu dashcams in Autos entschieden wurde.

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