Thomas Rietzschel / 31.03.2018 / 17:46 / 6 / Seite ausdrucken

Gesehen, gelesen, gehört, verpasst: Die Auferstehung des Hasen

Ostern: Alt und Jung, Groß und Klein sind gut aufgelegt. Es gibt vier freie Tage am Stück. Der erste liegt freilich schon hinter uns. Nur, weshalb haben wir gestern, an Karfreitag, überhaupt frei bekommen? Blöde Frage, sagen Sie. Klar, aber auch nicht blöder als viele der Antworten, die man darauf bekommt. Machen Sie einmal die Probe aufs Exempel, im Freundes- und Bekanntenkreis, unter den Kollegen oder der jüngeren Verwandtschaft. Sie könnten Ihr blaues Wunder erleben.

Manche werden Ihnen einen vom Osterhasen erzählen. Etliche, meist die höher gebildeten Gymnasiasten, vermuten auch gern, wir feierten den Frühlingsanfang, vielleicht das Fest der Eier. Andere wiederum mögen einfach mit den Achseln zucken: Wir hatten eben einen freien Tag, weil er uns zusteht. Das sei doch genug.

Natürlich gibt es daneben noch jene, die sich an den Leidensweg Christi, die Kreuzigung und seinen Tod in der dritten Stunde des Nachmittags erinnern. Allerdings wollen selbst sie in der Regel davon kein großes Aufhebens mehr machen. Die Kirchgänger bleiben lieber unter sich, als dass sie den anderen die Feiertagslaune mit trüben Gedanken verderben.

Schluss mit der Diskriminierung der Muslime!

Wer wollte etwas dagegen sagen. Wieso sollten wir weiterhin von der Kreuzigung Jesu reden, nachdem die Kreuze in Schulen und öffentlichen Gebäuden abgehängt wurden, wenigstens außerhalb des Geltungsbereiches bayrischer Starrköpfigkeit. Aber wenn es nun einmal der politische Wille ist, dass wir uns von der deutschen Leitkultur als einer christlich geprägten verabschieden, wäre es dann nicht an der Zeit, auch die christlichen Feiertage aus dem Kalender zu streichen? Wird durch ihre staatliche Anerkennung nicht eine Religion gegenüber den anderen bevorzugt? Wie diskriminiert müssen sich Muslime fühlen, da sie gezwungen sind, an Karfreitag und Ostermontag die Beine hochzulegen, statt auf die Arbeit gehen zu können.

Wenn der Islam zu Deutschland gehört, wie es die Kanzlerin verordnet hat, dann doch nicht als fünftes Rad am Wagen, sondern auch feiertagsgleichberechtigt. Will sagen: Entweder Schluss mit dem Faulenzen an Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten und Weihnachten, Abschaffung all der Feiertage, die sich einer Religion verdanken, deren Werte nicht länger im Ruf einer „Leitkultur“ stehen – oder die Herstellung religiöser Gerechtigkeit durch die staatliche Anerkennung moslemischer Gedenktage als arbeitsfreie Zeit für alle, zum Beispiel am Ende des Ramadan oder zu Mawlid an-Nabi, dem Geburtstag des Propheten Mohammed. 

Der Eier legende Wollmilchhase ist da

Die Verhältnisse unserer westlich geprägten Gesellschaft würde das nicht mehr auf den Kopf stellen, als es im Zuge der „Willkommenskultur“ ohnehin schon geschehen ist. Wer hier einwenden wollte, das sei doch alles Blödsinn, weil volkswirtschaftlich nicht tragbar, möge sich an die zahllosen Ingenieure und Ärzte erinnern, die uns „geschenkt“ wurden, nachdem Angela Merkel mutig genug war, mit ihrer Grenzöffnung auf Recht und Ordnung zu pfeifen.

Oder sollten wir uns zunächst doch lieber für den kurzen Dienstweg entscheiden, um die Osterferien zu retten, das verlängerte Wochenende vom Freitag bis zum Montag. Wir müssten ja nur die christlichen Feierlichkeiten, soweit sie da und dort noch festlich begangen werden, als Folklore vermarkten, ähnlich der Volksmusik.

Statt der Auferstehung des Heilands könnten wir die Ankunft des Eier legenden Wollmilchhasen feiern und dürften uns überdies rühmen, eine weitere multikulturelle Bewährungsprobe bestanden zu haben.

In diesem Sinne uns allen Frohe Ostern 2018; es wird noch heiter werden.

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Leserpost

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M. Strobel / 31.03.2018

Wieso schaffen wir nicht wirklich die religiösen Feiertage ab und geben stattdessen jedem, sagen wir, 8 zusätzliche Urlaubstage? Die kann jeder nach Belieben entweder für echte religiöse Feste oder auch mehr Urlaub nutzen und die Wirtschaft müsste weniger Feiertagszuschläge bezahlen. Auf diese Weise können alle ihre Rituale feiern ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Mike Loewe / 31.03.2018

Warum reden alle immer nur von Christentum, Judentum und Islam? Falls irgendjemand behauptet, der Islam gehöre zu Deutschland, dann bitte niemals, ohne auch Buddhismus, Taoismus, Shintoismus, Hinduismus etc. als zu Deutschland gehörend zu erwähnen! Und unsere Weltoffenheit sollten wir unbedingt dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir nicht nur alle Feiertage aller Religionen, sondern auch aller Nationen der Welt zu unseren Feiertagen machen. Falls dann kein Tag mehr zum Arbeiten übrig bleibt, spart das nicht nur bei den Steuerbehörden, sondern auch bei den Unternehmen jede Menge Verwaltungsaufwand ein.

Gundi Vabra / 31.03.2018

Falscher Ansatz! Sollten nicht die christlichen Feiertage ausschließlich denjenigen zustehen die sie in ihrer ursprünglichen Form (Zeit für die Teilnahme am Gottesdienst) haben? Wieso sollen Nichtchristen bezahlte freie Zeit an christlichen Feiertagen haben? Erst wenn das geklärt ist, kann an Feiertage für andere Religionsgemeinschaften gesprochen werden, denn Nichtchristen nehmen für sich Vorteile in Anspruch die ihnen eigentlich gar nicht zustehen, selbst wenn sie die Vorteile gar nicht wollen. Ich will nichts an unserem Feiertagskalender ändern, deshalb die Bitte die Füße still zu halten.

Werner Arning / 31.03.2018

Die Zeiten während derer es als rebellisch und mutig galt, sich kritisch und abfällig gegenüber der christlichen Religion zu äußern sind lange vorbei. Alle haben das nur noch nicht mitbekommen. Heute gilt der „Religiöse“ eher als ein Ewig Gestriger. Gültigkeit hat dieser Tage einzig der Osterhase. Atheismus ist der Normalfall und muss nicht mehr mit Inbrunst verteidigt werden. Christliche Feiertage dienen der Freizeit. Ist ja auch gut so. Aber redet nicht von der Verteidigung christlicher Werte usw. Christentum ist schon längst Folklore. Den Kirchen geht es dabei zumindest prächtig.

Gabriele Schulze / 31.03.2018

Tja, da gäbe es dann wohl großes Geheule, wenn christliche Feiertage verschwänden. Irgendwer würde plötzlich doch eine spezifische deutsche Kultur “jenseits der Sprache” entdecken! Islamische Feiertage dazu? Klar, müssen Mutti und ihre Entourage bzw. alle Weitersowähler dann aus der Privatschatulle zahlen. Buona Pasqua!

Wilfried Cremer / 31.03.2018

Also ich geh gleich zur Feier der Osternacht. Aber nicht in die Innenstadt, das ist mir nachts zu gefährlich, Auferstehung hin, Auferstehung her.

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