Wolfgang Röhl / 16.03.2011 / 14:31 / 0 / Seite ausdrucken

Geschleift: “Die letzte Bastion des Englischen”

Über den Erfolg der britischen Landkrimiserie „Midsomer Murders“, die hierzulande als „Inspector Barnaby“ jeweils am späten Sonntagabend im ZDF läuft, ist auf dieser Website schon geschrieben worden. Der Erfolg beruht nicht zuletzt auf der Tatsache, dass die Handlung in historischen Umständen spielt. Obschon die Protagonisten moderne Autos fahren und auch mal mit dem Handy telefonieren (dies aber eher selten), morden und ermitteln sie in einem äußerlich gemütlichen Country-England, das es so nicht gibt, seit Jahrzehnten nicht mehr. Im fiktiven Dorf Midsomer leben keine Menschen anderer Hautfarbe denn der weißen. Es gibt dort keine Migranten, keine Kopftuchmütter, keine Turban-Sikhs, nicht mal polnische Wanderarbeiter.

„Midsomer Murders“ ist die vielleicht letzte Unterhaltungssendung auf der Insel, in der es niemals um spezifische Probleme geht, die Menschen aus anderen Kulturkreisen haben beziehungsweise machen. Sie tauchen weder als Gute noch als Böse auf. Weder als tüchtige Ärzte noch als pakistanische Hassprediger, nicht als pfiffige Sidekicks des Inspektors und nicht als jamaikanische Messerstecher. Sie existieren nicht. Das schätzen Briten, deren Lebenswirklichkeit längst multikulturell ist (for better or for worse), offenbar sehr.

Brian True-May, der die Quotenkuh mit erfunden hat und seit langem produziert, hat nun einer Programmzeitschrift erzählt, warum die Serie auch künftig so bleiben soll: „Wir zeigen einfach keine ethnischen Minderheiten, weil es dann kein englisches Dorf mehr wäre. Das würde nicht funktionieren. Wir sind die letzte Bastion des Englischen“. Klar wie Gin und Tonic, und jeder weiß das, allen voran die Leute im Sender ITV, der die in viele Länder verkaufte Serie ausstrahlt. Nur sagen darf man es nicht. Schon gar nicht im Vereinigten Königreich, wo die Political Correctness satiresprengende Formen angenommen hat und Tugendwächter und Denunzianten überall auf der Lauer liegen. Prompt wurde True-May von ITV gefeuert, mit der Balken biegenden Begründung, man sei „schockiert“ über dessen Äußerungen, die „von niemandem“ im Sender geteilt würden.

Es ist im Unterhaltungssektor vermutlich das erste Mal, dass jemand wegen Diskriminierung rausfliegt, weil seine Drehbücher bestimmte Menschengruppen nicht berücksichtigen. Auf uns Deutsche bezogen hieße das, dass demnächst die ARD-Sendungen „Feste der Volksmusik“ in die Pflicht genommen werden könnten, neben Florian Silbereisen und seinen Spezis auch sich demonstrativ im Schritt kratzende Rapper auftreten zu lassen, deren sprachliches Vermögen hauptsächlich um das F-Wort mäandert.

Freilich keine wirkliche Drohung für den, der die Feste der Volksmusik kennt.

Zu „Inspector Barnaby“ siehe auch:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/morde_in_nevermoreland_inspector_barnaby_zdf_sonntag_22_uhr/

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Wolfgang Röhl / 17.12.2023 / 10:00 / 56

„Mikroaggression“: 50 Jahre Bullshit-Bingo

Während auf Straßen und in Schulen reale Gewalt explodiert, gehen akademische Linksradikale mit einem verstaubten Gewaltkonstrukt auf Weißen-Bashing. Mittels sogenannter Mikroaggressionen würden angeblich Marginalisierte ausgegrenzt,…/ mehr

Wolfgang Röhl / 02.12.2023 / 06:15 / 81

Den Schuss nicht gehört. Deutschland im Krimiwahn

Ohne Krimi geht der Deutsche nie ins Bett. Verrückt: Je stärker die reale Kriminalität steigt, desto lieber lassen sich Menschen von fiktiven Krimistoffen oder Podcasts…/ mehr

Wolfgang Röhl / 26.03.2023 / 10:00 / 18

Von Gräbenbuddlern und Brückenbauern

Cora Stephan hat den dritten Teil ihrer Geschichte deutscher Verhältnisse veröffentlicht. „Über alle Gräben hinweg“ beschreibt die Geschichte einer deutsch-schottischen Freundschaft in der Zeit zwischen…/ mehr

Wolfgang Röhl / 13.11.2022 / 12:00 / 42

Wo, bitte, geht’s zum Film?

Es wird dunkler in Deutschland, auch in meteorologischer Hinsicht. Zeit, auf Vorrat ein paar spannende Filme aus dem Fernsehen abzuspeichern. Das Angebot ist groß. Aber…/ mehr

Wolfgang Röhl / 19.06.2022 / 06:00 / 99

Wo ist eigentlich das Vollweib hin?

Fernsehfilme mit erdigen Wuchtbrummen à la Christine Neubauer fuhren einst Traumquoten ein, Ratgeber zum Thema „Vollweib“ waren Bestseller. Doch jetzt wurde das dralle Heteroweib im…/ mehr

Wolfgang Röhl / 08.05.2022 / 06:25 / 91

„Schwarz bitte groß schreiben, weiß klein und kursiv“

Manche Verlage beschäftigen neuerdings Sensitivity Readers. Freischaffende Zensoren, die Manuskripte scharf auf Rassismus, Sexismus und Postkolonialismus checken. Beim kleinsten Verdacht auf falsche Gesinnung schlagen sie Alarm.…/ mehr

Wolfgang Röhl / 26.03.2022 / 06:15 / 130

Wenn der Transmann zweimal klingelt

Unser ehedem einfältiges Unterhaltungsfernsehen ist vielfältiger geworden. Aber reicht das? Der wichtigste deutsche TV-Produzent hat eine tolle Idee: Künftig werden Filme so gebaut, dass sich…/ mehr

Wolfgang Röhl / 02.01.2022 / 14:00 / 43

Wenn das Fernsehvolk den Lümmel macht

Zwei aufwändig produzierte, von vielen Medien hoch gelobte TV-Serien, mit denen die ARD zum Jahresende punkten wollte, fielen beim Publikum durch. Anlass zur Hoffnung, Zuschauer könnten…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com