Über den Erfolg der britischen Landkrimiserie „Midsomer Murders“, die hierzulande als „Inspector Barnaby“ jeweils am späten Sonntagabend im ZDF läuft, ist auf dieser Website schon geschrieben worden. Der Erfolg beruht nicht zuletzt auf der Tatsache, dass die Handlung in historischen Umständen spielt. Obschon die Protagonisten moderne Autos fahren und auch mal mit dem Handy telefonieren (dies aber eher selten), morden und ermitteln sie in einem äußerlich gemütlichen Country-England, das es so nicht gibt, seit Jahrzehnten nicht mehr. Im fiktiven Dorf Midsomer leben keine Menschen anderer Hautfarbe denn der weißen. Es gibt dort keine Migranten, keine Kopftuchmütter, keine Turban-Sikhs, nicht mal polnische Wanderarbeiter.
„Midsomer Murders“ ist die vielleicht letzte Unterhaltungssendung auf der Insel, in der es niemals um spezifische Probleme geht, die Menschen aus anderen Kulturkreisen haben beziehungsweise machen. Sie tauchen weder als Gute noch als Böse auf. Weder als tüchtige Ärzte noch als pakistanische Hassprediger, nicht als pfiffige Sidekicks des Inspektors und nicht als jamaikanische Messerstecher. Sie existieren nicht. Das schätzen Briten, deren Lebenswirklichkeit längst multikulturell ist (for better or for worse), offenbar sehr.
Brian True-May, der die Quotenkuh mit erfunden hat und seit langem produziert, hat nun einer Programmzeitschrift erzählt, warum die Serie auch künftig so bleiben soll: „Wir zeigen einfach keine ethnischen Minderheiten, weil es dann kein englisches Dorf mehr wäre. Das würde nicht funktionieren. Wir sind die letzte Bastion des Englischen“. Klar wie Gin und Tonic, und jeder weiß das, allen voran die Leute im Sender ITV, der die in viele Länder verkaufte Serie ausstrahlt. Nur sagen darf man es nicht. Schon gar nicht im Vereinigten Königreich, wo die Political Correctness satiresprengende Formen angenommen hat und Tugendwächter und Denunzianten überall auf der Lauer liegen. Prompt wurde True-May von ITV gefeuert, mit der Balken biegenden Begründung, man sei „schockiert“ über dessen Äußerungen, die „von niemandem“ im Sender geteilt würden.
Es ist im Unterhaltungssektor vermutlich das erste Mal, dass jemand wegen Diskriminierung rausfliegt, weil seine Drehbücher bestimmte Menschengruppen nicht berücksichtigen. Auf uns Deutsche bezogen hieße das, dass demnächst die ARD-Sendungen „Feste der Volksmusik“ in die Pflicht genommen werden könnten, neben Florian Silbereisen und seinen Spezis auch sich demonstrativ im Schritt kratzende Rapper auftreten zu lassen, deren sprachliches Vermögen hauptsächlich um das F-Wort mäandert.
Freilich keine wirkliche Drohung für den, der die Feste der Volksmusik kennt.
Zu „Inspector Barnaby“ siehe auch:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/morde_in_nevermoreland_inspector_barnaby_zdf_sonntag_22_uhr/