Peter Grimm / 28.03.2016 / 12:30 / Foto: Library of Congress / 5 / Seite ausdrucken

Geschlechtertrennung zwischen Leipzig und Chemnitz

Der Gesellschaft, die sich die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, vorstellt, in der die Einheimischen die Modalitäten des Zusammenlebens mit einer stetig wachsenden Zahl muslimischer Zuwanderer jeden Tag neu aushandeln, stehen vor allem viele Sachsen eher reserviert gegenüber. Diesen Eindruck kann man jedenfalls gewinnen, wenn man die aktuelle Fernsehberichterstattung aus dem Freistaat verfolgt. Doch manchmal sind die Sachsen auch ganz vorn, wenn es um die Erfordernisse der neuen Zeit geht.

Beispielsweise die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB), die die Regional-Expresslinie RE 6 zwischen Leipzig und Chemnitz betreibt. Die hat jetzt angekündigt, in allen Zügen spezielle Frauenabteile einzurichten. Diese sollen, nach einer Unternehmensmitteilung „alleinreisenden Frauen sowie Müttern mit Kindern zur Verfügung stehen“. Zwei Abteile je Zug, direkt neben dem Dienstabteil des Zugbegleiters, sollen es für den Anfang sein. Damit soll das Sicherheitsgefühl der weiblichen Fahrgäste gestärkt werden.

Wie schön, dass der Zugbetreiber in Zeiten, in denen kleine Gruppen junger Männer besser ungenannt bleibender Herkunft zu verstärkten Übergriffen auf die unverschleierte oder unkeusch gekleidete Frau neigen, jetzt für die Sicherheit der Mitfahrerinnen sorgt. Aber halt: Damit hat es natürlich nichts zu tun! Der Radiosender MDR info hat beim Unternehmen entsprechend nachgefragt. Welche Antwort hat er wohl bekommen? Vielleicht in der Art: „Das hat nichts mit Flüchtlingen zu tun“?  Falsch! Ein klein wenig origineller antwortet der Sprecher des Bahnbetreibers dann doch: „Es hat nichts mit sexueller Belästigung zu tun.“

Das ist wirklich überraschend. Womit denn dann? Bei allen Initiativen für eigene Frauenbereiche in öffentlichen Verkehrsmitteln, die es früher, weit vor der „Flüchtlingskrise“, gab, ging es genau darum, Frauen vor sexuellen Übergriffen und sexueller Gewalt zu schützen. Aus welchem anderen Grund braucht denn die Frau auf dem Weg von Leipzig nach Chemnitz ein stärkeres Sicherheitsgefühl? Und wenn es nicht um sexuelle Belästigungen geht, warum wird Männern kein stärkeres Sicherheitsgefühl gegönnt? Sind Frauen in den Augen der Bahnbetreiber etwa schwächer als Männer, ganz so, wie es die Vertreter des Patriarchats seit eh und je behauptet haben? Es ist etwas verwirrend.

Zudem fragt sich vielleicht manche Reisende, warum Frauen, die nicht allein reisen, nicht ins Frauenabteil dürfen? Wenn eine Frau einen Mann dabei hat, darf sie dann getrennt von ihm im Frauenabteil reisen oder wird der männliche Begleiter in diesem Fall für das Sicherheitsgefühl der Frau verantwortlich gemacht? Damit zwingt man dann die nicht allein reisende Frau aber doch in die Abhängigkeit eines Mannes, oder?

Irgendwie ist das Konzept und seine Vermittlung noch nicht ganz durchdacht. Vielleicht hätte man einfach mutig genug sein sollen, ein paar mehr Frauenabteile einzurichten und diese zu einer Willkommensleistung für die bessere Integration von den Asylbewerbern zu erklären, die mit unserer Kultur noch etwas fremdeln. Geschlechtertrennung in verschiedenen Lebensbereichen kennen sie von zu Hause. Ohne eines Mannes Auge ist auch die lockere Kleidung der europäischen Frau kein Problem. Konflikte und kulturelle Überforderung werden so vermieden. Noch Fragen? Nein, denn eine Maßnahme im Zeichen der Willkommenskultur wird gemeinhin nicht in Frage gestellt.

Vielleicht hebt sich die MRB diese Kommunikationsstrategie aber auch noch auf, denn es ist ja bislang nicht alles fertig beim Frauenabteil-Projekt. Das Piktogramm, mit dem der exklusiv feminine Teil des Schienenverkehrs künftig gekennzeichnet werden soll, gibt es noch nicht. Das wird, so ist zu vernehmen, noch erarbeitet. Möglicherweise dauert das etwas länger, weil es ja interkulturell verständlich sein muss.

Wenn die MRB die Kommunikationsstrategie ändert, dann kann die Bahn auch auf unpassende Vergleiche Verzichten. Die „zusätzliche Service-Leistung“ Frauenabteil wäre „in Anlehnung an ICE und IC“ erarbeitet worden, heißt es da. Nur gibt es im ICE kein Frauenabteil, sondern nur einen gesonderten Bereich für Reisende mit Kindern. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle. Doch um solche Unisex-Angebote geht es auf der sächsischen Linie ja nicht.

An einer anderen Stelle ist der Bahnbetreiber zudem noch zu ehrlich. Die neue partielle Geschlechtertrennung diene, so heißt, lediglich der Stärkung des Sicherheitsgefühls und nicht der Sicherheit selbst. Aber damit ist ein Bahnunternehmen auch wirklich überfordert. Die gefühlte Wirklichkeit ist schließlich auch wichtig. Wir sollten nicht immer so nörgeln, sondern uns daran erfreuen, dass jetzt auch Sachsen mitmachen, wenn es darum geht, die Regeln unseres Zusammenlebens täglich neu auszuhandeln. So schaffen wir das. Inschallah.

Zuerst erschienen auf: http://sichtplatz.de/?p=5604

 

 

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Leserpost

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Sönke Joachim Peters / 29.03.2016

Vorausgesetzt, es ginge nicht um sexuelle Belästigung, gäbe es vielleicht noch andere Erklärungen für diese eigenartigen Frauenabteile: Da der jüngste Zustrom von “Flüchtlingen” insgesamt wohl aus mindestens 80% jungen Männern besteht, möchten gewisse Damen in Sachsen wohlmöglich schlicht “flüchtlingsbefreit” reisen. Eine mögliche Schlussfolgerung wiederum daraus wäre, dass die MRB sich als Vehikel einer feministischen Fremdenfeindlichkeit entpuppte. Eine andere Erklärung könnte sein, dass Fremdenfeindlichkeit ein überwiegendes Frauen-Problem wäre; zumindest in Sachsen. Unter Umständen lohnte sich auch einmal eine genauere Prüfung, ob nicht “wichtige” Politikerinnen der Grünen oder der DIE LINKE diese Bahnlinie benutzten (Verschwörungsprinzip: Cui bono?).

Christoph Tiedemann / 29.03.2016

Frauenabteile neben dem Dienstabteil des Zugbegleiters? Oder der Zugbegleiterin? Darf es noch ein Zugbegleiter sein oder gibt es bei der MRB deswegen nur noch Zugbegleiterinnen oder beides? Oder muss das Dienstabteil verlegt werden? Irre! Irrenhaus Deutschland!!

Frank Stricker / 28.03.2016

Prima, diese reinen Frauenabteile ermöglichen der DB doch wunderbare Werbemöglichkeiten; Wie wärs denn mit z.B. statt “rosarotem Wochenend-Ticket” mit “Apartheitswochen” ? Ich mußte letztes Jahr diesen Geschlechter-Rassismus in Dubai erleben, wo die Metro einige Abteile spezifisch nach Männern und Frauen getrennt hat. O.K. Dubai ist nicht Leipzig, oder mittlerweile doch ?

Hjalmar Kreutzer / 28.03.2016

Bei aller guten Absicht für z.B. Extra Sitze oder Abteile für Schwerbeschädigte oder Mütter mit Kindern oder alleinreisende Frauen: Wer wollte dies kontrollieren bzw. bei Missachtung durchsetzen? Hat denn die Bahn oder beauftrage Sichrheitsfirmen oder gar die Polizei genug Personal, um die Sicherheit zu gewährleisten? Wie oft endete die in Sonntagsreden eingeforderte Zivilcourage in schweren Körperverletzungen oder Todesfolge, schon auf die Aufforderung an testosteronbersteuerte Jungmannen, doch bitte das Rauchverrbot zu respektieren oder laute Musik leiser zu drehen? Was sollen die Frauen tun, wenn sich so eine Junghorde wegen voller Züge oder einfach nur, um Dominanz zu demonstrieren, in einem Frauenabteil breit macht?

Lukas Adam / 28.03.2016

Dieser Artikel macht viel Lärm um nichts. Je nach Wohngebiet kommt man als Mann ohnehin nicht mehr in Geschäfte, Behörden, Krankenhäuser, Arztpraxen, öffentliche Verkehrsmittel, Schulen, Universitäten, Hotels, Kinos, Restaurants, Banken, Flughäfen, Freizeitparks, Zoos…, ohne, dass verschleierte Frauen einem auf non-verbale Weise ausdrücken, dass man sich vor den Blicken der Männer schützen muss, da diese zum Geschlechtsverkehr anregt werden könnten. Ein diskriminieungsfreier, eigentlich per Verfassung garanterter, freier Umgang zwischen den Geschlechtern ist ohnehin nicht mehr möglich. Da macht Geschlechtertrennung im Zug keinen Unterschied mehr.

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