Gunter Weißgerber / 16.12.2018 / 15:30 / 3 / Seite ausdrucken

Geschichte ist Politik – Die Causa Knabe

Die Nordwestzeitung veröffentlichte am 13. Dezember 2018 mein Sittenbild der Ereignisse und Zusammenhänge in der Causa Hubertus Knabe. Ich verweise auf diesen Link zu meinem Essay. Hier ein kurzer Auszug:

„… Der Streit um die Gedenkstätte Hohenschönhausen und um Hubertus Knabe ist nun nicht von allgemeinen Restaurationsentwicklungen zu trennen. Es war die politische Geheimpolizei der kommunistischen Diktatur, die in Hohenschönhausen ihre Zentrale hatte. Und es sind mit Knabe als unerschrockenem Aufklärer einerseits und Lederer als Aushängeschild der SED-Nachfolgepartei andererseits zwei Antipoden im öffentlichen Fokus, die sich nichts schenken können.

Knabe als wissenschaftlicher Pfadfinder wider die Verbrechen der Diktatur und Lederer als Prototyp einer Partei, die die nationalsozialistischen Verbrechen zu Recht nicht der Vergessenheit anheimfallen lassen will und die doch andererseits die Verbrechen des Kommunismus bagatellisiert. Zwei Züge kollidierten und Passagiere im Lederer-Zug sind nicht nur die üblichen Verdächtigen. Das macht die Sache noch unerquicklicher.

Lederers Parteivorfahren sahen sich bis Herbst 1989 als Kommunisten, sprachen von den „Kommunistischen und Arbeiterparteien“ der Welt. Den „Sozialisten“ in sich kehrten sie erst in der Morgendämmerung des Herbstes 1989 heraus. Plötzlich waren alle die Sozialisten, die kurz zuvor noch als Kommunisten den Kasernensozialismus stützten.

1990 brachten wir also nicht nur uns mit in die Einheit. Huckepack hatten wir SED (Blockflöten nahm der gemeine DDR-Untertan nicht ernst), MfS und KGB sowie die „Gruppe Luch“, eine in Vergessenheit geratene geheime KGB-Gruppe. Erich Loest lässt seinen Ratzel im „Falco“ sinngemäß sagen: „Wir haben den Staat aufgegeben, um die Partei zu retten. Wir werden wieder da sein.“ Die Opfer der SED-Diktatur erleben genau das seit zweieinhalb Jahrzehnten fassungslos mit. …“

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Sabine Drewes / 16.12.2018

@ Dirk Jungnickel: Lieber Herr Jungnickel, Herr Schüler bringt es so treffend auf den Punkt: „ ...vor allem aber geht es in dieser Debatte, die hauptsächlich von den Gegnern Dr. Knabes angeheizt wird, auch um das Recht des Direktors der Gedenkstätte Hohenschönhausen zu erfahren, was genau ihm vorgeworfen wird und um die Möglichkeit, sich angemessen verteidigen zu können. Was in einem Rechtsstaat eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein muss. Es geht um die Deutungshoheit der kommunistische Verbrechen. Darüber hinaus aber geht es auch darum, wer die Deutungshoheit über die Aufarbeitung der kommunistischen Verbrechen hat. Es würde uns zutiefst schmerzen, wenn wir mit ansehen müssten, dass diese Deutungshoheit der Partei überlassen wird, die in ihrer Geschichte für eine alle Menschenrechte verachtende Gewaltherrschaft Verantwortung zu tragen hat.“ Das beredete Schweigen unserer politischen Klasse ist zutiefst beschämend. Sie, die anderen ständig Versagen vorwirft, versagt selbst auf der ganzen Linie. Und sie kann sich nicht einmal darauf berufen, unter Druck oder gar unter Gefahr für Leib und Leben wider die Menschlichkeit zu handeln.

Dirk Jungnickel / 16.12.2018

Ausnahmsweise ein Auszug aus einem offenen Brief des Ehrenvorsitzenden der UOKG H. Schüler an den jetzigen Vorsitzenden Dombowski : Der einstige Stasi-Oberstleutnant Willi Rom hat vor vielen Jahren gesagt: „Die Partei ist noch da. Sie hat unter viel schwierigeren Umständen gekämpft. Sie hat nie aufgegeben. Sie gibt vielleicht ihren Namen auf, heißt vielleicht SED oder PDS, aber sie gibt nie ihr Ziel auf. Die darauf hoffen, dass der Kommunismus am Ende ist – sie werden sich noch wundern, Sie hoffen vergebens.“ Angesichts also dieser Ihrer Meinung verwundern Sie sich bitte nicht, wenn ich einen Zusammenhang ahne mit allem, was als „Schlammschlacht“ um die Gedenkstätte Hohenschönhausen genannt wird. In meiner Eigenschaft als Ehrenvorsitzender der UOKG bitte ich Sie deshalb dringend um eine Erklärung und Stellungnahme zu den von Herrn Vaatz genannten Vorwürfen. Es geht dabei nicht um die Debatte um eine Person, wie es in einer von über 40 Bürgerrechtlern und Historikern unterschriebenen Erklärung heißt, die unter dem Titel „Es reicht“ veröffentlicht wurde. Es geht um mehr, nämlich auch um Sie, um Herrn Dr. Lederer, um den Stiftungsrat, um Frau Professor Grütters – vor allem aber geht es in dieser Debatte, die hauptsächlich von den Gegnern Dr. Knabes angeheizt wird, auch um das Recht des Direktors der Gedenkstätte Hohenschönhausen zu erfahren, was genau ihm vorgeworfen wird und um die Möglichkeit, sich angemessen verteidigen zu können. Was in einem Rechtsstaat eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein muss. Es geht um die Deutungshoheit der kommunistische Verbrechen. Darüber hinaus aber geht es auch darum, wer die Deutungshoheit über die Aufarbeitung der kommunistischen Verbrechen hat. Es würde uns zutiefst schmerzen, wenn wir mit ansehen müssten, dass diese Deutungshoheit der Partei überlassen wird, die in ihrer Geschichte für eine alle Menschenrechte verachtende Gewaltherrschaft Verantwortung zu tragen hat. Mit freundliche Grüßen Horst Schüler.“

Marc Blenk / 16.12.2018

Lieber Herr Weißgerber, diese Feinde der Demokratie und Fans totalitärer Verhältnisse waren nie weg. Die ideologischen Vorstellungen der Lederers und Kahanes haben sich wie ein Krebsgeschwür in die herrschende Politik gefressen. Und wenn wir schon beim fressen sind, sie haben alle ihre Pöstchen, sind auch durch Netzwerke gut versorgt und haben sich in hiesige Verhältnisse und politische Kultur so eingefühlt, dass sie einen immer größeren Einfluss auf die Geschicke unseres Landes haben. Schaut man sich dann noch die Überlegungen Gysis zur CDU an, sie möge unter Karrenbauer doch von ihrer Totalitarismusdoktrin absehen und die Linke endlich vollumfänglich als nicht totalitär akzeptieren sowie Günthers Überlegungen, in den neuen Bundesländern könne man doch Bündnisse zwischen CDU und Linke ausloten,dann kann einem Angst und bange werden.

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