Wieder ein Westkonzern, der politische Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt hat. Diesmal die Deutsche Bahn, aufgeflogen dank Report Mainz.
Was, die Deutsche Bahn, die ihre Bahncard-Passagiere in erneuerbaren Zügen befördert und sich so höflich bedankt? Ja, die, und zwar als Rechtsnachfolger der Reichsbahn, welche zu DDR-Zeiten politische Häftlinge unter schikanösen Bedingungen ausgebeutet hat. Und jetzt macht Report Mainz wieder einem Goliath Dampf, der dieses Kapitel seiner Vergangenheit unter den Tisch schweigen möchte.
Es verwundert, dass niemandem, vermutlich angesichts des Themas und der Opfer, der Quatsch ins Auge springt. Die Reichsbahn klingt schon nach historischem Unrecht, da ist die Deutsche Bahn, die sich dieses Unternehmen einverleibt hat, zu Aufarbeitungsarbeit verpflichtet.
Ja nun, das wäre so, als würde man Report Mainz als Rechtsnachfolger des Schwarzen Kanal ansehen.Die Reichsbahn in der DDR war ein staatlicher Betrieb, wie er staatlicher kaum ging. Der Staat war, praktisch und nach eigenem Bekunden, das Machtinstrument der herrschenden Klasse und damit ihrer führenden Kraft, der Partei. Der Ausbeuter war sie.
Den Rechtsnachfolger ausfindig zu machen, dürfte Report Mainz überfordern.
Den Rechtsnachfolger herausfinden - das ist nun wirklich einfach: Erstens die Sozis, zweitens die Grünen; aber nicht - weil generell Vergangenheitsverantwortungslos - die Linke, die gibt's ja erst seit 2007.
Die Bundesrepublik Deutschland ist Rechtsnachfolger der DDR. Die Deutsche Bahn, ein Staatsbetrieb, ist Rechtsnachfolger der Reichsbahn, ebenfalls Staatsbetrieb. Zudem wird gezeigt, dass die Deutsche Bundesbahn zu DDR-Zeiten kollaborierte und von den Geschäftsbeziehungen mit der Deutschen Reichsbahn profitierte. Daraus erwächst rechtliche Verantwortung für Wiedergutmachung an und Rehabilitierung der Zwangsarbeiter in der Diktatur. Wollen Sie das nicht? Wo liegt das Problem?
Hoppla! Bernd Zeller mal wieder? Toll. Von nun an wieder öfter? Ja?
Vielen Dank, Herr Zeller. Ich habe bei SPON darüber gelesen und leider gab es dort dazu keinen Diskussionsstrang, um sich darüber auszulassen. Ich hätte meine Kritik ähnlich wie Sie formuliert und mich an vielen anderen Kommentaren erfreut, die mir zusicherten, dass ich doch nicht alleine bin mit meiner Auffassung. Schon die Ikea-Zwangsarbeiter-Diskussion offenbarte perfide Auffassungen. Nicht das Unrecht in der DDR durch die SED-Funktionäre wurde kritisiert, sondern dass westliche Firmen einen kleinen Profit damit machten. Die Opfer des Sozialismus wurden plötzlich zu Opfern des Kapitalismus umdeklariert. Und das passiert bei der Reichsbahn-Diskussion schon wieder. Und was das Thema Zwangsarbeit angeht, habe ich wieder eine andere Meinung. Viele Zeitungsartikel suggerieren, Zwangsarbeit sei an sich etwas verkehrtes. Nun gab es aber auch in der DDR Häftlinge, die auch nach westlichem Recht im Gefängnis gesessen hätten. Und auch in hiesigen Gefängnissen müssen die Häftlinge Arbeiten verrichten und bekommen dafür einen kleinen Lohn. Grundsätzlich falsch kann Arbeit für Häftlinge nicht sein. Moralisch falsch wird es z. B. dann, wenn die Arbeit äußerst gefährlich ist, z. B. im Bergbau. Aber wo ist die außerordentliche Gefährlichkeit bei der Herstellung von Ikea-Möbeln? Überdurchschnittlich lange Arbeitszeiten sind auch nicht tragbar, aber dazu habe ich bislang bei der Reichsbahn-Diskussion nichts lesen können.