Oliver Marc Hartwich, Gastautor / 08.08.2008 / 14:49 / 0 / Seite ausdrucken

Geschafft

Ich habe es geschafft: in meinem Reisepass klebt seit gestern ein Visum inklusive Arbeitserlaubnis für Australien.

Die australische Botschaft in London hat sich selbst übertroffen. Statt der angekündigten 12 Wochen Bearbeitungszeit benötigten sie gerade einmal drei Wochen für die Prüfung meines Falles. Warum das nun doch so schnell ging, darüber kann ich nur spekulieren. Aber wahrscheinlich war es günstig, dass ich bereits einen Arbeitsplatz vorweisen konnte. Vielleicht hatte auch geholfen, dass ich schon mehrfach in Australien war und dort auch für eine Zeit studiert hatte. Aber wie auch immer: Es war eine große Erleichterung, denn nun lässt sich der Umzug nach Sydney viel besser planen.

Die gute Nachricht erhielt ich per Email, als ich gerade in Bangkok einen Zwischenstopp auf dem Rückflug von meinem Kurztrip nach Australien machte. Die Freude darüber konnte auch dadurch nicht getrübt werden, dass British Airways das Kunststück gelang, meinen Koffer von Sydney via Bangkok nach London zu transportieren, nur um ihn am Ende in Heathrow zu verlieren (er tauchte dann 36 Stunden später doch noch auf).

Mein Aufenthalt in Australien war diesmal zwar sehr kurz, aber ereignisreich. Zum einen konnte ich so schon einmal meine neuen (und übrigens sehr sympathischen) Kollegen kennen lernen; zum anderen durfte ich an einer Konferenz teilnehmen, die mir einen Vorgeschmack auf die doch sehr eigene politische Kultur Australiens gegeben hat. An der Konferenz nahmen nämlich unter anderem der Premierminister und sein Finanzminister teil, dazu führende Oppositionspolitiker, einige Konzernchefs, Wissenschaftler und Journalisten - und das alles in einer sehr lockeren Atmosphäre (keine Krawatten!) in einer Hotelanlage in Queensland sowie unter Ausschluss der Öffentlichkeit und jeglicher Parteipolitik. Es ging einfach um einen lockeren und vertraulichen Gedankenaustausch, von dem - mit Ausnahme der Abschlussrede des Premierministers - nichts in den Medien berichtet wurde. Könnte man sich so etwas in Europa vorstellen? Wohl eher nicht.

Zurück in Sydney war dann noch Zeit für eine Diskussionsveranstaltung in der Oper, die mein neuer Arbeitgeber organisiert hatte. Um die Werte der Aufklärung im 21. Jahrhundert sollte es gehen; Redner waren unter anderem der US-Historiker Arthur Herman, der britische Soziologe Frank Furedi und Aayan Hirsi Ali. Mit ihnen allen hatte ich schon auf der Konferenz in Queensland gesprochen, und am Montagabend stellten sie ihre Thesen in Sydney der Öffentlichkeit vor (siehe auch hier: Herman, Furedi, Hirsi Ali). Ich bin jedes Mal neu davon begeistert, wie pragmatisch und offen in Australien diskutiert wird - so auch auf dieser Veranstaltung.

Nun bin ich wieder in London, während sich mein Schlaf-Wach-Rhythmus immer noch überlegt, ob er aus Australien nachkommt. Er sollte sich allerdings beeilen. Wenn nun weiter alles gut geht, dann steht unserem Umzug Anfang Oktober nichts mehr im Wege.

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