Irfan Peci, Gastautor / 27.06.2018 / 06:20 / Foto: Antje Naumann / 26 / Seite ausdrucken

Gesangbuch der Hass-Reimer

Von Irfan Peci.

Erinnern Sie sich noch an das Ende des Echo nach der Preisverleihung an die Rapper Farid Bang und Kollegah? Die Aufregung und Überraschung über den Antisemitismus in ihren Zeilen war so groß, dass reihenweise Echos zurückgegeben wurden und der Preis anschließend ganz starb. Angesichts des Ausmaßes der damaligen Empörung mutet es merkwürdig an, welche Rapper-Aussagen gleichzeitig stillschweigend, manchmal auch zustimmend, toleriert werden.

Gerade die Toleranz vieler Linker gegenüber dem frauenfeindlichen Deutschrap ist sehr seltsam, beachtet man zudem den Antisemitismus und Antiziganismus im Deutschrap, der somit typische Merkmale rechtsextremistischer Ideologie erfüllt. Allein die deutschenfeindlichen Texte unterscheiden sie klar von deutschen Rechtsextremisten. Wird allein deshalb der Antisemitismus trotz des Echo-Skandals gern übersehen? Neben der bekannten "Auschwitz-Zeile" gibt es bei etlichen Kollegen von Kollegah und Farid Bang viele weitere Stellen, die ganz klar antisemitisch sind. Hier ein paar Beispiele:

Bushido:

„C'est la vie, ich mach'n Anschlag wie Tel-Aviv“

Sadiq:

„Ich lade die Kalash und baller mit Arabs

Für Falastin, Hamas und Jabhat al - khallas

Fick Assad, Netanyahu oder Putin“

Massiv:

„Ich bekämpfe ganz Tel Aviv

Ich befrei Libanon Falastin yeah“

Bei „Zigeunern“ hilft auch keine „Israelkritik“

Wahrscheinlich würde der geübte Linke an dieser Stelle darauf verweisen, dass es sich doch um Israelkritik handele. Eine Umdeutung, die angesichts der Textzeilen über "Zigeuner" schon schwerer sein dürfte. Beispielsweise heißt es bei Fler:

„Du Zigeuner, das Ghetto hat kein Platz für dich

Klau dir die Beats zusammen, egal, du weist ich kack auf dich“

Aber auch andere Rapper bedienen sich solcher rassistischer Vorurteile wie Massiv, der folgende Zeile rappt:

„Feuer mit der 9er, ticket Kokain

Und zahle keine Steuern wie Zigeuner“

Keiner der sonst omnipräsenten Tugendwächter hat da protestiert, obwohl hier doch das rassistische Bild fauler "Zigeuner" gezeichnet wird, die angeblich keine Steuern zahlen würden. Hier wird deutlich, dass mit zweierlei Maß gemessen wird, denn nur für nur halb so schlimme Aussagen würde man jeden CSU- oder AfD-Politiker medial zerreißen.

Vielleicht hat die Toleranz gegenüber den Rappern damit zu tun, dass sie trotz Rassismus und Antisemitismus in politischer Hinsicht linke Positionen vertreten. Sie betreiben AfD-Bashing, Trump-Bashing und sprechen sich immer wieder für eine grenzenlose Aufnahme von Zuwanderern aus.

Xatar hat ein Lied gegen die AfD gemacht, in dem er darüber rappt, wie angeblich die Flüchtlinge für alles Negative, was in diesem Land geschieht, zum Sündenbock gemacht werden.

„Neider köpfe ich vor dem Reichstag“

Auch Eko hat ein Lied über die AfD gemacht in der er sie aufs Übelste beleidigt:

„AfD bedeutet: Alles Fotzen, digga

[...[

Doch die größten Hurensöhne sind die ruhigen von denen

[...]

Ihr seid wie der Wichser Trump, ganz witzig insgesamt

[...]

Nur ein Arschloch wählt AfD, die NPD heimlich“

Ein Massiv, der antisemitische Texte rappt, versteht sich prächtig mit einem Grünen wie Anton Hofreiter, der einen Massiv sogar "in die Partei aufnehmen will". Massiv zeigt sich nicht abgeneigt, unter der Bedingung, nicht nur beizutreten, sondern auch "vorne ans Pult" zu dürfen, das heißt eine Führungsposition bei den Grünen zu bekommen.

Antisemitische Aussagen, wie man sie von Massiv kennt, sind also offenbar kein Hindernis, von den Grünen als Spitzenkraft aufgenommen zu werden, neben anderen schockierenden Aussagen wie:

Neider köpfe ich am liebsten vor dem Reichstag“

oder

Ich setz dein Block in Brand wie der Ku-Klux-Klan“

In seinem Lied "Palestine" verherrlicht Massiv sogar den Märtyrertod im Kampf gegen Israel:

„Das ist der ehrenvolle Tod, guck' wie Allah dich in den Himmel ruft

(Ya Allah) Dieser Junge starb für's Vaterland

Ihr vertrocknet unser Heiliges Land

Habt uns verboten zu atmen und unsere Erde verbrannt

Falastin - ich hab den Stein in der Hand

Wir sind das Volk der Unterdrückten mit Koran um den Hals“

„Am Schweinefleisch ersticken“

Nicht so harmonisch lief dagegen das Gespräch zwischen Beatrix von Storch und Bushido, das die meiste Zeit sehr hitzig geführt wurde. Bushido vertrat hierbei die klassischen Positionen der Linken, er sprach sich für eine unbegrenzte Aufnahme der Flüchtlinge aus und sah die Muslime und den Islam stets in der Opferrolle, nach dem Motto "Das hat alles nichts mit dem Islam zu tun". Auch kritisierte ausgerechnet er, dessen Texte vor Frauen- und Schwulenfeindlichkeit nur so strotzen, Frau von Storch wegen der Kritik der AfD am Gendermainstreaming, so als ob er ein Verfechter dessen wäre.

Neben Frauen- und Schwulenfeindlichkeit, über die man sehr oft in diesem Zusammenhang spricht, ist "Deutschrap" noch etwas, nämlich deutschfeindlich. Deutschland und alles Deutsche kommt immer nur in einem negativen Kontext vor. Besonders der bekannteste deutsche Rapper Bushido sticht hier heraus, dem man paradoxerweise 2011 den Bambi-Integrationspreis verliehen hatte, da er sich heute angeblich "klar gegen Gewalt und Diskriminierung" eingesetzt hätte. Weiter hieß es in der Bambi-Preisverleihung: "Er repräsentiert eine Generation von jungen Deutschen, die zwischen zwei Kulturen leben und zeigt, dass man es schaffen kann in einer Gesellschaft, die viele verschiedene Wurzeln hat." Bushido zeigt dann in seiner Ansprache zwar einen Funken Reue und sagt Dinge wie: "Ich bin 33 Jahre und ich werde heut ganz bestimmt nicht mehr das sagen, was ich vor 10 Jahren gesagt habe". Doch wieso findet man dann noch Jahre später Zeilen wie:

Hoffentlich erstickt dein fetter Vater an sei'm Schweinefleisch“

Wer ist denn hier gemeint, wenn nicht die "Deutschen"?

Bereits früher sagte Bushido Dinge wie:

Denke nicht nach, warum ich mich in die Scheiße reit'

Ich hasse euer Essen, hasse euer Schweinefleisch“

oder

Selber schuld, du bist zu den Deutschen gewechselt

[...]

Für Tracks mit Fler hast du die Kanacken-Ehre verkauft

[...]

Ich bin Taliban, du bist nur der Fabian“

„Der Ausländer killt dich“

Bushido hat sich auch nie in seiner Musik als Deutscher bezeichnet, sondern immer nur als "Araber", "Tunesier", "Ausländer", "Taliban", "Osama" und sich immer klar von den "Deutschen", den "Fabians"  "Jens" und "Eriks" abgegrenzt:

Guck, ich bin Tunesier, will von unten nach oben

Ich bin Kanake, deswegen fragen mich Kunden nach Drogen“

oder

Ich bin ein Ausländer keiner von euch deutschen Rappern

[…]

Wir sind ein Phänomen, die zwei Araber auf deutsch“

oder

Der Ausländer killt dich, raus in die Wildnis“

und weiter

Bestimm allein, was ich tun will, was ich heut bin

Und den Rest verdank ich 5-6 Leuten und

Von denen heißt keiner Erik und Jens“.

Noch zwei Beispiele? Bitte:

Du willst Baggy, ich Lederjacke

Du blond, ich Kanacke“

und

Du kommst mit Timo, Lars und Steffen, ich mit Hichäm, Ahmad, Yessen

Bilal, Ali, Ekrem – wenn wir dich mit Mikrokabeln fesseln

Und wie Igelstacheln stechen, wie'n Bienenschwarm abstechen“

Höhepunkt der Deutschfeindlichkeit ist die Verbrennung der deutschen Fahne in dem Lied „Untergrund" von Bushido und Eko Fesh:

„An der Skyline leuchtet mein Name in Leuchtreklame

Ich stopf dein Adler aus, verbrenne deine Deutsche Fahne

[...]

Was weißt du Kartoffel schon von einem krassen Leben

Du willst vom Papst den Segen, ich will nach Mekka reisen

Zurückkommen und auf alle Deutschen Rapper scheißen“

Denn wozu auch integrieren, schließlich regieren mittlerweile laut den Rappern "Kanacken das Land", wie es einst Farid Band und der mittlerweile tote IS-Terrorist und damals noch Gangsterrapper "Deso Dogg" rappten:

„Deso Dogg und Farid Bang, Kanaken regier'n Deutschland“

Man weigert sich ganz klar, sich mit diesem Land zu identifizieren, doch wieso man trotzdem freiwillig hier lebt, fasst der marokkanische Rapper "Abdi" gut zusammen:

„Auf die Frage, ob ich Deutscher bin

Kann ich nur sagen, dass ich in jedem Falle gerne in Deutschland bin“

Das bedeutet im Klartext, man ist nur hier, um die Vorteile eines Lebens in Deutschland zu genießen, jedoch nicht als Deutscher. Genau so kann man dann hunderttausende Euro – mittlerweile knacken diese Rapper auch die Millionengrenze – in einem Land verdienen, mit dem man sich null identifiziert, über das man sich lustig macht, es beleidigt und dessen Fahne man in seinen Texten verbrennt.

Irfan Peci, geboren 1989 in Serbien, aufgewachsen in der Oberpfalz, wird 2007 zum Deutschland-Chef der „Globalen Islamischen Medienfront“ (GIMF), eines der weltweit wichtigsten Propaganda-Netzwerke für al-Qaida. Vom BKA enttarnt, wird er inhaftiert und als V-Mann für den Verfassungsschutz angeworben. Er hat mit seiner extremen Vergangenheit gebrochen und darüber in seinem Buch „Der Dschihadist“ geschrieben.

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Rudi Knoth / 27.06.2018

@Rolf Lindner Zitat:“in dem oberste Richter eine Störung der sexuellen Entwicklung, die man in der ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) unter E34.5- findet, den normalen Geschlechtern gleichsetzen.” Nun diese Störung ist soweit ich verstanden eine Chromosomen-Anomalie ähnlich dem Klinefelder-Syndrom. Es ist also angeboren und damit nicht heilbar.

Lutz Jordan / 27.06.2018

“Hohle Köpfe dröhnen am lautesten!” Das reimt sich zwar auch nicht, aber es dichtet mindestens so gut, wie die popeligen Geistesprodukte der “Deutsch”-Rapper.

Markus Rüschenschmidt / 27.06.2018

Puh, gar nicht mal so gut…Abgesehen vom stilistischen und strukturellen Aufbau, den holprigen und fast nicht mehr als solche zu bezeichnenden Reimen (für die ich mich als Hobbypoet in Grund und Boden schämen würde), ist der Inhalt selbstverständlich an Geschmacklosigkeiten unüberbietbar. In ihrem Bestreben, ihre ureigenen Ausdrucksformen jenseits des Mainstreams zu finden, sich in ihrer Identität abzugrenzen und selbst zu bestärken (quasi nicht viel Anderes, als wir alle während unserer Pubertät mehr oder minder taten) und “sich selbst zu finden”, kennen die modernen “Deutschrap”-Pioniere keine Grenzen und kein Erbarmen. Da wird der Hass, der die eigene innere Zerrissenheit und den Misserfolg im normalen Leben kaschieren soll, in beinharte Lyrics verpackt, die dann Projektions- und Identifikationsfläche für frustrierte Jugendliche ohne Perspektive, flache, einfache Feindbilder aufgebaut, auf denen man herumhacken und das als große Kunst verkaufen kann. Unfassbar, dass man mit solchen “künstlerischen” Erzeugnissen so viel Erfolg und Geld zusammenbekommt wie diese Rapper. Nicht immer aber häufig ist es so: Wer (in gewissen Milieus) sonst nichts kann, wer sonst nichts zu bieten hat, wird dann entweder Gangsta-Rapper mit politisch mehr als unkorrekten Texten - oder Fußballer. Wie weit das doch alles vom “Dichter und Denker” vergangener Tage und all den im Bereich Hip-Hop oder anderen Genres operierenden Sänger/innen entfernt ist… Als man noch Musikstücke schaffen konnte, die ohne Feindseligkeiten und Kampfansagen gegen wehrlose Minderheiten auskamen. Komisch - diese Zeiten scheinen schon Jahrhunderte her zu sein, haben aber im Schnitt erst etwa 2-2,5 Dekaden hinter sich.

Belo Zibé / 27.06.2018

Das überrascht keineswegs! Als aufmerksamer Beobachter am Rande von Parkanlagen in Grossstädten,aber mittlerweile auch in Provinznestern,kommt man auch ohne Inhaltsangabe der Rap Texte zu ähnlichen Schlüssen. Bis das jedoch ins Gehirn grüner Kartoffeln dringt, werden zunächst sozialpädagogische Interpretationen folgen,  Kreativität von Kartoffeln erdrückt,könnte eine sein.Vielleicht sollte Hr. Hofreiter einmal etwas gegen den Klimawandel im Zusammenhang mit akustisch inhaltlicher Umweltverschmutzung unternehmen.Aber gut, das kann ,wie erwähnt ,noch eine Weile dauern.

Rolf Lindner / 27.06.2018

Hat denn jemand Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet? Ob es zu einer Verurteilung kommen würde, ist jedoch zweifelhaft in einem Land, in dem oberste Richter eine Störung der sexuellen Entwicklung, die man in der ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) unter E34.5- findet, den normalen Geschlechtern gleichsetzen. Der absurde Vorgang zeigt, wie weit linke Ideologie in das Gerichtswesen eigedrungen ist und viele Richter auf dem linken Auge erblinden ließ. Nicht durchgeführte oder verzögerte Ermittlungen, Verfahrenseinstellungen, Scheinstrafen und viel zu milde Urteile dokumentieren immer wieder die linken Positionen von der politischen Neutralität verpflichteten Richtern und Staatsanwälten, wenn die eigentlich notwendigen Strafen linkes Ideologieterrain verletzen würden.

Bernhard Maxara / 27.06.2018

Jeder Theaterregisseur, der heute noch den Othello mit einem Schwarzen und den Shylock mit einem zeternden Klischee -Juden besetzt oder den “Zigeunerbaron” mit den Pauschalurteilen der Urfassung versieht, also alles so wie von den Autoren vorgesehen, kann sich auf Shitstorms gefaßt machen; bei Linken hingegen belobigt man jede Klamotte und jede Geschmacklosigkeit. Und vollends bei der “Jugendkultur” hütet man sich, durch Kritik die “Kreativität” einzuengen o.ä. Bei Plato kann man nachlesen, was geschieht, wenn der Jugend auf Dauer keine Grenzen gesetzt werden und ein Menschenschlag entsteht, der schließlich kein Gesetz mehr über sich anerkennt: in all ihrer Herrlichkeit steht - die Diktatur vor der Tür.

Rudi Knoth / 27.06.2018

Möglicherweise ist es die Deutschfeindlichkeit, die diese Rapper für Linke so attraktiv macht. Denn unter Linken gibt es auch eine Distanz wenn nicht sogar Feindlichkeit gegen alles Deutsche. Am bekanntesten sind dabei die “Antideutschen”. Und auch Leute wie Frau Schramm und Frau Rambatz.

Martin Schott / 27.06.2018

Aber Herr Peci, uns wird doch ständig erzählt, dass diese Texte im Sinne der Freiheit der Kunst symbolisch zu verstehen sind und Reflexionen und Allegorien darstellen, die von den Fans der Künstler auch als solche erkannt werden. Was ich nur bestätigen kann. Wir hatten damals auf dem Schulhof auch nichts Besseres zu tun, als die neuesten Meisterwerke von Madonna oder den Stones textkritisch zu analysieren und zu hinterfragen. Einfach so sein wie unsere Idole, ihnen nacheifern und nahe sein, das wollte keiner von uns. Zweifeln Sie etwa daran?

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