Das Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kommt aufgrund engagierter Forschung selbstredend auch zu Erkenntnissen, die die Welt zu einem besseren Ort machen können. Beispielsweise hat es Mitarbeitern des Instituts offenbar keine Ruhe gelassen, dass sich ihr Haus vielleicht nicht hinreichend am Kampf gegen rechts beteiligt haben könnte. Auf den Webseiten des Instituts heißt es daher:
„Im Kontext von Pegida, Wahlerfolgen rechter Parteien, dem Bedeutungsgewinn neurechter Publikationen, der Diskussion um einen Rechtsruck in Deutschland und Europa, bis zu neonazistischer Militanz beschäftigt sich in den letzten Jahren auch die Geographie mit Fragen von Nation, Nationalismus und rechten Bewegungen. Die Verbindung von Volk, Nation und Raum ist seit jeher konstitutives Element der Rechten (und der klassischen Politischen Geographie), dient ihr als Argument für rassistische, völkisch-nationale und autoritäre Politiken und leitet häufig ihre sozialräumlichen Praktiken an. Seit einigen Jahren erreicht die Neue Rechte damit wieder verstärkt die öffentliche Aufmerksamkeit. Sie knüpft an bestehenden Traditionen an, macht rechte Argumentationen wieder deutlich sichtbarer, konstituiert sich aber unter den gesellschaftlichen Umständen auch im Kontrast zu den klassischen Formen rechter Bewegungen.“
Wir lernen also, dass die klassische Politische Geographie von „rechts“ genutzt werden kann, was selbstredend nicht hinnehmbar ist. Deshalb laden die Erlanger Geographen am 3. und 4. Mai 2018 zu einem Workshop an die Universität ein.
Es ist ein interessantes Programm, das viel darüber verrät, an welchen Fronten der deutsche Wissenschaftler heutzutage „gegen rechts“ kämpft, deshalb sei es hier in Gänze dokumentiert:
Donnerstag 03.05.2018
13.00 Begrüßung und Einstiegsdiskussion: Die neue Rechte als Thema für die Politische Geographie
14.00-16.00 Raum im Diskurs der (neuen) Rechten
- Paul Reuber: Die Dekonstruktion „rechter“ Weltbilder als Aufgabe der Politischen Geographie
- Tobias Schopper: Diskursproduktion der extremen Rechten am Beispiel der Identitären Bewegung
- Tobias Boos, Simon Runkel: „Man wird doch wohl noch philosophieren dürfen…“: Kritische Überlegungen zur denkwürdigen Raumphilosophie von Peter Sloterdijk
- Edgar Wunder: Von Huntington zu Trump: Kontinuität und Struktur neurechter Ideologeme
16.30-18.00 Politiken und Praktiken
- Kristine Beurskens, Judith Miggelbrink: Aus Unsicherheit zur Bürgerwehr? Populismus und die deutsch-polnische Grenze
- Ross Berveridge, Mattias Naumann: Rechtspopulismus als Antipolitik? Konzeptionelle Überlegungen und empirische Beobachtungen
- Jonathan Everts: Soziale Ungleichheit: Voraussetzung für den Aufstieg der Neuen Rechten in Europa?
18:00 Diskussion: Mit Rechten reden?
Freitag 04.05.2018
09.30-11.30 The Right and the City
- Daniel Mullis: Der Aufstieg der Rechten. Auch eine urbane Frage?
- Anne Burkhardt, Peter Bescherer: Populistische Momente in stadtpolitischen Konflikten
- Thomas Bürk: Warum Heilbronn? AfD und Neue Rechte in einer westdeutschen Großstadt
- Alexander Thom, Valentin Domann: Zwischen Homezoning und Eroberungsszenarien – Die Neue Rechte in Westberlin
12.30-14.30 Gegenstrategien
- Bernd Belina: Wo wählt rechts? Zur Geographie der Bundestagswahl 2017
- Klaus Geiselhart: Kritik in Zeiten von Fake News, alternativen Fakten und Filter Bubbles. Oppostion und Mediation als sozio-politische Haltungen
- Jonas Lendl: „Wir werden das Urteil nicht anerkennen“ – Nichtstaatliches Gedenken an die Opfer des NSU
- Gruppe Antithese: Erinnerungsprojekt „Shlomo Lewin und Frida Poeschke“
14.30-15.30 Abschlussdiskussion
Welch eine Vielfalt, die uns deutsche Geographen hier eröffnen.
Der Beitrag erschien auch hier auf sichtplatz.de

Ich schlage vor, das Institut für Geographie legt einen Atlas ohne Grenzen auf. Das wäre doch ein glaubhafteres Statement als das ganze Geplänkel.
"Die Verbindung von Volk, Nation und Raum ist seit jeher konstitutives Element der Rechten (und der klassischen Politischen Geographie)". Dahinter ein Punkt und gut wär's gewesen. So müssen sie jetzt mit Huntington, Sloterdijk und Trump in den Ring steigen. Ein dickes Brett. Aber wie sagte die Kanzlerin? "Wir schaffen das". Und angehende Geographen müssen künftig einen Führerschein für Linksabbieger vorweisen oder irgendwo im Osten studieren, wo Geographie noch reicht für das Fach Geographie.
Wenn ich das jetzt als Neurechts-Erklaert-Gewordener nur auf die Geographie beziehe: also ich habe Vogels "Atlas des Deutschen Reichs" von 1908 bei mir im Buecherregal stehen. Deutschland in 27 wunderschoen zu besehenden Lithographien...aber halt in den damaligen Grenzen. Als Elsass-Lothringen Teil des Deutschen Reiches war. Inklusive der Ortschaft im Pommerschen, wo ein Teil meiner Vorfahren herstammt. Wo Danzig noch so heisst...oder auch grenznahe Orte in Polen, dem tschechischen Teil der KuK-Monarchie oder Belgien die deutschen Namen tragen. Ich habe desweiteren eine Sammlung von Stadtplaenen um Beginn des 20. Jhdts...doch auch da ist das Problem, dass es noch keine John-F.-Kennedy-Allee, Juri-Gagarin-Strasse oder einen Platz der Freundschaft gibt... Ich sehe schwarz fuer meine Zukunft in D-Land... (Ende Sarkasmus)
Das erklärt dann auch die immer häufiger vorkommenden groben geographischen Schnitzer im öffentlich-rechtlichen Fernsehen im deutschsprachigen Raum, wo Sibirien schon einmal in den Mittelmeerraum zugeteilt oder Washington D.C. neulich im ORF etwa auf der Position von Dallas/Texas angezeigt wurde, kurz vor Merkels Reise zu Trump.
Man kann feststellen, daß die Themenwahl nicht auf einen Diskurs hinausläuft, oder den Austausch von Argumenten befördert, sondern das gewünschte Ergebnis auseinandersetzungslos abliefert. Linke Blase, buntschillernd, die hoffentlich, wie diese hübschen Dinger das so an sich haben, bald im Frischen Wind zerplatzt. Muß man so etwas ernst nehmen? Intellektuell sicher nicht, politisch leider schon (noch) !
Noch ein Programmpunkt für das Palaver würde mir einfallen: Die Neue Rechte als nötige Antwort auf das Versagen der Linken über Jahrzehnte
Man könnte versucht sein Geographie in der Nähe der Naturwissenschaften zu verorten. Die Geistesathleten in Erlangen möchten uns allerdings klarmachen, dass es doch zu den Laberfächern gehört und damit hoffentlich auch besondere Förderung verdient.