Natürlich gehört auch die klare Einmischung in die Politik zu den gewerkschaftlichen Aufgaben. Gewerkschaften müssen überall präsent sein, wo Arbeitnehmerinteressen berührt werden. Doch ist es auch eine gewerkschaftliche Aufgabe, exklusiv gegen eine Oppositionspartei zu Felde zu ziehen?
Was ist die Aufgabe von Gewerkschaften? Sie sollen sich für die Interessen der Arbeitnehmer einsetzen. Dabei sollen sie ihren Mitgliedern das organisatorische Rückgrat bieten, wenn diese Auseinandersetzungen bis hin zu Arbeitskämpfen mit den Arbeitgebern auszufechten haben. Und natürlich sollen sie sich für ebendiese Interessen auch politisch einsetzen, indem sie bei den Regierenden für arbeitnehmerfreundlichere Gesetze eintreten oder gegen die Regierenden protestieren, wenn diese weniger arbeitnehmerfreundliche Gesetze beschließen wollen. Das alles sind wichtige Aufgaben in einem freiheitlich-demokratischen Gemeinwesen.
Aber sollen sie sich auch auf Seiten der Regierung gegen eine Oppositionspartei stellen, die inzwischen von mehr Arbeitnehmern gewählt wird, als die einstige Arbeiter- und heutige Kanzlerpartei SPD? Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und SPD-Genossin Yasmin Fahimi sieht genau darin eine neue gewerkschaftliche Aufgabe. Sie hat nach den jüngsten Wahlerfolgen der AfD vor allem bei Arbeitern eine härtere Auseinandersetzung der Gewerkschaften mit der AfD angekündigt, meldet welt.de. „Wir werden als Gewerkschaften klarer als bisher herausarbeiten, dass die AfD keine Arbeiter-Partei ist“, habe Fahimi der „Augsburger Allgemeinen“ gesagt. „Die AfD ist nicht der Freund, sondern sogar der Feind der Arbeiter“, wird die DGB-Chefin weiter zitiert, denn in der Steuer- und Sozialpolitik vertrete die Partei klassische neoliberale Forderungen. „Wir müssen jetzt besser erläutern, wofür diese Partei steht: Die AfD ist eine Partei der Rassisten, die auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegeneinander hetzen will, statt gemeinsam Fortschritt für alle zu erreichen“, heiße es von Genossin Fahimi weiter.
Sie will also besser erläutern, warum der deutsche Arbeitnehmer nicht AfD wählen sollte. Das klingt nicht gerade so, als würde die Gewerkschaftschefin den Arbeitern, die ihre gegenwärtige Funktion legitimieren, auf Augenhöhe begegnen wollen. Sie will sie stattdessen vom „falschen“ Wahlverhalten abhalten. Vielleicht sollte sich die große Vorsitzende Fahimi zuvor noch ein paar Gedanken zu der Frage gönnen, warum denn so viele Arbeitnehmer diese böse Partei wählen? Was wollen die denn ihren Volksvertretern mit dieser Stimmabgabe mitteilen?
Wo ist das Stopp-Schild?
Vielleicht, dass sie nicht zu „klimagerechtem“ Verhalten umerzogen werden wollen? Vielleicht, dass sie nicht mit den höchsten Energiepreisen und einer Deindustrialisierung des Landes für die angebliche Rettung der Welt zahlen wollen? Vielleicht, dass sie bei anhaltender ungesteuerter Massenmigration in die Sozialsysteme langsam Angst um Letztere bekommen? Vielleicht, dass ihnen der Traum vom sozialen Aufstieg ebenso wichtig ist, wie das Ziel eines eigenen Hauses für die Familie, die unabhängige Mobilität mit dem eigenen Auto, das Essen und Trinken ganz nach eigenem Geschmack ohne jede weltanschauliche Belästigung? Das, was die meisten Menschen im Lande nicht wollen, nämlich staatliche Erziehung, gehört zum Angebot aller etablierten Parteien, wenn auch in spürbaren graduellen Unterschieden. Aber ein klares Stopp-Schild gegen Bevormundung glauben viele Wähler derzeit mit einer Stimme für eine der nicht ganz so neuen Parteien nicht setzen zu können. Da haben alle und ganz besonders die sogenannten Liberalen der FDP versagt.
Wenn die Gewerkschaftschefin die weitere Erstarkung der AfD fürchtet, dann sollte sie sich mit allen Mitteln darum bemühen, dass die Regierungsparteien ihren Kurs auf eine Politik wechseln, die sich an den Interessen der hiesigen Arbeitnehmer orientiert. Wenn die das Gefühl haben, dass sich wenigstens einige der Politiker mit Macht und Einfluss um die Interessen der Bürger kümmern, statt zu versuchen, die Bürger davon zu überzeugen, ihre Interessen an der herrschenden Politik zu orientieren, wählen sie auch viel entspannter. Hätten einflussreiche deutsche Politiker dies auch vor zehn Jahren so gehandhabt, wäre gar keine AfD gegründet und in die Parlamente gewählt worden.
Die Textbausteine der Genossin Fahimi lassen solche Einsichten allerdings nicht vermuten, denn sie rettet sich lieber auf Allgemeinplätze: „Das beste Mittel gegen die AfD ist eine Politik, die Zuversicht schafft: gute Löhne und eine funktionierende staatliche Infrastruktur mit guten Schulen, gesundheitlicher Versorgung, Service auf den Ämtern und Sicherheit im öffentlichen Raum.“ Da kann man dann nur hoffen, dass sich wichtige Teile des Gewerkschaftsapparats durch solche Slogans nicht davon abbringen lassen, sich weiter ums gewerkschaftliche Kerngeschäft zu kümmern.
Peter Grimm ist Journalist, Autor von Texten, TV-Dokumentationen und Dokumentarfilmen und Redakteur bei Achgut.com.
Beitragsbild: SPD Schleswig-Holstein CC BY 3.0

Noch einen FDGB ist so überflussig wie ein !
Als kleiner Junge bin ich neben Vater und Onkel am 1. Mai, am Gewerkschaftsstand gestanden, mit Ansteckbutton Demokratie lebt vom mitmachen! Damals wurden noch 6 Tage gearbeitet und man forderte: Der Samstag gehört dem Papa! Wie degeneriert diese ganze Bewegung, inclusive Gewerkschaften und SPD geworden ist, hätte man damals nicht für möglich gehalten. Man kämpfte für die Arbeiter, heute erkennt man eine antonyme Tendenz. In sämtlichen Bereichen des kultivierten (noch) Daseins. Das wird ihnen vor die Füße fallen.
Das nette, ansprechenden Konterfei widerspricht wieder einmal den sicher treffden Aussagen von Peter Grimm.
Ein absichtlicher Widerspruch,fragt sich der überraschte Leser …?
„…ist es auch eine gewerkschaftliche Aufgabe, exklusiv gegen eine Oppositionspartei zu Felde zu ziehen?“ Ja was denn sonst!? Sind doch DGB-Gewerkschaften wie IG Metal, Ver.di, usw. Vorfeldorganisationen der SPD. Bereits 2017 hatte Ver.di „eine sogenannte ‚Handlungshilfe‘ zum ausspionieren, ausschnüffeln, verfolgen und denunzieren von AfD-Mitgliedern in den Reihen der Gewerkschaft publiziert. Die entsprechenden Personen sollten erst ‚beobachtet‘ und danach ‚isoliert‘ werden. Dem sollte sich dann das inner- und außerbetriebliche ‚Outing‘ anschließen“. Vorbild: die Zersetzungsmethoden der STASI/DDR.
Aufgabe des DGB als Dachorganisation der Einzelgewerkschaften ist es tatsächlich, allgemeinpolitische Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten; für Verhandlungen zu Arbeitsbedingungen und Löhnen&Geh;ältern sind ausschliesslich die Einzelgewerkschaften zuständig. Zu den Aufgaben des DGB kann durchaus gehören, vor einer nationalkonservativen und wirtschaftsliberalen Partei wie der AfD zu warnen. Man merkt allerdings der jetzigen Vorsitzenden des DGB, Frau Fahimi, an, dass sie nicht sonderlich geeignet ist, die allgemeinpolitischen Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten. Dass ja die AfD als nationalkonservative und wirtschaftsliberale Partei gegründet wurde, ist eben nun nicht neu. Was Frau Fahimi nicht begriffen hat und nicht begreifen will, ist, dass nicht wenige Arbeitnehmer die AfD aus blanker Notwehr gegen die Politik von Grünen&SPD;+Linke+CDU+CSU+FDP wählen. Auch insbesondere darum, weil einzig die AfD sich öffentlich ganz deutlich gegen den von Grünen&SPD;+Linke+CDU+CSU+FDP geförderten massenhaften Armutszuzug aus islamisch-orientalischen Staaten wendet. Würden Einzelgewerkschaften wie auch der DGB ihre Arbeit gemacht haben und machen, müssten sie sich als erste gegen genau diesen massenhaften Armtutszuzug gewendet haben und wenden. Doch die Einzelgewerkschaften als auch der DGB versagten schon bei der Grünen&SPD; Agenda 2010 und den daraus folgenden massiven Nachteilen und Schäden für Arbeitnehmer. Folge dieses Versagens war und ist übrigens, dass die im DGB zusammengeschlossenen Einzelgewerkschaften sehr viele Mitglieder verloren haben und verlieren.
„Das beste Mittel …für eine Politik, die Zuversicht schafft: gute Löhne und eine funktionierende staatliche Infrastruktur mit guten Schulen, gesundheitlicher Versorgung, Service auf den Ämtern und Sicherheit im öffentlichen Raum.“ Also doch neoliberale Gesellschaft. Vielleicht sollte die gute Frau mal ein paar Jahre im Sozialismus leben, anstatt geistigen Bullschitt zu verbreiten.
Erinnert an die DDR.
Auch damals hat die Gewerkschaft mit der Regierung zusammen gearbeitet, um jede Kritik am System
als klassenfeindlich zu brandmarken. Der Arbeiter wurde nur noch gebraucht, um alle paar Jahre wählen zu gehen,
bei offener Wahlkabine, um nicht verdächtig zu wirken.