News-Redaktion / 03.07.2019 / 14:15 / Foto: Pixabay / 0 / Seite ausdrucken

Generelles Glyphosatverbot könnte EU-Recht widersprechen

Das Unterhaus des österreichischen Parlaments (Nationalrat) hat am Dienstag mit den Stimmen der sozialdemokratischen SPÖ, der nationalkonservativen FPÖ, der liberalen Neos und der ökologischen Jetzt – Liste Pilz ein Totalverbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat beschlossen (siehe auch die Achse-Morgenlage vom heutigen Tag). Lediglich die konservative ÖVP stimmte gegen den Gesetzesentwurf. Sie befürwortet ein Verbot der Ausbringung in der Nähe von Kindergärten und anderen sensiblen Orten, aber kein Komplettverbot. Nach Angaben der „Welt“ ist Österreich das erste Land in der EU, das den Einsatz des Herbizids vollständig verbieten will.

Glyphosat wird weltweit zur Unkrautbekämpfung eingesetzt, unter anderem als Bestandteil des populären Breitbandherbizids „Roundup“. Umstritten ist das Pflanzenschutzmittel vor allem deshalb, weil die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen einstufte. Zu beachten ist allerdings, dass die IARC Glyphosat in die selbe Gefährlichkeitsstufe wie Wurst eingeordnet hat. Auch durch hohen Konsum von Wurst oder Schinken steigt die Krebsgefahr. Dutzende andere Forschungsinstitute und Regulierungsbehörden in aller Welt vertreten die Ansicht, dass von Glyphosat bei sachgemäßer Handhabung überhaupt keine Gefahr für den Menschen ausgeht.

Vor dem Hintergrund dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse verlängerte die EU im November 2017 die Zulassung für Glyphosat bis 2022. Die einzelnen Mitgliedsländer – oder auch Regionen – können nur in absoluten Ausnahmefällen ein Verbot von zugelassenen Wirkstoffen verhängen. Die Europäische Kommission könnte den Beschluss des österreichischen Parlaments also wieder aufheben, wenn sie zu dem Schluss kommt, dass dieser EU-Recht widerspricht. Nach Angaben der „Welt“ hat die Kommission nun drei Monate Zeit, um gegen das österreichische Gesetz Einspruch zu erheben. Die Zeitung weist darauf hin, dass kürzlich schon das österreichische Bundesland Kärnten mit einem Totalverbot von Glyphosat gescheitert ist.

Laut einem Bericht der österreichischen Zeitung „Kurier“ kam eine Studie der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien kürzlich zu dem Ergebnis, dass ein Komplettverbot von Glyphosat EU-rechtswidrig ist. Zulässig wäre lediglich eine Einschränkung im Grünland oder beim Obst- und Weinbau. Die Studienautoren hätten außerdem festgestellt, dass für glyphosathältige Pflanzenschutzmittel „kein erhöhtes Risiko für diesen Wirkstoff im Vergleich zu anderen zugelassenen Herbiziden“ abgeleitet werden könne. Es gebe auch „keine gesicherten Belege dafür, dass Glyphosat die Artenvielfalt stärker beeinflusst als andere Maßnahmen zur Unkrautregulation.“ Rückstandsdaten von Lebensmittelproben hätten gezeigt, dass von den untersuchten Produkten „keine Gefahr für die menschliche Gesundheit “ ausgehe.

Außerhalb Europas haben Brasilien und Kolumbien den Einsatz von Glyphosat komplett verboten. In Deutschland sieht der aktuell geltende Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD einen langfristigen Glyphosat-Ausstieg vor. Im Juli 2018 bestätigte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion, dass sie „den Einsatz von Glyphosat mit einer systematischen Minderungsstrategie deutlich einzuschränken“ wolle, mit dem Ziel „die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden“. Nach Angaben der „Welt“ will die Bundesregierung bis spätestens September über einen vollständigen Glyphosat-Verzicht entscheiden. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron spricht sich für ein Ende der Glyphosat-Anwendung aus. Laut n-tv.de will er das Pflanzenschutzmittel bis 2021 vom Markt nehmen.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
News-Redaktion / 21.11.2019 / 11:00 / 0

UN: Immer mehr fossile Förderung sprengt Klimaziele

Die weltweiten Pläne für den Ausbau von Bergwerken und sonstigen Anlagen zur Förderung von Kohle, Öl und Gas sprengen die Klimaziele des Pariser Abkommens. Zu…/ mehr

News-Redaktion / 20.11.2019 / 17:00 / 0

„Deutschland lässt Israel im Regen stehen“

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat das Abstimmungsverhalten der Bundesrepublik zu Israel bei den Vereinten Nationen (UN) kritisiert. „Erneut lässt die Bundesrepublik Israel bei…/ mehr

News-Redaktion / 20.11.2019 / 16:00 / 0

Papst kündigt Einführung der „Ökosünde“ an

Papst Franziskus will offenbar die offizielle katholische Lehre um „Sünden gegen die Umwelt“ erweitern. „Wir denken darüber nach, ökologische Sünden, Sünden gegen unser gemeinsames Haus,…/ mehr

News-Redaktion / 20.11.2019 / 06:00 / 0

Deutscher UN-Botschafter Kandidat für Simon-Wiesenthal-Schandliste

Das amerikanische Simon Wiesenthal Center veröffentlicht jedes Jahr eine Liste der „10 schlimmsten antisemitischen/antiisraelischen Verunglimpfungen“. Der stellvertretende Direktor des Zentrums, Rabbiner Abraham Cooper, hat bestätigt,…/ mehr

News-Redaktion / 19.11.2019 / 15:00 / 0

Chinesische Truppen betreten erstmals Hongkong

Die chinesische Regierung hat erstmals Soldaten zu einem Einsatz auf die Straßen der Sonderverwaltungszone Hongkong geschickt, berichtet die „F.A.Z.“ Rund vier Dutzend Soldaten hätten eine…/ mehr

News-Redaktion / 19.11.2019 / 14:00 / 0

Polen will ab 2023 kein russisches Gas mehr importieren

Der staatliche polnische Energiekonzern PGNiG will seinen Erdgas-Liefervertrag mit dem russischen Energiekonzern Gazprom, der Ende 2022 ausläuft, nicht verlängern. Das berichtet der polnische Auslandsrundfunk „Radio…/ mehr

News-Redaktion / 19.11.2019 / 11:00 / 0

China will weiter auf fossile Brennstoffe setzen

Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang hat bei einer Sitzung der Nationalen Energiekommission die Bedeutung der fossilen Brennstoffe für die Energiesicherheit seines Landes betont und die…/ mehr

News-Redaktion / 15.11.2019 / 17:00 / 0

Millionen-Subventionen für Zeitungen geplant

Zeitungsverlage in Deutschland werden voraussichtlich eine staatliche Förderung für ihre Zustellkosten bekommen. Der Haushaltsausschuss im Bundestag hat einem entsprechenden Antrag der Koalitionsfraktionen zugestimmt, berichtet der…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com