Thomas Rietzschel / 19.04.2017 / 14:34 / 12 / Seite ausdrucken

General Sommer

Als der deutsche Vormarsch im Osten 1941/42 zum Erliegen kam, die Panzer in Eis und Schnee feststeckten, der Nachschub versagte, weil nur wenige Motoren bei minus 40 Grad überhaupt noch ansprangen, war der wahre Schuldige schnell ausgemacht, der „General Winter“, wie es damals hieß. Nicht die Russen, nicht Stalins Rote Armee, deren Panzer weiter rollten, sondern das Wetter hatte Hitlers Wehrmacht lahm gelegt. Ein deutsches Schicksal fürwahr.

Erfahren wir doch gerade, dass auch der Einsatz der Bundeswehr in Mali jetzt wieder vom „extremen Klima in dem afrikanischen Land“ bedroht ist. Sicher, diesmal geht es um eine Friedensmission, die aller Ehren wert ist, nicht um die Eroberung eines fremden Territoriums. Ansonsten aber hat sich die Lage nur insofern verändert, als es nun statt der Kälte die Hitze ist, die die Truppe so sehr außer Gefecht setzt, dass die Soldaten mehr als vorhersehbar um ihr Leben fürchten müssen.

Jedes zweite ihrer Fahrzeuge ist derzeit nicht einsatzbereit, berichtet die "WELT". „Nach einer technischen Überprüfung“, so der FOCUS, seien „die Fahrzeuge vorläufig stillgelegt worden“. Hinzu komme „die schleppende Ersatzteilversorgung aus Deutschland“. Abermals fehlt es am Nachschub. Außerdem dürfe der Kampfhubschrauber Tiger nur starten, wenn die Temperatur 43,26 Grad Celsius nicht übersteige, weshalb eine „Sondergenehmigung“ beantragt sei, die es erlaube, noch bei 48,26 Grad aufzusteigen. Da die Temperatur in Mali aber oftmals die 50 Grad-Marke übersteigt, wird auch damit nicht viel auszurichten sein, nicht unter der afrikanischen Sonne. Der General Sommer hält die deutschen Truppen in Schach.

Zwar hat Frank-Walter Steinmeier den Bundeswehreinsatz in Mali zuerst als Außenminister und dann nochmals als Bundespräsident als einen besonders „erfolgreichen“ gepriesen, doch scheint das wenig an der Großwetterlage des Kontinents zu ändern. Wann und wo immer sich die Deutschen technisch hochgerüstet in die Händel der Welt einmischen wollen, werden sie vom Klima niedergerungen.

Eine Erfahrung, die man keinem Soldaten wünscht. Fern der Heimat und untauglich ausgerüstet, dieses Kommando muss eine Verteidigungsministerin erst einmal übers Gewissen bringen. Bleibt nur zu hoffen, dass Ursula von der Leyen ihren Rekruten wenigstens das Wichtigste mit auf den Marsch gegeben hat, die Schminkspiegel, mit denen sie bei ihrem Amtsantritt jeden Spind auszustatten versprach. 

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Ernst-Fr. Siebert / 19.04.2017

Ich empfehle die Lektüre “Meine Freunde im Busch” von Hans Schomburgk. Der kam schon vor 90 Jahren mit dem Auto (Opel?) quer durch Afrika. Er ließ aber vorher eine größeren Kühler einbauen.

Mona Rieboldt / 19.04.2017

Hat die Bundeswehr keine Fachleute, die wissen, was bei einer solchen Hitze machbar ist und was nicht? Ich erinnere mich, war es in Kuwait? dass sich die Stiefel der deutschen Soldaten in der Hitze auflösten, weil sie geklebt und nicht genäht waren. Im übrigen was machen deutsche Soldaten in Mali? Und was hat es gebracht, deutsche Soldaten nach Afghanistan zu schicken? Was bitte wollen sie da erreichen bzw. was haben sie erreicht in Afghanistan?

Karla Kuhn / 19.04.2017

“Man hat eben an alles gedacht, nur nicht daran, dass es in Afrika heiß werden kann.”  Herrlich, wie Sie die Realität beschreiben.

Marco Holter / 19.04.2017

Die Pannenserie bei unseren Steitkräften hat derweil Ausmaße erreicht, die eigentlich für eine breite Empörung sorgen müßten. Ich denke an die “Spiegel Affäre”. Der Zustand der Bundeswehr von damals, der als bedingt einsatzbereit beschrieben wurde, würde unter heutigen Masstäben wohl als schlagkräftige Truppe bezeichnet werden. Was ist mit den “Spiegel” Redakteuren von heute, sie müßten doch gewaltig in die Tasten hauen. Hin und wieder findet man ja immer kleine Meldungen über diverse Problemchen, wie “Luftwaffe ohne Hubschrauber”, “Gewehre die nicht treffen wollen”, “Schießübungen ohne Munition”, “U-Boote ohne Mannschaft”, “Lufttransport ohne Flugzeuge”, “Munition für zwei Tage und dann ist Schluß”. Es ist schon irre, wie die zuständige Ministerin von einer Talkshow zur nächsten eilt und uns erklärt: “alles funktioniert doch einwandfrei, es gäbe halt nur ein paar kleine Problemchen”.

Judith Jannach / 19.04.2017

hehe naja Hauptsache die Waffen die Deutschland weltweit exportiert sind einsatzbereit :) Das gute daran, dann können ja die Deutschen wieder heim, man fragt sich eh was sie da unten tun ....den Islam aufhalten? Mission impossible bei der Aussenpolitik von Deutschland.

Heinz Bannasch / 19.04.2017

Das G36 schiesst bei hohen Temperaturen nicht Die Panzerfahrzeuge fahren bei hohen Temperaturen nicht Die Tornados fliegen bei Nacht nicht Der A400 M fliegt überhaupt nicht NH 90, PUMA-PANZER,...... Das kommt davon, wenn eine Ärztin ohne jedes technische Verständnis für die Ausrüstung der BW verantwortlich ist. Ich lasse mich ja auch nicht von einem Elektriker den Blinddarm operieren und an meinen Fernseher lasse ich auch keinen Schreiner ran.

Ingo Wiese / 19.04.2017

Wirklich lächerlich!WIe fahren eigtl. dort die Busse?SInd die alten deutschen zivilen Automobile etwa besser wie neue Militärische?Kennen wir ja auch von den Zügen.Die alten fuhren bei Eiseskälte udn HItze,die neuen bleiben stehen…. ps:Mali ist eins der wenigen Länder wo das Militär sinvoll ist da das Land ja quasi geteilt ist,der Feind sitzt also nicht überall.

Leo Anderson / 19.04.2017

Ich würde der Bundeswehr ja Toyotas billige tropentaugliche Einwegautos empfehlen (“von Jihadisten erprobt”), aber leider erfüllen die nicht die europäischen Abgasnormen.

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