Gemüsekunde statt Mathe – meine Schulerinnerungen

Egal, ob man gemütlich durch die Berliner Straßen läuft oder ob man einen Blick in die Nachrichten wirft, man sieht sie einfach überall: kleine, kreischende und hüpfende „Aktivisten“. Mein erster Impuls ist immer derselbe – ich will diese rotzfrechen Gören am liebsten anschreien und ihnen um die Ohren hauen, was für einen grandiosen Mist sie den ganzen Tag von sich geben. Doch dann überkommt mich schnell eine viel tiefere Wut, die sich nicht gegen die Kinder richtet. Im Gegenteil. 

Die können für diesen ganzen Mist nämlich überhaupt nichts. Die Kinder kommen doch nicht von sich aus auf die Idee, für die Rettung der Welt vor der Klimaapokalypse zu demonstrieren. Normale Kinder wollen spielen, lernen und die Welt entdecken. Nicht auf der Straße stehen, um Phrasen zu brüllen, die sie überhaupt nicht verstehen. Die Erwachsenen missbrauchen ihre Kinder, um ihren eigenen verrückten Idealen Ausdruck zu verleihen und machen sie so zu einer neuen Generation heranwachsender Gutmenschen.

Als ich in Berlin-Kreuzberg aufwuchs, musste ich diese Indoktrination am eigenen Leib erfahren. Das fing natürlich schon bei meinen Eltern an, die die links-grüne Kreuzberger Lebensart voll verinnerlicht hatten. So richtig überzeugt und geformt wurde ich aber vor allem in der Grundschule.                                 

Ich hatte ein ausgewachsenes Autoritätsproblem

Ich besuchte eine inklusive Schule, die für nichts mehr stand als Toleranz und Gleichheit – die wichtigsten Eigenschaften eines guten Menschen. Das bedeutete für mich zunächst, in eine Klasse zu kommen, die zur Hälfte aus ausländischen Kindern bestand. Das allein war nichts Neues, es entsprach einfach nur den Verhältnissen der Menschen, die – wie ich – rund um die Schule wohnten. Neu war aber, dass man sich von verhaltensauffälligen und behinderten Kindern in keiner Weise unterscheiden durfte. Anfangs fiel mir das sehr schwer, weil ich vorher noch nie Kontakt zu schwerbehinderten Menschen hatte. Das geistig und körperlich behinderte Mädchen in meiner Klasse, das weder sprechen noch laufen konnte, machte mir Angst.

Mit der Zeit gewöhnte ich mich an sie und war später, genau wie alle anderen, absolut scharf auf den „Selin-Dienst“. Paarweise durften sich nämlich alle Kinder mal um Selin kümmern, und das bedeutete Fahrstuhl fahren und Mittagessen in der Kantine! Mir ging es dabei keine Sekunde darum, dem behinderten Mädchen wirklich zu helfen, auch wenn ich es niemals zugegeben hätte und mich insgeheim dafür schämte. Ich wollte einfach auch mal Fahrstuhl fahren, das durften normale Kinder nämlich nicht mal in Ausnahmefällen. Als meine Schwester sich im Sportunterricht den Fuß brach, ließ man sie sogar unter großen Schmerzen erst in den dritten Stock und dann wieder runter humpeln.

Ob ich in meiner Klasse auch verhaltensauffällige Kinder hatte, wurde offiziell nie bestätigt. Rückblickend bin ich mir bei drei Mitschülern aber ziemlich sicher. Genauso sicher, wie das Integrationsprogramm zumindest in der Hinsicht funktionierte, dass sich das Klassenklima und das ganze Niveau den vorlauten und asozialen Kindern unterordnete. Als ich eingeschult wurde, war ich ziemlich ängstlich und traute mich kaum, anderen Leuten meine Meinung zu sagen – als ich die Grundschule verließ, hatte ich ein ausgewachsenes Autoritätsproblem und eine ziemlich große Klappe. 

Strenge Brotbüchsenkontrolle

Der bessere Mensch ist aber nicht nur allumfassend tolerant, er ernährt sich auch gesund und achtet auf nachhaltige Landwirtschaft. Um das zu lernen, machten wir – gefühlt – bei jedem existierenden Bildungsprogramm mit. Statt Mathe lernte ich in „Schulobst- und Gemüseprogrammen“, dass man das Grünzeug fünfmal am Tag in sich reinschaufeln muss, wenn man nicht mit 30 tot umfallen will. Nachdem mir eine Woche lang mit tausend verschiedenen Krankheiten gedroht wurde und ich x Bilder von faulen Zähnen und extrem fettleibigen Leuten gesehen hatte, bekam ich davor wirklich richtig Angst. Zur Belohnung bekam ich dann aber zumindest eine Auszeichnung zum „Fünf-am-Tag-Kid“. 

Dann folgte aber auch schon der nächste Schritt: Als beurkundeter Gemüseaktivist durften meine täglichen Portionen nämlich auf keinen Fall aus genmutierten und chemieverseuchten Mörder-Möhrchen bestehen. Nur das Beste, also ausschließlich Bio, sollte es sein. Meinen Lehrern reichte die Angst-Indoktrination allein nicht aus, ich sollte echten Kampfgeist entwickeln. Dafür setzten sie auf unseren kompetitiven Ehrgeiz, und das hatte auch Erfolg: Für den wissenschaftlich und intellektuell überaus wertvollen Wettbewerb „Bio find ich Kuh-l“ legten wir uns richtig ins Zeug. Wir fuhren extra auf einen Bio-Bauernhof in Dahlem und drehten dort ein Aufklärungsvideo für den dämlichen Otto-Normalbürger.

Plötzlich ging es nicht mehr nur um Obst und Gemüse, sondern vor allem um die armen kleinen Tierchen, die in der Massenproduktion gequält wurden. Ich war schon von klein auf vernarrt in Tiere aller Art und war schockiert über die grausamen Dinge, die mir auf diesem Bauernhof erzählt wurden. Die kleinen süßen Schweinebabys, die sich vor mir so vergnügt im Dreck suhlten, sollten von ihrer Mutter getrennt und dann zusammengepfercht gemästet werden? Die schönen großen Kühe wund gemolken und die putzigen Küken einfach lebendig geschreddert? Zu jedem Tier gab es eine andere grausige Geschichte, die mir fast das Herz brach. So sehr, dass ich weinen musste. Ich wischte mir die Tränen aber schnell wieder aus dem Gesicht, bevor sie jemand sehen konnte und meldete mich tiefentschlossen für eine führende Rolle in unserem Aufklärungsfilmchen. 

Um zu überprüfen, ob wir unser neu erworbenes Wissen dann aber auch wirklich verinnerlicht hatten und – wenn nötig – auch noch unsere Eltern ausreichend terrorisierten, gab es alle paar Tage eine strenge Brotbüchsenkontrolle. Sobald das Kommando kam, mussten wir uns in Reih und Glied aufstellen und unsere Brotbüchse vor uns halten, sodass unsere Lehrerin rumgehen und jede einzeln mustern konnte. Ich hatte höllische Angst vor diesem Prozedere, weil jedes Mal mindestens ein Kind angebrüllt und vor allen anderen gedemütigt wurde – wegen der kleinsten Leckerbissen wie Weißbrot, Nutella oder gar Süßigkeiten. Ich bekam eh nur olles Graubrot mit Salat, trotzdem zitterten meine Hände vor Angst, wenn ich meine leuchtend grüne Brotbüchse vor mich hielt, die ich als Einschulungsgeschenk von Vertretern der gleichnamigen Partei bekommen hatte. Als meine Lehrerin mit strengem Blick von meiner Büchse aufsah und weiterging, ohne etwas zu sagen, fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen. Schon im nächsten Moment zuckte ich aber wieder zusammen, als sie ein anderes Kind erwischte, das mit seinem Essen die Kollektivmoral der Klasse bedrohte.

Mitgefühl um jeden Preis 

Bei dieser Moral darf Großherzigkeit und Mitgefühl natürlich auch nicht fehlen – wir waren ja schließlich alle Gutmenschen in Ausbildung. Neben der üblichen Propaganda von armen hungernden Kindern in Afrika und unserer eigenen Konsumgeilheit und Verschwendungssucht wurden uns diese Tugenden dann aber mit wirklich brutalen Methoden aufgezwungen. Als 2004 der große Tsunami hunderttausende Menschen in Südostasien das Leben kostete, mussten wir uns im Unterricht eine kurz danach erschienene Reportage über das Unglück ansehen.

Sie zeigte nicht nur die tragischen Geschichten einzelner Menschen, die fast gestorben wären und ihre Angehörigen verloren hatten, sondern auch die zerstörte Umgebung. Ich werde den Moment nie vergessen, als der Sprecher sagte: „Es hängen tote Tiere und tote Kinder in den Bäumen.“ Diese Bilder haben sich bei mir tief eingebrannt, genau wie die Totenstille in meiner sonst so lauten Klasse. Sie wurde erst durchbrochen, als ein Mädchen anfing zu weinen. Ich war damals acht Jahre alt und genau wie die meisten anderen vorher noch nie mit dem Tod konfrontiert worden. Ich war erstarrt und schockiert – so sehr, dass ich viele Nächte lang immer wieder von den schrecklichen Bildern träumte. 

Die Absicht hinter dieser „Schocktherapie“ war, uns anschließend zu nötigen, sofort an den Spendenaktionen teilzunehmen. Statt mit uns über die fürchterlichen Bilder und Geschehnisse zu sprechen, gab es nur einen schlichten, aber fordernden Appell: Wir sollten entweder unser eigenes Schulmaterial spenden oder neues kaufen, was wir den Kindern in Thailand und Indonesien zuschicken konnten. Ich hatte in diesem Moment keinen Zweifel daran, dass dies das einzig Richtige war. Genauso wenig, wie ich bezweifelte, dass sie in dieser fürchterlichen Lage gerade unsere Federmäppchen, Stifte und Blöcke brauchten. Also warf ich beinahe alles in die Sammelbox – selbst eines meiner liebsten Plüschtiere. Die Anderen taten fast alle dasselbe. Wer auch noch sein Taschengeld opferte, wurde dann einzeln vor der Klasse für sein vorbildliches Verhalten gelobt. 

Diese Sammelaktion war unsere erste, aber nicht die letzte. Ich war irgendwann so überzeugt von den Spendenaktionen, dass ich einmal sogar nach der Schule loszog, um Geld für die Rettung des Kinderbauernhofs zu sammeln. Zusammen mit meiner Schwester und zwei Freunden lief ich den ganzen Tag durch Kreuzberg und bat völlig fremde Menschen um eine Spende. Wir ließen nicht locker, obwohl uns viele genervt, teils aggressiv wegschickten oder uns vorwarfen, dass wir nur Zigaretten kaufen wollten. Am Ende des Tages hatten wir so tatsächlich über hundert Euro gesammelt, und ich war stolz wie Bolle. Als wir das Geld am Kinderbauernhof abgaben, stießen wir allerdings auf wenig Begeisterung. Sie nahmen unser Geld, ohne sich auch nur zu bedanken. Ich war tief enttäuscht und verstand die Welt nicht mehr.

Ein blaues Auge hat noch keinem geschadet

Dem künftigen Rebellen schadet es nicht, ihn gegenüber dem Tod und der Gewalt abzustumpfen, das eigene Weltbild muss ja schließlich irgendwie erkämpft werden – so müssen zumindest meine Lehrer gedacht haben. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als direkt vor unserem Schuleingang ein Mann erschossen wurde. Kaltblütig, von zwei Jugendlichen, denen er kein Feuer für ihre Zigarette geben wollte. Während wir uns ganz aufgeregt zum Ort des Geschehens schlichen, um uns den Sandhaufen über der Blutlache anzuschauen, hielt es keiner der Erwachsenen für nötig, mit uns über den Vorfall zu sprechen. Stattdessen ließen sie uns – wie so oft – lieber allein mit unseren Hirngespinsten und Ängsten. Und das nahm bei unserer blühenden Phantasie sehr schnell absurde Ausmaße an. Am meisten Angst machte mir das Gerücht, dass aus dem Haufen eine Hand herausgeragt hatte, die sich noch bewegte und ihre langen blutigen Finger in Richtung der Kinder streckte.

Rund um unsere Schule gab es oft Gewalttaten und Übergriffe, die sich manchmal auch direkt gegen uns Kinder richteten. Nur zehn Meter vor meiner Schule auf dem Spielplatz, wurden drei Jungs aus meiner Klasse von älteren Jugendlichen mit Pfefferspray angegriffen und erlitten starke Augenreizungen, sodass sie mehrere Tage nicht zum Unterricht kommen konnten. Meine Lehrerin sagte uns das in einem Halbsatz, ohne auch nur ein paar warnende Worte fallen zu lassen. Trotzdem mied ich schweren Herzens den Platz, auf dem ich sonst so gerne Seilbahn fuhr, wenn die meist arabischen jungen Männer dort herumlungerten.

Doch auch hinter den Mauern unserer Schule war man nicht sicher. Nur kurze Zeit später hörte ich, dass die Jugendlichen sich auf den Schulhof schlichen und meine Mitschüler anpöbelten und bedrohten. Ich glaubte das erst nicht so recht, immerhin wurden viele Geschichten erzählt. Als ich vor meinem Fahrrad stand, wurde ich aber eines Besseren belehrt: Jemand hatte mir meine Reifen mit einem Messer aufgeschnitten, meinen Schlauch rausgeholt und ihn dann kunstvoll um mein Rad geknotet, sodass ich es keinen Zentimeter mehr bewegen konnte. Ich weinte vor Wut und vor Verzweiflung, während ich mein Fahrrad allein nach Hause schleppte. Das war sicher nicht das Werk eines Grundschülers.

Unser Gott Echnaton

Es gab niemanden, der uns vor der Gefahr von außen schützte, aber auch niemanden, der es im Inneren tat. Auf dem Pausenhof gab es ständig Schlägereien, die niemanden besorgten oder störten. Meine Klasse verabredete sich fast jede Pause für die große Schlacht der Geschlechter (zumindest die waren damals noch eindeutig, auch wenn viele Jungs lange Haare hatten). Wir marschierten dann gegeneinander auf, stürmten los und prügelten aufeinander ein. Für mich war das ein Riesenspaß und ein Adrenalin-Kick, bei dem keiner die Absicht hatte, wirklich jemanden zu verletzten – es enthemmte uns aber mehr und mehr. Bald kam es zu den ersten blutigen Nasen und dann zu echten Prügelattacken. Dass darauf keine Konsequenz folgte, merkte ich zum ersten Mal, als ein Junge aus meiner Klasse plötzlich auf meine beste Freundin einschlug und immer wieder auf sie eintrat, obwohl sie schreiend und weinend am Boden lag.

Ich rannte verzweifelt los, um eine Lehrerin zu holen, die nur ein paar Meter um die Ecke stand. Als ich sie aufgeregt und hastig bat mitzukommen, guckte sie mich erstmal nur genervt an, bequemte sich dann aber langsam doch noch, mit mir mitzukommen. Als wir zurück waren, war der Junge abgehauen, meine Freundin lag noch immer weinend am Boden. Trotzdem sah sie nur einmal verächtlich zu ihr, dann zu mir und sagte: „Ihr habt bestimmt auch was gemacht.“ Danach drehte sie sich einfach um und ging weg, ohne auch nur einmal zu gucken, ob meine Freundin verletzt war – von wegen Mitgefühl, das gab´s nämlich nur für Fremde.

Um meine Kreuzberger Erziehung abzurunden, fehlte nur noch ein einziges Element – meine spirituelle Ausbildung. Sie begann damit, dass wir jeden Morgen zusammen die Sonnenhymne des Pharao Echnaton aufsagen mussten. Und nicht nur einfach aufsagen, wir sollten fühlen, was wir da von uns geben. Das fand ich schon damals komisch, ich wollte keinen Gott anbeten, schon gar nicht einen, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte. Schon bald sehnte ich mich aber zurück nach den schlichten Aton-Huldigungen. Plötzlich kam nämlich jeden Tag eine hässliche kleine Frau in merkwürdigen Klamotten in unser Klassenzimmer, die wir nur kurze Zeit später die „Pornononne“ tauften.

Warum dieser Name? Sie trug ein langes schwarzes Gewand, hatte lange graue Haare und nötigte uns, Atemübungen zu machen, bei denen wir immer wieder in die Hocke gehen und dabei laut stöhnen sollten. Wir fanden das extrem sexuell und damit super peinlich, auch wenn wir mit unseren neun bis zehn Jahren von echter Sexualität überhaupt noch keine Ahnung hatten. Das Wort Porno kannten wir aber schon lange. Mir selbst waren diese Übungen so unendlich unangenehm, dass ich alles tat, um sie ins Lächerliche zu ziehen und mich damit irgendwie aus der Situation zu winden. Es nützte alles nichts. Ich wurde angeschrien, und es drohten Strafarbeiten, mit denen ich leider schon mehrfach Bekanntschaft gemacht hatte, also fügte ich mich widerwillig. 

Schütze die Aura, ehre die Energie

Die Atemübungen waren letztlich aber nur die Vorbereitung für die eigentliche Lehre. Die Lehre von der Energie, die einem jeden Menschen innewohnt und von seiner Aura, die ihn umgibt. Ich war so verstört, wie ich fasziniert war, wenn die Esoterikerin ihre Augen weit aufriss und wild mit den Armen gestikulierte, während sie voller Inbrunst sprach: „Ihr müsst die Aura des Anderen schätzen und respektieren. Keinesfalls darf sie unerlaubt berührt, gar durchbrochen werden. Sonst verletzt ihr euer Gegenüber, seine Seele, sein Inneres, sein Sein.“ Als wäre das nicht schräg genug, sollten wir lernen, unsere Energie zu spüren, zu sammeln und durch unsere Brust zu unseren Händen zu bewegen, um sie mit Erlaubnis des Nachbarn an ihn weiterzugeben. Die Energie war ein herrliches, glückseliges Bündel Lebenskraft und wahrnehmbar als warme wandernde Quelle der Wonne. Ich fand diese Übung das erste Mal bescheuert, genau wie das zweite Mal und auch noch das fünfte Mal. Irgendwann war ich aber so gehirngewaschen, dass ich mir kurz einbildete, tatsächlich eine warme Energieübertragung zu spüren.

Wenn man all diesem Unfug jahrelang ausgesetzt wird, kann man gar nicht anders, als zu einem dieser nervigen Gutmenschen zu mutieren. Aber nur unter einer einzigen Bedingung: Verwahrlosung. Die Kinder glauben diesen Quatsch nur, wenn sie zu Hause niemanden haben, der sie aufklärt. Sie machen an den ganzen Aktionen nur mit, wenn sie sich haltlos fühlen und einsam sind. Wenn sie nach Nähe, Geborgenheit und Anschluss suchen, die sie in der Schule und in Aktionsbündnissen zu finden glauben. Die Erwachsenen müssen aufhören, die Verantwortung von sich zu weisen, denn sie machen ihre Kinder genau zu dem, was wir heute auf der Straße und in den Nachrichten sehen. 

Ich selbst hatte offenbar den nötigen Halt und die Aufklärung leider zu wenig. Diese sechs Jahre Grundschule konnten ihre Wirkung entfalten und haben mich geprägt. Als ich an die Oberschule kam, war ich ein vorlauter Öko, ein Hippie und sah überall Rassismus, wo keiner war. Wenn ich nicht irgendwann auf die Schnauze gefallen wäre, würde ich heute auch für Klimagerechtigkeit die Straßen blockieren oder bei der Antifa Steine schmeißen. 

Pauline Schwarz, 23, ist Berlinerin, studiert Psychologie und arbeitet in einem Betreuungsbüro.

Dieser Beitrag erscheint auch auf dem Jugend- und Schülerblog Apollo-News.

Foto: Fabian Nicolay

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Leserpost

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Andreas Rühl / 18.10.2019

Rousseau in Reinform. Kinderquälen und -verderben, Zivilisationsverachtung, Naturvergoetterung. Der größte Menschheitsfeind seit Calvin, auf den allerdings die moralische Rigorositaet, Intoleranz und freiheitsfeindlichkeit des Genfer Nicht-Philosophen und Antiaufklärers aufsetzt. Es ist eine der ungeheuerlichsten Frechheiten der französischen Nation, das Grab dieses afterphilosophen und Menschenschinders und geistverderbers im Pantheon direkt gegenueber Voltaire platziert zu haben. Anderseits auch gut, denn der Besucher kann so, während er einen der groesste gluecksfaelle der Menschheit huldigt in Richtung der ueberreste seines widerwaertigen widerpart einen zu diesem Zweck aufgespalten darmwind blasen, um sich zu beruhigen und dem Genfer einfaltspinsel die Ehre zu erweisen, die ihm gebührt. Unausrottbar der ungeist dieses Mannes, der die Pädagogik erfunden hat, die heute, fatalerweise, der Staat auf alle bürger anwendet. Abscheulich.

Manuela Pietsch / 18.10.2019

Ich bin “nur” in Neukölln zur Schule gegangen aber dort war es ähnlich. Auf dem Schulhof versammelt, mussten wir, “kleine, weiße Friedenstaube” singend, Luftballons steigen lassen gegen den Krieg in weiß-ich-nicht-mehr (dass ich mich nicht erinnern kann, beweist, dass Kinder den Hintergrund überhaupt nicht verstehen). Ich glaube, “Weihnachten im Schuhkarton” wurde von meiner Lehrerin erfunden, unsere Pakete gingen damals in den 80ern noch nach Osteuropa. Als Kind einer Familie, die gerade so über die Runden kam und das auf vieles verzichten musste, habe ich nie verstanden, warum ich mich an einer solchen Aktion beteiligen sollte - war es doch damals schon “Pflicht”, extra neue Sachen dafür zu kaufen, während meine eigenen Sachen aus dem Second-Hand-Laden kamen. Gab es damals Stress in der Schule mit MiHiGru-Kindern, hat man das gar nicht mehr gemeldet - eine Mahnung oder Bestrafung hatten nur wir zu befürchten, während man für die anderen um Verständnis bat, hatten sie doch genug Probleme, sich in einem neuen, fremden Land einzuleben. Wer in Neukölln oder Kreuzberg aufgewachsen ist, für den gab es eigentlich nur zwei Möglichkeiten (und das gilt heute für GANZ Berlin: Entweder, man saugt die politischen Ansichten seiner Lehrer auf (weil gerade für jüngere Kinder Lehrer gottgleich sind) oder man schafft es, sich schon in jungen Jahren eine eigene Meinung zu bilden und sich vom Lehrer zu emanzipieren. Das war bei mir der Fall. Ich war ein stilles Kind, das niemals protestiert hätte. Aber selbst in der dritten Klasse dachte ich mir schon meinen Teil. Dementsprechend verbrachte ich meine Schulzeit quasi mit zusammengebissenen Zähnen. 30 Jahre später habe ich auf einem Klassentreffen meinen Lehrerinnen gesagt, wie unangenehm und peinlich ich diese politischen Aktionen fand und das solche in der Schule nichts zu suchen hätten. Sie reagierten völlig verständnislos: Für Frieden zu demonstrieren und Care-Pakete zu schicken habe doch nichts mit Politik zu tun!.....

Ilona G. Grimm / 18.10.2019

Von dieser Schilderung des Schulalltags bin ich so schockiert, dass mir wenig zu schreiben einfällt. Die derart verformten Kinder übernehmen später das Regiment in der Gesellschaft. Demnächst werden sie mit 16 wählen dürfen, und selbst die CSU (Parteitag heute) bereitet die Öffnung der Partei für grüne (im doppelten Sinn) junge Menschen vor. // Bibel, Matth. 23, 15: «Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und Meer durchzieht, damit ihr einen Judengenossen gewinnt; und wenn er’s geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.» Schriftgelehrte und Pharisäer bitte ersetzen durch Lehrer (und Eltern), Judengenossen durch Kinder, dann passt es.

Wilfried Cremer / 18.10.2019

Sehr eindrucksvoll und mit den nötigen Übertreibungen gewürzt (frei nach MRR). Ich erwarte eine Fortsetzung.

Heiko Engel / 18.10.2019

Werte Frau Schwarz, vielen Dank für den detaillierten Einblick in die relativ aktuelle linksfaschistoide Schulausbildung im Grünen Reich. Ist ja grauenhaft. Damit werden ALLE Probleme auf gesellschaftlicher und sozialer Ebene klar. Das zusätzlich die Wirtschaft unter diesen verdrehten Figuren leidet - bedauerlich. Das Schulprogramm gleicht ja einem Umerziehungsprogramm, dass den nationalsozialistischen und stalinistischen ( Ökostalinismus ) zu ähneln scheint. Die Folgen für diese Generationen scheinen verheerend zu sein. Der gesellschaftliche Zusammenhalt reduziert sich auf durchmanipulierbare ( klappte ja bei unserer Generation ‚60 auch ganz ordentlich ) Pseudoindividuen , die offensichtlich eher Psychiater vermögend werden lassen. Vermutlich der Grund für die weite Zunahme von Praxen dieser Art. Ameisenmenschen, die der Politik, die sich per Wahlschein nur noch alle vier Jahre bestätigen lässt und nicht mehr gewählt wird, recht und der Wirtschaft billig sind. Läuft ! Brave nee world.

Arno Besendonk / 18.10.2019

Das ist ein Scherz, oder? Satire? Das kann es doch gar nicht geben. O.k., wir sind in der Grundschule auch mit viel Blödsinn gefüttert worden, Pakete in den Osten schicken und so, aber das?

Franck Royale / 18.10.2019

Zum Thema Angst-Indoktrination kann man sich aktuell noch in der ARTE-Mediathek hübsch aufgearbeitet Vom Sofa aus anschauen: „Erich Mielke - Meister der Angst„ Wer keine Zeit für den ganzen Film hat, findet die Kernaussage in der Moabit-Szene ab 40:54 min: „Was wissen Sie denn schon von Angst? Ich sag‘s dir Kindchen. Angst ist die wirkungsvollste Triebfeder des menschlichen Handelns.“ Und wie recht er damit hat kann man gerade am Beispiel Deutschland studieren - egal ob braun, rot oder grün, das mit der Angst funktioniert hier immer.

Stefan Hofmeister / 18.10.2019

Schön zu lesen. Meine Töchter habe ich aus diesen Kreisen durch Flucht entfernt. Und Gnade euch Gott, wenn die nochmal zurückkehren. Alice Weidel ist harmlos dagegen - und das haben die nur durch eigene Anschauung gelernt ... :D

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