
Herr Gauck, wo sind Ihre Reden über das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung aus der Zeit vor Ihrer ersten Kandidatur? Eine Wiederholung wenigstens, von einer Fortführung und Vertiefung ganz zu schweigen? Falls Sie es sich haben einreden lassen, dass Sie staatstragender und thematisch umfassender werden müssten - völliger Quatsch! Wir hätten Sie als monothematischen Querulanten gebraucht - für die Freiheit, eine erwachsene, verantwortungsbewusste demokratische Freiheit. Gegenüber einer politisch-medialen Klasse, die - aus wirklich populistischen Gründen - unsere Gesellschaft nicht nur im kollektivistischen Konsens-, Sicherheits- und Gleichheitstreibsand versacken lässt, sondern dies noch beschleunigt. Gestern musste ich leider feststellen, dass die Homepage wir-fuer-gauck leider nicht mehr online ist - ich wollte meine damalige Unterstützung für Sie schweren, enttäuschten und wütenden Herzens widerrufen. Nutzen Sie die Zeit, bis eine Homepage wir-nicht-mehr-fuer-gauck nötig würde, zur Buße, zur Rückbesinnung auf Ihre wirklichen Gaben und Aufgaben. Würde Ihnen den ganzen lähmenden Stress der Überforderung ersparen, wovon Sie uns heuer wissen ließen, und unserer Gesellschaft gut tun.
Was ist eigentlich am Populismus so schlimm, daß man es Vorwurf empfindet, wenn man populistisch genannt wird? Populist ist doch der, der Politik für das Volk macht und nicht für Journalisten. Ich würde meine Partei “Die Populisten” oder so nennen. Gerade weil nur eine Partei, die in offenem und offensivem Gegensatz zur Medienscheinwelt steht, je eine vernünftige Politik betreiben kann. Und vermutlich wird auch nur eine solche Partei eine echte Chance haben, sich dauerhaft im Parlament zu etablieren. Wir brauchen keine Opportunisten (wie die FDP), wir brauchen eine Opposition. Leider spürt man auch beim Personal der AFD immer wieder diese deutsche Jammerhaftigkeit. Iih, da hat mich jemand soundso genannt, jetzt bin ich Opfer und alle müssen mich ganz feste bedauern.
Mal abgesehen davon, das der Herr Bundespräsident ganz offensichtlich bei seiner Populismus-Inventur „Die Linke“ glatt übersehen hat (aber das hat der Spiegel-Autor wie gewohnt auch) - was haben bei diesem Artikel eigentlich die zwei letzten Absätze über die NPD verloren? Naja, mittlerweile eben die bewährte Methode. Möglicherweise auf Empfehlung des bekannt hochobjektiven Häussler, dessen Studie und sein Brötchengeber – wenn auch ungewöhnlicherweise er selbst nicht - unvermeidlich hier auch auftauchen mussten? „Sie sollten in einem Artikel über die AfD immer auch irgendwie einige Sätze über die NPD oder andere rechtsextreme Gruppen unterbringen. Das bleibt prima hängen. Und wenn Sie schon mich leider nicht namentlich erwähnen: Unbedingt die Heinrich-Böll-Stiftung nennen – ‘Stiftung’ klingt so schön seriös.“
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