Vorsicht bissiger Hund!
Achtung frisch gestrichen!
Bitte langsam fahren: spielende Kinder!
Das sind sicher sinnvolle Warnungen beziehungsweise Hinweise. Aber schon bei dem bekannten Schild mit dem springenden Hirsch, das vor Wildwechsel warnt, überkommen mich Zweifel an dessen Sinnhaftigkeit. Wie soll ich mich jetzt verhalten? Natürlich fehlt es nicht an klugen Ratschlägen oder gar verbindlichen Pflichten, wie zum Beispiel „Geschwindigkeit anpassen“ oder „erhöhte Aufmerksamkeit“ oder „ständige Bremsbereitschaft“. Doch Hand aufs Herz: Was helfen sie? Und wer beachtet sie tatsächlich, insbesondere über eine Strecke von mehreren Kilometern? Die 200.000 Wildunfälle jährlich lassen da Zweifel aufkommen. Aber gut, das mag noch angehen. Ähnliches gilt für das Zeichen „Schneeflocke“ (unabhängig von einer Geschwindigkeitsbegrenzung). Und wann ist eine Fahrbahn nass?
Doch es gibt Hinweise, die ich schlichtweg sinnlos, um nicht zu sagen idiotisch finde. Dazu gehört gerade in diesen Tagen der Hinweis, die Ausbreitung des Coronavirus biete keinen Grund zur Panik. Wenn dieser Satz einen Sinn haben soll, dann gibt es offenbar Ereignisse, die einen Grund zur Panik bieten. Aber welche sollten das, bitteschön, sein? Außerdem ginge eine solche Formulierung von der völlig abwegigen Vorstellung aus, dass die Adressaten eine rationale Entscheidung treffen, ob sie in Panik ausbrechen oder nicht. Absurd.
Gleiches gilt für die Aussage, Angst sei ein schlechter Ratgeber. Mal ganz abgesehen davon, dass Zweifel an ihrer Richtigkeit bestehen: Ohne Angst wäre unsere Spezies evolutionär längst auf der Strecke geblieben und manches liebe Tierchen auch. Geistlos ist eine solche Aussage deshalb, weil Angsthaben ebenso wenig auf einer bewussten Entscheidung beruht wie in Panik ausbrechen. Wer unter Flugangst oder einer Hundephobie leidet oder Angst vor Spinnen hat, weiß natürlich, dass dazu in aller Regel nicht der geringste Grund besteht. Dieses Wissen hilft ihm aber im entscheidenden Augenblick kein bisschen. Denn der Ausgangspunkt jeder Angst ist der Thalamus im Zwischenhirn, den Neurowissenschaftler als „Tor zum Bewusstsein“ bezeichnen. Von dort werden die entsprechenden Sinnesreize an die Amygdala (im sog. Limbischen System des Großhirns) weitergeleitet, die dann für die erforderlichen Reaktionen sorgt.
Eine weitere Formel, die sich gerade bei Politikern besonderer Beliebtheit erfreut, lautet: In diesem oder jenem Fall gebe es kein Patentrezept. Ich warte nunmehr seit fast 79 Jahren auf den ersten Fall, in dem es ein solches gibt. Ich fürchte, dieses beglückende Erlebnis wird mir bis zu meinem seligen Ende verwehrt bleiben.
Fazit: Vor Betätigung des Mundwerks Gehirn einschalten.
Beitragsbild: W.C. Mendenhall /U.S. Geological Survey Photographic Library via Wikimedia Commons

Da ich mir einen Hund zulegen will und auch Einbrecher abschrecken will, wollte ich Schilder mit der Aufschrift "Vorsicht bissiger Hund" oder so ähnlich, an den Zäunen rund um mein Haus anbringen. Aber, im Internet stieß ich auf den Hinweis, wenn dann jemand illegal die Grenze, äh meinte Zaun, übersteigt und gebiessen wird, dies vorsätzliche Körperverletzung wäre! Werde jetzt Schilder mit "Wachsamer oder freilaufender Hund" anbringen, ist dann zumindest kein Vorsatz!?
Politiker und Gehirn einschalten? Wie schalten Frau und Mann etwas ein, was ihnen permanent abgeht? Jedes Jahr sterben in diesem Land an die 30.000 Menschen an Hospitalismus, zigtausend an Herz-Kreislauferkrankungen, zigtausend an Alkoholismus, Fehlernährung etc. etc. Null Panik. Corona hat eine Sterberate von 0,3 - 0,7%. Die Leute laufen Amok. Der Mensch, das angeblich intelligenteste Lebewesen auf dem Planeten? Dass ich nicht lache ...
Entschuldigung für meine Besserwisserei aber MICH stört immer wieder der Hinweis, das Schild mit der Schneeflocke sei überflüssig oder unsinnig. Auch ein Tempolimit in Verbindung mit der Schneeflocke macht keinen Sinn! Das Schild weist (besonders ortsfremde) auf Stellen hin an denen besonders mit Glatteisbildung gerechnet werden muss. Also auch dann wenn es in der näheren Umgebung noch nirgends glatt ist. Auf Brücken zum Beispiel. Motorradfahrer werden auch bestätigen können, dass es Stellen gibt, an denen es immer ein paar grad kälter ist als in der Umgebung. Autofahrer spüren das nicht so, da sie die Temperaturänderungen im Auto nicht spüren. Ich kenne die gefährlichen Stellen in meiner Umgebung und auf dem Weg zur Arbeit genau. Wo ich aber nicht regelmäßig fahre oder fremd bin, bin ich sehr froh um den Hinweis auf die Gefahr!
Etwas mehr Semantik und gesunder Menschenverstand täte gut. "Kein Grund zur Panik" lässt sich trefflich übersetzen mit "Leutz, lasst euch nicht aus der Ruhe bringen, Aktionismus bringt nichts". Bei Corona lese man: 82 Millionen Einwohner, 3'000 Infizierte, 6 Tote. Das ist statistisches weißes Rauschen. Kein Grund zur Panik! Im übrigen endete das Leben, soweit bekannt, bislang für jeden tödlich, auch für körnerfressende, grün getünchte Jammerlappen. Da fehlt es dieser Mischpoche einfach noch an der sonst immerdar eingeforderten Haltung.
Wer seinen Instinkten vertraut,- und da gehören auch sämtliche evolutionär erworbene Phobien dazu,- (z.B. Arachnophobie), fährt besser als auf Manipulationsversuche und Beschwichtigungen - aus welchen Gründen auch immer, - hereinzufallen. Mancher Thalamus hat eben noch nicht mitbekommen, dass es in Europa keine für Menschen tödlichen Spinnen mehr gibt. In anderen Länder aber schon noch! Verharmlosungen sollten immer als Manipulationsversuche enttarnt werden. Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst! Da hilft auch oft ein gutes Bauchgefühl.
Mein absoluter Bullshit-Favorit. Wenn der Computer/ein Programm abgestürzt ist, "wurde unerwartet beendet." Da krieg ich 'nen Anfall. Die Stau-Schilder, wenn man schon 10 Kilometer im Stau steht... Angst ist allerdings ein ziemlich guter Ratgeber. Macht vorsichtig. Wer als Kind mal "Pinocchio" gelesen/gesehen hat, sollte das bereits geschnallt haben. Die Welt ist schlecht und zwar irgendwas zwischen häufig und gelegentlich. Gutgläubigkeit in falscher Umgebung, eines der großen Probleme des kleinen Holzkopfs und eben auch unserer Zeit, ist schmerzhaft. Wer nicht hören kann, muss fühlen, sagte meinte Vater. Noch schlimmer: Er wird fühlen. Und da stehen dann keine Schilder mehr auf denen steht: "Wir können keine Verbindung zu ihrem Land herstellen. Bitte überprüfen Sie ihre Internetverbindung und starten Sie ihr Land neu. Wenn das nicht funtioniert, senden sie Rauchzeichen."
Ohooo, geistlose Warnungen, sollen wir mal sammeln? Ich fange mal an: "Wir schaffen das", "ich freu' mich drauf", "Armlänge Abstand", "Blockflöte spielen", "Respektbändchen", "Angst ist ein schlechter Ratgeber" (mein ganz spezieller Favorit. Welch bekloppte Türdrückerkolonne uns beherrscht, wissen wir spätestens seit diesem grandiosen Einwurf), "wählen Sie DIE nicht", "Dunkeldeutschland", "wenn die AFD einzieht, verlasse ich Deutschland" (WIR WARTEN!!!) To be continued, mir ist jetzt schon schlecht.