Henryk M. Broder / 01.12.2019 / 15:00 / Foto: NEXT Conference / 42 / Seite ausdrucken

Geisterstunde im ZDF und anderswo

Falls Sie sich schon mal nach Mitternacht verzappt haben und beim ZDF hängengeblieben sind, wird Ihnen vielleicht heute+ aufgefallen sein, ein Nachrichtenformat, mit dem der Mainzer Sender versucht, Berghain-Besucher auf den großen Parkplatz am Lerchenberg zu locken.

Es ist ein Programm für junge Menschen, die sich nicht entscheiden können, ob sie mit dem Kiffen weitermachen oder lieber "etwas mit Medien" anfangen sollen, flott und modern präsentiert und so avantgardistisch wie eine Küchengarnitur von Möbel Hübner.

Moderiert wird es abwechselnd von einer Moderatorin und einem feschen jungen Moderator, der authentisch und sympathisch rüberkommt, „immer etwas Neues ausprobieren" und "anders mit Nachrichten umgehen" möchte, wie es sich gehört, wenn die Verpackung den Inhalt bestimmt.  

Selbst der alten Tante FR war schon zu Anfang aufgefallen, dass es dem ZDF vor allem darum geht, „nachts moderner (zu) werden", geleitet von der Erkenntnis, "dass der Altersdurchschnitt seiner Zuschauer zur Geisterstunde erheblich sinkt".

Der junge fesche Moderator meldet sich auch tagsüber zu Wort, bei twitter und Facebook, und anders als bei Heiko Maas kann man bei ihm davon ausgehen, dass er seine Mitteilungen selber verfasst. Am 29.11. twitterte er Folgendes:

Zwei Tote nach mutmaßlichem Terrorangiff in #London. Polizei in #DenHaag meldet mehrere Verletzte nach Stichwaffenangriff. Bislang ist die Zahl der Terrorangriffe in der EU seit 2008 allerdings rückläufig. Ich hoffe, dass es so bleibt.

Summa cum laude im Fach PC

So redet einer, der die Hohe Schule der Politischen Korrektheit mit einem summa cum laude abgeschlossen hat, mutmaßlicher Terrorangriff in London, Stichwaffenangriff in Den Haag, allein diese Wortwahl qualifiziert ihn für besondere Aufgaben im ZDF. Und die Terrorangriffe in der EU sind rückläufig. Der junge fesche Moderator redet so mit Bedacht. Wie er seinen Job versteht, hat er vor Kurzem auf FB erklärt.

Er habe gelernt, heißt es da, 

mir genauer zu überlegen, wie ich was sage, statt einfach meine erste Gehirngrütze auf den Tisch zu hauen und dem Gegenüber zu sagen: "Hier, friss das". 

Gelernt, dass unüberlegte Worte verletzen können. Gelernt, dass ich darüber nachdenke, ob das, was ich für meine Meinung halte tatsächlich eine Gute ist. 

Gelernt, dass ich erst in Frage stelle, ob ich tatsächlich meine Ergüsse auf die öffentliche Bühne tragen muss - oder ob ich nicht auch einfach Mal meinen Mund halten kann, wenn ich eigentlich keine Ahnung habe. 

Nein, nicht jeder Shitstorm und Protest ist auch angebracht und hilfreich. Und gerade erst hat Obama darauf hingewiesen, dass zu viele Menschen meinen, es würde reichen einfach nur jemanden niederzubrüllen, der eine Meinung hat, die man nicht teilt oder erträgt. "Das ist kein Aktivismus", meinte er kopfschüttelnd. 

Was wir brauchen: mehr Demut und mehr Nachdenken über die eigenen Wahrheiten und Meinungen. Und mehr Nachsicht im Umgang miteinander. 

Aber Faschisten muss man natürlich trotzdem Faschisten nennen.

Toll, was das Nachtgespenst vom Dienst des ZDF so alles gelernt hat, u.a. auch, ob das, was er für seine Meinung halte, tatsächlich eine Gute ist. Die Haltung ist schon prima, an der Rechtschreibung und der Zeichensetzung müsste er noch ein wenig feilen. Und wenn er seine Meinung gemeistert hat, könnte aus dem Jungspund noch ein richtiger Überzeugungstäter werden.

Von Henryk M. Broder erschien am 8. November 2019 das Buch „Wer, wenn nicht ich – Henryk M. Broder“. Der Autor befasst sich darin mit „Deutschen, Deppen, Dichtern und Denkern auf dem Egotrip“. Das Buch kann im Achgut.com-Shop bestellt werden.

Foto: Von NEXT Conference from Berlin, Deutschland - NEXT15 - Day 2, CC BY 2.0, Link

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Leserpost

netiquette:

Karla Kuhn / 01.12.2019

Hubert Bauer, HERVORRAGEND !!

Dr. Gerhard Giesemann / 01.12.2019

Bevor ein Psychoanalytiker an seine Patienten ran darf, muss er erst mal selbst analysiert worden sein - ich glaube, die nennen das “Lehranalyse”, so eine Art “Clearing”. Warum soll das bei den gute/n Nachtgeistern anders sein? Früher habe ich mal Arzneimittel verkauft, Hauptinstruktion war: Du musst selber an das Zeug glauben, sonst bist du nicht glaubwürdig. War da nicht lange, ging einfach nicht, ungeeignet. Zu störrisch, alter Esel halt.

Karla Kuhn / 01.12.2019

“Aber Faschisten muss man natürlich trotzdem Faschisten nennen.” Aber natürlich!  Meint der die LINKSFASCHISTEN ??  UND:  Schweine, Schweine. Lügner-Lügner. Lumpen-Lumpen. Denunzianten-Denunzianten. Schwachmaten-Schwachmaten. Steuergeldvergeuder-Steuergeldvergeuder. Dummschwätzer-Dummschwätzer. Angeber-Angeber.  Und “blondbezopfte Mädchen- völkisch. etc.pp. Wäre ja noch schöner, wenn die Nahziehs so einfach ohne Schelte davon kommen würden.  Nee, so weit geht die Toleranz nicht ! Aber zum Glück schaue ich weder die ZDF noch   ARD “Tages-und Nachtgespenster.”  Dr. Giesemann,  “Wenn sie wenigstens an unseren Faschismus glauben täten.”  SUPER !

Lars Schweitzer / 01.12.2019

Ja, das ZDF ist am Puls der Zeit! Man muss schließlich auch ein Publikum erreichen, welches die “Narrative” noch glaubt. Apropos: Wer macht eigentlich die Kinderverhetzung “Logo” auf dem Kinderkanal? Twittern und facebooken die auch oder hüpfen und grimassieren sie ihre Botschaften bei TikTok?

Karl-Heinz Vonderstein / 01.12.2019

Der London Korrespondent des ZDF sagte zum Anschlag in London, als man dort bereits von einem mutmaßlichen Terroranschlag ausging und wusste, dass der Täter eine Sprengstoff-Attrape am Körper trug, nur noch nicht wusste, wer da auf seine Opfer eingestochen hatte, man könne überhaupt noch nicht sagen, obs linker,  rechter oder islamistischer Terror war.Frage, haben Links- oder Rechtsextreme schon mal Terroranschläge mit Messern begangen und trugen sie dabei Sprengstoff-Attrapen am Körper?

Michael Scheffler / 01.12.2019

Wer ist Obama? Ach ja, jemand, der sich eine millionenteure Villa am Meer kauft und von Klima schwafelt. Also so ein Typ wie die, gegen die Luther aufstand.  

Gabriele H. Schulze / 01.12.2019

Ceterum censeo: wer es schafft, Sendungen dieser Art zur Gänze zu gucken, verdient eine Auszeichnung für “Tapferkeit vor dem Feind”! Na gut, Feind ist vielleicht etwas übertrieben. Obwohl….

CZECH ALEX / 01.12.2019

Ein junger Mensch aus meinem Verwandtenkreis macht seine Ausbildung an der DJS in München. Er hat sein Profil bei Instagram und Facebook linksgrün “anpassen” müssen. Auf meine Frage hin, weshalb diese Umgestaltungsmaßnahmen, wurde mir folgende Antwort gegeben: “Der Zeitgeist ist linksgrün. Bin nicht Don Quixote. Schminke für die Öffentlichkeit. Privat ändert sich nix. Bleibe Konservativ.” Heutzutage sind Multiprofile angesagt. Der junge Mensch X fürs Private, Y für die Öffentlichkeit und Z für den Beruf. Soweit hat uns das linksgrün versiffte System gebracht.

Robert Jankowski / 01.12.2019

Der Mann wäre top geeignet, um alten Omas bei outbound Telefonattacken eine Rheumadecke zu verkaufen.

S. Miller / 01.12.2019

Ja, sich selbst zu hinterfragen ist beim ö.r. tödlich und mündet entweder in der Depression, oder der vorzeitigen Kündigung derer, die sich die Unverschämtheit leisten, nicht mit der Herde zu blöken. Wenn ich mir die FB-Schreibe dieses Weichspülers durchlese, weiß ich ganz genau, mit welchem Kraut diese medialen Esel gefüttert werden. Die sittlich-geistige Verblödung ist offenkundig Voraussetzung für solche Mitläufer. Traurig nur, daß diese Kanaillen sich für die Meinungsbildung verantwortlich sehen und dabei keinerlei Bezug zur Realität haben.  Wie die Blinden, die anderen die Farben erklären wollen. Was für ein Depp!

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