Gerd Buurmann / 26.06.2023 / 12:00 / Foto: Imago / 86 / Seite ausdrucken

Gefährliche Parteien

Im Kreis Sonneberg in Thüringen gibt es jetzt den AfD-Landrat Robert Sesselmann, dabei erklärten doch alle, die Partei sei gefährlich. Aber wann wird eine Partei gefährlich? Zur Beantwortung dieser Frage ist es immer gut, mal in den Spiegel zu schauen.

Am 25. Juni 2023 wurde im thüringischen Sonneberg mit Robert Sesselmann der erste AfD-Politiker zum Landrat gewählt. Über 52 Prozent haben für ihn gestimmt. Das bedeutet, dass über die Hälfte aller Sonneberger Wähler den AfD-Kandidaten für die bessere Alternative halten. Dieses Ergebnis gilt es zu akzeptieren, denn sobald wir anfangen, Wahlergebnisse nicht mehr anzuerkennen oder fordern, dass Wahlen rückgängig gemacht werden, ist die Demokratie in Gefahr.

Bundesweit liegt die AfD in Umfragen mittlerweile bei zwanzig Prozent. Es ist somit nur noch eine Frage der Zeit, bis die AfD auch mal in einem Bundesland in Regierungsverantwortung kommt und irgendwann vielleicht sogar im Bund. Das ist nichts Besonderes. Es ist das Wesen einer Demokratie, dass jede politische Strömung, vor allem, wenn sie von mindestens zwanzig Prozent der Bevölkerung getragen wird, irgendwann auch mal in Regierungsverantwortung kommt. Es gibt Parteien, die haben in Deutschland jahrzehntelang mit weniger als zehn Prozent in einer Koalition regiert.

Unser Grundgesetz schützt die Freiheit des Einzelnen. Je vielfältiger und bunter eine Gemeinschaft wird, umso mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine politische Farbe hinzukommt, die man selbst nicht mag. Vielfalt bedeutet, das zu tolerieren, was man zwar nicht akzeptieren kann, aber dennoch nicht verboten und daher zu ertragen ist.

Eine Partei wird erst dann gefährlich, wenn ihre Mitglieder glauben, so fest verwurzelt auf der richtigen Seite zu stehen, dass es ihnen moralisch erlaubt ist, den politischen Gegner zu diffamieren, zu verfolgen und seine Rechte einzuschränken. Wenn Parteien anfangen, dem Volk Angst vor den politischen Gegnern einzuflößen, wenn sie mit Beleidigungen und Dämonisierungen arbeiten, wenn sie vom möglichen Untergang raunen, sollte der Gegner gewinnen, dann ist die Demokratie in Gefahr.

Noch ein kleines bisschen mehr Angst

Daher betrachte ich die Bestrebungen von Nancy Faser und der Ampelkoalition, die AfD verbieten zu wollen, mit großer Sorge. Eine Regierungspartei, die sich anschickt, eine große Oppositionspartei verbieten zu wollen, macht mir noch ein kleines bisschen mehr Angst als die Oppositionspartei selbst. Ein Inlandsgeheimdienst, der seine Bürger daraufhin ausspioniert, ob sie auch wahrlich verfassungstreu sind, macht mir mehr Angst als der einzelne Bürger selbst.

Unser Grundgesetz ermöglicht es uns, dass sich alle Bürger unseres Landes, auch wenn sie einer extremen Ideologie, Religion oder Überzeugung angehören, parlamentarisch Gehör verschaffen können, um im Streit, in der Auseinandersetzung oder in einer möglichen Zusammenarbeit eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Wenn es da mal passiert, dass eine Partei in Regierungsverantwortung kommt, die ziemlich weit von der Mitte entfernt ist, dann wird halt ein wenig intensiver diskutiert, auf den Straßen etwas mehr demonstriert und bei Familienfeierlichkeiten ein paar Minuten länger gestritten. Eine gut verfasste Republik hält all das aus.

Die Antwort auf extreme Positionen darf nicht ein Verbot von Bundestagsparteien sein. Es braucht vielmehr eine starke Verfassung, die an extremen Haltungen und Positionen nicht zugrunde geht, sondern sie parlamentarisch zu integrieren versteht. Es gibt keinen Grund, Angst zu haben vor Populisten aller Schattierungen. Alle dürfen mal regieren, wenn sie eine Mehrheit schaffen. Es gibt genug Werkzeuge der Gewaltenteilung, um gelassen selbst auf extreme Positionen zu reagieren. Es gibt den Bundesrat, den Bundespräsidenten, das Bundesverfassungsgericht und am Ende sogar Artikel 20 Absatz 4.

Aber vielleicht liegt genau da das Problem. In Deutschland scheinen immer mehr Menschen ihren Glauben an unser Grundgesetz verloren zu haben. Ganz unverständlich ist dieser Vertrauensverlust nicht, denn schauen wir uns bloß mal an, wozu die Regierungen in den letzten Jahren alles in der Lage waren. Sie haben in der Zeit von Corona Theater, Gaststätten und Schulen geschlossen, Menschen in Lockdowns gesperrt, Ausgangssperren ausgerufen, Impfpflichten erwogen, Impfzwänge exekutiert und Demonstrationen eingeschränkt, verboten und aufgelöst. Wir erleben, wie die Regierung immer öfter in die intimste Sphäre des Bürgers dringt, um ihm vorzuschreiben, wie er zu reden hat und was er in seinen eigenen vier Wänden zu tun und zu lassen hat. 

Immer mehr zu einem übergriffigen Vormund entwickelt

Wenn sich der Bürger nicht so verhält, wie es sich die Regierung wünscht, dann wird auch mal von ganz hoher Stelle diffamiert. Dann wird im Akt der politischen Willenssteuerung dafür gesorgt, dass Begriffe wie besorgter Bürger, Querdenker, Freiheit und Widerstand zu Beleidigungen werden. Jeder, der es wagt, die Regierung zu kritisieren, wird zur Gefahr für die Demokratie erklärt, die ausgegrenzt, diffamiert, verleumdet, gecancelt und verboten werden darf.

In einem Land, in dem sich eine Regierung all diese Vergehen gegen die eigenen Bürger leisten darf, kann niemand wollen, dass der politische Gegner an die Macht kommt, denn der politische Gegner wird dann genau die selben Mittel gegen seine Gegner anwenden. 

Selbst eine Restriktion von der Regierung in bester Absicht eingeführt, kann zur gefährlichen Waffe werden, wenn die falschen Leute an die Schalthebel der Macht kommen. Bei jedem Gesetz sollte man sich die Frage stellen, ob man wollen kann, dass dieses Gesetz auch gilt, wenn der politische Gegner an der Macht ist. Wenn man das nicht kann, sollte von dem Gesetz Abstand genommen werden.

In den letzten Jahren hat sich die Regierung immer mehr zu einem übergriffigen Vormund entwickelt, zu einem Einpeitscher gegen die Verdorbenen, zu einem Erzieher der Unanständigen und zu einem Zuhälter der Weltenretter. Dabei wurde das Grundgesetz immer mehr ausgehöhlt. Deshalb haben heute so viele Menschen Angst vor ihren politischen Gegnern. Sie haben Angst, dass sie jetzt so beherrscht werden, wie sie geherrscht haben.

In Deutschland sind die Regierungen aber keine Herrscher, die über das Volk bestimmen. Sie sollten es jedenfalls nicht sein, sondern Diener, die im Auftrag des Volkes arbeiten. Es gibt keinen Grund, sich vor Dienern zu fürchten, denn sie können bei der nächsten Wahl wieder gefeuert werden. Wenn wir uns also vor eben jener Dienerschaft fürchten, die wir zusammen mit der Hausgemeinschaft für die kommenden Jahre eingestellt haben, dann stimmt da etwas Grundlegendes nicht mit unserer Hausordnung.

Das eigentliche Problem ist daher nicht die AfD, sondern die Bürger, die dem eigenen Grundgesetz nicht mehr vertrauen und glauben, es könne an der Dienerschaft zugrunde gehen. Das Problem ist, dass viele Menschen Angst davor haben, die AfD könne bei einer gewonnenen Wahl genau das tun, was die anderen Parteien in Regierungsverantwortung bereits getan haben.

Foto: Imago

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Stephan Bujnoch / 26.06.2023

Das Problen unser Regierenden ist nicht, daß sie z.B. bei Corona die falschen, weil Freiheits beschränkenden Maßnahmen ergriffen haben, nein, das Problem liegt darin, daß sie diese Maßnahmen beschlossen haben, obwohl besseres Wissen verfügbar war. Ihr Problem liegt also in einer selektiven, weil ideologiegetriebenen Wahrnehmung. Das zieht sich durch alle Wenden. Von Anbeginn unserer Zeitrechnung bis 1850 hat sich das Klima mehrfach bei ziemlich konstanten CO2 Werten geändert, es gab mindesten zwei “Warmzeiten” und sogar eine kleine Eiszeit. Dann kam die industrielle Revolution und dabei hat das Klima entschieden, daß fürderhin der CO2 Pegel der Luft für die Klimaänderungen zuständig sei. Dieses Paradoxon fällt den Mainstream Gutmenschen einfach nicht auf. Warum? Weil es nicht auf ihrer Ideologielinie liegt! Bei Corona gab es ein im wahrsten Sinne des Wortes “isoliertes Beispiel”, die Diamond Princess, die mit über 3000 Personen - Kreuzfahrtgäste und Crew - vor der Küste Japans in Quarantäne lag. Ein showcase für die Ausbreitung der “Pandemie”. In dieser isolierten Kohorte gab es dabei 8 bis 16 Todesfälle, die mit Corona in Zusammenhang gebracht wurden. Nimmt man die abgerundeten 3000 Personen, dann liegt das Mortalitätsrisiko bei 0,27 bis 0,54 %. Allein die Bandbreite von 100% zeigt auf gut Bayerisch: Nichts Genaues weiß man nicht! Was man aber in jedem Fall wissen konnte, ist der Schluß, daß dieses Virus nicht der Killer ist! Aber das wollte man ja auf dem Weg zur großen Transformation nicht. Die WHO und Lauterbach denken schon laut über die nächste Pandemie nach und wie man die Menschen besser schützen könnte. Die Menschen, also die Bürger, sollten dabei nachdenken, wie sie sich besser vor der WHO und einem aus dem Ruder gelaufenen Gesundheitsminister schützen können. Ministrare heißt dienen, nicht das Absondern von abstrusen Erlassen!

Horst Jungsbluth / 26.06.2023

Als von schweren Verbrechen des Berliner SPD/AL-Senats, des Bezirksamt Schöneberg sowie einer bis hin zu den Anwälte “gleichgeschalteten” Justiz Betroffener kann ich über diese Krokodilstränen nur lachen. Da warnen also Leute, die nach einem Strategiepapier mit gefälschten Vorschriften und unzutreffenden Gründen unter schlimmstem Missbrauch der Verwaltungsgesetze unbescholtene Bürger wie Verbrecher verfolgten oder jene, die diese Verbrechen deckten und noch immer decken, vor einer Partei, die nur dadurch viele Wähler anzieht, weil alle anderen all das missachten, was einen ganz normalen Rechtsstaat zum Erfolg verhilft.  Ob Grundgesetz oder Verfassung, unsere “ewig Unverantwortlichen” kümmern sich doch einen Dreck um das, was da garantiert oder gefordert wird. Uns bleibt nur noch die Satire und da habe ich heute bereits eine sehr köstliche auf der “Achse” gelesen.

Andreas Müller / 26.06.2023

Vielleicht wäre einfach ein Blick darauf sinnvoll, um welche Themen es im Wahlkampf ging, die offenbar zur Wahl des Kandidaten beigetragen haben, obwohl sie über den Einflußbereich eines Landrates hinausgehen : 1. Inflation 2. Heizungsgesetz 3. ungesteuerte Migration.

Ebs Werner / 26.06.2023

Es fehlt noch: eine Partei wird dann gefährlich, wenn sie die Gewalttäter der Antifa nicht konsequent bekämpft sondern verharmlost, wenn sie Gewalttäter und Erpresser wie die scheinheilige Generation unterstützt und auf einem Auge blind ist. Wenn Gewalttaten gegen einzelne Abgeordnete (natürlich nur der AFD) verschwiegen oder mit Spott und Häme begleitet werden. Wenn Straftäter aus ideologischen Gründen nicht genannt oder verharmlost werden. Wenn sie keinerlei Kritik verträgt. Wenn sie bestimmt, welcher Wissenschaftler die absolute Wahrheit verkündet. Wenn Medien direkt oder indirekt gekauft werden. Oder kurz: alles was die Ampel und weite Teile der CDU/CSU derzeit in der Praxis machen, ist brandgefährlich für die Demokratie. Für die AFD gilt, genauso wie für allen anderen Parteien: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen - und das war das Blatt ist zu dieser Wahl unbeschrieben.

Chr. Kühn / 26.06.2023

>>Dieses Ergebnis gilt es zu akzeptieren, denn sobald wir anfangen, Wahlergebnisse nicht mehr anzuerkennen oder fordern, dass Wahlen rückgängig gemacht werden, ist die Demokratie in Gefahr.<< Na, Herr Buurmann, warum schreiben Sie das so, als ob das alles erst noch kommt? Der Anfang im Februar 2020 liegt so lange zurück nicht, auch wenn Corona danach einen wunderbaren Deckmantel lieferte und das in Erfurt Geschehene vergessen machte. Durch diese “unsaubere” Ausdrucksweise laufen Sie Gefahr, ein völlig falsches Bild zu transportieren!

L. Bauer / 26.06.2023

Sorry, aber der letzte Satz ist Unfug. Sie spielen das gleiche Spiel der Unterstellungen, wie die Wahlverlierer. Niemand hat davor Angst! Und auch niemand hat Angst vor der Verfassung! Aber vorm Verfassungsschutz schon inzwischen. Die, die die Verfassung eigentlich für das Volk gegenüber jeder Regierung schützen sollen, machen genau das Gegenteil und schützen die Regierung vor dem Volk.

R. Reiger / 26.06.2023

Wer regiert, der agiert, der hat es in der Hand. Wenn Regierende verlieren, dann müssen diese somit erst mal bei sich selbst anfangen!! Und wenn eine Opposition zulegt, diese nur zu verdammen, gar im schlechtesten Fall kollektiv zu verdammen, das funktioniert nicht … Quod erat demonstrandum wie die Realität gezeigt hat. Da kann man sich hundert mal wünschen, dem wäre nicht so, es bleibt dabei: Das reicht nicht, das funktioniert so nicht. Sie inkl. der Standardmedien sind zu dumm zu begreifen: Der Schuss geht nach hinten los.

Lisa Deetz / 26.06.2023

Wenn, wie jetzt Mainstreamweit zu hören, zu lesen und zu sehen, ein popliger Landrat doch eigentlich nichts zu sagen, zu entscheiden und überhaupt ein Nichts ist, dann frage ich mich: Warum die landesweite Aufregung? Ja, Leute, dann kann er doch niemandem gefährlich werden?! Geht euch allen vielleicht der A…. auf Grundeis?———PS. Meine besten Wünsche an Herrn Sesselmann und an alle Sonneberger, die klug genug waren, das Kreuz an der genau richtigen Stelle zu setzen! Glückwunsch nach Thüringen!

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen

Es wurden keine verwandten Themen gefunden.

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com