Henryk M. Broder / 16.06.2011 / 11:11 / 0 / Seite ausdrucken

Gaddafis willige Helfer

Wo immer auf der Welt ein Diktator sein Volk massakrieren lässt, unternimmt die Uno erst einmal nichts. Verabschiedet sie dann doch eine Resolution, die einen militärischen Einsatz rechtfertigt, dann bieten deutsche Gutmenschen und Pazifisten umgehend ihre Hilfe an – aber nicht dem Volk, sondern dem Diktator. So im Falle von Libyen.

Zu Pfingsten erschien in einer linken Tageszeitung der «Antikriegsaufruf: Frieden für Libyen», unterschrieben von bekannten Friedensfreunden, von denen einige schon mit von der Partie waren, als es um den Nato-Doppelbeschluss ging. Nun sehen sie eine ­Oase des Wohlstands und der Bürgerrechte ­bedroht: «Der Wüstenstaat, der unter seinem Revolutionsführer Muammar Al-Ghaddafi seiner Bevölkerung dank der Nationalisierung seines Ölreichtums den höchsten Wohlstand in Afrika mit unentgeltlichem Bildungs- und Gesundheitswesen, mit hochentwickelten Rechten für Frauen und Kinder bieten konnte, droht in seiner Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen zu werden. Wie in der Kolonialzeit selbstbewusst gewordene Sklaven vor den Augen ihrer Schick- salsgefährten öffentlich ausgepeitscht wurden, so wollen heute führende Nato-Staaten das libysche Volk, auch als Warnung für die Völker der Dritten Welt, mit Bomben, Raketen und gegebenenfalls ­militärischer Besetzung dafür bestrafen, dass es sich ihrem Diktat entzieht, seinen eigenen Entwicklungs­weg geht, sich für die Einheit und Unabhängigkeit der arabischen Welt und Afrikas einsetzt und sich jeglicher Rekolonialisierung verweigert .?.?.»

Das ist kein Witz, das ist Original-Ton aus der Mitte der Friedensbewegung. Aus der gleichen Richtung kommt der Rat ­eines Weisen, warum ­Interventionen unterbleiben sollten: «Die Revolten im arabischen Raum müssen aus sich heraus erfolgreich sein. Das impliziert auch, dass sie zunächst hier und da blutig niedergeschlagen werden, aber früher oder später werden die Menschen wieder aufstehen und vollenden, was derzeit verhindert wird» – so der «Islamexperte» Prof. Dr. Udo Steinbach. Früher oder später wird auch der Messias kommen, und dann werden sowieso alle auferstehen. Leider auch die Friedensbewegten und die Islamexperten.

© Die Weltwoche 24/11

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