Jesko Matthes / 27.06.2021 / 16:00 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 7 / Seite ausdrucken

Fußball: Rassistischer Humor ist ganz einfach Teil des Spiels

Während die „Leitmedien“, Politik und Funktionäre sich künstlich aufspulen über angeblichen Rassismus im Fußball und das Veto der UEFA gegen regenbogenbunte Stadien, erdet eine Promotionsstudie der Universität Lüneburg dieses hohle Gerede sehr weitgehend. Eine Sprachwissenschaftlerin gesellte sich über Wochen zu einer leider nicht namentlich genannten Mannschaft von Profifußballern:

Die Linguistin Dr. Solvejg Wolfers-Pommerenke (…) erlebte, wie mit Witzen über Stereotype der Teamzusammenhalt ausgehandelt wurde. (…) Der Profi-Fußball macht sich öffentlich gegen den Rassismus stark: Spieler tragen Trikots mit der Aufschrift „#blacklivesmatter“; es gibt Video-Kampagnen gegen Ausgrenzung; Funktionäre betonen, wie wichtig es sei, gegen Vorurteile aufzustehen. Meist sind diese Botschaften nach außen gerichtet. Die Linguistin Dr. Solvejg Wolfers-Pommerenke erlebte bei ihrer Forschung im Profi-Fußball eine andere Perspektive: (…) Sie beobachtete, dass unter anderem „racialized humor“ die Mannschaft als Ganzes wie aber auch Untergruppen konstruierte. Spieler im Team mussten es sich paradoxerweise erst verdienen, dass Witze über sie gerissen wurden – und oftmals waren diese rassistischen Ursprungs. Der einzige Spieler mit asiatischen Wurzeln etwa wurde beispielsweise wiederholt von einem anderen Fußballer gefragt, ob er Katze zum Frühstück gegessen hatte.

Über die Studie berichtet die aktuelle Lünepost auf Seite 8 noch mehr: 

Der Humor mit Stereotypen bediente sich auch soziokulturellen oder religiösen Unterschieden. (…) Es gab ein Gespräch zwischen den Spielern über Beziehungen zu Frauen. Ein Spieler sagte, er sei mit seiner Freundin seit zwei Monaten zusammen. Darauf witzelte ein Spieler mit muslimischen Wurzeln: „Bei uns wärst du nach zwei Monaten schon längst verheiratet.“ Und die Forscherin selbst resümiere über die Ergebnisse der auch zu ihrer Promotion dienenden Feldstudie: „Vielleicht lässt sich so noch besser Rassismus im Fußball erkennen, verstehen und bekämpfen.“

Was gibt es da zu bekämpfen, wenn die Jungs sich über Leistung und Humor definieren wollen? Dennoch: Hut ab vor der Forscherin – oder besser noch auf die Knie vor ihr, die sich für ihre Studie „Trainingsbekleidung vom Verein besorgt und sogar Fußballschuhe angezogen“ hat.  Den Duft von Männerschweiß und den Gegenwind von Humor aus der Kabine mögen sich jene woken Schneeflöckchen mal reinziehen, die vielleicht mit regenbogenbunten Wattebäuschchen werfen können, es aber in einem Profiteam von echten Fußballern keine fünf Minuten lang aushielten.

Oder glaubt jemand ernsthaft, die deutsche Elf könnte es sich am kommenden Dienstag leisten, auf dem heiligen Rasen von Wembley über den einen oder anderen Deutschen-unfreundlichen Spruch aus den Rängen der Gegner oder jenen des Stadions in Tränen auszubrechen?

Foto: Bildarchiv Pieterman

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Elias Schwarz / 27.06.2021

Und das nennt man heute in Feutschland Forschung?

Marco Mahlmann / 27.06.2021

Es ist also rassistisch, einen Asiaten zu fragen, ob er „Katze“ zum Frühstück hatte, wobei er durchaus aus einem Land stammen kann, in dem Katzen üblicherweise zum Speisefleisch gehören. Dann darf man wohl auch keinen Türken fragen, ob er Döner ißt. +++++ Was sind „muslimische Wurzeln“? Gibt es auch „christliche Wurzeln?“ Gemeinhin wächst aus den Wurzeln etwas, was dann nicht mehr (nur) Wurzel ist; wozu ist der Spieler mit „muslimischen Wurzeln“ emporgewachsen? War sein Spruch nicht auch sexistisch und homophob? Hätte das die Doktorandin nicht ergründen (und dem entgegentreten) müssen?

Bernd Scheubert / 27.06.2021

Ganz besonders bin ich gespannt auf das Vorentscheidungs-Spiel Mexico-Jamaica. Da treffen 2 schwulenfeindliche Laender aufeinander. Gottseidank sind die Stadien leer, da kann niemand schreien “Puta” auf gut Deutsch “nutzloser, bloeder, schwuler Wichser”

lutzgerke / 27.06.2021

„Wer den Zweck will, will auch die Mittel.“ —  Horaz / Manchmal überkommt einen der Eindruck, die Partei schaut jeden Abend die 3 Musketiere und will deren Gesellschaftsmodell, Einer für alle und alle für Einen, auf die ganze Welt übertragen? Wenn das “Wir” entscheidet, sofern der Unterton nicht, Wir entscheiden, transportiert, wer entscheidet dann eigentlich wirklich? / Ob Plakatwände, Polizei, Partei oder Presse - wir alle scheinen uns einig zu sein gegen Haß, Hetze und Gewalt. Was wir überhaupt in unserem Denken neutralisieren, daß Haß, Hetze und Gewalt das gesellschaftliche Klima vergiften und ihren Ursprung im Netz haben. Denn vor dem Netz waren Haß, Hetze und Gewalt nur Einzelfälle und als großflächiges Phänomen völlig unbekannt. Hier stellt sich die Frage nach Huhn oder Ei, was war zuerst, jedenfalls nicht. Wie es ausschaut, ist also die Partei der Urheber des giftigen Klimas. / “Die Menschheit wird nach dem Niedergang des Kommunismus, dass skrupelloseste und menschenverachtendste System erleben wie es die Menschheit noch niemals zuvor erlebt hat, ihr Armageddon. ” Carl-Friedrich von Weizäcker, Der bedrohte Frieden, 1994; Carl-Friedrich von Weizäcker sagte an andere Stelle auch sinngemäß, daß die Menschheit einen Bewußtseinssprung machen müsse, um an den neuen Technologien nicht zu scheitern. “„Die alte Ethik der Nächstenliebe reicht aus, wenn wir sie auf die Realitäten der neuen technischen Welt anwenden; und wenn wir sie hier nicht anwenden, so ist es uns mit ihr nicht Ernst. Das revolutionärste Buch, das wir besitzen, das Neue Testament, ist nicht erschöpft.“ —  Carl Friedrich von Weizsäcker  

Stanley Milgram / 27.06.2021

“Wenn Fußballer in Schwarzrotgold kleine Kinder in McDonald’s-Werbetrikots an der Hand über den Rasen führen, finden Nationalismus und Zuhälterei perfekt zueinander. Perverser geht es nicht; in den Köpfen, die das ersinnen, ist schon lange niemand mehr zu Hause.” (Wiglaf Droste)

Wilhelm Lohmar / 27.06.2021

Tja, die Welt ist nun leider nicht so, wie sie politisch korrekterweise sein sollte.

Kay Ströhmer / 27.06.2021

“Die deutsche Elf” - diese Formulierung ist wirklich der kleinste gemeinsame Nenner, auf den man sich verständigen kann, wenn man nicht von Frisurenmodels und Rasierzeugvertretern sprechen möchte.

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Jesko Matthes / 18.09.2021 / 15:00 / 20

Tagesschau rudert zurück, ihre „Faktenfinder“ flunkern weiter

Die ARD-Tagesschau und ihre „Faktenfinder“ hatten den Eindruck entstehen lassen, die AfD-Fraktion habe kürzlich im Bundestag gegen die Fluthilfe gestimmt. Achgut.com berichtete u.a. hier ("Die Lückenschau") – und bemühte…/ mehr

Jesko Matthes / 10.08.2021 / 15:22 / 14

Denn die Natur lässt sich nicht zum Narren halten

Diverse Achgut-Beiträge, die sich skeptisch zur Wirksamkeit von Impfungen äußern, stehen durchaus nicht alleine. Ein aktueller umfassender Beitrag von NTV widmet sich ebenfalls diesem Sachverhalt.…/ mehr

Jesko Matthes / 23.07.2021 / 06:15 / 78

Ein Katastrophenhelfer berichtet: Kommen Sie über Draht!

Lesen Sie hier, wie ein Katastropheneinsatz läuft. Warum eine funktionierende Kommunikation so entscheidend ist. Und warum dabei oft nicht verstanden wird, dass Kommunikation oft vor…/ mehr

Jesko Matthes / 21.07.2021 / 06:15 / 91

Mir fehlt der Gesang der Sirenen

Jahrzehntelang existierte ein Bewusstsein für den Zivilschutz. Diese Zeiten sind passé. Vielerorts sind die Sirenen abgeschafft, man verlässt sich auf Internet, Handy, Fernsehen. Das ist…/ mehr

Jesko Matthes / 04.06.2021 / 11:00 / 56

Keine Zukunft für einen Armin Merkel

NRW-Ministerpräsident und CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet schließt jede wie auch immer geartete Kooperation mit der AfD aus, und er verweist auch die informelle „Werte-Union“ innerhalb der…/ mehr

Jesko Matthes / 02.06.2021 / 14:00 / 9

Wissenschaft als Kampf für die Freiheit des Zweifelns

Von Zeit zu Zeit tut es gut, sich zurückzulehnen und die Geschehnisse von außen zu betrachten wie ein Unbeteiligter. Zugegeben, das gelingt im Alltag einer…/ mehr

Jesko Matthes / 20.05.2021 / 14:15 / 60

Hirschhausens Eier

Bei Maischberger, so berichtet Die WeLT, stellte mein geschätzter Kollege von Hirschhausen die Corona-Pandemie in den Zusammenhang von Klimawandel, Artensterben und Lebensraum, um dann noch…/ mehr

Jesko Matthes / 15.05.2021 / 06:20 / 86

Doktor Seltsam, oder wie ich lernte, AstraZeneca zu lieben

Einer meiner Lieblingsfilme ist „Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ von Stanley Kubrick. Noch bezeichnender ist der englischsprachige Titel, der ergänzt how I…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com