Steffen Meltzer, Gastautor / 23.04.2019 / 16:00 / Foto: Alex Grech / 10 / Seite ausdrucken

Furcht und Elend dank Jugendamt

Dieses Foto zeigt einen gebrochenen Mann; zusammengezogene Stirnfalten und traurige Augen lassen auf einen großen inneren Schmerz schließen. André Liesigk (52) hat schwere Schicksalsschläge in seinem Leben hinnehmen müssen. Seine Frau war an Krebs gestorben. Er versprach dieser, ihren letzten testamentarischen Wunsch zu erfüllen, sich um den zehnjährigen Sohn zu kümmern. Dann geschah der nächste schwere Schicksalsschlag: Der Vater geriet durch einen diabetischen Schock selbst in akute Lebensgefahr. Einige Tage lag er auf der Krankenhausstation im Koma, immerhin, er überlebte. 

Am Tag seiner Entlassung musste er beim Amtsgericht Rostock antreten. Dort erfuhr der angeschlagene Mann, dass der zehnjährige Junge ab sofort unter den Vormund des Jugendamtes gestellt wird. Der nächste Schock nach dem frühen Tod der Mutter mit grauenvoll-katastrophalen Folgen für den Jungen.  

Vermutlich geht es in den Wohngruppen der amtlichen Einrichtungen selbst völlig unprofessionell, um nicht zu sagen kinder- und jugendgefährdend zu. So musste sich der Polizeichef von Rostock beim NDR über den Sozialsenator der Stadt Rostock beschweren, da innerhalb eines Jahres von 1.007 vermissten Kindern allein 732 aus diesen Betreuungseinrichtungen entlaufen sind. Tendenz steigend. Der Leitende Polizeidirektor (LPD) nennt ein Beispiel: So wurde ein 14-jähriger Jugendlicher mit richterlichem Haftbefehl zum Strafvollzug überführt, der bis zu seiner Strafmündigkeit unter „Obhut der Jugendeinrichtung“ 60 Straftaten begangen hatte. Wenn sich Behördenleiter an die Öffentlichkeit wenden und die Defizite nicht intern ansprechen, darf das als ungewöhnlich gelten. 

Der für diese Misere verantwortliche linke Senator Steffen Bockhan, bestreitet die vorgelegten Zahlen der Polizei und spricht von „lediglich 15 bis 20 Problemfällen“. Im Gegensatz dazu beschreibt der Polizeichef, dass die zu spät zurückkehrenden Jugendlichen nicht in die Einrichtungen hineingelassen würden, der klassische Beginn krimineller Karrieren. Auch diese „pädagogischen Erziehungsmaßnahmen“ streitet der Linke, nach der alten Vogel-Strauß-Mentalität, weitestgehend ab. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. 

Sparen kostet und zwar Kinderleben

Der Sparwahn ist schon längst über die Jugendämter gekommen. Obwohl nur 65 Fälle pro Mitarbeiter zulässig sind, sind in Deutschland 150 Fälle Normalität, ebenso die Weitergabe an preiswerte „Freie Träger“, die wiederum junge Studienabsolventen als Sozialarbeiter einstellen, weil diese wenig Gehalt kosten. Die Auswirkungen sind verheerend.

So kam es, dass 2017 in Deutschland 143 Kinder durch Verbrechen getötet wurden. Fachleute gehen davon aus, dass auf jedes entdeckte Verbrechen ein unentdeckter Fall kommt. Damit verschwanden in diesem Jahr durch Tötungen mindestens 286 Kinder von den Radarflächen, und keiner will es geahnt haben. Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, schätzt die Fälle des sexuellen Missbrauchs auf jährlich zwischen 60.000 bis 100.000 ein. Bis zum achtzehnten Lebensjahr sind das rund eine Million betroffene Kinder. Auch Bündnis90/Die Grünen und die Kirchen tun sich seit Jahrzehnten mit der Aufklärung ihrer Skandale schwer. Es hat sich seitdem nichts geändert. Auch der neueste bekanntgewordene Skandal spricht Bände. 

Beim Aufeinandertreffen im Gerichtssaal fiel das Kind seinem Vater weinend um den Hals. Leon geht es im Heim nicht gut: „Er hat kaum soziale Kontakte und flippt regelmäßig aus. So kenne ich ihn von zu Hause nicht.“ Empathie von Seiten des Gerichts gab es dafür nicht. Der Vater hatte nicht immer die Wäsche gewaschen, der Abwasch stand herum. Die Sozialarbeiterin konstruierte daraus „unhygienische und unhaltbare Zustände in der Wohnung“. Konkrete Fakten fehlten im Gericht fast völlig, so der Anwalt von André Liesigk.

Das eigentliche Opfer ist das Kind

Die Sozialarbeiterin hatte sich bei der Betreuung des Kindes nicht für dessen Vater zuständig gefühlt. Die bei Leon diagnostizierte „Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung“ (ADHS) soll ihre Ursachen im Erziehungsstil haben. Dabei ist diese Erkrankung vorwiegend genetisch bedingt und nur sekundär auf Umwelteinflüsse zurückzuführen.  Kinder mit ADHS leiden stark an einem sozialen Rückzug. Es muss für Leon einer psychischen Folter gleichgekommen sein, als er seinem Vater entrissen wurde. Jungs sind davon traditionell mehr betroffen als Mädchen. Geschlechter sind biologisch bedingt und nicht sozial konstruiert. Sie können in Erziehungseinrichtungen ihrem natürlichen Drang nach körperlicher Auslastung und konkurrierenden Wettkampfvergleichen mit Gleichaltrigen nur noch ungenügend nachkommen. 

André Liesigk verlor diesen Prozess. Leon wird vermutlich nicht mehr in der Lage sein, eine gesunde Bindungsfähigkeit zu seinen Mitmenschen aufzubauen. Aus der Bindungsforschung ist bekannt, dass eine vertrauensvolle Eltern-Kind-Beziehung die notwendige Grundlage für den weiteren Lebensweg bildet. Urvertrauen zu sich selbst – verbunden mit einem sozialen Selbstbewusstsein, die Fähigkeit, Freundschaften und später Beziehungen einzugehen, hängen von dieser frühen Prägung ab. Der Vater im beschriebenen Fall hätte zur Bewältigung seiner Schicksalsschläge unbedingt Hilfe bekommen müssen. Diese Unterstützung wurde ihm verwehrt. 

Die Zeche, das sollte jedem klar sein, zahlt vor allem Leon. Eine Unterstützung seines Vaters bei der Erziehung wäre vor allem dem Kind zugute gekommen. Sollte es später auf die falsche Spur geraten, zahlen wir alle dafür die anfallenden Kosten, die ein Vielfaches einer Familienhilfe betragen. Hauptsache, überforderte Jugendämter bekommen ihren Willen, ein Pyrrhussieg für die Gesellschaft. Ich hoffe, ich irre mich: Die Rostocker Polizei wird in vier Jahren, wenn Leon strafmündig ist, keinen Unbekannten vor sich haben. 

Der Artikel wurde zuerst auf der Homepage von Steffen Meltzer veröffentlicht.

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Sabine Heinrich / 23.04.2019

Schleswig-Holstein: Vor ca. 20 Jahren wurden wir Lehrer - da Missbrauchs- und Misshandlungsfälle immer häufiger vorzukommen schienen, plötzlich mit einer neuen Regelung nahezu handlungsunfähig gemacht: Wir sollten zwar unbedingt weiterhin Verdachtsfälle von Missbrauch und Misshandlung ans Jugendamt melden, aber es war denen fortan untersagt, mit uns zusammenzuarbeiten! Sie durften uns Lehrern lediglich mitteilen, dass und ob sie mit den Erziehungsberechtigten Kontakt aufgenommen hatten. Mehr nicht. Kein Ergebnis - nichts! Nicht zu glauben - aber leider wahr! Da war mir klar, dass diese neue Regelung nur dazu diente, missbrauchende Eltern/Erwachsene zu schützen - und dass Leute, die solche Regelungen/Gesetze auf den Weg bringen, nicht die Interessen der Kinder vertreten, sondern bewusst und gezielt Pädophile und misshandelnde/missbrauchende Erwachsene schützen. WARUM WOHL? In 2 sehr akuten Fällen hatte ich mich warnend an die neuen Schulen gewendet (Wenn Eltern der Boden zu heiß wird, brauchen sie ihr Kind nur in einem anderen Kreis - nicht einmal einem anderen Bundesland- anzumelden), und schon sind die Misshandelnden/Missbrauchenden in Sicherheit, zumal wenn sie eloquent auftreten, denn aus “Datenschutzgründen” dürfen gewisse Informationen nicht weitergegeben werden - zum Schaden der Kinder. Die von mir gewarnten Lehrer/Schulleitungen hielten es nicht einmal für nötig, auf meine sehr berechtigten Warnungen zu reagieren. Über die Gründe rätsele ich noch heute. Gleichgültigkeit? Naivität? (Die Frau des angesehenen Arztes kann doch gar nicht das Kind mit dem Gürtel geprügelt haben). Oder decken diese Leute sich gegenseitig - und zwar bis in höchste Positionen? Lüdge ist der aktuelle Fall, damals war es Dutroux it seinem Netzwerk. Und Schulleiter wollen oft nur Ruhe haben. Ich bin vom Thema abgewichen - aber nach langjährigen Erfahrungen mit einem Jugendamt und deren Mitarbeitern passiert es mir selbst jetzt noch, dass ich mich manchmal etwas echauffiere.

marc von aberncron / 23.04.2019

Aeh, also ... da schleicht sich doch der Eindruck ein, dass Bundes- u. Landesregierungen falsche Prioritaeten setzen ... Bzgl. der 9800 verschwundenen unbegleiteten Kinder u. Jugendliche im Rahmen der durch den kopflosen Wendehals forcierten Migrationskrise gab es auch nie mehr Neuigkeiten als substanzlose Vermutungen u. Beschwichtigungen. “Wir schaffen das” ...

Klaus Schmid / 23.04.2019

Wäre der Vater ein syrischer Moslem, dann würde diese tragische Geschichte gleich ganz anders ausgehen ...

Wiebke Lenz / 23.04.2019

Ich erledige meinen Abwasch ganz sicher auch nicht immer sofort. Auch die Wäsche darf mal warten - es gibt noch andere saubere. Das hat auch einen einfachen Grund: Ich werde weder meine Tochter, meinen Mann oder einen anderen Menschen abweisen, wenn er ein Problem hat oder auch einfach nur schwatzen möchte. Auch meinem Sohn werde ich nicht sagen: “Besuchen ja, aber nicht erzählen. Ich habe zu tun.” Der Mensch ist mir wichtig, da die psychische Gesundheit nicht minder wichtig als die körperliche ist. Nebenbei - wenn Töchterchen und Neffe zusammen kochen, könnte man fast denken: “Zieh dir Gummistiefel an, die Kinder sind in der Küche.” Aber beide sind körperlich voll gesund - ebenso geistig. Und mein Neffe hat auch ADHS, kann sich jedoch bei solchen Dingen voll konzentrieren. Allerdings kann man auch Leute wissentlich kaputtspielen, wenn man möchte, wie man an dem Beispiel des Artikels merkt. Sowohl Sohn als auch Vater. Ich hoffe, dass eine Revision zugelassen ist und Leon und Herr Liesigk wieder zusammen wohnen dürfen. Auch wenn weitere Narben bleiben werden - besser als jetzt. Dies gilt auch für die vielen anderen unbekannten Fälle. Einerseits sterben Kinder von “Elternhand” (ich mag diese Personen nicht wirklich als Eltern bezeichnen), weil das Jugendamt nicht eingreift. Und andererseits entstehen Tragödien, weil Familien auseinandergerissen werden …

Mario Bernkopf / 23.04.2019

Unsere Jugendämter sind wahrscheinlich zu beschäftigt, Pädophile zu decken. Da kommt dann ein normaler Vater halt unter die Räder, bzw. wird an ihm ein Exempel statuiert. Glücklich das Land, das solche Beamte hat!

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