"Islamic Fashion" wird neuerdings international laufstegfähig gemacht – scheinbar nur ein Angebot für die obligatorisch "bedeckte Muslimin", aber nun erstmals auch für die Nicht-Muslimin, die für den Glamour aufwändig geschneiderter Hijabs und Niqabs tief ins Portemonnaie zu greifen bereit ist, weil es eben "chique" und "modisch" ist, sich orientalisch zu kleiden.
Doch das ist nur die vordergründige Seite. In Wahrheit geht es um mehr, nämlich um die weitreichende Akzeptanz einer religiösen Vorschrift unter der Herrschaft des Vielfaltdogmas, gerade auch im säkularisierten, im jeder ausgestellten Religiosität reserviert gegenüberstehenden Westen. Hier haben wir uns einfach an die Allgegenwart des Kopftuchs im öffentlichen Leben zu gewöhnen – und wenn dies im Westen schon nicht gemäß verbindlicher Anweisung von Muftis und Mullahs für alle möglich ist, so schafft das sanfte Diktat der Mode schließlich doch die Hinnahme des Verhüllungsgebots. Kopftuchwochen bei Karstadt – warum nicht?
Die Rechnung könnte aufgehen. Ob sich unter einem verführerisch geschneiderten Hijab, unter einem Haut-Couture-Niqab eine einfach nur modebewusste, mit den Kultur-Accessoirs der Wüste spielende metrosexuelle Frau oder aber eine fromme, der Scharia verpflichtete Muslimin verbirgt, diese Frage soll, so das Kalkül, im Westen eigentlich nur noch Spaßbremsen beschäftigen. Oder, unsexy wie stets, die unvermeidlichen "Islamkritiker".
Die Modewelt jedenfalls macht begeistert mit bei der "Haupt-Couture". Die Unterwerfung ist in edle Stoffe gehüllt. Sie kommt stilvoll und leise – und gleitet verführerisch im Blitzlichtgewitter über die Laufstege von Rom, Paris und Berlin. Wagt da noch einer, Fragen zu stellen?
