Gunter Weißgerber / 20.07.2019 / 13:00 / 0 / Seite ausdrucken

„Kapitulation vor dem sabbernden Mob”

Sind nun manche ausländische deutschsprachige Medien wie die NZZ das neue „Westfernsehen“ für Deutschland? Mit einer solchen Bemerkung hatte der frühere Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen bekanntlich für viel Unmut in den deutschen Medien gesorgt. Und was schreibt man in der Schweiz so darüber?

„Viele Medien in Deutschland ver­suchen spätestens seit der Flüchtlingswelle 2015 das Credo "Wir schaffen das» am Leben zu erhalten. Sinnbildlich für die Stimmung in der deutschen Presse war eine Posse bei der Wochenzeitung "Die Zeit". Zum Thema der privaten Seenotrettung wagte es das Blatt, zwei Redaktorinnen ein Pro und Contra über Leute wie Kapitänin Rackete schreiben zu lassen.

Die Entrüstung in Deutschland war beispiellos. Tatsächlich wurde – für uns Schweizer unvorstellbar – von Politikern und Medienschaffenden das Argument ins Feld geführt, dass man überhaupt nicht über Seenotrettung diskutieren solle. Wenn Politik und Presse nicht einmal mehr über bestimmte Themen debattieren wollen, zeichnet das ein düsteres Bild einer demokratischen Gesellschaft. "Die Zeit" entschuldigte sich für die Titelsetzung, Bild und Aufmachung des Artikels. Eine Kapitulation vor dem sabbernden Mob.

Wenn der NZZ-Chefredaktor schreibt, dass der "hässliche Deutsche" keinen Stahlhelm mehr trage, sondern die Welt moralisch belehre, dann jubeln diejenigen, die von der tatsächlich moralingeschwängerten Berichterstattung aus den deutschen Medienhäuser die Schnauze voll haben. Die anderen schimpfen auf die Zeitung aus Zürich, werfen ihr und ihrem Chef fehlende Moral und Ethik vor, weil man die "bösen" Rechten mit solchen Aussagen nur noch mehr füttere, und bestätigen den Chefredaktor in seiner Aussage.“



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