Ulli Kulke / 16.02.2021 / 06:25 / Foto: Pixabay / 93 / Seite ausdrucken

Fukushima: Wie t-online die Fakten verstrahlt

Der zehnte Jahrestag der Tsunamikatastrophe von Fukushima steht unmittelbar bevor, und das heißt, aus Erfahrung: Wir müssen uns auf einiges gefasst machen, was da an erneuten Verdrehungen in der Öffentlichkeit auf uns zurollen könnte. Es wäre nicht das erste Mal, dass dabei aus vielen tausend Opfern ausschließlich von einer Naturkatastrophe kurzerhand Atom-Tote gemacht würden. Wie gerade wieder geschehen, bei den Nachrichten über ein gerade wieder aktuelles Erdbeben vom vergangenen Wochenende.

Was war damals geschehen: Am 11. März 2011 starben zwischen 18.000 und 19.000 Menschen in den Fluten vor der japanischen Küste, von der die Wassermassen durch ein extrem starkes Erdbeben zunächst viele Kilometer weit weggedrückt worden waren und anschließend mit umso größerer Wucht zurückkehrten und das Land großflächig und mehrere Meter hoch überspülten. Die Monsterwellen zerstörten dabei auch ein Atomkraftwerk, das für mehrere Jahre außer Betrieb gesetzt wurde. Die Opfer aber starben ausnahmslos durch die unvorstellbaren Naturgewalten.

Am Wochenende war es wieder so weit, ein erneutes Erdbeben erschütterte die Gegend, bis Montagabend waren drei Tote und über hundert Verletzte registriert, ein Tsunami fand nicht statt. Im Vergleich zu 2011 lief die Katastrophe vergleichsweise glimpflich ab. Der Nachrichtenkanal t-online – nach Reichweite immerhin der Marktführer unter den deutschen Nachrichten-Websites – nahm die Katastrophe zum Anlass, gleich zu Beginn seines Berichtes, bereits ab dem vierten Satz, das Augenmerk auf das Atomkraftwerk zu richten und schrieb am Sonntag:

„Eine Tsunamiwarnung wurde jedoch nicht ausgegeben. Der Betreiber des Atomkraftwerks in Fukushima überprüft jetzt den Zustand der Anlage, in der es 2011 zum GAU gekommen war. Regierungssprecher Katsunobu Kato sagte vor Journalisten, er habe Berichte vom Betreiber Tepco erhalten, denen zufolge die Anlage in Fukushima und das Atomtraftwerk Onagawa "keine Auffälligkeiten" zeigten. Nach einem Erdbeben und einem Tsunami war es am 11. März 2011 in drei der sechs Reaktoren zur Kernschmelze gekommen. Mehr als 18.000 Menschen starben. Es war das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.“

Wie, bitteschön, soll man diesen Absatz in der logischen Folge dieser Sätze anders interpretieren, als dass der Autor meint, der GAU sei verantwortlich gewesen für alle 18.000 Tote? Oder: Dass er zumindest will, dass der Leser dies meint. Und was die Worte ebenfalls suggerieren, und was ebenfalls nicht wahr ist, dass die Atomkatastrophe von Tschernobyl noch mehr als 18.000 Todesopfer gefordert hätte.

Mail an den Chefredakteur von t-online, Florian Harms

Die Toten sind bei t-online klug eingebettet, vorn und hinten, in die Atomkatastrophe. Klug auch, so könnte man weiterfolgern, dass keine direkte Kausalität geschaffen wurde, denn dadurch würde man sich bei den kundigen Menschen allzu klar angreifbar machen. Aber sollte hier eine ganz subtil bewusste Fehlleitung der Leser vorliegen?

Nun ja, was jedenfalls nicht gegen eine solche Absicht spricht: Ich habe am Montag um 12.38 Uhr, am zweiten Tag dieser Veröffentlichung eine Mail an t-online geschickt:

Sehr geehrte Redaktion, ein Hinweis. In Ihrem Beitrag über das aktuelle Erdbeben lautet Ihr Bezug zum Erdbeben, dem Tsunami und dem Atomunglück von Fukushima vor zehn Jahren so: (es folgt der Textausschnitt siehe oben, ulk) Dadurch, dass Sie die 18.000 Toten mitten in Ihre Nachricht über das Atomunglück platzieren, muss zwangsläufig der Eindruck entstehen, als seien die Toten Atomopfer. Tatsache ist, dass die 18.000 Todesfälle ausschließlich dem Tsunami und keinesfalls dem GAU geschuldet waren. So wie es jetzt dasteht, ist es grober Etikettenschwindel.

Mit freundlichen Grüßen,

Ulli Kulke

Darauf keine Reaktion, weder eine Antwort auf die Mail, noch hat sich in der Nachricht auf der Website von t-online etwas geändert. Deshalb um 16.07 eine weitere Nachricht, diesmal an den Chefredakteur von t-online, Florian Harms (vormals Spiegel-Online-Chef), über den Messenger-Dienst von Facebook:

Lieber Herr Harms, ich hatte vorhin schon mal die Redaktion von t-online angeschrieben (siehe hier unten), aber keine Antwort erhalten, der Beitrag von t-online ist auch nach wie vor unverändert so im Netz. Darf ich Sie auch darauf aufmerksam machen? Hier mein Schreiben von vorhin: (es folgt das Zitat meines Schreibens an t-online, ulk) Mit freundlichen Grüßen, Ulli Kulke".

Uminterpretationen der Fukushima-Katastrophe

Erneut keinerlei Reaktion. Man muss also nach all dem davon ausgehen, dass die Redaktion einschließlich Chefredakteur Florian Harms jenen Absatz genauso korrekt finden, wie er dort steht. Es handelt sich nicht um eine Nachlässigkeit oder um fehlendes Wissen. Perfekt suggeriert: Aus Opfern einer Naturkatastrophe wurden – wieder mal – Opfer eines Atomunfalls.

Ich muss gestehen: Jedes Mal, wenn ich am Sonntag mit halbem Ohr die Nachrichten im Radio hörte, war man bei den Sendern hier und da auch nicht allzu weit von dieser Fehlleitung entfernt, so klar indes wie bei t-online war es nach meiner Erinnerung nirgends formuliert. Und: Im Rundfunk versendet es sich, jedenfalls in den Nachrichten. T-Online dagegen wurde über den auf der Website unkorrigiert verharrenden Fehler von mir wiederholt hingewiesen – ohne die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Man reiht sich damit ein in die unseligen Uminterpretationen der Fukushima-Katastrophe, wie sie Claudia Roth vor acht Jahren bereits gestartet hatte, mit einer komplett verdrehten Wirklichkeit:

„Heute vor zwei Jahren ereignete sich die verheerende Atom-Katastrophe von Fukushima, die nach Tschernobyl ein weiteres Mal eine ganze Region und mit ihr die ganze Welt in den atomaren Abgrund blicken ließ. Insgesamt starben bei der Katastrophe in Japan 16.000 Menschen, mehr als 2700 gelten immer noch als vermisst. Hunderttausende Menschen leben heute fernab ihrer verstrahlten Heimat. Unsere Gedanken sind heute bei den Opfern und ihren Familien.

Die Katastrophe von Fukushima hat uns einmal mehr gezeigt, wie unkontrollierbar und tödlich die Hochrisikotechnologie Atom ist. Wir müssen deshalb alles daran setzen, den Atomausstieg in Deutschland, aber auch in Europa und weltweit so schnell wie möglich umzusetzen und die Energiewende voranzubringen, anstatt sie wie Schwarz-Gelb immer wieder zu hintertreiben. Fukushima mahnt.“

Claudia Roth als geradezu vorbildlich loben

Im Nachhinein allerdings müssen wir sogar Claudia Roth als geradezu vorbildlich loben. Sie, immerhin, hat sich damals nach einiger Zeit dafür wenigstens verhalten entschuldigt. Und sie hat ihre Tatsachenverdrehung gelöscht. Nein, genau genommen hat nicht sie selbst sich entschuldigt. Sondern ein gewisses „Team Roth“, denn das mit dem Fehler war sie ja nicht selbst, sondern irgendein Mitarbeiter. Hat sie gesagt. Und bei t-online? Wer war es da?

Vielleicht war es bei dem Nachrichtenportal ja auch nicht die Redaktion, sondern irgendein Bot. Genügend entsprechende Falschbehauptungen im Netz hätte der jedenfalls herausfiltern können, um sich daraus eine zwar völlig falsche, aber politisch sehr korrekte Meldung fabrizieren zu können.

Mal sehen. Montagabend, 20.30 Uhr (und auch heute, Dienstagmorgen, um 5:50 Uhr Anm. der Red.), war die Meldung bei t-online vom Sonntag jedenfalls noch unverändert zu lesen.

Nachtrag: Einige Stunden nach dem Erscheinen dieses Beitrags am Dienstag ist die Meldung bei t-online still und leise geändert worden, ohne den in solchen Fällen üblichen redaktionellen Hinweis auf eine erfolgte Änderung.

Foto: Pixabay

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Leserpost

netiquette:

Jörg Themlitz / 16.02.2021

@Frank Reichardt: Bitte nicht verwechseln. Die Telekom hat www.t-online.de vor vielen Jahren an die Stroer Gruppe verkauft/lizensiert. Mal einen Nachmittag Zeit nehmen und kugeln wer so alles da miteinander ideologisch verwandt ist. Hochspannend wie ein Krimi von Cora Stephan. Das heisst, Ihre ....@t-online.de der Telekom hat nichts mit www.t-online.de der Stroer Gruppe zu tun. Inwieweit sich die Telekom einen Bärendienst angetan hat, die Lizenz an ein ideologisch einseitiges Unternehmen zu verkaufen/vermieten, wird sich zeigen. Da immer noch viele Menschen so wie Sie glauben bzw. es den Leuten so suggeriert wird, das wäre ein Haufen. Wenn die Stroer Gruppe selbst die Sportseiten von www.t-online.de weiter so einseitig politisiert, sehe ich mir in Zukunft nicht mehr mal diese an.

Tobias Kramer / 16.02.2021

Und irgendwann wird T-Online vielleicht auch berichten, dass die unzähligen Mauertoten der DDR sich selbst an der Grenze erschossen haben. Herr Harms, die Frau Kahane wird Ihnen in diesem Fall sicherlich bei der Geschichtsklitterung helfen. Aber das Rezo-Ströer-Regierungsmedium liest doch eigentlich sowieso keiner.

Ilona Grimm / 16.02.2021

Wer die Ströer-Medien-Seite zum Einloggen für Telekom-Dienste benutzt, ist selber schuld. Man kann sich sehr gut über das Telekom-Login und ohne Indoktrinationsattacken anmelden und seine Mails abrufen oder versenden. Ströer-Medien ist stramm regierungskonform, und deshalb ist nicht zu erwarten, dass sich dort ein Chefredakteur oder sonstwer um Fakten schert.

Ilona Grimm / 16.02.2021

@Fritz Kolb: Bill Gates fordert Deutschland auf, Atomkraftwerke zu bauen, um das Klima zu retten? Echt wahr? Na, dann bin ich jetzt auch ganz doll für Bill Gates (außer beim Impfen). Und hoffe, dass Grohnde am 31.12.2021 nun doch nicht abgeschaltet wird. Einen Appell von Gates darf und kann die Bundesregierung ja auf gar keinen Fall missachten. Darf ich hoffen??

Klaus Keller / 16.02.2021

Zur Vervollständigung der Wahrnehmung: Zitat Wikipedia: Im November 2015 verkaufte die Deutsche Telekom die Website t-online.de und den Vermarkter Interactive Media an Ströer. 2017 baute t-online.de in Berlin eine neue Zentralredaktion unter der Leitung von Chefredakteur Florian Harms (ehemals Chefredakteur Spiegel Online) auf. PS Manchmal ist eine Wahrnehmung eher eine Nehmung als wahr. Problematisch wird es aber erst wenn man in seinen Irrtümern verharrt. PPS Die Firma Ströer SE (out of home Media) beschäftigt sich mit Werbung, die auch eher nichts mit Wirklichkeit sondern dem mehr oder weniger schönen Anschein zu tun hat.

Fred Burig / 16.02.2021

Sehr geehrter Herr Kulke, t-online hin oder her.  Deren “staatliche Aufgabe” ist hinlänglich bekannt und gipfelt nur wieder mal in solchem “Lügenpresse - Auswurf”.  Die eigentliche Schande ist allerdings, dass sich das unfähige und dummdreiste “Rot(h)-Grün Gedöns” in der Politik rumtreibt - und die Tatsache, dass diese Dumpfbacken von jemanden gewählt wurden. Erst damit können die ihren “Klima- Energiewende- und CO²- Schwachsinn so richtig verbreiten !!! MfG

Ulla Schneider / 16.02.2021

.. und Herr Gates positioniert sich jetzt öffentlich für Atomkraft ” .... ohne ging es nicht”. Sie könnten evtl.  noch Chancen haben, Herr Guhlke, falls T- online ( wer liest das?)  Gates Informationen liest. Ich will den Dual Fluid Reaktor, basta!

Andreas Rochow / 16.02.2021

Wer schützt uns vor dieser Lügenpest? Der preisgekrönte Gastronom und Betreiber der gemeinnützigen (Skandal!) GmbH Correctiv, David Schraven, steht nicht im Dienst der Wahrheit. Lieber zieht er mit dem T-Online-Nachrichtenmann Harms an einem linksgrünen Strang. Ihre kranke Demokratiesimulation kann nur in einer ideologischen Wüste aus Desinformation, Manipulation und Lüge gedeihen. NOCH wird das mit Steuermitteln gefördert von einer Politik, die offen dazu übergegangen ist, die Wahrheit zu bekämpfen. Das merkelsche Fukushima-Narrativ ist ein schöner Beweis dafür. Wir sollen alle mit ihren Großlügen leben.

Dietmar Richard Wagner / 16.02.2021

“Mehr als 18.000 Menschen starben.”: das im Artikel kritisierte fehlende “woran?” möchte ich leicht ironisch ergänzen um “wo?”. Das ist manipulierende Unschärfe. Weiter “Es war das schlimmste Atomunglück”: auf welche Werteskala bezieht sich “schlimmste”? Auch das ist manipulierende Unschärfe.

Harald Unger / 16.02.2021

Im deutschsprachigen Raum ist die Groteske namens ‘t-online’ die Mutter allen Fakens. Wer wissen will, wie es im After der Despotin denkt, lese Julius Strei-äh Florian Harms.

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