Julian Marius Plutz, Gastautor / 24.06.2020 / 14:00 / Foto: Pixabay / 13 / Seite ausdrucken

Für Wahnsinnstaten braucht es mehr als Wahnsinnsworte

Von Julian Marius Plutz.

Als echtes televisives Schmuckstück gilt der Auftritt von Frank Zappa bei Crossfire. Es ist ein Vergnügen zu sehen, wie stoisch der Musiker seine These, „just words“ in die Kamera raunt, während sich die Moralrichter die Zähne an dem widerspenstigen Zottel ausbeißen. Anklagepunkt: Politische Unkorrektheit in Wort und Ton. Zappa wagte es, Texte zu schreiben, die jenseits der evangelikalen Prüderie den geneigten Zuhörer amüsierten und es bis heute noch tun. How dare he!

Zappa bestreitet den von Tom Braden vorgetragenen Einwand, er würde die Macht von Worten klein reden. Worte hätten sehr wohl Konsequenzen auf die Handlungen des Alltags, was Zappa negierte. 

Im heutigen Sprachcode der political correctness heißt das, man „gieße Öl ins Feuer“, oder man sei „geistiger Brandstifter“, man „gäbe Wasser auf die Mühlen der Rechten“. Henryk Broder und Roland Tichy sind laut Claudia Roth Stichwortgeber für Hass der neuen Rechten, die man „benennen müsse“, was immer das heißen mag. Doch dazu später mehr. „Aus Worten folgen Taten“, sagt Renate Künast im gleichen Interview und zieht damit in wenigen Sätzen eine intellektuell höchst sportive Linie von erhaltenen Hasskommentaren zum Anschlag in Halle. 

Nichts mit „Words, just Words“. Aber, wie es so mit den hohen moralischen Standards: Die Fallhöhe wird größer, und manchmal trifft es auch die Jungs und Mädels vom eigenen Turnverein; die Tugendwächter, was die Angelegenheit freilich nicht besser macht. Einer taz Journalistin, deren Name klingt wie einer dieser unaussprechbaren Vulkane, misslingt auf ganzer Linie ein Kommentar, Sie werden ihn inzwischen kennen. Polizisten auf den Müllhaufen. Ok, nicht nett, gar nicht nett und vielleicht sogar justiziabel. Aber nach Zappa, bleiben wir fair, sind es Worte. Mir ist diese Kausalität zu simpel, dass das böse Wort zur bösen Tat wird. Zu Wahnsinnsverbrechen gehören viel mehr als Wahnsinnsworte.

Doch wie reagiert das kommentierende Milieu? Ein Beitrag in einem Tagesschaukommentar nennt den Artikel ebenfalls ein Stück „geistiger Brandstiftung“. Horst Seehofer sprach von der „Enthemmung der Worte“, das die Gewalt gegen die Polizei in Stuttgart begünstigte. Wirklich? Ist es so einfach? Frau Dings schreibt einen stilistisch gruseligen Beitrag. Ok. Eine Horde von Gewalttätern liest ihn und denkt sich: „Boah, heute Abend in Stuttgart hauen wir der Polizei die Fresse ein!“ Mit Verlaub, Herr Innenminister, aber des is doch a Schmarrn. Auch hier gilt: Für Wahnsinnstaten bedarf es mehr als Wahnsinnsworte.

Ist die Wahrheit einfach nicht gut genug?

Es hat sich über Jahre eine Debatte festdiskutiert, die sich nicht weiterbewegt. Todernste Journalisten schreiben mit zittriger Feder, dass aus diesem Internet der Hass in die Köpfe der Menschen kriecht, um Politiker zu erschießen, Polizisten angreifen oder sonstige sogenannte Hassverbrechen zu begehen. Das Umfeld des Täters, Kulturraum, Sozialisierung spielt anscheinend keine Rolle. Weshalb ist die eine Gruppe auffälliger als die andere? Weshalb scheint es zu sein, dass Polen oder Vietnamesen und Griechen seltener in Gewalttaten involviert sind als andere? 

Leider sind solche Frage höchst problematisch und statistisch nicht immer zu belegen, was daran liegt, dass viele Bundesländer solche Zahlen gar nicht führen. Allein die Erhebung sei schon rassistisch, sagen die Wächter der politischen Korrektheit. Doch Moment mal, eine Zahl ausgeschrieben ist doch ein Wort und somit entweder „nur ein Wort“, oder eben etwas, aus dem Taten folgen. Sollten wir dann genau die Wahrheiten verbieten, die zu negativen Konsequenzen führen könnte? Wie in Batmans „Dark Knight“ es am Ende heißt: „Manchmal ist die Wahrheit nicht gut genug“ – ist es das, was sie wollen? Was wäre das für eine sterile Wohlfühldiktatur, fern ab von Erwachsenensprache und eingesperrt im Korsett des neuen Puritanismus.

Ein Wort noch zu Claudia Roth. Ist es schon einmal vorgekommen, dass der Vizepräsident eines Verfassungsorgans das Volk oder die Polizei oder wen auch immer beauftragt, „die Stichwortgeber zu nennen“, die für „Hetze und Falschaussagen“ sorgen? Was für eine unglaubliche Vermessenheit, die gefährlich ist, denn bringt sie doch die viel zitierten Social Justice Warriors in Stellung. 

Frank Zappas größtes Verdienst ist jedoch etwas ganz anderes. Er hat dieses wunderbare Lied He‘s so gay geschrieben. Ein Titel, den ich gerne etwas lauter als nötig aufdrehe, wenn mein Partner mal wieder entsprechende Attitüden an den Tag legt, die mich an eben dieses Lied erinnern lassen. Sorry, Aleks. 

Ich glaube, wir sollten uns einmal mehr an Zappas Credo halten. Halten Sie den Satz in Ehren: "Für Wahnsinnstaten braucht es mehr als Wahnsinnsworte.“

Zuerst erschioenen auf Neomarius.

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Leserpost

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Markus Knust / 24.06.2020

Das ist nur “Schmarn” wenn man diesen Artikel in einem Vakuum betrachtet, ohne die dahinterstehende Ideologie. Hier läuft gerade ein großangelegter Angriff auf die Grundfesten dieses Staates. Man möchte Deutschland destabilisieren und wie jede Diktatur (in the making) baut man auf die üblichen Säulen : Indoktrination der Kleinsten, Weltrettungsphantasien, Veränderung der Sprache und Begriffe, Verengung des Diskurses zum vorgeblichen “Schutz”, Zensur und den Aufbau von Feindbildern. Der Artikel ist dieser Dame mag nur ein winziger Baustein sein, gehört dennoch zu einem großen Ganzen. Hat der Autor längere Zeit unter einem Stein verbracht oder sieht er nur noch Bäume, aber nicht mehr den Wald?

Max Wedell / 24.06.2020

Es geht doch nicht um “nur Worte”, sondern um die Kombination Worte und Gehirne. Das Problem mit der “Wortwirkung” ist, daß es eine außerordentliche Vielfalt von Gehirnen gibt. Gehirne sind dabei eine Kombination aus Weltanschauungen, Weltwissen und Denkgewohnheiten. Wenn Wörter bzw. Sätze auf Gehirne treffen, passiert daher nicht in jedem Fall und immer das Gleiche, sondern was passiert, hängt von Weltanschauungen, Weltwissen, Denkgewohnheiten und nicht zuletzt Tagesform und Hormonsituation des jeweiligen Gehirns ab. Daß Worte niemals Auswirkungen haben ist eine genauso absurde Vorstellung wie die, daß sie immer etwas Bestimmtes bewirken. Die völlige Freiheit des Wortes wäre kaum ein Problem, wenn die verarbeitenden Gehirne mündigen Bürgern gehörten. Wenn eine Hengameh Amstrikauf (Satire!) z.B. schreibt, daß Polizisten auf den Müll gehören, antwortet der mündige Bürger: “Jeder Rechtsstaat braucht ausführende, rechtdurchsetzende Organe, ohne die er nicht existieren kann. Legislative und Judikative alleine reichen nicht für einen funktionierenden Rechtsstaat. Die Hengameh möchte offensichtlich die Exekutive abschaffen und damit unseren Rechtsstaat demontieren. Ich will das nicht, da ich keine Alternative kenne. Auch die “Alternative” der Aktivisten von CHAZ/Seattle sieht so aus, daß Stunden nach Gründung der Enklave bewaffnete Milizen durch die Straßen patroullierten. Da ziehe ich unsere Polizei vor.” Zurück zur völligen Freiheit des Wortes… sie wird immer problematischer, je größer die Zahl unmündiger Bürger ist. Die lassen sich schon beeinflussen, wie Wiebke Ruschewski das beschrieb (z.B. “Steter Tropfen höhlt den Stein”). Die große Zukunftsfrage lautet also: Gelingt unseren Schulen (und den Eltern) heute und in Zukunft die Erziehung der Kinder zu mündigen Bürgern? Lautete die Antwort “Ja”, bräuchte man sich um “Wahnsinnsworte” nicht kümmern. Aber tut sie das? Zweifel sind angebracht.

Karl Schmidt / 24.06.2020

Sind denn Worte, gesprochen, geschrieben, keine Taten? In bestimmten Kontexten ist das doch mit Sicherheit so: Wenn z. B. ein Bundespräsident dazu aufruft, die Opposition auszugrenzen, sind das dann Worte oder wäre eine solche Aufforderung eine Tat? Ich glaube, Sie machen sich das ein wenig zu einfach. Ich denke, der Müllartikel in dem Machwerk auf gleichem Niveau bekommt doch seine Bedeutung nicht dadurch, dass er entstanden, sondern dadurch, dass er veröffentlicht (und dann nicht schnellstens beseitigt) wurde. Die fehlende Distanzierung ist übrigens ein Unterlassen, deren Bedeutung Sie übrigens gar nicht in Betracht ziehen - und sie hat auch Bedeutung wie eine Tat. Sie spiegelt auch Macht wieder: Was kann man unbeschadet sagen, wen kannman unbeschadet selbst schädigen? Nein, ich denke, die Frage ist deutlich komplizierter und es ist kein gutes Zeichen, dass die “Karriere” dieser Frau, die keine sein will, trotz der Gewaltphantasie nicht endet. Immerhin hat sie das ja nicht im privaten Rahmen gemacht und nicht im Affekt. Politische Hygiene ist kein Wort, sondern vor allem eine (fehlende) Handlung.

Thomas Thürer / 24.06.2020

Oh Nein! Die ganze politisch korrekte Camarilla liest doch hier mit, um der Claudia, Kevin und Co zu berichten, was hier schon wieder gehetzt wird. Und da wirft der Autor hier den einzigartigen, göttlichen Frank Zappa dieser Horde geistiger Rhinozerose vor die Hufe. Die werden vermutlich weder die Talk-Show noch den Song verstehen und Zappa aus seinem Grab zerren und als Homophob brandmarken. Bitte lasst mir die letzten Burgen geistiger Einkehr. Zerrt nicht den leichten Nebel des allgemeinen Vergessens von so grossartig Individualisten. Wenn ich mir vorstelle, dass sich Kevin Kühnert jetzt an Frank Zappa abarbeitet, muss ich sofort zur Toilette.

Christine Schneider / 24.06.2020

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! 2 Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden und nach dem Maß, mit dem ihr messt, werdet ihr gemessen werden. 3 Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? 4 Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! - und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken! 5 Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen! Matthäus 7:3

Dov Nesher / 24.06.2020

Gewaltandrohung, Gewaltaufforderung, Gewattaten, Menschen als Abfall oder Tiere zu bezeichnen. Alles kommen aus dem selben Geist. Über Ursachen zu philosophieren ist nicht sinnvoll. Der Übergang ist fließend und wer bewusst mit Grenzen spielt ist auch nicht besser. Aber Achtung: die Forderung geltendes Recht durchzusetzen (wie z.B. die Forderung von Frau von Storch notfalls bei der Grenzsicherung auch die Schusswaffe einzusetzen) gehören ausdrücklich nicht dazu. Auch die Ankündigung sein Selbstverteidigungsrecht auszuüben ist vollkommen legitim.

Franz Klar / 24.06.2020

Die krasse Ungleichheit der Bewertung von ” starken Meinungsäußerungen ” scheint dem Autor über Jahre völlig entgangen zu sein . Jetzt fordern 90 % des auflinken Mainstream grundgesetzlich verankerte Meinungsfreiheit ein , während der gleiche Prozentsatz konservative Meinungen als ” Hass ”  diffamiert und nicht als zulässige Meinungsäußerung akzeptiert . Nun ausgerechnet im Falle des sublimen ” Müllizei - Humors ” flachballspielen zu propagieren , wirkt befremdlich auf einer ” Plattform , deren Geschäftsmodell auf Hetze und Falschbehauptungen ”  beruhen soll ... .

Wiebke Ruschewski / 24.06.2020

Ich würde da zumindest in Teilen widersprechen. Natürlich zieht ein zuvor harmloser, friedlicher Mensch nicht geifernd, raubend und mordend durch die Gegend, weil er einen ensprechenden Film geguckt hat. Und ein “Bullenschwein” o. ä. reicht nicht aus, um jemandes Meinung von der Polizei umzukrempeln. Aber Leute, die diesbezüglich schon in gewisser Weise “gefährdet” sind, könnten aufgrund solcher Filme, Aussagen, Texte schon Morgenluft wittern. Es ist schon oft vorgekommen, dass aggressive oder psychisch labile Personen z.B. durch einen brutalen Film inspiriert wurden. Ein prominentes Beispiel wäre wohl “Taxidriver”, der tatsächlich jemanden zu einem Attentat verleitete. Ein gutes Beispiel finde ich auch die Kampfhunde-Hysterie im Jahr 2000. Monatelang wurde gegen bestimmte Hunderassen und deren Besitzer gehetzt. In der Folge wurden zahlreiche Hunde (auch Nicht-Kampfhunde) vergiftet, abgestochen, überfahren… die Besitzer bepöbelt. Einmaliges hetzen reicht nicht. Man muss es immer und immer wieder wiederholen, damit schlichtere Personen anfangen, es zu glauben. “Die Juden sind unser Unglück” waren auch just words! Das Claudia Roth-Zitat ist insofern falsch, dass Broder und Tychi nicht sagen “die Migranten sind unser Unglück”. Sie machen lediglich auf Probleme aufmerksam, die ja tatsächlich existieren. Es sind keine bloßen Beschimpfungen, sondern es ist ein Standpunkt den sie vertreten, der auf Tatsachen begründet ist. Die Hetztiraden gegen die Polizei sind deshalb so bedenklich, weil es mittlerweile (wie damals bei den Kampfhunden) unheimlich angesagt ist, gegen die Polizei zu sein. Und wenn, wie bereits erwähnt, diese Schmähungen oft genug wiederholt werden und vielleicht sogar unwidersprochen stehenbleiben, könnte sich der eine oder andere Polizistenhasser doch ermuntert fühlen, etwas zu machen. Und nebenbei: Bezeichnen Sie doch mal jemanden als dummes A****loch und erklären ihm dann…just words! Ein wenig muss man die eigene Wortwahl schon überdenken, finde ich.

Andreas Müller / 24.06.2020

Bemerkenswert ist doch, daß diejenigen, die sofort einen Zusammenhang zwischen der AFD und dem Lübcke-Mord herstellten, einen Zusammenhang von der Diffamierung der Polizei und den Stuttgarter Ereignissen schärftstens zurückweisen.

Sabine Schönfelder / 24.06.2020

Auf jeden Fall, - Zappa hin, Roth zurück (schlechter Tausch),  „Für Wahnsinnstaten braucht es mehr als Wahnsinnsworte“, werter Autor, zum Beispiel eine Wahnsinnskonsequenz der Judikative und Exekutive. Die müßte allerdings unabhängig und nicht ideologisch durchsetzt sein. Ein Thema für Ihren nächsten Beitrag, denn so langsam gewinne ich den Eindruck, Sie werden hier Dauergast. Mich würde bezüglich Ihrer Vita interessieren, warum ein astrein grün-links Sozialisierter began, sich von seinen geistigen Vorlagen abzukoppeln;  sogar ´janzˋ provokativ auf dem „rechten Claudia-Roth-Blog“ Artikel einstellt, sich ins feindliche Lager begibt, sich NICHT dem linken „Framing“ fügt. Darf ich Sie ganz persönlich fragen, ob Ihre Homosexualität damit zusammenhängt? Die muslimische Multi-Kulti-Vorstellung grenzt Schwule aus, mehr noch, der Muslim verachtet und bedroht Schwule. Das ist sehr bigott, denn, soweit ich informiert bin, sind homosexuelle Kontakte bis zur meist erzwungenen Ehe das einzige an Sex, was der Muslim kennt.  Hat diese ständig anwachsende Bedrohung ein ´Lochˋ in Ihre grüne Welt geschlagen oder ist Ihnen dieses Problem gänzlich unbekannt? Frage an Radio Plutz.

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